Am Donnerstagabend hat Oracle die Zahlen für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 vorgelegt, und auf den ersten Blick war es das Quartal, das der Markt seit einem Jahr bestellt hatte. Der Umsatz stieg um 30 Prozent auf 19,35 Milliarden Dollar, mehr als die 19,14 Milliarden, die die Analysten erwartet hatten. Das bereinigte Ergebnis je Aktie lag mit 1,92 Dollar deutlich über den 1,74 Dollar des Konsenses. Der Umsatz mit Cloud-Infrastruktur, also mit den Rechenzentren, die Oracle für KI-Kunden baut, wuchs um 121 Prozent auf 7,4 Milliarden Dollar, nachdem er im Vorquartal noch um 93 Prozent zugelegt hatte. Der Auftragsbestand, die sogenannten Remaining Performance Obligations, erreichte 664 Milliarden Dollar. Und die Jahresprognose wurde angehoben: mindestens 90 Milliarden Dollar Umsatz, ein Plus von 34 Prozent in konstanten Währungen, wo im Juni noch von 27 bis 29 Prozent die Rede war.
Die Aktie hatte im regulären Handel 5,4 Prozent auf 152,94 Dollar verloren, weil die Anleihemärkte an diesem Tag jede Aktie mit großem Kapitalbedarf abverkauften, und sie holte davon nachbörslich, je nach Zeitpunkt, vier bis sechs Prozent wieder auf. Unter dem Strich stand sie damit ungefähr dort, wo sie am Mittwoch geschlossen hatte. Für einen Konzern, der vor genau einem Jahr an einem einzigen Tag nach seinen Quartalszahlen 36 Prozent gewonnen hatte, ist das eine bemerkenswert nüchterne Reaktion. Sie lässt sich nur verstehen, wenn man die Zahlen liest, die nicht in der Schlagzeile standen.
Die Kapitalflussrechnung erzählt eine andere Geschichte als die Gewinn- und Verlustrechnung
Oracle hat im Quartal 28,5 Milliarden Dollar in Sachanlagen investiert, fast ausschließlich in Rechenzentren, Grafikprozessoren, Stromversorgung und Kühlung. Zum Vergleich: Im gleichen Quartal des Vorjahres waren es 8,5 Milliarden. Im gesamten Geschäftsjahr 2025, das im Mai 2025 endete, hatte Oracle 21,2 Milliarden Dollar investiert. Ein einziges Quartal des laufenden Jahres übertrifft damit ein komplettes Jahr, das damals bereits als Rekord galt. Im Geschäftsjahr 2026 waren es 55,7 Milliarden, und für das laufende Geschäftsjahr 2027 nennt Finanzchefin Hilary Maxson eine Spanne von 90 bis 95 Milliarden Dollar.
Man muss diese Zahl neben die Umsatzprognose legen, um ihre Dimension zu erfassen. Oracle rechnet für dieses Geschäftsjahr mit mindestens 90 Milliarden Dollar Umsatz. Und es rechnet mit 90 bis 95 Milliarden Dollar Investitionen. Der Konzern gibt in diesem Jahr also für den Bau von Rechenzentren mindestens so viel aus, wie er insgesamt einnimmt, mit allen Datenbanklizenzen, allen Anwendungen, allen Wartungsverträgen, aller Hardware. Bei den großen Hyperscalern liegt das Verhältnis von Investitionen zu Umsatz grob zwischen einem Fünftel bei Amazon und Alphabet und rund der Hälfte bei Meta. Bei Oracle liegt es bei etwa hundert Prozent. Das ist kein Softwarekonzern mehr, der nebenbei Cloud betreibt. Das ist ein Kraftwerksbauer, der nebenbei Software verkauft.
