ETF-Besteuerung Österreich 2026 — Meldefonds, AGE & OeKB
In Österreich gibt es keine Vorabpauschale, keine Teilfreistellung — aber dafür ausschüttungsgleiche Erträge (AGE) bei thesaurierenden ETFs. Hier kommt der komplette AT-only ETF-Steuer-Guide: Meldefonds vs. Nicht-Meldefonds, OeKB-Datenbank und Trade Republic AT-Steuerreport.
Wie ETFs in Österreich besteuert werden
Im Gegensatz zu Deutschland macht Österreich bei ETFs keinen Unterschied zwischen Aktien-, Misch-, Anleihen- oder Immobilienfonds: Alle Erträge werden mit 27,5 % KESt belastet. Das gilt für drei Arten von Erträgen:
- Realisierte Kursgewinne beim Verkauf des ETFs
- Ausschüttungen bei ausschüttenden ETFs (Distributing/DIST)
- Ausschüttungsgleiche Erträge (AGE) bei thesaurierenden ETFs (Accumulating/ACC)
Letzteres ist der entscheidende Unterschied zu DE: AT besteuert auch bei thesaurierenden ETFs jedes Jahr die Dividenden-Anteile, die der Fonds intern vereinnahmt aber nicht ausschüttet. Damit du nicht ewig steuerfrei reinvestieren kannst.
Meldefonds vs. Nicht-Meldefonds — der wichtigste Check
Ein Meldefonds ist ein ETF, der bei der Österreichischen Kontrollbank (OeKB) registriert ist und jährlich seine ausschüttungsgleichen Erträge meldet. Vorteil: Inlandsbroker führen die Steuer korrekt ab, Auslandsbroker können sauber rechnen.
Alle bekannten ETFs (iShares, Vanguard, Lyxor, Xtrackers, Amundi, SPDR, Invesco) sind Meldefonds in AT. Steuerlast: 27,5 % auf Ausschüttungen + AGE + Kursgewinne. Bei Inlandsbrokern alles automatisch.
Vor allem exotische US-ETFs (z. B. ARK-Innovation-ETFs als US-domizilierte Variante). Strafsteuer: 90 % der Wertsteigerung pro Jahr werden unterstellt — extrem teuer. Vor Kauf immer in OeKB-Datenbank prüfen!
Die OeKB-Datenbank findest du unter my.oekb.at/kapitalmarkt-services/fonds/fonds-suche. Suche per ISIN — wenn der Fonds gelistet ist, ist er Meldefonds. Trade Republic listet in der App ein „AT-Reporting"-Symbol bei Meldefonds.
Ausschüttungsgleiche Erträge (AGE) — wie das funktioniert
Bei thesaurierenden ETFs schüttet der Fonds keine Dividenden aus, sondern reinvestiert sie. Aus AT-Sicht ist das aber trotzdem vereinnahmtes Einkommen — und wird einmal jährlich besteuert.
So läuft's ab
- Der ETF-Anbieter meldet die AGE einmal pro Jahr an die OeKB (typisch: 1–4 Monate nach Geschäftsjahresende)
- Die OeKB veröffentlicht den AGE-Wert pro Anteil in ihrer Datenbank
- Bei Inlandsbroker: 27,5 % KESt wird automatisch vom Verrechnungskonto abgebucht
- Bei Auslandsbroker: Du musst die AGE selbst in E1kv Kennzahl 947 eintragen
- Beim späteren Verkauf des ETFs: Bereits versteuerte AGE wird vom Veräußerungsgewinn abgezogen — keine Doppelbesteuerung
Trade Republic stellt für AT-Kunden seit Steuerjahr 2024 einen automatischen Steuerreport mit allen AGE-Werten zur Verfügung. Vor 2024 musste man die OeKB-Werte selbst raussuchen und mit den eigenen Stückzahlen multiplizieren. Heute: PDF aus der App holen, Werte in E1kv übertragen, fertig.
