ETF Steuer 2026 — Vorabpauschale, KESt & Teilfreistellung
2026 wird die Vorabpauschale in Deutschland teurer als in den Vorjahren. Hier kommt der komplette Steuer-Guide für ETF-Anleger in Deutschland und Österreich — mit Berechnungs-Beispiel, Teilfreistellung und Strategie-Tipps.
Wie werden ETFs 2026 besteuert?
Die Besteuerung von ETFs unterscheidet sich grundlegend zwischen Deutschland und Österreich. Beide Länder verlangen rund 27,5 % auf realisierte Gewinne — die Mechanik dahinter ist aber unterschiedlich, gerade bei thesaurierenden ETFs.
🇩🇪 Vorabpauschale 2026 — was sich ändert
Die Vorabpauschale ist eine fiktive jährliche "Mindestbesteuerung" für thesaurierende und teilthesaurierende Fonds in Deutschland. Sie wurde mit dem Investmentsteuergesetz (InvStG) 2018 eingeführt, um zu verhindern, dass Anleger durch endlose Wiederanlage Steuern auf unbestimmte Zeit verschieben.
Formel zur Berechnung
Maximum = Wertzuwachs des ETFs im Jahr
Steuer = Vorabpauschale × 70 % (Aktien-ETF) × 26,375 %
Wichtig: Die Vorabpauschale fällt nur an, wenn der ETF im Jahr tatsächlich gestiegen ist. Bei Verlustjahren = 0 €. Sie wird im Januar des Folgejahres automatisch vom Verrechnungskonto abgebucht.
10.000 € MSCI World ETF (thesaurierend)
→ Bei Sparerpauschbetrag (1.000 €) noch ungenutzt: 0 €. Erst über 1.000 € Kapitalerträge gesamt zahlst du.
Der Basiszins ist im Vergleich zur EZB-Niedrigzinsphase 2018–2022 deutlich gestiegen (damals oft unter 1 %). Bei einem 100.000 € Depot in thesaurierenden Aktien-ETFs entsteht 2026 eine Vorabpauschale von ca. 1.770 €, davon werden 70 % steuerpflichtig (ca. 1.239 €) → effektive Steuer ≈ 327 €. Wer schon viele Dividenden bekommt, sprengt damit den Sparerpauschbetrag.
🇩🇪 Teilfreistellung — der wichtigste Steuer-Boost
Die Teilfreistellung ist Deutschlands bestes ETF-Steuergeschenk: Ein Teil der Erträge bleibt komplett steuerfrei, abhängig vom Aktien-Anteil des Fonds.
| Fonds-Typ | Aktien-Anteil | Teilfreistellung | Beispiele |
|---|---|---|---|
| Aktienfonds | ≥ 51 % | 30 % | MSCI World, S&P 500, EM |
| Mischfonds | ≥ 25 % | 15 % | Multi-Asset-ETFs, Vanguard LifeStrategy |
| Immobilienfonds | Inland | 60 % | Offene DE-Immobilienfonds |
| Immobilienfonds | Ausland | 80 % | Internationale REIT-Fonds |
| Anleihen-ETFs | 0 % | 0 % | Keine Teilfreistellung |
Thesaurierend vs. Ausschüttend — was ist steuerlich besser?
Vorteile: Automatisches Reinvestieren ohne Transaktionsgebühren, voller Zinseszins-Effekt, keine Re-Order nötig.
Nachteile: Vorabpauschale belastet Cash-Konto jährlich (DE), in AT muss man ausschüttungsgleiche Erträge in der E1kv selbst angeben.
Vorteile: Sparerpauschbetrag (1.000 €/DE) wird durch reale Ausschüttungen ausgenutzt, keine Vorabpauschale-Überraschung im Januar.
Nachteile: Re-Investing kostet bei Käufen unter 25 € oft Zeit und manchmal Gebühren, kleiner Zinseszins-Verlust.
Bei Sparern unter 1.000 € Kapitalerträge/Jahr sind ausschüttende ETFs leicht im Vorteil — du nutzt den Sparerpauschbetrag voll aus. Bei aggressiven Vermögensaufbauern (>1.000 €/Jahr) sind thesaurierende ETFs durch den vollen Zinseszins-Effekt langfristig leicht überlegen, trotz Vorabpauschale. In Österreich ist es egal — gleiche Steuer, voller KESt-Abzug bei beiden.
🇦🇹 ETF-Besteuerung in Österreich
In Österreich gilt für ETFs der einheitliche KESt-Satz von 27,5 % auf alle Kapitalerträge — Dividenden, Ausschüttungen und Veräußerungsgewinne. Keine Vorabpauschale, aber dafür auch keine Teilfreistellung.
