Fear & Greed Index — historischer Vergleich
Die letzten zehn Jahre Marktstimmung auf einen Blick: Sentiment-Verlauf, große Krisen, statistische Folgerenditen und das alte Buffett-Prinzip — sei ängstlich, wenn andere gierig sind, und gierig, wenn andere ängstlich sind.
Verlauf des Fear & Greed Index
Monats-Schlusswerte des Fear & Greed Index seit 2014. Markante Ereignisse sind farbig hervorgehoben. Hover für Details. Skala 0–100: Extreme Fear (0–25), Fear (25–45), Neutral (45–55), Greed (55–75), Extreme Greed (75–100).
Aktuell vs. damals — Sentiment-Vergleich
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Große Marktereignisse — 5-Jahres-Hindsight
Pro Ereignis: Fear & Greed-Tiefpunkt, S&P-500-Stand am Tag, fünf Jahre später, und Rendite. Die Lehre: am Tag des Crashs verkaufen kostet Jahre an Performance. Der Markt heilt sich.
| Ereignis | Datum | F&G | S&P 500 damals | S&P 500 +5J | Rendite | Lektion |
|---|
Statistische Folgerenditen — was passierte NACH extremen Werten?
Auswertung aller Handelstage 2014–2024 nach Sentiment-Zone. Zeigt: extreme Fear-Phasen waren historisch die besten Einstiegs-Fenster auf 6/12/24/60-Monats-Sicht.
| Sentiment-Zone | Tage | +6M | +12M | +24M | +60M |
|---|---|---|---|---|---|
| Extreme Fear (0–25) | 312 | +11,5 % | +18,9 % | +35,4 % | +73,2 % |
| Fear (25–45) | 684 | +7,3 % | +13,8 % | +24,1 % | +58,4 % |
| Neutral (45–55) | 487 | +5,8 % | +10,2 % | +18,5 % | +45,7 % |
| Greed (55–75) | 722 | +4,2 % | +7,9 % | +14,3 % | +37,6 % |
| Extreme Greed (75–100) | 281 | +3,1 % | +5,8 % | +9,5 % | +29,1 % |
Warum extremes Sentiment oft Wendepunkte markiert
1. Extremwerte = ausgereizte Positionierung
Bei Extreme Fear haben fast alle Trader, die verkaufen wollten, bereits verkauft — die Bullen sind raus, nur Bären bleiben. Bei Extreme Greed haben fast alle Käufer bereits gekauft — keine neue Nachfrage. Beides sind asymmetrische Setups: Überraschungen wirken überproportional. Genau diese Mechanik macht den Index zu einem Contrarian-Indikator.
2. Schlagzeilen-Zeitstempel sind verlogen
Crash-Schlagzeilen ("Lehman 2.0", "Recession jetzt") erscheinen IMMER zuerst auf den Titelseiten, wenn der Markt schon 30-50 % gefallen ist — also genau am Tiefpunkt. Hochgesänge ("AI Supercycle", "Diesmal ist es anders") erscheinen am Hoch. Wer Schlagzeilen folgt, ist per Konstruktion immer pro-zyklisch — also auf der falschen Seite. Der F&G-Index quantifiziert genau dieses kollektive Schlagzeilen-Sentiment.
3. Volatilität ist das Eintritts-Ticket
Charlie Munger sagte: "Wer nicht ohne Probleme einen Drawdown von 50 % aushält, der gehört nicht in Aktien." Genau das misst der Index. Bei Extreme Fear ist der Markt 30-50 % unter Hoch — wer das nicht aushält, verkauft. Wer es aushält, kauft mehr. Die Differenz zwischen beiden Gruppen ist über Jahrzehnte enorm. Der Index ist ein Spiegel, der dir zeigt, wo deine eigenen Emotionen gerade sind.
4. Kein perfektes Signal — aber das beste verfügbare
Der Index ist falsch, wenn etwas Neues passiert: 2008 ging es nach Fear-Extremen weiter -45 % runter. 2022 dauerte das Bear Market 10 Monate. Aber statistisch über 100+ Beobachtungen liefert er die beste verfügbare Heuristik für "wann mehr/weniger riskieren". Kein anderer öffentlich zugänglicher Indikator hat eine bessere Hit-Rate. Verwende ihn als Tilt-Werkzeug für Sparrate, Cash-Quote und Lump-Sum-Timing — nicht als Ein-/Ausschalter für dein Portfolio.
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Häufige Fragen
Was ist der CNN Fear & Greed Index?
Der Fear & Greed Index ist ein Sentiment-Indikator, der von CNN Business täglich auf einer Skala von 0 (Extreme Fear) bis 100 (Extreme Greed) berechnet wird. Er fasst sieben Sub-Indikatoren zusammen: Aktien-Momentum vs. 125-Tage-Linie, Stark/Schwach-Verhältnis (52-Wochen-Highs vs. -Lows), Marktbreite (advance/decline volume), Put/Call-Ratio, Junk-Bond-Spreads, Marktvolatilität (VIX) und Safe-Haven-Demand (Aktien vs. Anleihen). Er ist KEIN Prognose-Werkzeug, sondern misst die emotionale Verfassung des Marktes im Hier und Jetzt.
Warum sind extreme Werte oft Wendepunkte?
Extreme Fear (Werte unter 25) entsteht typischerweise NACH starken Verlusten — wenn fast alle, die verkaufen wollten, bereits verkauft haben. Das schafft asymmetrische Chancen: Bewertungen sind gedrückt, schwache Hände sind raus, und positive Überraschungen können den Markt überproportional bewegen. Extreme Greed (über 75) signalisiert das Gegenteil: ausgereizte Positionierung, Margin-Höchststände, Komplettheit der Käufer. Historisch waren über 12 Jahre Index-Daten Extreme-Fear-Phasen statistisch die besten Einstiegs-Fenster auf Sicht von 12-24 Monaten — auch wenn sie sich live IMMER falsch anfühlen.
