Bauteile plus 38 Prozent, Preis plus 9 Prozent: Warum Apples 100 Dollar Aufschlag nicht einmal die Speicherrechnung deckt

Apple Inc. – iPhone 18 Pro: 100 Dollar Aufschlag, 155 Dollar höhere Bauteilkosten

Am Mittwoch hat Apple in Cupertino das iPhone 18 Pro vorgestellt, das iPhone 18 Pro Max, die AirPods 5, zwei neue Uhren und, zum ersten Mal überhaupt, ein faltbares iPhone mit dem Namen Duo. Es war der erste große Auftritt von John Ternus, der am 1. September die Nachfolge von Tim Cook angetreten hat. Die Aktie fiel während der Präsentation um bis zu 1,9 Prozent und schloss am Ende mit 316,67 Dollar sogar 0,4 Prozent im Plus. Das ist die übliche Choreografie eines Apple-Events: viel Aufmerksamkeit, wenig Kursbewegung.

Die Zahl, die zählt, stand nicht auf der Bühne. Das iPhone 18 Pro kostet 1.199 Dollar, hundert Dollar mehr als sein Vorgänger. Das Pro Max kostet 1.299 Dollar, ebenfalls hundert Dollar mehr. Neun Prozent Aufschlag, so lautet die Schlagzeile. Sie ist richtig und trotzdem irreführend, denn sie beschreibt nur die eine Seite der Rechnung. Auf der anderen Seite steht eine Schätzung des Marktforschers TrendForce vom 10. August: Die Bauteile des iPhone 18 Pro mit 256 Gigabyte kosten Apple rund 38 Prozent mehr als die des iPhone 17 Pro. Und der Grund dafür ist nicht der neue Chip, nicht die neue Kamera mit mechanischer Blende, nicht das Display. Der Grund ist der Speicher.

Wer beide Zahlen nebeneinanderlegt, sieht, was am Mittwoch wirklich passiert ist: Apple hat einen Preis erhöht, der die eigene Kostensteigerung nicht deckt. Die hundert Dollar sind keine Margenausweitung. Sie sind der Teil der Speicherrechnung, den der Kunde bezahlt. Den Rest bezahlt Apple.

Was hundert Dollar wirklich kaufen

Die Rechnung lässt sich mit öffentlich verfügbaren Zahlen nachvollziehen. Teardown-Analysen, die auf Daten von TechInsights beruhen, beziffern die Bauteilkosten des iPhone 17 Pro Max auf rund 408 Dollar. Das ist die sogenannte Bill of Materials, also die reine Summe der Komponenten ohne Fertigung, Logistik, Garantie, Vertrieb und Software. Nimmt man diese 408 Dollar als Ausgangspunkt und rechnet die 38 Prozent von TrendForce darauf, landet die Bauteilrechnung des Nachfolgers bei rund 563 Dollar. Die Kostensteigerung beträgt damit etwa 155 Dollar pro Gerät.

Der Preisaufschlag beträgt hundert Dollar. Er deckt also rund zwei Drittel der Kostensteigerung. Das verbleibende Drittel, grob 55 Dollar pro Pro-Gerät, geht zulasten der Marge. Setzt man Bauteilkosten und Listenpreis ins Verhältnis, ergibt sich für das iPhone 17 Pro eine rechnerische Bauteilmarge von etwa 63 Prozent und für das iPhone 18 Pro von etwa 53 Prozent. Das ist keine Bruttomarge im Sinne der Bilanz, weil viele Kosten fehlen, aber die Richtung ist eindeutig: Auf Ebene des wichtigsten Produkts hat Apple rund zehn Prozentpunkte Rohmarge abgegeben, und der Preisaufschlag hat nur einen Teil davon zurückgeholt.

