Kinderdepot eröffnen 2026 — Anbieter-Vergleich & Anleitung

KINDERDEPOT · VERGLEICH 2026

Kinderdepot eröffnen 2026 — Anbieter-Vergleich & Anleitung

Ein Depot auf den Namen des Kindes ist der größte legale Steuerhebel, den deutsche Familien haben. Kinder haben eigene Freibeträge — 12.072 € pro Jahr steuerfrei bei Kapitalerträgen — und einen Anlagehorizont von 18+ Jahren. Wer monatlich 50 € investiert, hat zum 18. Geburtstag rund 22.000 €, bei 100 € sind es 44.000 €. Diese Anleitung vergleicht die 6 wichtigsten Anbieter, erklärt die Steuer-Mechanik und zeigt die typischen Fallstricke.

Was ist ein Kinderdepot überhaupt?

Ein Kinderdepot (auch „Junior-Depot” oder „Minderjährigen-Depot”) ist ein Wertpapierdepot, das auf den Namen des Kindes läuft. Die Eltern sind treuhänderische Verwalter, aber das Vermögen gehört rechtlich dem Kind. Mit Volljährigkeit übernimmt es die volle Verfügungsgewalt.

  • Eigentum: Das Geld gehört dem Kind ab dem ersten Tag. Eltern können nicht „mal eben” entnehmen.
  • Verwaltung: Beide sorgeberechtigten Elternteile müssen Käufe und Verkäufe gemeinsam autorisieren (außer ein Elternteil hat alleiniges Sorgerecht).
  • Verwendung: Bis zur Volljährigkeit nur „im wohlverstandenen Interesse des Kindes” — Schule, Studium, Erstausstattung Wohnung. Keine Familienurlaube, kein Auto für die Eltern.
  • Übergang: Mit 18 Jahren erhält das Kind die volle Verfügungsgewalt. Diskussion mit dem Kind ist dann notwendig.

Der Steuer-Hebel — warum sich das wirklich lohnt

Ein Kind hat in Deutschland seinen eigenen Steuerfall. Das bedeutet konkret folgende Freibeträge pro Jahr (Stand 2026):

Sparer-Pauschbetrag1.000 €
Grundfreibetrag (steuerfreies Einkommen)12.096 €
Sonderausgaben-Pauschbetrag36 €
Maximal steuerfreie Kapitalerträge / Jahr≈ 13.132 €

Bei 4 % Dividendenrendite entspricht das einem Depotwert von rund 328.000 €, dessen Erträge komplett steuerfrei wären. Realistisch wird so ein Volumen kaum erreicht, aber für 50–500 € Sparpläne ist die Steuerfreiheit fast immer gegeben.

Achtung Familienversicherung: Ab Kapitalerträgen über 535 € pro Monat (6.450 € pro Jahr, Stand 2026) verliert das Kind den Anspruch auf gesetzliche Familienversicherung über die Eltern. Wer das vermeiden will, sollte das Depot unter dieser Schwelle halten oder rechtzeitig in eine eigene Versicherung wechseln.
DAS KINDERDEPOT-RECHENBEISPIEL
Endkapital mit 18 Sparrate × [ ((1+0,07)^18 − 1) / 0,07 ]

Bei 7 % nominaler Erwartungsrendite (MSCI World 1990–2024) und 18 Jahren Laufzeit wird aus 50 € Sparrate rund ≈ 22.700 €, aus 100 € rund ≈ 45.400 €.

Konkrete Beträge — was wird bei welcher Sparrate draus?

Sparrate / MonatEingezahlt (18 Jahre)Endkapital bei 5 %Endkapital bei 7 %
25 €5.400 €≈ 8.700 €≈ 11.300 €
50 €10.800 €≈ 17.400 €≈ 22.700 €
100 €21.600 €≈ 34.800 €≈ 45.400 €
150 € (=Kindergeld 2026)32.400 €≈ 52.300 €≈ 68.000 €
250 €54.000 €≈ 87.100 €≈ 113.500 €

Das volle Kindergeld als Sparplan auf einen Welt-ETF zu lenken ist die effizienteste Variante — der Staat überweist das Geld ohnehin, und in 18 Jahren steht ein sechsstelliger Betrag fürs Studium, die erste Wohnung oder die Anzahlung auf etwas Eigenes.