Ausschüttungsgleiche Erträge (AGE)
Bei thesaurierenden Fonds versteuert Österreich jährlich die "ausschüttungsgleichen Erträge" — die Dividenden, die der Fonds vereinnahmt aber nicht ausschüttet. Die OeKB veröffentlicht diese Werte für jeden zugelassenen Fonds.
Inlandsbroker (easybank, Erste Bank, DADAT, BAWAG) führen die Steuer auf AGE automatisch ab. Bei Trade Republic, IBKR, eToro musst du die AGE-Werte selbst aus dem Steuerreport in die E1kv-Beilage übertragen (Kennzahl 947).
DE vs. AT im Direktvergleich
| Aspekt | 🇩🇪 Deutschland | 🇦🇹 Österreich |
|---|---|---|
| Nominaler Steuersatz | 25 % + Soli (5,5 %) + ggf. KiSt | 27,5 % flat |
| Effektiver Satz Aktien-ETF | ≈ 18,46 % | 27,5 % |
| Freibetrag | 1.000 € Sparerpauschb. | 0 € |
| Vorabpauschale auf Thesaurier. | ⚠️ ja (jährlich) | ❌ nein |
| Ausschüttungsgleiche Erträge | via Vorabpauschale | ⚠️ ja, jährlich |
| Teilfreistellung Aktien-ETFs | 30 % | 0 % |
| Verlustvortrag | ✓ unbegrenzt | ❌ nicht möglich |
3 Steuer-Strategien für ETF-Anleger 2026
1.000 € pro Person × 2 (Ehepaar) = 2.000 €/Jahr steuerfreie Erträge. Freistellungsauftrag bei jedem Broker setzen! Mit 4.000 € Brutto-Dividenden in einem ausschüttenden MSCI World blieben nach Teilfreistellung (30 %) und Pauschbetrag knapp 0 € Steuer.
In Österreich nur im selben Jahr verrechenbar — wer im November ETF-Gewinne hat, kann verlustreiche Krypto- oder Aktien-Positionen gezielt verkaufen, um die Steuer zu reduzieren. In Deutschland sogar mit unbegrenztem Vortrag — oft sinnvoll, wenn man einen Aktien-Verlusttopf nicht ausschöpfen kann.
Anfang Januar 2027 wird die Vorabpauschale 2026 vom Verrechnungskonto abgebucht. Trade Republic verkauft im Worst Case ETF-Anteile, falls kein Cash da ist. Halte ab Dezember 2026 ca. 0,3–0,4 % deines ETF-Wertes als Liquiditätspuffer bereit.
FAQ — ETF Steuer 2026
Wie hoch ist die Vorabpauschale 2026 konkret?
Der Basiszins für 2026 beträgt 2,53 % (Bundesbank-Stichtag 02.01.2026). Auf 10.000 € ETF-Wert ergibt das eine Vorabpauschale von 177,10 €, davon 70 % steuerpflichtig (≈ 124 €), Steuerlast bei 26,375 % ≈ 32,70 €. Skaliert mit deinem Depotwert.
Muss ich auch Vorabpauschale zahlen, wenn der ETF gefallen ist?
Nein. Die Vorabpauschale ist auf den tatsächlichen Wertzuwachs im Jahr begrenzt. Bei Verlust = 0 €. Beispiel: ETF startet bei 10.000, endet bei 9.500 → 0 € Vorabpauschale.
Bekomme ich die Vorabpauschale beim Verkauf zurück?
Ja, indirekt. Die bereits versteuerte Vorabpauschale wird beim späteren Verkauf von der Steuerbemessungsgrundlage abgezogen — Doppelbesteuerung wird vermieden. Trade Republic, Scalable, Flatex & Co. tracken das automatisch.
Was ist mit ETFs in der Riester- oder Rürup-Rente?
Innerhalb steuerbegünstigter Hüllen (Riester, Rürup, BAV) entfällt die Vorabpauschale komplett. Auch in Versicherungsmänteln (fondsgebundene Lebensversicherung, ETF-Police) gibt es 12-Jahres-/62.-Lebensjahr-Bonus mit nur halbem Steuersatz auf Erträge.
Sind US-domizilierte ETFs (z.B. VOO, VTI) für EU-Anleger sinnvoll?
Seit MiFID II dürfen US-ETFs nicht mehr aktiv an EU-Privatanleger verkauft werden. Existierende Bestände kannst du noch halten, aber kein Nachkauf. Für EU-Anleger sind UCITS-ETFs in Irland (z.B. VWCE, IWDA, SXR8) steuerlich optimal — 15 % US-Quellensteuer wird automatisch abgegolten.
Was passiert bei Wechsel von DE nach AT (oder umgekehrt)?
Bei Wegzug aus Deutschland kann eine Wegzugsteuer auf stille Reserven anfallen (bei Beteiligungen ab 1 %, eher selten bei ETFs). In Österreich angekommen, gelten die alten Anschaffungskosten weiter. Wichtig: Steuerberater konsultieren!