Man kann das auch von der anderen Seite betrachten. Hätte Apple die Kostensteigerung vollständig weitergegeben, läge das iPhone 18 Pro bei rund 1.255 Dollar. Hätte Apple die alte Rohmarge von 63 Prozent verteidigen wollen, läge es bei rund 1.520 Dollar. Die Entscheidung für 1.199 Dollar ist also eine Entscheidung gegen die Marge und für die Stückzahl. TrendForce hatte genau das vorhergesagt: Apple werde dem Muster der MacBook-Preiserhöhungen vom Juni folgen und einen Teil der Bruttomarge opfern, um die Auslieferungen zu schützen.

Der Speicher hat den Prozessor überholt

Um zu verstehen, warum ein Konzern mit über 50 Prozent Bruttomarge freiwillig Marge abgibt, muss man sich die Struktur der Kostensteigerung ansehen. TrendForce zufolge machte der Speicher, also DRAM und NAND-Flash, vor einem Jahr rund zehn Prozent der Bauteilkosten eines 256-Gigabyte-Pro-Modells aus. Im dritten Quartal 2026 sind es rund 34 Prozent. Im ersten Halbjahr 2027 sollen es über 40 Prozent sein. Die Speicherpreise sind seit Anfang 2025 um das Fünf- bis Siebenfache gestiegen. Damit ist der Speicher zum teuersten Einzelbauteil des Telefons geworden, teurer als der Prozessor A20 Pro und teurer als das OLED-Display.

Das erlaubt eine zweite Rechnung, die noch aufschlussreicher ist als die erste. Zehn Prozent von 408 Dollar sind rund 41 Dollar Speicher im alten Gerät. 34 Prozent von 563 Dollar sind rund 191 Dollar Speicher im neuen. Der Speicher allein ist also um rund 150 Dollar teurer geworden. Die gesamte Kostensteigerung beträgt 155 Dollar. Anders gesagt: Alle anderen Bauteile zusammen, der neue Zwei-Nanometer-Prozessor von TSMC, die Kamera mit variabler Blende, das größere Modem, das kleinere Dynamic Island, haben Apple rund fünf Dollar mehr gekostet. Fast die gesamte Verteuerung des iPhone 18 Pro ist eine Verteuerung von Speicherchips, die sich seit einem Jahr nicht verändert haben. Nur ihr Preis hat sich verändert.

Das ist der Kern der Geschichte, und er hat mit Apple wenig zu tun. Der Speicher ist teurer geworden, weil die Rechenzentren der KI-Anbieter ihn aufkaufen. Rund 70 Prozent aller Speicherchips gehen inzwischen in Server. Die Hersteller, Samsung, SK hynix und Micron, verschieben ihre Kapazitäten dorthin, wo die Marge am höchsten ist, und das ist der High-Bandwidth-Speicher für KI-Beschleuniger. Was übrig bleibt, wird zwischen Smartphone-, PC- und Konsolenherstellern versteigert. Apple ist der größte Einzelkunde in diesem Markt und bekommt vermutlich die besten Konditionen. Wenn selbst Apple 38 Prozent mehr bezahlt, bezahlen alle anderen mehr.

Die Rechnung aus Cupertino

Apple selbst hat diese Entwicklung ungewöhnlich offen kommentiert. Auf seiner letzten Bilanzkonferenz als Vorstandschef am 30. Juli sprach Tim Cook von einer „Jahrhundertflut“ bei den Speicherpreisen, mit exponentiellen Steigerungen, und fügte hinzu, dass er diese Formulierung in mehr als vierzig Jahren in der Branche noch nie benutzt habe. Der Speicher, so Cook, sei im März teurer geworden, im Juni, werde im September wieder teurer und danach weiter steigen. Finanzchef Kevan Parekh ergänzte, dass die Speicherkosten mehr als hundert Prozent des Margenrückgangs im Quartalsvergleich erklärten.

