ETF-Besteuerung Deutschland 2026 — Teilfreistellung

🇩🇪 DEUTSCHLAND — ETF-BESTEUERUNG

ETF-Besteuerung Deutschland 2026 — Teilfreistellung & Vorabpauschale

Deutschlands ETF-Steuerregime ist komplex aber günstig: 30 % Teilfreistellung auf Aktien-ETFs senkt die effektive Steuer auf ~18,46 % — niedriger als Österreichs 27,5 %. Hier kommt der Kurz-Guide mit Vorabpauschale-Crash-Course.

Stand: Mai 2026
Aktien-ETF Teilfreist.
30 %
≥51 % Aktienanteil
Effektivsatz Aktien-ETF
18,46 %
inkl. Soli, ohne KiSt
Mischfonds
15 %
≥25 % Aktienanteil
Anleihen-ETF
0 %
voller Steuersatz

Wie ETFs in Deutschland besteuert werden

Seit dem Investmentsteuerreformgesetz 2018 werden ETFs in Deutschland nach drei Komponenten besteuert:

  • Ausschüttungen (bei distributing ETFs) → sofort versteuert
  • Vorabpauschale (bei thesaurierenden ETFs) → jährlich pauschal versteuert
  • Veräußerungsgewinn beim Verkauf → 26,375 % auf den Kursgewinn (abzgl. bereits versteuerte Vorabpauschale)

Auf alle drei Komponenten greift die Teilfreistellung — Deutschlands wichtigster Steuer-Boost.

Teilfreistellung — die Kernregel

Fonds-Typ Aktien-Anteil Teilfreistellung Effektiver Satz Beispiele
Aktienfonds≥51 %30 %18,46 %MSCI World, S&P 500, EM
Mischfonds≥25 %15 %22,42 %Vanguard LifeStrategy 60
Immobilienfonds DEInland60 %10,55 %Offene DE-Immobilienfonds
Immobilienfonds AuslandAusland80 %5,28 %Internationale REITs
Anleihen-ETF0 %0 %26,375 %EUR-Staatsanleihen-ETFs
💡 So wirkt die Teilfreistellung

30 % der Erträge sind komplett steuerfrei. Bei 1.000 € Aktien-ETF-Dividende werden nur 700 € mit 26,375 % besteuert = 184,62 € Steuer. Effektivsatz auf die brutto 1.000 € = 18,46 %.

Vorabpauschale in Kürze

Die Vorabpauschale ist eine fiktive jährliche Mindeststeuer auf thesaurierende ETFs. Berechnet aus Fondswert × Basiszins (2,53 % 2026) × 70 %, abzüglich Teilfreistellung. Im Klartext: Bei 10.000 € MSCI World fallen 2026 ca. 33 € Steuer an.

Thesaurierend vs. Ausschüttend — was ist steuerlich besser?

THESAURIEREND (ACC)
Erträge werden reinvestiert

Vorteile: Voller Zinseszins-Effekt, keine Re-Order, automatisches Sparen.

Nachteile: Vorabpauschale belastet Cash-Konto jährlich.

AUSSCHÜTTEND (DIST)
Dividenden werden ausgezahlt

Vorteile: Sparerpauschbetrag (1.000 €) wird durch reale Ausschüttungen ausgenutzt.

Nachteile: Re-Investing kostet Zeit, kleiner Zinseszins-Verlust.

💡 Faustregel

Bei Sparern unter 1.000 € Kapitalerträge/Jahr: ausschüttende ETFs leicht im Vorteil (Pauschbetrag voll ausnutzen). Bei aggressiven Vermögensaufbauern: thesaurierende ETFs durch Zinseszins-Effekt langfristig leicht überlegen.

FAQ — ETF-Besteuerung Deutschland

Welche ETFs gelten als „Aktienfonds" im Sinne der Teilfreistellung?

Fonds mit ≥51 % Aktien-Anteil laut Anlagebedingungen. MSCI World, S&P 500, FTSE All-World, Nasdaq-100 — alle qualifizieren. Bei Multi-Asset-Fonds (z. B. Vanguard LifeStrategy 60 % Equity) reicht's nicht für die volle 30 %-Teilfreistellung — dann nur 15 % Mischfonds-Teilfreistellung.

Brauche ich für jeden ETF separate Anlage KAP?

Nein — bei deutschem Broker mit Quellenabzug ist alles automatisch. Du erhältst eine Steuerbescheinigung im Februar des Folgejahres. Anlage KAP brauchst du nur bei: Auslandsbroker, Splittings über mehrere Broker, oder wenn du bewusst Verluste aus anderen Jahren vortragen willst.

Was passiert bei einem Fonds-Wechsel von ausschüttend auf thesaurierend?

Wenn der ETF-Anbieter selbst die Variante umstellt: Aus Sicht des Anlegers in der Regel kein steuerpflichtiger Vorgang — die ISIN bleibt, der Anschaffungswert auch. Wer dagegen selbst verkauft und dann eine andere ISIN kauft (z. B. Vanguard FTSE All-World ACC statt DIST), realisiert einen steuerpflichtigen Veräußerungsgewinn.

Sind US-domizilierte ETFs steuerlich nachteilig?

Ja, aus mehreren Gründen: Einerseits können sie in der EU nicht über reguläre Broker gekauft werden (PRIIPS-Regulierung), andererseits wäre die Quellensteuer auf Fondsebene höher (US ETF zahlt 30 % auf Dividenden seiner US-Aktien). Daher: immer auf Irland- oder Luxemburg-domizilierte UCITS-ETFs setzen.

Was ist mit Krypto-ETPs (Bitcoin-ETN, Ether-ETN)?

Krypto-ETPs sind keine Investment-Fonds nach InvStG, sondern Schuldverschreibungen. Veräußerungsgewinne werden in DE mit voller Abgeltungssteuer besteuert (26,375 % ohne Teilfreistellung). Bei direktem Krypto-Halten (Coinbase, Kraken) gilt die 1-Jahres-Spekulationsfrist — danach steuerfrei. Aber Vorsicht: Krypto-ETPs sind keine direkten Coins, daher ohne Spekulationsfrist.

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Hinweis: Dieser Artikel ist eine allgemeine Übersicht und ersetzt keine individuelle Steuerberatung. Steuergesetze ändern sich laufend — Stand und Quellen sind oben angegeben. Für deine konkrete Situation sprich bitte mit einem Steuerberater oder Finanzamt. Quellen: BMF DE, BMF AT, EStG, InvStG, KStG, OECD-DBA-Datenbank.
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