Der operative Cashflow im Quartal betrug 23,1 Milliarden Dollar, ein Plus von 184 Prozent. Diese Zahl klingt beeindruckend, und sie wurde am Donnerstag entsprechend hervorgehoben. Sie reichte trotzdem nicht: Nach Abzug der Investitionen blieb ein freier Cashflow von minus 5,4 Milliarden Dollar. Der Konzern hat im Quartal also mehr Geld ausgegeben, als er eingenommen hat, trotz eines Rekordgewinns, trotz einer operativen Marge nach GAAP von 35 Prozent, trotz eines Nettoergebnisses von 4,7 Milliarden Dollar. Gewinn und Cashflow haben sich bei Oracle voneinander gelöst.
Elf Milliarden davon sind Vorkasse
Der Punkt, der die Zahlen erst wirklich lesbar macht, steckt in einer Nebenbemerkung der Finanzchefin. Hilary Maxson sagte in der Telefonkonferenz wörtlich: „Unsere Investitionen im Quartal betrugen 28 Milliarden Dollar, was zu einem negativen freien Cashflow von 5 Milliarden Dollar führte. Und unsere Netto-Cash-Investitionen, also netto nach Vorauszahlungen, lagen bei 18 Milliarden Dollar im Quartal.“ Der Unterschied zwischen 28 und 18 Milliarden sind Vorauszahlungen von Kunden. Konkret enthielt der operative Cashflow von 23,1 Milliarden Dollar 11,4 Milliarden Dollar, die Kunden für Rechenkapazität bezahlt haben, die sie noch gar nicht bekommen haben.
Rechnet man diese Vorkasse heraus, hat Oracle aus dem laufenden Geschäft im Quartal rund 11,7 Milliarden Dollar erwirtschaftet. Dem stehen 28,5 Milliarden Dollar Investitionen gegenüber. Die Lücke von knapp 17 Milliarden Dollar wurde auf zwei Wegen geschlossen: durch die 11,4 Milliarden Vorkasse der Kunden und durch den Verkauf eigener Aktien über ein sogenanntes At-the-Market-Programm, das im Quartal abgeschlossen wurde und netto 19,9 Milliarden Dollar einbrachte. Die Zahl der ausstehenden Aktien stieg dadurch binnen Jahresfrist um 3,1 Prozent auf 3,0 Milliarden. Jeder Aktionär, der vor einem Jahr ein Prozent von Oracle besaß, besitzt heute 0,97 Prozent, und er hat dafür keinen Cent erhalten.
Das ist der Kern des Quartals, und er lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Oracle hat im Sommer 2026 für 28,5 Milliarden Dollar Rechenzentren gebaut, und bezahlt haben das zu je etwa 40 Prozent die Kunden im Voraus und die Aktionäre durch Verwässerung, während das eigene Geschäft den Rest beisteuerte. Das ist kein Vorwurf. Es ist eine Beschreibung des Geschäftsmodells, wie es sich in diesem Jahr darstellt.
Warum Vorkasse nicht dasselbe ist wie Umsatz
Kundenvorauszahlungen sind in der Kapitalflussrechnung Geld, das hereinkommt. In der Bilanz sind sie eine Verbindlichkeit: Oracle schuldet dem Kunden dafür Rechenleistung. Der Umsatz entsteht erst, wenn die Kapazität geliefert und genutzt wird, Quartal für Quartal über die Laufzeit des Vertrags. Für den Kunden ist die Vorauszahlung eine Reservierung: Wer 2026 sicher sein will, 2027 und 2028 Grafikprozessoren zu bekommen, zahlt heute einen Teil des Preises an, weil die Kapazität knapp ist. Oracle meldete eine Auslastung seiner GPU-Flotte von 97,9 Prozent und Vertragsverlängerungen, die im Schnitt 20 Prozent über dem ursprünglichen Preis abgeschlossen wurden. In einem solchen Verkäufermarkt ist Vorkasse rational, auf beiden Seiten.
Sie hat aber eine Eigenschaft, die man im Kopf behalten muss: Sie ist nicht wiederholbar. Ein Kunde zahlt einmal im Voraus, und dann liefert Oracle jahrelang gegen dieses Geld. In den Quartalen, in denen die Kapazität dann tatsächlich läuft, erscheint der Umsatz, aber kein neuer Cashflow, weil das Geld schon da war. Der operative Cashflow von 23,1 Milliarden Dollar im ersten Quartal ist deshalb keine Basis, die man einfach mit vier multiplizieren darf. Er enthält Geld für Lieferungen, die erst später stattfinden, und in diesem Sinne ist er ein Vorgriff auf künftige Quartale.
