Bill Ackman

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Bill Ackman

Pershing Square, die COVID-Wette und 20 Jahre Activist-Value-Investing — Leben, Philosophie und Lehren eines der lautesten Investoren der Wall Street

⏱️ Lesezeit: ca. 14 Minuten 📄 ~2.500 Wörter 🗓️ 03.05.2026

EinleitungDer lauteste Aktivist der Wall Street

Im März 2020, als die COVID-Pandemie globale Märkte ins Trudeln brachte, verdiente ein einziger Mann mit einer einzigen Wette rund 2,6 Milliarden US-Dollar — ein Multiplikator von etwa 100 auf den Einsatz. Sein Name: Bill Ackman, Gründer und CEO von Pershing Square Capital Management. Ackman hatte für 27 Millionen Dollar Credit-Default-Swaps auf Investment-Grade-Anleihen gekauft, weil er die Pandemie-Gefahr früher und konsequenter eingeschätzt hatte als die meisten Marktteilnehmer. Die Wette wurde später als „die größte Trade-Asymmetrie der modernen Hedgefonds-Geschichte“ bezeichnet.

William Albert Ackman (geboren 1966 in Chappaqua, New York) ist eine der polarisierendsten Figuren der Wall Street: hochkonzentrierter Value-Investor, lautstarker Aktivist, Ex-Hedgefonds-Manager mit Beinahe-Pleite, Comeback-Star der 2020er Jahre. Er hat Milliarden mit aktivistischen Wetten gemacht — und Milliarden mit anderen verloren. Seine Performance über zwei Jahrzehnte ist beeindruckend (~17 % netto p. a. seit 2004), aber sie ist erkauft mit Drawdowns, die jeden normalen Anleger ruinieren würden.

Diese Analyse zeichnet Ackmans Weg vom Harvard-MBA-Studenten zum 18-Milliarden-Dollar-Hedgefonds-CEO nach, erklärt seinen aktivistischen Ansatz, sortiert die berühmtesten Trades — von MBIA über Herbalife und Valeant bis Universal Music Group und der COVID-Wette — und destilliert daraus konkrete Lehren für deutschsprachige Privatanleger.

Kapitel 1Vom Harvard-Studenten zum Aktivisten

Bill Ackman wuchs als Sohn eines Immobilien-Finanziers in Chappaqua, einem wohlhabenden New Yorker Vorort, auf. 1988 schloss er sein Studium an der Harvard University ab (Geschichte, Magna cum Laude), 1992 die Harvard Business School. Schon im MBA-Programm gründete er gemeinsam mit seinem Kommilitonen David Berkowitz seinen ersten Investmentfonds, Gotham Partners. Anfangskapital: 250.000 US-Dollar von Ackmans Vater. Die Strategie: konzentriertes Value-Investing mit aktivistischen Elementen.

Gotham Partners performte zunächst gut — bis Ackman in den späten 1990er Jahren in eine Reihe illiquider Beteiligungen geriet (Gotham Golf, Hallwood Realty), die in der Dotcom-Blase massive Verluste produzierten. 2003 musste der Fonds geschlossen werden. Es war Ackmans erste große Lehre: Konzentration ohne Liquidität ist tödlich. Trotzdem überzeugte er nur ein Jahr später, 2004, neue Investoren — und gründete Pershing Square Capital Management, benannt nach dem Pershing Square Park gegenüber dem Grand Central Terminal in New York. Startkapital: 54 Millionen US-Dollar.

Ackmans Selbstverständnis ab 2004: nicht passiver Value-Investor, sondern Activist. Wenn er eine unterbewertete Aktie identifizierte, übernahm er nicht nur eine Position, sondern drängte auch das Management öffentlich — mit Briefen, Investor-Präsentationen, Vorstands-Slates und manchmal jahrelangen Schlachten — zu strukturellen Veränderungen: Spaltung, Verkauf von Sparten, Kapitalrückführung, Manage­ment-Wechsel. Diese Bühne wurde sein Markenzeichen.

