Dividenden-Besteuerung Österreich 2026 — KESt & DBA

🇦🇹 ÖSTERREICH — DIVIDENDEN-STEUER

Dividenden-Besteuerung Österreich 2026 — KESt, DBA & Quellensteuer

Dividenden werden in Österreich pauschal mit 27,5 % KESt besteuert — egal ob ÖMAG, Apple oder Allianz. Spannend wird's bei der Doppelbesteuerung: Wenn US-Aktien 15 % einbehalten, ist das nicht extra. Hier kommt der komplette Guide mit Apple-Beispiel.

Stand: Mai 2026
KESt auf Dividenden
27,5 %
inkl. Quellensteuer-Anr.
US-Quellensteuer
15 %
mit W-8BEN
CH-Quellensteuer
15 %
rückforderbar 20 %
DE-Quellensteuer
15 %
voll anrechenbar

Wie Dividenden in Österreich besteuert werden

Jede Dividende — egal von welchem Land — wird in Österreich mit 27,5 % KESt belastet. Bei österreichischen Aktien (z. B. OMV, Voest, Erste Group) macht das der Inlandsbroker automatisch. Bei ausländischen Aktien kommt die Quellensteuer ins Spiel — der Heimatstaat der Aktie kassiert vorab einen Teil.

Quellensteuer & Doppelbesteuerungsabkommen (DBA)

Österreich hat mit über 90 Ländern Doppelbesteuerungsabkommen, damit du nicht doppelt zahlst. Die typische Regelung: Der Heimatstaat der Aktie behält 15 %, und Österreich rechnet diese 15 % auf seine 27,5 % an — du zahlst insgesamt 27,5 %, nicht mehr.

Land Quellensteuer Anrechenbar in AT Restliche KESt-Zahlung in AT
🇺🇸 USA (mit W-8BEN)15 %15 %12,5 %
🇺🇸 USA (ohne W-8BEN)30 %15 %12,5 % (15 % verloren)
🇩🇪 Deutschland15 %15 %12,5 %
🇨🇭 Schweiz35 %15 % (20 % rückforderbar)12,5 %
🇫🇷 Frankreich25 % → 12,8 %12,8 %14,7 %
🇬🇧 UK0 %27,5 %
🇳🇱 Niederlande15 %15 %12,5 %
🇮🇪 Irland0 %27,5 %

Beispiel: Apple-Dividende 100 €

RECHENBEISPIEL

Apple Dividende 100 € — Anleger in Wien

Bruttodividende:
100,00 €
− US-Quellensteuer (15 % mit W-8BEN):
−15,00 €
= Auf Verrechnungskonto eingehend:
85,00 €
In AT zu zahlende KESt:
27,5 % × 100 = 27,50 €
− Anrechnung US-Quellensteuer:
−15,00 €
= Tatsächliche KESt-Belastung in AT:
−12,50 €
Netto-Dividende beim Anleger:
72,50 €

→ Effektive Steuer: 27,5 % — als wäre alles in AT besteuert worden. Das DBA macht's.

W-8BEN — Pflicht für US-Aktien

Wer US-Aktien (Apple, Microsoft, Coca-Cola etc.) hält, muss bei seinem Broker das W-8BEN-Formular ausfüllen. Damit signalisierst du dem US-IRS: „Ich bin österreichischer Steuerwohnsitz und nutze das DBA AT-USA". Folge: Quellensteuer 15 % statt 30 %.

⚠️ W-8BEN ist alle 3 Jahre zu erneuern

Trade Republic, Scalable und IBKR fragen automatisch nach. Wer das versäumt, zahlt 30 % statt 15 % — und die zusätzlichen 15 % sind in AT nicht anrechenbar. Effektiv 42,5 % statt 27,5 %.

Höhere Quellensteuer zurückholen — Schweiz, Frankreich, Italien

Manche Länder behalten mehr als die DBA-Sätze und du holst dir die Differenz manuell zurück.

Land Was zurückholen? Wo?
🇨🇭 Schweiz20 % von 35 % zurückEidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) Formular 86
🇫🇷 Frankreich12,2 % von 25 % zurückService des Impôts via Broker
🇮🇹 Italien11 % von 26 % zurückAgenzia delle Entrate
💡 Lohnt sich erst ab größeren Beträgen

Die Rückerstattung kostet Aufwand (Formulare, Übersetzungen, Wartezeit 6–18 Monate). Faustregel: Erst ab ~500 € rückforderbarer Steuer/Jahr wirtschaftlich. Bei kleineren Beträgen oft Schweizer/Französische Aktien meiden und auf Irland-domizilierte ETFs umschwenken (z. B. iShares Core MSCI World — 0 % Quellensteuer auf Fondsebene).

FAQ — Dividenden-Besteuerung Österreich

Werden meine Dividenden bei Trade Republic automatisch versteuert?

Nein, Trade Republic ist ein deutscher Broker und führt keine österreichische KESt ab. Die US-Quellensteuer wird automatisch einbehalten (15 % mit W-8BEN), aber die restlichen 12,5 % AT-KESt musst du selbst über die E1kv-Beilage in FinanzOnline angeben.

Was passiert mit der österreichischen Erste-Group-Dividende?

Bei einem Inlandsbroker (z. B. George): Komplett automatisch — 27,5 % KESt werden direkt abgezogen, du musst nichts tun. Bei einem Auslandsbroker: Du gibst die Brutto-Dividende in der E1kv unter Kennzahl 863 (inländische Erträge) an, KESt-Abzug unter 800.

Sind irische ETFs steuerlich besser für AT-Anleger?

Ja, deutlich. Irland erhebt 0 % Quellensteuer auf Dividenden, die ETFs an Anleger ausschütten. Ein iShares Core MSCI World (Domizil Irland) zahlt also volle 100 € Dividende aus — minus nur 27,5 % AT-KESt = 72,50 € netto. Bei einem US-domizilierten ETF (Vanguard VOO etc.) zahlst du auf US-Niveau 15 % Quellensteuer + 12,5 % AT-KESt = ebenfalls 72,50 €, aber mit Pflicht zur W-8BEN.

Was ist mit ausschüttenden vs. thesaurierenden ETFs?

Bei ausschüttenden ETFs sind Dividenden direkt KESt-pflichtig (Inlandsbroker macht's automatisch). Bei thesaurierenden ETFs werden die Dividenden im Fonds reinvestiert, aber AT besteuert sie trotzdem jährlich als „ausschüttungsgleiche Erträge" (AGE) — siehe ETF-Steuer-Page.

Kann ich die Quellensteuer einfach ignorieren?

Nein. Wer in der E1kv die Quellensteuer nicht anrechnet, zahlt effektiv mehr als 27,5 %. Die Anrechnung ist kein Bonus, sondern Pflichtteil der Berechnung. Bei einem Trade-Republic-Steuerreport musst du Kennzahl 947 prüfen — dort steht die anrechenbare ausländische Quellensteuer.

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Hinweis: Dieser Artikel ist eine allgemeine Übersicht und ersetzt keine individuelle Steuerberatung. Steuergesetze ändern sich laufend — Stand und Quellen sind oben angegeben. Für deine konkrete Situation sprich bitte mit einem Steuerberater oder Finanzamt. Quellen: BMF DE, BMF AT, EStG, InvStG, KStG, OECD-DBA-Datenbank.
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