Co-Chef Clay Magouyrk hat das Prinzip auf der Konferenz offen ausgesprochen: „Kapital ist nach wie vor nötig, um diese Arbeit zu leisten, aber es muss nicht alles von Oracles Seite kommen. Es muss nicht Oracle-Capex sein.“ Er nannte drei Wege: Finanzierung durch Zulieferer, die erst bezahlt werden, wenn der Kunde Oracle bezahlt; Kunden, die ihre eigene Hardware in Oracle-Rechenzentren stellen; und eben die Vorauszahlungen. Für das Gesamtjahr sollen die Netto-Cash-Investitionen deshalb bei höchstens 70 Milliarden Dollar liegen, obwohl die Bruttoinvestitionen 90 bis 95 Milliarden betragen. Die Differenz von 20 bis 25 Milliarden Dollar tragen Lieferanten und Kunden. Das ist die eigentliche Neuigkeit dieses Quartals: Oracle hat aufgehört, seine Rechenzentren allein zu finanzieren, weil es sie allein nicht mehr finanzieren kann.
125 Milliarden Schulden, und die Zinsen steigen
Denn der Konzern hat, anders als Microsoft, Alphabet oder Amazon, kein Nettoguthaben, aus dem er schöpfen könnte. Oracle trägt rund 125 Milliarden Dollar Schulden. Der Zinsaufwand im Quartal lag bei 1,43 Milliarden Dollar, ein Plus von 55 Prozent, und das entspricht einer Jahresrate von gut 5,7 Milliarden Dollar, was etwa siebzig Prozent eines bereinigten operativen Quartalsgewinns von 8,2 Milliarden entspricht. Für das Geschäftsjahr 2027 hat Oracle eine Kapitalaufnahme von 40 Milliarden Dollar angekündigt, davon die 20 Milliarden aus dem abgeschlossenen Aktienverkauf und weitere rund 20 Milliarden Anfang 2027, ursprünglich als Anleihen geplant, nach Gesprächen mit den Ratingagenturen inzwischen möglicherweise erneut teilweise als Aktien.
Der Zeitpunkt ist ungünstig. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stand am Donnerstag bei 4,95 Prozent, so hoch wie zuletzt 2023, und die Terminmärkte preisen die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung der Fed in der kommenden Woche mit 73 Prozent. Jede Anleihe, die Oracle 2027 begibt, wird teurer als die von 2025, und ein Konzern mit 125 Milliarden Dollar Schulden und einem freien Cashflow von minus 23,7 Milliarden im vergangenen Geschäftsjahr ist kein Schuldner erster Klasse mehr. Genau deshalb weichen die Ratingagenturen auf Eigenkapital aus, und genau deshalb ist die Aktie am Donnerstag im regulären Handel gefallen, als die Renditen stiegen: Der Markt hat vor der Vorlage der Zahlen die Finanzierungskosten neu bewertet, nicht das Geschäft.
664 Milliarden Auftragsbestand, und was davon ankommt
Der Auftragsbestand von 664 Milliarden Dollar ist die Zahl, mit der Oracle seine Investitionen rechtfertigt. Sie ist real, im Sinne unterschriebener Verträge, und sie ist gleichzeitig eine Zahl, die man mit Vorsicht behandeln muss. Er stieg gegenüber dem Vorjahr um 209 Milliarden Dollar, gegenüber dem Vorquartal aber nur noch um 26 Milliarden, nachdem er im Frühjahrsquartal noch um 85 Milliarden zugelegt hatte. Das Tempo des Zuwachses hat sich also spürbar verlangsamt, obwohl Oracle im Quartal nach eigener Angabe neue KI-Verträge über mehr als 30 Milliarden Dollar unterschrieben hat. Der Unterschied erklärt sich dadurch, dass inzwischen jedes Quartal ein Teil des Auftragsbestands als Umsatz abgearbeitet wird, und dieser Teil wird größer.