Kapitel 2Pershing Square Capital Management

Pershing Square ist heute, Anfang 2026, einer der größten Activist-Hedgefonds der Welt. Verwaltetes Vermögen: rund 18 Milliarden US-Dollar (Pershing Square Holdings + offene Fonds + Pershing Square USA, der börsen­notierte Closed-End-Fund). Strategisch unterscheidet sich Pershing Square von typischen Hedgefonds in drei Punkten:

  • Konzentration: Typischerweise 8–12 Positionen, die zusammen 95+ % des Portfolios ausmachen. Anders als bei den meisten Hedgefonds gibt es keine Hundert-Aktien-Diversifikation.
  • Buy-and-Hold mit Hebel: Ackman versteht sich nicht als Trader, sondern als langfristiger Eigentümer. Die durchschnittliche Haltedauer einer Position liegt bei 4–7 Jahren. Aber er nutzt Total-Return-Swaps, Optionen und Hebel-Strukturen, um die Rendite zu skalieren.
  • Public Activism: Detaillierte Investor-Präsentationen (oft 50–150 Slides), öffentliche CNBC-Auftritte, Twitter/X-Kampagnen, manchmal Proxy-Fights gegen Vorstand und Aufsichtsrat.

Performance: Seit 2004 hat Pershing Square Holdings (das börsen­notierte Vehikel) eine durchschnittliche Netto-Rendite von ungefähr 17 % p. a. erzielt — gegenüber rund 11 % für den S&P 500 inkl. Dividenden im selben Zeitraum. Das klingt herausragend — aber die Volatilität ist erheblich. Zwischen 2015 und 2017 verlor Pershing Square durch die Valeant- und Herbalife-Trades fast 50 % des Vermögens. Drei volle Jahre Underperformance gegen den Index — die meisten LPs hätten das nicht ausgehalten. Wer durchhielt, wurde ab 2018 belohnt.

Kapitel 3Bekannteste Trades und Strategie

Ackmans Track Record ist ein Lehrstück über Asymmetrie — sowohl positiv als auch negativ. Die wichtigsten Trades im Überblick:

MBIA (2002–2008): Ackmans erste große öffentliche Wette. Er argumentierte jahrelang öffentlich, dass die Anleihe-Versicherer MBIA und Ambac strukturell unterkapitalisiert seien und in einer Hypotheken-Krise scheitern würden. Die SEC ermittelte gegen Ackman wegen Marktmanipulation — die Untersuchung verlief im Sande. 2008 brach MBIA tatsächlich ein, Ackman verdiente rund 1,1 Milliarden US-Dollar. Lehre: Strukturelle Konstrukte mit zu wenig Eigenkapital sind lohnende Short-Ziele in Krisen.

Wendy’s, McDonald’s, Target (2005–2008): Frühe Activist-Wetten mit gemischtem Erfolg. Bei McDonald’s erzwang er die Ausgliederung von Chipotle (Pershing-Mitnahme). Bei Target scheiterte sein Vorschlag, das Immobilien-Geschäft auszugliedern, klar im Proxy-Vote. Lehre: Aktivismus funktioniert nur, wenn die Eigentümer-Mehrheit überzeugt wird.

Herbalife (2012–2018): Ackmans bittere Niederlage. Er kündigte 2012 öffentlich an, dass Herbalife ein „Pyramidensystem“ sei und die Aktie auf null fallen werde — und ging mit über einer Milliarde US-Dollar short. Carl Icahn ging gleichzeitig long und drängte Ackman in einer berühmten Live-CNBC-Konfrontation in die Defensive. Die FTC verhängte zwar 200 Mio. USD Strafe gegen Herbalife wegen irreführender Werbung, schloss aber die Pyramiden-Klassifikation aus. Ackman musste 2018 die Position mit rund 1 Milliarde US-Dollar Verlust schließen. Lehre: Auch eine substanziell richtige These kann an Markt-Psychologie und Liquiditäts-Druck zerschellen.

Valeant Pharmaceuticals (2015–2017): Ackmans größter Verlust. Er investierte rund 4 Milliarden US-Dollar in den Pharma-Konzern Valeant — der sich 2015 als hochaggressives Acquisition-Modell mit fragwürdigen Preiserhöhungen herausstellte. Die Aktie fiel von 263 USD (August 2015) auf unter 12 USD (April 2017). Pershing Square verlor rund 4 Milliarden Dollar — fast 25 % der Fondswerte zu diesem Zeitpunkt. Lehre: Konzentration ohne ausreichende Due Diligence in den Geschäfts­ethik-Aspekten kann den ganzen Fonds in die Knie zwingen.