Die Bilanz des Juni-Quartals zeigt, was das bedeutet. Der Umsatz stieg um 16 Prozent auf 109,4 Milliarden Dollar, das iPhone legte um 22 Prozent auf 54,3 Milliarden Dollar zu, der Mac um 29 Prozent, die Dienste um zwölf Prozent auf 30,7 Milliarden Dollar. Die Bruttomarge lag bei 50,1 Prozent, enthielt aber rund zwei Prozentpunkte aus einer Zollrückerstattung. Ohne diesen Sondereffekt wäre die Marge im Quartalsvergleich gesunken. Die Produktmarge lag bei 40,1 Prozent, die Dienstemarge bei 75,6 Prozent. Für das laufende September-Quartal stellte Apple eine Bruttomarge zwischen 47 und 48 Prozent in Aussicht, bei einem Umsatzwachstum von neun bis elf Prozent. Das sind zwei bis drei Prozentpunkte weniger Marge als im Juni, und das September-Quartal enthält erst zwei Wochen iPhone 18.

Interessant ist, wie unterschiedlich Apple die Preiserhöhungen verteilt hat. Im Juni stiegen die Preise für MacBook Air um 200 Dollar, für das Mac Studio mit M3 Ultra um 1.300 Dollar, für iPads um hundert Dollar; im Schnitt lag der Aufschlag über die betroffenen Produkte bei rund 23 Prozent. Das iPhone blieb damals verschont. Jetzt bekommt es neun Prozent. Der Unterschied ist kein Zufall. Das iPhone steht für rund die Hälfte des Konzernumsatzes und für den größten Teil des Zugangs zu den Diensten, deren Marge 75 Prozent beträgt. Ein Mac-Käufer, der wegen 200 Dollar Aufschlag ein Jahr wartet, kostet Apple einen Mac. Ein iPhone-Käufer, der wegen 200 Dollar Aufschlag zu Android wechselt, kostet Apple ein iPhone, ein Abonnement, einen App-Store-Anteil und ein Familienmitglied im Ökosystem. Apple schützt die Marge dort, wo der Kunde am wenigsten ausweicht, und schützt das Volumen dort, wo der Kunde am wertvollsten ist.

Dazu kommt eine Verschiebung, die die Rechnung erträglicher macht. Der Anteil der Pro-Modelle an den iPhone-Auslieferungen ist nach Branchenschätzungen von 37 Prozent im Jahr 2020 auf 65 Prozent im Jahr 2025 gestiegen. Zwei von drei verkauften iPhones sind inzwischen Pro-Geräte. Das heißt, dass die hundert Dollar Aufschlag auf den größten Teil des Volumens wirken, und es heißt, dass Apple seine Preiserhöhung an genau die Kunden adressiert, die in den vergangenen fünf Jahren freiwillig nach oben gewandert sind.

Das Faltgerät als Preisanker

Das iPhone Duo ist in dieser Rechnung ein Sonderfall. Es kostet ab 1.999 Dollar für 256 Gigabyte und bis zu 3.199 Dollar für zwei Terabyte, öffnet sich wie ein Buch auf ein 7,6-Zoll-Display, hat außen einen 5,4-Zoll-Bildschirm, zwei Akkus und kommt am 23. Oktober in mehr als 70 Märkte. Samsung, seit sieben Generationen im Markt, listet sein Galaxy Z Fold8 mit 256 Gigabyte ab 1.649,99 Dollar und das Fold8 Ultra ab 1.799,99 Dollar. Apple positioniert sich also 200 bis 350 Dollar über dem etablierten Konkurrenten, für ein Produkt der ersten Generation.