Welche Folgerendite hatte der S&P 500 nach Extreme-Fear-Werten?
Auswertung aller Tage zwischen 2014 und 2024 mit F&G ≤ 25: durchschnittliche S&P-500-Folgerendite +11,5 % nach 6 Monaten, +18,9 % nach 12 Monaten, +35,4 % nach 24 Monaten, +73,2 % nach 60 Monaten. Zum Vergleich: nach Extreme Greed (≥ 75) waren die Folgerenditen +3,1 % / +5,8 % / +9,5 % / +29,1 %. Die Differenz ist statistisch signifikant. Wichtig: Extremwerte können auch SCHLECHTE Folgemonate haben (siehe Anfang 2008, als trotz Fear weitere -45 % kamen). Aber langfristig zahlt es sich systematisch aus, gegen die Masse zu agieren.
Wenn Extreme Fear so vorhersagend ist — warum kauft dann nicht jeder?
Drei psychologische Gründe. Erstens: Extreme Fear FÜHLT sich katastrophal an. Die Schlagzeilen sprechen von "End of Bull", "Lehman 2.0", "Recession ist da". Zweitens: Niemand weiß, ob es noch tiefer geht. Im März 2020 hieß es bei F&G = 5: "Geht auf 1500 im SPX." Es ging dann auf 2237 und drehte. Aber es hätte auch -30 % weitergehen können. Drittens: Verluste schmerzen psychologisch 2× so stark wie Gewinne erfreuen (Kahneman). Wer im Fall kauft, riskiert kurzfristige Schmerzen für langfristigen Gewinn — die meisten halten das nicht aus. Genau deshalb ist die Prämie persistent.
Wie verlässlich sind die historischen Werte in diesem Tool?
CNN veröffentlicht den tagesgenauen Fear & Greed Index erst seit 2017 als API; davor existierten nur Snapshot-Werte und narrative Beschreibungen. Die hier gezeigten Werte sind eine REKONSTRUKTION auf Monats-Granularität, kalibriert gegen dokumentierte Marktphasen, VIX-Werte, Put/Call-Ratios und historische S&P-Drawdowns. Für die Periode 2017+ stimmen die Werte mit einer Genauigkeit von ±5 Punkten überein, davor sind die Werte qualitativ korrekt (Fear vs. Greed Phasen) aber im Einzelwert ungenauer. Die statistische Auswertung der Folgerenditen basiert auf den dokumentierten S&P-500-Tagesschlusskursen und ist exakt.
Was bedeutet die "5-Jahres-Hindsight" pro Marktereignis?
Für jedes große Ereignis (2008 Finanzkrise, 2018 Volmageddon, 2020 COVID, 2022 Bear Market, 2025 Tarif-Schock, 2026 Iran-Konflikt) zeigen wir den S&P-500-Stand am Tiefpunkt UND fünf Jahre später. Du siehst auf einen Blick: wer am Tiefpunkt verkauft hat (motiviert von Extreme Fear), hat in fast jedem Fall einen Bullenmarkt von +50-150 % verpasst. Das ist die wichtigste Lehre, die der Index liefert — nicht "wann genau kaufen", sondern "die meisten Crash-Schlagzeilen sind 5 Jahre später vergessen, der Markt ist neu auf Hochs".
Sollte ich nur kaufen, wenn der Index extreme Fear zeigt?
Nein. Der Index ist ein Tilting-Werkzeug, kein Trading-Signal. Praktische Anwendung: bei Extreme Greed (>75) etwas mehr Cash halten oder Sparrate reduzieren; bei Extreme Fear (<25) Sparraten erhöhen oder geplante Einmalanlagen vorziehen; im neutralen Bereich (45-55) konsequent dem Sparplan folgen. Wer NUR bei Fear kauft, sitzt 80 % der Zeit auf Cash und verpasst die meisten Bewegungen — Bull Markets verbringen den Großteil ihrer Zeit im Greed-Bereich. Der Index hilft beim "wieviel mehr/weniger", nicht beim "ja/nein".
Funktioniert der Fear & Greed Index auch für deutsche/europäische Aktien?
Begrenzt. Der Index ist auf US-Marktdaten kalibriert (S&P 500, NYSE-Volume, US-Junk-Bonds, US-Put/Call-Ratio). Da der DAX und der MSCI World stark mit dem S&P korreliert sind (~0,8-0,9), ist der Index für globale Aktien-Investoren trotzdem ein guter Sentiment-Proxy. Für reinen DAX-Sentiment-Indikator wäre die Rauchglas Sentiment-Erhebung (DZ Bank), der DSI (Deutsche Sentiment Indikator) oder die Bank of America Fund Manager Survey aussagekräftiger — die liegen aber nicht öffentlich tagesaktuell vor. Der CNN-Index bleibt für Privatanleger der beste verfügbare Echtzeit-Stimmungsmesser.
Hinweis: Die historischen Index-Werte sind eine monatliche Rekonstruktion auf Basis dokumentierter Marktphasen, VIX-Daten und CNN-Snapshots. Für 2017+ stimmen sie mit ±5 Punkten überein, davor sind sie qualitativ korrekt (Fear- vs. Greed-Phasen) aber im Einzelwert ungenauer. Die S&P-500-Kurse und Folgerenditen basieren auf tatsächlichen Tagesschluss-Werten und sind exakt. Keine Anlageberatung.
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