COVID-Hedge (Februar–März 2020): Ackmans Comeback-Trade. Im Februar 2020 kaufte er für 27 Mio. USD Credit-Default-Swaps auf Investment-Grade-Anleihen-Indizes (CDX IG). Als die Spreads in der Pandemie explodierten, schlossen die Positionen mit rund 2,6 Milliarden US-Dollar Gewinn. Multiplikator: ~96×. Ackman investierte den Großteil des Gewinns sofort in qualitativ hochwertige Aktien (Hilton, Berkshire, Lowe’s, Restaurant Brands), die nach dem Crash extrem günstig waren. Lehre: Wenige, sehr asymmetrische Hedges können einen ganzen Fonds-Track-Record retten — wenn man bereit ist, dafür konstanten Kosten zu zahlen.

Universal Music Group (2021): Ackman hatte ursprünglich geplant, UMG über seinen SPAC „Pershing Square Tontine Holdings“ (PSTH, größter SPAC der Geschichte mit 4 Mrd. USD) aufzunehmen. Die SEC blockierte die Struktur, Ackman wickelte den SPAC ab — kaufte aber UMG-Anteile direkt für Pershing Square. UMG performte in den folgenden Jahren stark.

Aktuelle Top-Positionen (Stand 2025/26, je nach 13F): Restaurant Brands International (Tim Hortons, Burger King), Chipotle Mexican Grill, Hilton Worldwide, Lowe’s, Howard Hughes Holdings, Universal Music Group, Alphabet, Brookfield Corporation, Nike, Uber.

Kapitel 4Investitions-Philosophie — Concentrated Activist Value

Ackmans Stil lässt sich in fünf Pfeilern zusammenfassen, die er in zahlreichen Investor-Letters und Vorlesungen (besonders bei Harvard Business School und Columbia) destilliert hat:

  • Qualität vor Preis: Ackman sucht Geschäfte mit hoher Predictability, hohen Margen, geringem Kapitalbedarf, Pricing Power, dauerhaften Wettbewerbsvorteilen. Pershing Square holdet typischerweise „capital-light, cash-flow-rich“-Unternehmen — nahe an dem, was Buffett „Wonderful Companies“ nennt.
  • Konzentration auf 8–12 Positionen: Ackman ist überzeugt, dass es weltweit nicht mehr als zwei Dutzend wirklich erstklassige Geschäfte gibt. Mehr Positionen verwässern die Performance, weniger sind nicht ausreichend diversifiziert.
  • Aktive Beeinflussung: Wenn das Geschäft gut ist, aber das Management mittelmäßig oder die Kapital-Allokation suboptimal, drängt Ackman aktiv auf Änderungen — Kapitalrückführung, Fokussierung, Spin-Offs, Verkauf von Sparten.
  • Asymmetrische Hedges: Ackman akzeptiert kontinuierliche, kleine Hedge-Kosten, um sich gegen Tail-Risiken (Pandemien, Inflations-Shocks, Zinsschocks) abzusichern. Die COVID-Wette war kein Glück — sie war strukturell vorbereitet.
  • Ehrlichkeit gegenüber den eigenen Fehlern: Ackmans Investor-Letters thematisieren Verluste (Valeant, Herbalife, Target) ausführlich. Diese Transparenz ist ungewöhnlich in der Hedgefonds-Industrie.

Ackman ist erklärter Buffett-Verehrer und hat Berkshire Hathaway-Aktien mehrfach im Portfolio gehalten. Der Hauptunterschied zu Buffett: Ackman ist deutlich aktiver, hebelt mehr und ist medial laut, wo Buffett still ist.

Kapitel 5Aktuelle Portfolio-Highlights

Pershing Square veröffentlicht quartalsweise ein 13F-Filing bei der SEC. Die größten US-Long-Positionen Ende 2025/Anfang 2026 (in absteigender Reihenfolge nach Marktwert):

  • Brookfield Corporation — alternative Asset-Management-Plattform mit über 900 Mrd. USD AuM, Pershing-Square-These: Markt unterschätzt die Sum-of-the-Parts.
  • Chipotle Mexican Grill — langjährige Position seit 2016, Ackman war Architekt der CEO-Ablösung 2018 (Ernennung von Brian Niccol).
  • Restaurant Brands International — Tim Hortons, Burger King, Popeyes, Firehouse Subs; Ackman drängte 2014 auf die ursprüngliche Fusion und ist seitdem Großaktionär.
  • Hilton Worldwide — kapital­leichtes Hotel-Asset-Management-Modell, profitiert von Reise-Boom nach 2021.
  • Howard Hughes Holdings — Master-Planned-Community-Entwickler, Ackman ist Chairman und größter Aktionär.
  • Universal Music Group — größtes Musik-Label der Welt, Pershing-These: Streaming-Royalties wachsen strukturell zweistellig pro Jahr.
  • Alphabet — eine der wenigen Big-Tech-Wetten von Ackman; These: KI-Investitionen werden über 5–10 Jahre den Bewertungs­rabatt schließen.
  • Nike — neue Position 2024, Comeback-These nach Margen­schwäche.