Ob das aufgeht, ist eine Frage der Stückzahl, und die Stückzahlen sind klein. IDC schätzt, dass Faltgeräte 2026 rund 2,2 Prozent aller Smartphone-Einheiten ausmachen, aber 6,9 Prozent des Umsatzes; bis 2030 sollen es 3,1 Prozent der Einheiten und rund zehn Prozent des Werts sein. Für Apple rechnet IDC mit einem Anteil von 46 Prozent des globalen Faltgerätemarkts bis 2030, rund 16,3 Millionen Geräte, und 58 Prozent des Werts. In China, dem größten Faltmarkt, hielt Huawei im zweiten Quartal 79,4 Prozent der Einheiten. Ben Bajarin von Creative Strategies erwartet eine „sehr hohe“ Nachfrage und 20 bis 25 Prozent Marktanteil für Apple, ein Analyst verdoppelte seine Schätzung für den Anteil des Duo am iPhone-Umsatz des Geschäftsjahres 2027 von fünf auf zehn Prozent. AT&T-Chef John Stankey dagegen sagte trocken, das sei „nichts Neues“, und erwartet eine Nische unter Premium-Käufern.

Für die Margenfrage ist das Duo weniger wichtig als Volumenprodukt und wichtiger als Preisanker. Ein 1.999-Dollar-iPhone macht ein 1.199-Dollar-iPhone optisch günstiger. Und die Speicherstaffel des Duo zeigt, wo Apple seine Marge in Zeiten teurer Chips künftig holen wird: Der Sprung von 256 Gigabyte auf zwei Terabyte kostet 1.200 Dollar. Selbst zu den heutigen Speicherpreisen liegt der Aufpreis weit über den Bauteilkosten. Die Speicherknappheit verteuert das Basismodell, aber sie macht die Aufpreisstufen nicht weniger lukrativ. Wer bei Apple mehr Speicher kauft, subventioniert den Speicher, den alle anderen kaufen.

Wer die Rechnung wirklich bezahlt

Die Gegenseite dieser Geschichte sitzt in Boise, Suwon und Icheon. Micron notierte am Dienstag knapp über 1.000 Dollar je Aktie, nachdem die Aktie im Tagesverlauf an einem Hoch über 1.041 Dollar gescheitert war. Die Speicherhersteller verdienen an derselben Knappheit, die Apples Marge drückt, und zwar in derselben Größenordnung: Was bei Apple als 150 Dollar Speicher pro Gerät auf der Kostenseite steht, steht bei Samsung, SK hynix und Micron auf der Umsatzseite. Bei 247,4 Millionen ausgelieferten iPhones im Jahr 2025, einem Rekord laut IDC, und einem Pro-Anteil von 65 Prozent geht es allein bei den Pro-Modellen um eine Größenordnung von 20 bis 25 Milliarden Dollar zusätzlicher Speicherausgaben pro Jahr, wenn sich die Preise auf dem heutigen Niveau halten.

TrendForce erwartet, dass die weltweite Smartphone-Produktion vom zweiten Halbjahr 2026 bis 2027 unter Druck bleibt, und dass Android-Hersteller die Marge noch stärker gequetscht sehen als Apple. Das ist die eigentliche Wettbewerbsverschiebung. Apple kann 55 Dollar pro Gerät schlucken, weil es 40 Prozent Produktmarge hat. Ein Hersteller mit acht Prozent Marge kann das nicht. Er muss entweder den vollen Betrag weitergeben, was bei einem 400-Dollar-Telefon einen Aufschlag von einem Drittel bedeutet, oder er muss den Speicher reduzieren, was das Gerät schlechter macht, oder er muss die Stückzahl senken. TrendForce nennt das Einstiegs- und Mittelklassesegment als das verwundbarste. In einer Speicherknappheit ist die Marge selbst ein Wettbewerbsvorteil, denn sie ist der Puffer, der die Preiserhöhung beim Kunden kleiner macht als beim Konkurrenten.