Oracle erwartet, dass rund die Hälfte des Bestands innerhalb von 36 Monaten zu Umsatz wird, also grob 330 Milliarden Dollar in drei Jahren oder etwa 110 Milliarden im Jahr. Das liegt oberhalb des gesamten Jahresumsatzes von 90 Milliarden, den der Konzern für das laufende Jahr erwartet, was zeigt, wie stark der Bestand auf die Jahre 2028 und 2029 ausgerichtet ist. Der größte Einzelposten ist bekannt: OpenAI hat sich verpflichtet, ab 2027 über fünf Jahre Rechenkapazität für rund 300 Milliarden Dollar abzunehmen, Meta hat 20 Milliarden zugesagt. Ein erheblicher Teil des Auftragsbestands hängt damit an einem einzigen Kunden, dessen eigenes Geschäftsmodell noch keinen Gewinn abwirft und der seine Rechnungen bei Oracle künftig aus Mitteln bezahlen wird, die er selbst erst einwerben muss.
Die Vorauszahlungen von 11,4 Milliarden Dollar sind in diesem Zusammenhang doppelt zu lesen. Sie sind einerseits das stärkste Argument dafür, dass die Nachfrage echt ist: Niemand überweist elf Milliarden für eine Kapazität, die er nicht braucht. Sie sind andererseits ein Hinweis darauf, dass Oracle die Vorkasse braucht, um die Kapazität überhaupt bauen zu können. Es ist ein Kreislauf, in dem der Kunde dem Lieferanten das Geld leiht, mit dem der Lieferant das Produkt baut, das der Kunde später kauft. Solange der Kunde zahlungsfähig bleibt, funktioniert das. Und solange die Kapazität am Ende zu 97,9 Prozent ausgelastet ist, verdient Oracle daran. Beide Bedingungen gelten heute. Keine von beiden ist garantiert.
Was die Zahlen für deutsche und österreichische Anleger bedeuten
Für hiesige Anleger ist Oracle zunächst über den Umweg der Zulieferer relevant. Siemens Energy liefert Gasturbinen und Netztechnik für Rechenzentren, und die 850 Megawatt, die Oracle allein im ersten Quartal ans Netz gebracht hat, fast dreimal so viel wie im Vorquartal und 73 Prozent der gesamten Leistung des vergangenen Geschäftsjahres, sind exakt die Nachfrage, die in den Auftragsbüchern von Siemens Energy als Stromversorgung für KI-Standorte erscheint. Infineon verdient an der Leistungselektronik, die den Strom auf die Grafikprozessoren verteilt. Beide Titel profitieren davon, dass Oracle baut, und beide leiden, wenn Oracle die Investitionen kürzt. Man sollte sich dabei bewusst sein, dass die 90 bis 95 Milliarden nur so lange fließen, wie die Finanzierung steht.
SAP ist der zweite Blickwinkel. Oracle ist im Anwendungsgeschäft, das nur noch um 10 Prozent wuchs und mit 4,2 Milliarden Dollar inzwischen deutlich kleiner ist als die Infrastruktursparte, der direkte Konkurrent der Walldorfer. Co-Chef Mike Sicilia betonte, KI sei „ein Beschleuniger, kein Ersatz für Standardanwendungen“, und nannte Einführungszeiten im Gesundheitswesen, die von hohen zweistelligen Monaten auf einstellige Monate gesunken seien. Das ist genau das Argument, mit dem auch SAP seine Cloud-Migration verteidigt, und es ist für beide gleichermaßen unbewiesen. Wer SAP hält, sollte zur Kenntnis nehmen, dass der Wettbewerber sein Anwendungsgeschäft zunehmend als Anhängsel eines Rechenzentrumsgeschäfts betreibt, mit allen Vor- und Nachteilen, die das für die Investitionsbereitschaft in die Software bedeutet.
