Kind wird volljährig: So überträgst du das Depot richtig — Steuer- & Strategie-Guide 2026
Mit 18 wechselt der Eigentümer des Juniordepots automatisch — und genau hier passieren die teuersten Fehler. Falsche Übertragung kann eine Schenkungsteuer auslösen, dem Kind die Familienversicherung kosten oder dazu führen, dass der Bafög-Anspruch entfällt. Dieser Guide zeigt, was vor und nach dem 18. Geburtstag passiert, wann eine Übertragung steuerfrei bleibt und welche 3 Fehler du vermeiden musst.
Pro Elternteil 400.000 € Schenkungsfreibetrag — alle 10 Jahre erneut. Vater + Mutter zusammen = 800.000 € steuerfrei pro Dekade. Ein Juniordepot mit 80.000 € landet weit darunter und ist normalerweise vollkommen steuerfrei. Doch das gilt nur, wenn das Depot von Anfang an formal richtig auf den Namen des Kindes lief — sonst ist die Übertragung eine separate Schenkung.
Was passiert automatisch am 18. Geburtstag?
Wenn das Depot von Beginn an auf den Namen des Kindes lautete (gesetzliche Vertretung durch die Eltern), passieren mit Volljährigkeit drei Dinge automatisch:
- Verfügungsrecht geht ans Kind. Eltern dürfen ohne Vollmacht keine Trades mehr ausführen, Auszahlungen anfordern oder Kontodaten ändern. Der Broker fordert in den meisten Fällen die Volljährigkeit-Bestätigung an (Personalausweis-Kopie).
- Steuerlicher Wechsel. Ab dem 18. Geburtstag wird das Kind eigenständig steuerpflichtig. Es bekommt einen eigenen Sparerpauschbetrag von 1.000 € — den die Eltern bisher als Vertreter genutzt haben.
- Familienversicherung-Risiko. Erträge aus dem Depot zählen ab Volljährigkeit als eigenes Einkommen des Kindes. Übersteigen Dividenden + Vorabpauschale + Realisierte Gewinne 535 €/Monat (Stand 2026), fliegt das Kind aus der Familienversicherung der GKV.
Drei Szenarien — was tun mit dem Depot?
- Vom ersten Tag auf Kind-Namen — Übergang ist eine Formalität, kein Steuerakt.
- Freistellungsauftrag erneuern auf 1.000 € Single (Kind ist nicht verheiratet).
- Anlagestrategie besprechen: 18-Jähriger hat 50+ Jahre Anlagehorizont — Welt-ETF macht Sinn.
- Depot lief auf Eltern-Namen — Übertragung ist Schenkung, Freibeträge prüfen.
- Cash-Übertrag > 5.000 € auf Kind-Konto kann Bafög-Anspruch killen — Vermögensgrenze 15.000 €.
- Kind volljährig + Erträge zu hoch → Wechsel in studentische KV-Versicherung (~120 €/Monat).
Beispiel: 60.000 € Depot zum 18. Geburtstag
Bei 60.000 € × 1,8 % liegen die Dividenden monatlich bei ~90 € — komfortabel unter der Familienversicherung-Grenze. Erst ab ~360.000 € Depot mit 1,8 % Yield wird die KV-Frage relevant.
Bafög-Falle: Wann das Depot dem Kind den Anspruch zerstört
Wer Bafög beantragt (Studium, FH, Berufsausbildung), hat eine Vermögensgrenze von 15.000 € (Stand 2026). Übersteigt das Depot diesen Wert, wird der Anteil über 15.000 € als monatliches Einkommen auf 12 Monate verteilt — Bafög fällt drastisch oder ganz weg.
Lösung für Eltern, die ein hohes Juniordepot aufgebaut haben und Bafög nicht gefährden wollen:
- Vor dem Bafög-Antrag Anteile in elterliches Depot zurückübertragen (Rückschenkung) — vorsicht, das gilt als Vermögensverschiebung und kann die Bafög-Stelle skeptisch machen.