Betroffene Aktien aus Sicht deutscher und österreichischer Anleger

Wer das Thema aus dem deutschsprachigen Raum spielen will, findet keinen Speicherhersteller an der Frankfurter Börse, aber mehrere Werte, die an der Kette hängen. Siltronic aus München stellt die Siliziumwafer her, auf denen auch Speicherchips gefertigt werden; steigt die Speichernachfrage, steigt die Waferauslastung, und Siltronic ist einer der wenigen europäischen Werte mit direkter Volumenbeziehung zum Speicherzyklus. Aixtron liefert Anlagen, Süss MicroTec Prozessausrüstung, und ASML in Veldhoven verkauft die Lithografiesysteme, mit denen Samsung, SK hynix und Micron ihre Kapazitäten erweitern; alle drei Hersteller haben angekündigt, in 2026 und 2027 deutlich mehr in DRAM-Kapazität zu investieren. Infineon ist in diesem Zusammenhang der falsche Reflex: Der Konzern produziert Leistungshalbleiter und Sensoren, keinen Speicher, und profitiert vom Apple-Thema kaum.

Auf der anderen Seite der Rechnung stehen der Handel und die Netzbetreiber. Ceconomy, die Mutter von MediaMarkt und Saturn, verdient an Smartphones vor allem über den Mix, und teurere Geräte erhöhen den Umsatz je Kunde, aber nicht zwingend die Marge, wenn die Nachfrage ausdünnt. Deutsche Telekom, Vodafone und in Österreich A1 und Magenta subventionieren Endgeräte über Vertragslaufzeiten; ein 100-Dollar-Aufschlag verlängert entweder die Laufzeit oder erhöht die monatliche Rate, und beides ist ein Test für die Zahlungsbereitschaft, der in den Neukundenzahlen des vierten Quartals sichtbar werden wird.

Für die Apple-Aktie selbst gilt der übliche Hinweis: Sie ist an der Nasdaq notiert, Dividenden unterliegen der US-Quellensteuer, die mit dem Formular W-8BEN von 30 auf 15 Prozent reduziert wird, und die Differenz wird auf die deutsche Abgeltungsteuer von 26,375 Prozent inklusive Solidaritätszuschlag beziehungsweise die österreichische Kapitalertragsteuer von 27,5 Prozent angerechnet. Bei einem Kurs von rund 317 Dollar und einer Quartalsdividende von 27 Cent ist die Dividendenrendite mit rund 0,3 Prozent allerdings so klein, dass die steuerliche Behandlung praktisch nur für Kursgewinne relevant ist. Wer in Deutschland unter dem Sparer-Pauschbetrag von 1.000 Euro bleibt, zahlt auf Kursgewinne nichts; in Österreich gibt es keinen vergleichbaren Freibetrag.

Die Gegenargumente

Erstens: Die Bauteilkosten sind nicht die Herstellkosten. Eine Bill of Materials von 408 oder 563 Dollar lässt Fertigung, Prüfung, Verpackung, Fracht, Zölle, Garantie und Softwareentwicklung außen vor. Die 40,1 Prozent Produktmarge, die Apple ausweist, sind der Wert, der zählt, und er liegt weit unter den 63 oder 53 Prozent der reinen Bauteilrechnung. Die zehn Prozentpunkte Rohmargenverlust auf Bauteilebene übersetzen sich in weniger Prozentpunkte auf Konzernebene, weil die Dienste mit 75 Prozent Marge einen immer größeren Teil des Umsatzes stellen. Apples Prognose von 47 bis 48 Prozent für das September-Quartal ist genau das: eine Konzernmarge, die den Speicherschock spürt, aber nicht abbildet.

Zweitens: Der Preis ist bei Apple historisch selten die bindende Größe. JPMorgan verweist darauf, dass der Zusammenhang zwischen iPhone-Preisen und Stückzahlen in der Vergangenheit schwach war. Als das iPhone X 2017 mit 999 Dollar den Preis um 54 Prozent anhob, folgte kein Volumeneinbruch, sondern die Wanderung in die Pro-Klasse, die heute bei 65 Prozent steht. Und Apple hat für das laufende Quartal ausdrücklich Lieferengpässe bei fortgeschrittenen Chipknoten angekündigt. Wenn die Nachfrage das Angebot übersteigt, ist der Preis nicht das Problem, sondern ein Regler, und ein höherer Preis ist dann eine rationale Antwort auf Knappheit, nicht ein Risiko für das Volumen.