Anbieter-Vergleich 2026

AnbieterSparplan abDepotgebührSparplan-KostenBesonderheit
Trade Republic1 €0 €0 € (alle ETFs)Reine App-Bedienung; Identifikation per Post-Ident
Scalable Capital1 €0 € (Free)0 € (Prime ETFs)Web + App; iShares-Sparpläne kostenfrei
Comdirect (Junior-Depot)25 €0 € (3 Jahre, dann 1,95 €/Mt.)0 € (über 130 ETFs)Klassische Bank, gute Eltern-Übersicht; Filiale möglich
Consorsbank (Junior-Depot)10 €0 €0 € (rotierende Aktion)Über 600 ETFs sparplanfähig; gute Web-Oberfläche
ING (Direkt-Depot Junior)1 €0 €0 € (alle ETFs ab 1 €)Vollbank, sauberer Steuerprozess
DKB (Broker u18)50 €0 €0 € (rund 200 ETFs)Vollbank; wenige sparplanfähige ETFs

Für die meisten Familien sind Trade Republic, Scalable und ING die effizientesten Optionen. Comdirect ist für Eltern, die bereits dort kontoführend sind und eine klassische Web-Oberfläche bevorzugen. DKB nur, wenn das Kind später dort sein Hauptkonto haben soll.

Kinderdepot eröffnen — die 5 Pflicht-Schritte

  1. Geburtsurkunde + Steuer-IDs sammeln. Du brauchst die Steuer-ID des Kindes (kommt automatisch nach Geburt per Post). Beim Antrag müssen alle Sorgeberechtigten ihre eigene Steuer-ID angeben.
  2. Antrag auf Junior-Depot stellen. Beide Elternteile müssen unterschreiben (auch wenn nur einer das Konto im Alltag verwaltet). Bei Trennung: nur der/die Sorgeberechtigte.
  3. Identifikation per Post-Ident oder Video-Ident — beider Elternteile und des Kindes (per Geburtsurkunde, das Kind selbst muss bei Säuglingen nicht erscheinen).
  4. Freistellungsauftrag eintragen. Das Kind hat seinen eigenen Sparer-Pauschbetrag von 1.000 €. Den FSA in voller Höhe beim Junior-Depot einreichen — sonst zieht der Broker Abgeltungsteuer ab, die das Kind nicht schuldet.
  5. NV-Bescheinigung vom Finanzamt beantragen, falls die Erträge über 1.000 € pro Jahr gehen. Mit der Nichtveranlagungsbescheinigung bleiben Erträge bis ca. 13.000 € pro Jahr komplett steuerfrei.

Welche ETFs eignen sich für ein Kinderdepot?

Bei einem Anlagehorizont von 18 Jahren ist Aktienquote von 90–100 % mathematisch fast immer richtig. Die typischen Empfehlungen:

  • FTSE All-World (Vanguard, IE00BK5BQT80) — rund 4.300 Aktien weltweit inkl. Schwellenländer, TER 0,22 %
  • MSCI World (iShares Core, IE00B4L5Y983) — rund 1.500 Aktien aus Industrieländern, TER 0,20 %
  • MSCI ACWI (SPDR, IE00B6R52259) — Welt + Schwellenländer in einem ETF, TER 0,40 %
  • Kombination World + EM (70/30 Klassiker) — etwas mehr Schwellenländer-Anteil als All-World, TER ~0,18 %

Thesaurierende Variante wählen — sie reinvestiert Dividenden automatisch und produziert weniger Steuer-Buchungen pro Jahr.

Häufige Fehler beim Kinderdepot

SO MACHST DU ES RICHTIG
  • Freistellungsauftrag in voller Höhe gleich beim Antrag
  • Sparplan automatisieren — Daueraufträge, kein Wenn und Aber
  • Kindergeld als Quelle nutzen — Geld ist eh im Haushalt
  • Großeltern als Geschenke-Konto — Geburtstagsgelder direkt in den Sparplan
  • Mit dem Kind ab 14 reden — finanzielle Bildung als Mitgift
DAS RUINIERT ES
  • Geld vom Kinderdepot „leihen” — rechtlich Untreue, Eltern haften
  • Familienversicherungs-Schwelle (535 €/Mt.) ignorieren
  • Hohe Sparpläne in volatile Einzelaktien — Tesla mit 18 in der Krise
  • Schenkung über 400.000 € (Freibetrag pro Elternteil/10 Jahre) übersehen
  • Mit 18 das Geld dem Kind „wegnehmen” — rechtlich nicht möglich

Häufige Fragen

Wem gehört das Geld im Kinderdepot wirklich?

