Wertpapier-KESt 2026 — 27,5 % auf Aktiengewinne in Österreich
Wer in Österreich Aktien, ETFs oder Anleihen verkauft und dabei Gewinn macht, zahlt darauf 27,5 % Kapitalertragssteuer (KESt). Das Wie und Wo entscheidet aber, ob du gar nichts machen musst — oder im Mai die E1kv-Beilage ausfüllst.
Was ist die Wertpapier-KESt?
Die Wertpapier-KESt ist Österreichs Standard-Steuersatz für Kapitalerträge aus Wertpapieren. Sie wurde 2012 eingeführt und ersetzt die alte Spekulationsfrist (1 Jahr Haltefrist). Seither gilt: Egal wie lange du eine Aktie hältst — der Gewinn bei Verkauf wird mit 27,5 % besteuert.
Anders als die Lohnsteuer ist die KESt eine Endbesteuerung — du musst sie in der Regel nicht in der Einkommensteuererklärung angeben, weil sie der Broker schon einbehalten hat. Außer du hast einen Auslandsbroker.
Welche Erträge fallen unter die Wertpapier-KESt?
| Ertrag | KESt | Hinweis |
|---|---|---|
| Aktienkursgewinne | 27,5 % | Realisierter Gewinn bei Verkauf |
| ETF-Kursgewinne | 27,5 % | Auch bei Meldefonds |
| Dividenden | 27,5 % | Inkl. ausländischer (mit DBA-Anrechnung) |
| Anleihezinsen | 27,5 % | Auch Staatsanleihen |
| Sparbuchzinsen | 25 % | Eigene KESt — niedrigerer Satz |
| Kryptowährungen | 27,5 % | Seit 2022 wie Wertpapiere |
| Derivate (CFDs, Optionen) | 27,5 % | Veräußerungsgewinne |
Inlandsbroker vs. Auslandsbroker — der entscheidende Unterschied
Bei der KESt-Mechanik gibt es nur eine Frage, die wirklich zählt: Führt dein Broker die KESt automatisch ans Finanzamt ab — oder musst du das selbst machen?
easybank, Erste Bank/George, BAWAG, Raiffeisen, DADAT, Hello Bank, Volksbank, Wienerberger Sparkasse — alle führen die KESt direkt ans Finanzamt ab. Du musst gar nichts in der Steuererklärung angeben.
Trade Republic, Scalable Capital, Flatex DE, Interactive Brokers, eToro, Degiro — keine automatische KESt. Trade Republic stellt seit 2024 einen AT-Steuerreport zur Verfügung; bei IBKR/eToro musst du selbst rechnen.
Beispielrechnung: 10.000 € Aktiengewinn
10.000 € Gewinn auf Apple-Aktien
→ Bei Inlandsbroker: alles automatisch. Bei Trade Republic AT: in E1kv Kennzahl 872 (Einkünfte aus realisierten Wertsteigerungen).
E1kv — die Kurzanleitung für Auslandsbroker-Nutzer
Hast du Konten bei Trade Republic, Scalable, IBKR, eToro & Co., musst du in der Steuererklärung (E1) die Beilage E1kv ausfüllen. Diese Felder sind die wichtigsten:
| Kennzahl | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| 863 | Einkünfte aus inländischen Kapitalanlagen | Sparbuchzinsen DE-Bank |
| 872 | Realisierte Wertsteigerungen (Gewinne aus Verkäufen) | Apple-Verkauf +10.000 € |
| 923 | Verluste aus realisierten Wertsteigerungen | Tesla-Verkauf −2.000 € |
| 937 | Auf inländische Kapitalerträge entfallende anrechenbare Steuer (KESt) | Bereits abgeführte KESt |
| 947 | Ausländische Quellensteuer (anrechenbar bis 15 %) | US-Quellensteuer Apple |
| 800 | Inländischer KESt-Abzug (bei Inlandsbroker) | Wird automatisch eingetragen |
3 Steuer-Strategien für AT-Anleger
Da AT keinen Verlustvortrag kennt, müssen Verluste im selben Jahr mit Gewinnen verrechnet werden. Hast du im Oktober 5.000 € Gewinn realisiert und liegt ein anderes Papier 3.000 € im Minus? Verkauf vor Jahresende — sparst 825 € KESt. (Wash-Sale-Regelung in AT eher locker, aber sauber dokumentieren.)
Wer kaum tradet und einfach 30 Jahre einen MSCI World hält, fährt mit easybank/George besser als mit Trade Republic — weil die Steuer-Bürokratie wegfällt. Den minimalen Order-Aufschlag (≈ 6–10 €) hast du bei zwei Trades pro Jahr in 30 Jahren reingespart, gemessen an einem Steuerberater oder Stunden in der E1kv.
Bei US-Aktien zieht IBKR/IBKR/Trade Republic 15 % US-Quellensteuer ab (mit W-8BEN). Diese 15 % werden in AT auf die KESt angerechnet — du zahlst also insgesamt 27,5 %, nicht 27,5 % + 15 %. In der E1kv unter Kennzahl 947.
FAQ — Wertpapier-KESt
Wann fällt die KESt an?
Im Moment des Verkaufs der Wertpapiere — nicht beim Halten. Buchgewinne sind in AT noch nicht steuerpflichtig. Bei Inlandsbrokern wird die KESt sofort beim Verkauf abgezogen, sodass du den Netto-Erlös auf dem Verrechnungskonto siehst.
Gibt es eine Spekulationsfrist in Österreich?
Nein, nicht mehr. Die einjährige Haltefrist (vor 2012) wurde 2012 abgeschafft — seither ist jeder Veräußerungsgewinn steuerpflichtig, egal wie lange du das Papier hältst. Ausnahme: Wertpapiere, die vor dem 1.4.2012 gekauft wurden, gelten als „Altbestand" und sind weiterhin steuerfrei.
Was ist mit Gewinnen unter 730 €?
Es gibt eine Veranlagungsfreigrenze von 730 € — aber nur für Auslandsbroker-Nutzer (Pflichtveranlagung). Wenn deine gesamten ausländischen Kapitalerträge unter 730 € im Jahr bleiben, musst du sie nicht in der E1kv angeben. Bei Inlandsbrokern existiert die Grenze nicht — KESt wird immer abgezogen.
Muss ich die KESt selbst berechnen?
Bei Inlandsbroker: nein, der macht alles. Bei Auslandsbroker: ja. Trade Republic stellt seit 2024 einen AT-Steuerreport mit allen E1kv-Werten zur Verfügung — du kopierst die Zahlen einfach in FinanzOnline. Bei IBKR/eToro/Flatex DE gibt es keinen AT-Report, da musst du selbst aus der Trade History die Gewinne berechnen.
Wie wirkt sich die KESt-Erhöhung von 27,5 % aus?
Der Satz wurde 2016 von 25 % auf 27,5 % erhöht (für Wertpapiere; Sparbücher blieben bei 25 %). Damit ist AT mittlerweile teurer als DE für Aktien-ETFs (DE effektiv 18,46 % nach Teilfreistellung). Eine Senkung wurde 2024 mehrmals diskutiert (Kanzler-Wahl), aber nie umgesetzt.
Gibt es einen Freibetrag wie in Deutschland?
Nein. AT kennt keinen Sparerpauschbetrag. Auch der erste Euro Aktiengewinn wird mit 27,5 % besteuert. Einzige Ausnahme: Die 730 €-Veranlagungsfreigrenze für Auslandsbroker-Nutzer (siehe oben).
