Vorabpauschale 2026 — Formel, Beispiel, Liquiditätspuffer
2026 wird die Vorabpauschale dank des hohen Basiszinses (2,53 %) so teuer wie nie zuvor. Wer 100.000 € in einem thesaurierenden MSCI World hat, zahlt im Januar 2027 ca. 327 € Steuer — auf nicht-realisierte Gewinne.
Was ist die Vorabpauschale?
Die Vorabpauschale ist eine fiktive jährliche „Mindestbesteuerung" für thesaurierende und teilthesaurierende Fonds in Deutschland. Eingeführt mit dem Investmentsteuergesetz (InvStG) 2018, soll sie verhindern, dass Anleger durch endlose Wiederanlage Steuern auf unbestimmte Zeit verschieben.
Im Klartext: Wer einen thesaurierenden ETF hält und der ETF im Jahr Wert gewinnt, zahlt darauf schon vor dem Verkauf eine kleine Vorab-Steuer.
Die Formel
Berechnungs-Schema
2) Vorabpauschale = MIN(Basisertrag, Wertzuwachs des Fonds)
3) Steuerpflichtiger Betrag = Vorabpauschale × (1 − Teilfreistellung)
4) Steuer = Steuerpflichtiger Betrag × 26,375 % (Abgeltung + Soli)
Wichtig: Vorabpauschale fällt nur an, wenn der ETF im Jahr tatsächlich gestiegen ist. Bei Verlustjahren = 0 €. Sie wird im Januar des Folgejahres automatisch vom Verrechnungskonto abgebucht.
Konkretes Beispiel: 10.000 € MSCI World 2026
10.000 € iShares Core MSCI World (thesaurierend)
→ Bei ungenutztem Sparerpauschbetrag (1.000 €): 0 € Steuer. Erst über 1.000 € Kapitalerträge gesamt zahlst du.
Vorabpauschale 1.771 € · Teilfreistellung 30 % → 1.240 € steuerpflichtig · Steuer ≈ 327 €. Wer schon viele Dividenden bekommt, sprengt damit den Sparerpauschbetrag — und muss in 2027 cash zur Verfügung haben.
Liquiditätspuffer im Verrechnungskonto
Anfang Januar bucht der Broker die Vorabpauschale-Steuer automatisch vom Verrechnungskonto ab. Wenn kein Cash da ist, verkauft Trade Republic im Worst Case ETF-Anteile, was Spread-Kosten und einen Steuer-Realisationsereignis erzeugt.
Halte etwa 0,3–0,4 % deines Aktien-ETF-Werts als Cash-Puffer. Bei einem 50.000 €-Depot also 150–200 € Bargeld. Bei einem 250.000 €-Depot ca. 1.000 €. Das deckt auch Schwankungen im Basiszins (steigt auf 3 % → 0,5 % Puffer).
Historische Basiszinsen
| Jahr | Basiszins | Vorabpausch. 100k Aktien-ETF | Steuer (26,375 %) |
|---|---|---|---|
| 2020 | 0,07 % | 49 € | 9 € |
| 2021 | −0,45 % | 0 € | 0 € |
| 2022 | −0,05 % | 0 € | 0 € |
| 2023 | 2,55 % | 1.785 € | 329 € |
| 2024 | 2,29 % | 1.603 € | 296 € |
| 2025 | 2,53 % | 1.771 € | 327 € |
| 2026 | 2,53 % | 1.771 € | 327 € |
FAQ — Vorabpauschale
Wann genau wird die Vorabpauschale abgebucht?
Im Januar des Folgejahres — also für Steuerjahr 2026 typisch zwischen 2.–10. Januar 2027. Trade Republic, Scalable, Comdirect, ING etc. machen das automatisch vom Verrechnungskonto. Du erhältst eine Steuerbescheinigung im Februar.
Auch bei ausschüttenden ETFs?
Ja, aber nur wenn die Ausschüttung im Jahr unter dem Basisertrag liegt. Beispiel: Vanguard FTSE All-World schüttet ca. 1,8 % aus → bei Basiszins 2,53 % × 70 % = 1,77 % Basisertrag → Differenz fast null → minimale oder keine Vorabpauschale.
Was ist bei einem Verlustjahr?
Vorabpauschale = 0 €. Die Berechnung verlangt explizit, dass der ETF im Jahr Wert gewonnen hat. Bei Negativ-Performance fällt sie komplett aus.
Wirkt sich die Vorabpauschale auf den späteren Verkauf aus?
Ja — die bereits gezahlte Vorabpauschale wird beim Verkauf vom Veräußerungsgewinn abgezogen. Keine Doppelbesteuerung. Beispiel: 5 Jahre Vorabpauschale insg. 700 € auf einem ETF gezahlt → beim Verkauf werden 700 € vom Gewinn abgezogen.
Auch in Österreich?
Nein — Österreich kennt keine Vorabpauschale. AT besteuert dafür ausschüttungsgleiche Erträge (AGE) jährlich, was im Effekt ähnlich ist (siehe AT-ETF-Page).