Dem Kind — ab dem ersten Tag. Eltern sind treuhänderische Verwalter, dürfen das Vermögen aber nur im Interesse des Kindes verwenden. Mit Volljährigkeit erhält das Kind die volle Verfügungsgewalt. Wer das Geld später wieder „zurückverlangen” will, hat keine Rechtsgrundlage. Genau deshalb wird ein Kinderdepot oft als Schenkung klassifiziert.

Was ist mit der Schenkungsteuer?

Eltern können jedem Kind alle 10 Jahre 400.000 € schenkungsteuerfrei übertragen — das gilt pro Elternteil, also insgesamt 800.000 € pro Kind alle 10 Jahre. Großeltern: 200.000 € pro Großelternteil pro 10 Jahre. Sparpläne von 50–250 € pro Monat liegen weit unter diesen Grenzen — Schenkungsteuer ist also praktisch nie ein Problem.

Kann ich das Geld später für Schule/Studium/Auto wieder rausholen?

Ja, aber nur „im Interesse des Kindes”. Schulgebühren, Studium, Auslandsjahr, Erstausstattung der eigenen Wohnung sind klassische Beispiele. Familienurlaub oder ein neuer Fernseher fürs Wohnzimmer der Eltern wären Untreue. Ab Volljährigkeit hat das Kind ohnehin die alleinige Verfügung.

Was passiert, wenn ich BAföG für mein Kind beantrage?

BAföG ist seit 2026 vermögensabhängig: Bis 15.000 € Vermögen des Auszubildenden kein Anrechnung, darüber hinaus volle Anrechnung. Das heißt: Ein Kinderdepot über 15.000 € reduziert oder eliminiert den BAföG-Anspruch. Für Familien mit absehbarem BAföG-Anspruch kann es sinnvoll sein, einen Teil im Eltern-Depot statt im Kinderdepot zu halten.

Kann ein Kinderdepot Schulden machen oder mein Kind belasten?

Nein. Bei Wertpapierdepots (kein Margin, keine CFDs) kann das Depot nur gegen 0 € gehen, nicht ins Negative. Reine ETF-Sparpläne sind risikofrei in dem Sinne, dass das Kind nie Schulden bekommen kann. Wichtig: keinen Margin-Account oder Derivate-Handel auf dem Junior-Depot freischalten.

Müssen beide Elternteile dem Antrag zustimmen?

Ja, bei gemeinsamem Sorgerecht. Das Familienrecht (§ 1626a–1629 BGB) verlangt für „nicht alltägliche Verfügungen” — und ein Wertpapierdepot zählt dazu — die Zustimmung beider Sorgeberechtigten. Bei Trennung mit alleinigem Sorgerecht reicht ein Elternteil. Bei strittigen Sorgerechtsfällen verweigert die Bank das Depot, bis ein Familiengericht die Befugnis klärt.

Was ist mit Aktien-ETFs für Säuglinge — beginnt das schon zu früh?

Im Gegenteil — je früher, desto besser. Ein Sparplan ab Geburt mit 18 Jahren Laufzeit produziert mathematisch die maximale Wirkung des Zinseszins. Ein Plan, der erst mit 10 startet, hat nur noch 8 Jahre — das halbiert das Endergebnis. Wer sich unsicher ist, ob er mit 25 € pro Monat anfangen soll: starte mit 25 €. In ein paar Jahren kannst du immer noch aufstocken, aber die verlorene Zeit kommt nie zurück.

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Bevor du den Sparplan abschickst, lohnt sich der Blick auf die konkreten Zahlen — was wird aus 100 € pro Monat in 18 Jahren, was bleibt nach Inflation, und welcher ETF passt zur 18-Jahres-Laufzeit?

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⚠ Risikohinweis: Dieser Artikel ist allgemeine Information, keine individuelle Steuer- oder Anlageberatung. Steuerliche Freibeträge, Familienversicherungs-Grenzen und BAföG-Regeln können sich ändern. Die Anbieter-Übersicht spiegelt den Stand 2026; Konditionen und sparplanfähige ETFs können sich kurzfristig anpassen. Renditebeispiele basieren auf historischen Durchschnittsrenditen und sind nicht garantiert.
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