- Nur bis 15.000 € Depot aufbauen wenn Bafög wahrscheinlich ist — Rest auf Eltern-Konto sparen und mit 25 (Bafög-Ende) übertragen.
- Keine Rolle: Der Sparerpauschbetrag und Familienversicherung bleiben unabhängig von Bafög.
Anlagestrategie für die nächsten 50 Jahre
Ein 18-Jähriger mit 60.000 € Depot hat — bei 7 % historischer Welt-Aktien-Rendite — am 65. Geburtstag rechnerisch 1,7 Millionen Euro. Dafür braucht es nur drei Regeln:
| Regel | Was | Warum |
|---|---|---|
| 1. Buy & Hold | Welt-ETF (FTSE All-World oder MSCI ACWI) | 50 Jahre genug Zeit für jede Krise |
| 2. Sparplan fortführen | 50–200 €/Monat aus Lehrlings-/Studentengeld | Konsistenz schlägt Timing |
| 3. Hände weg | Nicht für Auto, Reise, Krypto-Trade plündern | Junge Erwachsene unterschätzen Zinseszins |
Häufige Fragen
Muss ich die Depotübertragung dem Finanzamt melden?
Nein, wenn das Depot von Anfang an auf das Kind lief — es ist keine Schenkung. Wenn doch eine Schenkung stattfindet (Eltern-Depot → Kind-Depot) und der Wert die Freibeträge (400.000 €/Elternteil) übersteigt, muss sie binnen 3 Monaten beim zuständigen Schenkungsteuer-Finanzamt angezeigt werden.
Was passiert mit Verlustverrechnungstöpfen beim Übergang?
Wenn das Depot durchgehend auf das Kind lief: Töpfe bleiben erhalten. Wenn übertragen wird (Schenkung): Verlustverrechnungstöpfe gehen verloren — das Kind beginnt mit leeren Töpfen. Eltern können in Ausnahmefällen eine Verlustbescheinigung bis 15.12. anfordern und mit eigener Steuererklärung verrechnen.
Kann mein Kind das Depot mit 18 sofort plündern?
Ja, rechtlich kann es das. Das ist die größte Sorge der meisten Eltern. Lösung: Mit 16/17 ein Familien-Gespräch planen, Anlagestrategie und Lebensplanung gemeinsam besprechen. Wer ein Kind nie mit Geld konfrontiert hat, hat ein höheres Risiko für Fehlentscheidungen mit 18.
Was ist mit Sparplänen, die noch laufen?
Sparpläne können nach Volljährigkeit weiterlaufen, sofern das Kind sie selbst zustimmt. Falls Eltern weiter einzahlen wollen: jeder Eltern-Beitrag ist eine Schenkung und nutzt den 400.000 €-Freibetrag — bei kleinen Sparplan-Beträgen irrelevant, da nie ausgeschöpft.
Sollten die Eltern eine Vollmacht behalten?
Ja, oft sinnvoll — auch nach Volljährigkeit. Eine Konto- und Depot-Vollmacht schützt für den Fall, dass das Kind im Auslands-Semester unerreichbar ist oder krank wird. Kosten: oft kostenlos beim Broker, einfach Formular ausfüllen lassen.
Was kostet die Übertragung eines Depots zwischen Brokern?
Innerhalb Deutschlands ist die Depotübertragung gesetzlich kostenlos (§134 InvG). Manche Broker zahlen sogar Wechselbonus (50–250 €). Achtung: Bei Übertragung ins Ausland (z. B. Interactive Brokers) können 25–50 € Pauschalen anfallen.
Berechne, wie viel das Juniordepot bis zur Rente wird
Echte-Rendite-Rechner mit Inflation und Zinseszins-Effekt — sieh, was 60.000 € heute mit 18 in 47 Jahren wert sind.
- Zinseszins über 50 Jahre, real (nach Inflation)
- Sparplan-Wachstum mit/ohne Einmalanlage
- Bafög-Vermögensgrenze-Tracker