Beispielrechnung: 100 Stück MSCI World ETF (thesaurierend)
100 × iShares Core MSCI World (IE00B4L5Y983) — Steuerjahr 2025
→ Beim späteren Verkauf wird der Anschaffungswert um 130 € erhöht (auf 9.130 €), damit die AGE nicht doppelt besteuert wird.
Strategie-Tipps für AT-ETF-Anleger
Wer thesaurierende ETFs hält, profitiert massiv von Inlandsbrokern: Die AGE-Steuer wird automatisch jährlich vom Cash-Konto abgebucht — du musst gar nichts in der E1kv tun. Bei Trade Republic/Scalable/IBKR muss man jährlich Werte heraussuchen und in FinanzOnline eintragen.
Anders als in DE (Sparerpauschbetrag) gibt's in AT keinen Vorteil bei ausschüttenden ETFs aus Steuersicht. Aber: Du bist bei ausschüttenden ETFs vom AGE-Bürokratie-Aufwand befreit — die Dividenden werden direkt versteuert, fertig.
Ein Vanguard VOO (Domizil USA) ist für AT-Anleger steuerlich katastrophal: Höhere US-Quellensteuer auf interne Dividenden (30 %, weil ETF kein Steuerabkommen-Vehicle ist), keine OeKB-Meldung, oft Nicht-Meldefonds-Status (90 % Strafsteuer). Immer auf Irland-domizilierte UCITS-ETFs setzen.
FAQ — ETF-Besteuerung Österreich
Sind alle iShares/Vanguard/Xtrackers-ETFs Meldefonds?
Praktisch ja — die großen ETF-Anbieter melden ihre UCITS-ETFs systematisch an die OeKB. Vor Kauf trotzdem in der OeKB-Suche per ISIN prüfen, vor allem bei exotischeren Sub-Fonds (z. B. thematische ETFs, Sektor-ETFs).
Wann genau wird die AGE besteuert?
Bei Inlandsbrokern wird die KESt auf AGE etwa 1–4 Monate nach Geschäftsjahresende des ETFs vom Verrechnungskonto abgebucht — typisch im April/Mai des Folgejahres. Bei Auslandsbrokern erfasst du die AGE im Steuerjahr, in dem sie zugeflossen ist (meist gleich dem Jahr der OeKB-Meldung).
Was passiert beim Verkauf eines thesaurierenden ETFs?
Der Anschaffungswert wird um die Summe aller bereits versteuerten AGEs erhöht. Beispiel: ETF gekauft für 9.000 €, AGE in 5 Jahren insg. 700 € versteuert → fiktiver Anschaffungswert 9.700 €. Wenn du für 12.000 € verkaufst, sind nur 2.300 € (statt 3.000 €) steuerpflichtig.
Muss ich die OeKB-Werte selbst suchen?
Bei Inlandsbroker: nein — dein Broker macht das. Bei Trade Republic seit 2024: nein — der AT-Steuerreport enthält alle Werte. Bei IBKR/Flatex DE/eToro: ja — du musst pro ETF in der OeKB-Datenbank den AGE pro Anteil suchen und mit deiner Stückzahl multiplizieren.
Was ist die Sicherungssteuer von 25 %?
Wer einen Auslandsbroker mit Auslandsdepot nutzt (also wirklich am ausländischen Wertpapierkonto, nicht nur Auslandsbroker mit AT-Reporting), zahlt eine Sicherungssteuer von 25 % auf 6 % des Depotwerts/Jahr — also 1,5 % p.a. zusätzlich zur KESt. Trade Republic, IBKR, eToro etc. fallen nicht darunter, weil sie EU-regulierte Broker mit transparenten Konten sind.
Wie versteuere ich Dividenden eines ausschüttenden ETFs?
Genauso wie Einzelaktien-Dividenden: 27,5 % KESt mit Quellensteuer-Anrechnung. Bei einem Vanguard FTSE All-World UCITS (Domizil Irland) ist die Quellensteuer auf Fondsebene 0 %, also zahlst du genau 27,5 % auf jede Ausschüttung.
