Verlustverrechnung Österreich 2026 — Topf-Konzept ohne Vortrag
Anders als Deutschland kennt Österreich keinen Verlustvortrag. Wer im November 5.000 € Aktiengewinn realisiert hat und im Dezember einen Tesla-Verlust nicht verkauft, zahlt voll Steuer. Hier kommt der Guide zum AT-Topf-Konzept und Tax-Loss-Harvesting.
Wie die Verlustverrechnung in Österreich funktioniert
Österreich verfolgt das Topf-Konzept: Innerhalb eines Steuerjahres dürfen Verluste mit Gewinnen derselben Einkunftsart verrechnet werden. Wenn am Jahresende ein Negativsaldo bleibt, ist der verloren — kein Vortrag möglich.
Das ist eine echte Einzigartigkeit im internationalen Vergleich: Deutschland erlaubt unbegrenzten Verlustvortrag, Schweiz +7 Jahre, USA +unbegrenzt. AT: null Tage nach 31.12.
Die zwei Töpfe
Aktien, ETFs, Anleihen, Investmentfonds, Krypto, Derivate (CFDs/Optionen) — alles in einem Topf. Verluste & Gewinne werden gegeneinander aufgerechnet. Dividenden & Zinsen auch in diesem Topf.
Sparbuch-Zinsen, Spareinlagen, Bausparvertrags-Zinsen — separater Topf mit niedrigerem Satz (25 %). Nicht mit dem Wertpapier-Topf verrechenbar.
Bis 2021 waren Krypto-Verluste in einem eigenen Topf — seit 2022 sind sie im Wertpapier-Topf, also voll mit Aktien/ETF-Gewinnen verrechenbar. Wer im Krypto-Crash Verluste hat, kann diese mit Aktien-Gewinnen ausgleichen.
Beispielrechnung: Steueroptimierung im Dezember
Anleger Maria — Wien, 2026
Maria hat im Oktober 2026 ihre NVIDIA-Aktien für +8.000 € Gewinn verkauft. Im Dezember liegt ihre Tesla-Position −3.000 € im Minus. Was tun?
Steuer 27,5 %: 2.200 €
Tesla-Buchverlust: 3.000 € (steuerlich verloren wenn 31.12.)
Steuer 27,5 %: 1.375 €
Ersparnis: 825 €
→ Maria kann Tesla auch direkt nach 31.12. wieder kaufen — keine Wash-Sale-Regel in AT. Wichtig: Spread & Spesen müssen die Steuerersparnis nicht auffressen.
Tax-Loss-Harvesting Strategien für AT-Anleger
Spätestens am 15. Dezember alle Buchverluste sichten. Bei Inlandsbroker reicht ein Blick ins Performance-Tab. Bei Trade Republic AT: Steuerreport in der App ansehen — dort werden realisierte Gewinne und mögliche Verlust-Verrechnung angezeigt.
In den USA verboten, in Österreich rechtlich grau. Du kannst Tesla im Dezember verkaufen (Verlust realisieren) und am 2. Januar wieder kaufen — der Verlust ist anerkannt. Der Spread auf einer großen Aktie ist meist < 0,1 %, also bei 5.000 € Position vielleicht 5 € Kosten gegen 825 € Steuerersparnis.
Seit 2022 im selben Topf. Bei Bitcoin-Crash & gleichzeitigen Aktien-Gewinnen → Krypto verkaufen, Verluste anrechnen. Achtung: Bitpanda & Coinbase liefern AT-Steuerreports, andere Exchanges (Binance, Bybit) muss man selbst dokumentieren.
George, easybank & Co. verrechnen Verluste laufend mit Gewinnen — wenn du im Februar einen Verlust realisierst und im Mai einen Gewinn, wird die KESt nur auf den Saldo abgezogen. Am Jahresende erstellen sie ein KESt-Bestätigung mit korrektem Topf-Saldo.
FAQ — Verlustverrechnung Österreich
Warum gibt es in Österreich keinen Verlustvortrag?
Politisch gewollt — bei der Einführung der KESt-NEU 2012 wollte das BMF die Komplexität niedrig halten und keine ewige Buchführung pro Anleger. Diskussionen über einen Vortrag laufen seit 2018, aber bisher ohne Umsetzung. Wer das jährlich nicht ausgleichen kann, verliert die Verluste komplett.
Kann ich Verluste aus 2025 in 2026 verrechnen?
Nein. Wenn du am 31.12.2025 mehr Verluste als Gewinne im Wertpapier-Topf hast, ist der Saldo verloren. Im neuen Jahr beginnst du wieder bei 0.
Was ist mit Verlusten aus Krypto?
Seit 1.3.2022 sind Krypto-Gewinne und -Verluste im selben Topf wie Wertpapiere. Davor war Krypto unter „sonstige Einkünfte" und auf 1 Jahr Spekulationsfrist beschränkt. Übergangsbestand (vor 28.2.2021 erworben) bleibt steuerfrei.
Verrechnet Trade Republic AT Verluste automatisch?
Im Steuerreport ja — Trade Republic listet realisierte Gewinne und Verluste pro Steuerjahr aus, der Saldo wird in Kennzahl 872 (Gewinne) und 923 (Verluste) eingetragen. Aber: Die tatsächliche Verrechnung passiert erst, wenn du beide Werte in der E1kv einträgst. Trade Republic führt selbst keine KESt ab.
Was ist mit Verlusten aus Termingeschäften?
Verluste aus CFDs, Optionen, Futures gehören in den Wertpapier-Topf und sind voll mit Aktien-Gewinnen verrechenbar. Achtung bei Knock-Out-Zertifikaten: Wenn das Papier wertlos ausgebucht wird (statt verkauft), erkennt das Finanzamt den Verlust nur an, wenn der Broker ihn als „Glattstellung" verbucht.