Wer Ackmans Portfolio in Echtzeit verfolgen möchte, kann unseren Smart-Money-Tracker nutzen — dort werden alle 13F-Filings der bekanntesten Hedgefonds, einschließlich Pershing Square, automatisch aufbereitet.

Kapitel 6Was Privatanleger NICHT von Ackman kopieren können

Wie bei jeder Hedgefonds-Legende gilt: Vieles, was Ackmans Erfolg ausmacht, ist für Privatanleger nicht reproduzierbar.

  • Aktivistischer Hebel: Wenn Ackman einen Brief an den Vorstand schreibt, beobachten Hunderte institutionelle Investoren mit. Du kannst keine 5-%-Position in einem Mid-Cap aufbauen und realistisch eine Strategie-Änderung durchsetzen.
  • Zugang zu Spezialinstrumenten: Die COVID-CDS-Wette wäre für einen Privatanleger weder zu kaufen noch zu pricen gewesen. Privatanleger haben keinen Zugang zu Investment-Grade-Credit-Default-Swap-Indizes.
  • Geduld auf Hedgefonds-Skala: Ackman hält Positionen 4–7 Jahre — und seine Investoren akzeptieren das, weil sie gesperrtes Kapital haben. Privatanleger werden bei einem 30 %-Drawdown nervös, lesen Foren, verkaufen.
  • Operations-Tiefe: Pershing Square hat ~30 Investment-Profis, die monatelang an einer Position arbeiten, bevor sie aufgebaut wird. Du hast einen Newsletter und eine Trade-Republic-App.

Kapitel 7Lessons für Privatanleger

Drei konkrete, anwendbare Lehren aus Ackmans Werk:

1. Konzentration ist erlaubt — wenn die Qualität wirklich da ist. Ackmans Stil zeigt: Ein konzentriertes Portfolio aus 8–15 erstklassigen, langfristig haltbaren Geschäften kann jahrzehntelang den Index schlagen — wenn die Auswahl mit Disziplin erfolgt. Privatanleger-Übersetzung: Ein Kern-ETF (60–70 %) plus 5–8 Einzeltitel mit hoher Konviktion (jeweils max. 5 %) ist eine valide Alternative zur 30-Aktien-Diversifikation. Wichtig: Erstklassige Qualität, keine Speculations.

2. Asymmetrische Hedges lohnen sich — als Versicherung, nicht als Trade. Ackmans COVID-Hedge war kein Genie­streich, sondern Teil einer kontinuierlichen Hedge-Praxis: Pershing Square hatte in den Jahren davor wiederholt günstige Tail-Hedges gekauft, die meist verfielen. 2020 traf einer voll. Privatanleger-Übersetzung: Eine kleine Allokation (1–3 % des Liquid-Vermögens) in Gold, Cash-Reserve oder defensive Strukturen ist keine Renditebremse — es ist die Versicherung, die in den 1-aus-10-Jahren-Krisen den Unterschied macht.

3. Sei radikal ehrlich gegenüber eigenen Fehlern. Ackmans Investor-Letters nach den Valeant- und Herbalife-Verlusten gehören zu den lehrreichsten Texten der Hedgefonds-Literatur. Er erklärt im Detail, was er falsch gemacht hat — und was er strukturell ändert. Privatanleger-Übersetzung: Führe ein Investment-Tagebuch. Schreibe vor jeder größeren Position auf, warum du sie kaufst. Und schreibe bei jedem Verkauf — Gewinn oder Verlust — auf, was du gelernt hast. Diese Praxis allein verbessert die Performance über 10 Jahre messbar.

Wer diese drei Ackman-Prinzipien — disziplinierte Konzentration auf Qualität, asymmetrische Hedges, ehrliche Selbst-Reflexion — über die nächsten 20 Jahre konsequent umsetzt, wird sehr wahrscheinlich besser performen als der Durchschnitt. Nicht weil er Ackman ist, sondern weil er von ihm das Wesentliche extrahiert hat.

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