Intel hat eine der spektakulärsten Rallys der jüngeren Börsengeschichte hingelegt. In nur acht Handelstagen stieg die Aktie um über 60% und fügte mehr als $100 Milliarden an Marktwert hinzu. Von einem der schlechtesten Performer im S&P 500 zu einem der besten — innerhalb von zwei Wochen.
Der Katalysator: Intels Beitritt zum Terafab-Projekt von Elon Musk, einer $50-Milliarden-Initiative zum Aufbau der größten Chip-Fabrik der Welt auf amerikanischem Boden. Dazu kommt die Ankündigung eines neuen Custom-Chip-Auftrags und Spekulationen über ein strategisches Investment von Broadcom.
Aber nach einer 60%-Rally stellt sich die entscheidende Frage: Ist Intel jetzt fair bewertet — oder hat der Markt zu viel Euphorie eingepreist?
Die Fundamentaldaten: Noch immer tiefrot
Vergessen wir für einen Moment die Schlagzeilen und schauen auf die nackten Zahlen. Intels Umsatz lag im letzten Quartal bei $14,3 Milliarden — ein Rückgang von 7% im Jahresvergleich. Die Bruttomarge ist auf unter 40% gefallen, verglichen mit über 55% noch vor drei Jahren. Die Foundry-Sparte verbrennt Geld — operative Verluste von über $2 Milliarden pro Quartal.
Das KGV ist aufgrund der niedrigen Gewinne nicht aussagekräftig. Auf Basis des Kurs-Umsatz-Verhältnisses (KUV) handelt Intel bei ca. 3,5 — historisch hoch für ein Unternehmen das schrumpft.
Terafab: Game-Changer oder Risiko?
Die Bull-These: Wenn Intel 18A funktioniert und Terafab pünktlich geliefert wird, könnte Intel zum ernsthaften Konkurrenten von TSMC im Foundry-Geschäft werden. Die US-Regierung hat ein strategisches Interesse und dürfte weitere Subventionen bereitstellen. Der Total Addressable Market für Foundry-Services liegt bei über $100 Milliarden.
Die Bear-These: Intel hat in den letzten fünf Jahren fast jede technologische Deadline verpasst. Intel 18A ist noch nicht in Massenproduktion. TSMC hat drei Generationen Vorsprung. Kein großer Kunde hat bisher einen signifikanten Foundry-Auftrag bei Intel platziert.
Broadcom-Spekulation: Aufspaltung als Wertschöpfung
Die Gerüchte über ein strategisches Investment oder eine Übernahme durch Broadcom geben der Aktie zusätzlichen Rückenwind. Die These: Intel wird in zwei Teile aufgespalten — ein Design-Unternehmen (Intel Products) und ein Foundry-Unternehmen (Intel Foundry Services). Separat bewertet könnten die beiden Teile mehr wert sein als das Gesamtunternehmen.
Bewertungsszenarien
Bull Case (Kurs $85-100): Intel 18A funktioniert, Terafab wird pünktlich gebaut, erste große Foundry-Kunden werden gewonnen, Broadcom steigt ein.
Base Case (Kurs $55-65): Terafab wird gebaut aber mit Verzögerungen. Intel 18A funktioniert teilweise. Die Foundry-Sparte erreicht Break-Even frühestens 2028.
Bear Case (Kurs $30-40): Intel 18A enttäuscht. Broadcom-Deal platzt. Terafab wird zum Kostengrab. Die Aktie gibt die gesamte Rally wieder ab.
Unser Fazit
Die Rally ist nachvollziehbar — Intel hatte echte Katalysatoren. Aber nach 60% in acht Tagen ist die Aktie nicht mehr günstig. Für Anleger die Intel unter $40 gekauft haben: Gewinne teilweise mitnehmen. Für Neueinsteiger: Auf einen Rücksetzer in den $50-55 Bereich warten. Intel ist eine Turnaround-Story — und Turnarounds brauchen Zeit und Geduld, nicht FOMO.
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