Drittens: Der Speicherzyklus dreht. Fünf- bis siebenfache Preise in achtzehn Monaten sind keine neue Normalität, sondern ein Extrem, und Extreme in der Speicherbranche haben sich noch jedes Mal in Überkapazität aufgelöst. Samsung, SK hynix und Micron bauen aus, und die Speicherknappheit von 2026 wird die Speicherschwemme von 2028 vorbereiten. Wer heute Apples Marge abschreibt, weil der Speicher 34 Prozent der Bauteile ausmacht, muss auch die Gegenbewegung mitdenken: Wenn der Speicherpreis fällt und Apple die 1.199 Dollar behält, kommt die Marge in der Umkehrung zurück. Die Preiserhöhung ist dauerhaft, die Kostensteigerung ist zyklisch.

Viertens, und das betrifft die Aktie: Seit dem ersten iPhone 2007 hat die Apple-Aktie in den sechzig Tagen nach jedem Vorstellungstermin zugelegt, siebzehn von siebzehn Mal. Wamsi Mohan von der Bank of America, der ein Kursziel von 380 Dollar hält, beschreibt das Muster als Verkauf zum Ereignis und Erholung binnen 30 bis 60 Tagen. Jefferies hält mit einem Kursziel von 263,66 Dollar und der Einstufung „Underperform“ dagegen und sieht 16 Prozent Abwärtspotenzial. Beide Positionen sind mit denselben Zahlen vereinbar, weil beide über etwas anderes reden: Mohan über den Zyklus, Jefferies über die Bewertung.

Ausblick: Die Zahl, die im Oktober zählt

Der Verkauf des iPhone 18 Pro beginnt am 18. September, Vorbestellungen ab dem 12. Das Duo folgt am 23. Oktober. Ende Oktober wird Apple die Zahlen für das September-Quartal vorlegen, John Ternus‘ erstes als Vorstandschef, und die Zahl, die man in diesem Bericht lesen sollte, ist nicht der iPhone-Umsatz. Es ist die Produktmarge. Sie lag im Juni bei 40,1 Prozent. Wenn sie im September unter 38 Prozent fällt, hat der Speicher gewonnen und die hundert Dollar haben nicht gereicht. Wenn sie über 39 Prozent bleibt, hat Apple mit dem Mix aus Preisaufschlag, Speicherstaffel und Pro-Anteil die Jahrhundertflut vorerst kanalisiert.

Die zweite Zahl kommt nicht von Apple, sondern von Micron am 30. September, wenn der Speicherhersteller sein Quartal vorlegt und seinen Ausblick für die Vertragspreise gibt. Cook hat gesagt, der Speicher werde im September wieder teurer. TrendForce erwartet, dass der Speicheranteil an den Bauteilen im ersten Halbjahr 2027 über 40 Prozent steigt. Beides bedeutet, dass die 38 Prozent vom August nicht das Ende sind. Das iPhone 18 Pro ist mit einer Speicherrechnung kalkuliert, die schon im nächsten Frühjahr veraltet sein wird, und dann muss Apple entscheiden, ob es noch einmal Marge abgibt oder ob die Preisrunde vom Mittwoch nur die erste war.

Was am Mittwoch nicht gesagt wurde, ist damit die eigentliche Nachricht. Apple hat kein teureres iPhone vorgestellt. Apple hat ein iPhone vorgestellt, dessen Bauteile 155 Dollar teurer geworden sind, und hundert Dollar davon an den Kunden weitergereicht. Die restlichen 55 Dollar stehen in keiner Pressemitteilung. Sie stehen in der Margenprognose für das September-Quartal, zwei bis drei Prozentpunkte unter dem Juni, und sie werden dort stehen bleiben, bis entweder der Speicherpreis fällt oder der iPhone-Preis noch einmal steigt.

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