Wer Oracle direkt hält oder kauft, hält eine US-Aktie mit einer Quartalsdividende von 0,50 Dollar. In Deutschland unterliegen Dividende und Kursgewinn der Abgeltungsteuer von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag, zusammen 26,375 Prozent, in Österreich der Kapitalertragsteuer von 27,5 Prozent. Die US-Quellensteuer von 15 Prozent bei hinterlegtem Formular W-8BEN wird in beiden Ländern angerechnet. Bemerkenswert ist an dieser Stelle, dass Oracle die Dividende von rund 1,5 Milliarden Dollar pro Quartal weiterhin bezahlt, während der freie Cashflow negativ ist. Die Ausschüttung wird damit, rein rechnerisch, aus den Erlösen des Aktienverkaufs finanziert. Alte Aktionäre bekommen das Geld, das neue Aktionäre einzahlen.
Die Gegenrechnung: Warum die Bullen trotzdem recht haben könnten
Es gibt eine Lesart, in der all das nicht nur unproblematisch, sondern richtig ist. Sie geht so: Oracle hat als einziger der großen Anbieter eine Auslastung von fast 98 Prozent und Verlängerungspreise 20 Prozent über dem Erstvertrag. Das heißt, jedes Rechenzentrum, das heute gebaut wird, ist schon verkauft, bevor es steht. Unter diesen Umständen ist es nicht Verschwendung, so schnell wie möglich zu bauen, sondern die einzige rationale Strategie, denn jeder Monat Verzögerung ist ein Monat, in dem der Kunde woanders hingeht. Die Investitionen von 90 bis 95 Milliarden Dollar sind aus dieser Sicht keine Wette, sondern die Erfüllung bereits unterschriebener Verträge. Der Auftragsbestand ist die Deckung.
Dazu kommt die Bewertung. Oracle notiert nach dem Kursverlust von rund 55 Prozent seit dem Hoch vom September 2025 bei etwa dem Zwanzigfachen des erwarteten Gewinns, während der Umsatz um 30 Prozent und der Infrastrukturumsatz um 121 Prozent wachsen. Kaum ein Titel im S&P 500 bietet diese Kombination aus Wachstum und Multiplikator. Die Kursziele der Analysten liegen im Schnitt bei rund 257 Dollar, mit einer Spanne von 210 Dollar bei Morgan Stanley bis 400 Dollar bei Guggenheim. Selbst das vorsichtigste Ziel liegt fast 40 Prozent über dem aktuellen Kurs. Und die Prognoseanhebung für das Gesamtjahr, von 27 bis 29 Prozent auf 34 Prozent Wachstum, ist keine Kleinigkeit: Sie bedeutet, dass die Kapazität schneller ans Netz kommt als geplant, nicht langsamer.
Man kann diese Argumente ernst nehmen und trotzdem sehen, wo sie hinken. Das Multiplikator-Argument setzt voraus, dass der Gewinn je Aktie tatsächlich bei 8,10 Dollar landet, und dieser Gewinn ist ein bereinigter, der Abschreibungen auf Rechenzentren enthält, deren Nutzungsdauer Oracle selbst festlegt. Und das Auslastungsargument gilt für die heutige Flotte. Ob eine Flotte, die im Jahr 2028 dreimal so groß ist, ebenfalls zu 98 Prozent ausgelastet sein wird, hängt davon ab, ob OpenAI und die anderen Großkunden ihre Verträge dann tatsächlich erfüllen können. Der Auftragsbestand ist ein Versprechen, keine Zahlung.
Ausblick: Drei Zahlen für die nächsten Quartale
Der nächste Termin ist die Oracle AI World vom 25. bis 28. Oktober in Las Vegas mit einem Investorentag am 28. Oktober. Dort wird der Konzern seine Investitionsplanung über 2027 hinaus präzisieren müssen, und die Frage, die im Raum stehen wird, ist nicht, wie viel gebaut wird, sondern wer es bezahlt. Drei Zahlen entscheiden darüber, ob die Geschichte dieses Quartals sich fortsetzt oder kippt.
Erstens der Anteil der Vorauszahlungen am operativen Cashflow. Im ersten Quartal waren es 11,4 von 23,1 Milliarden, also fast die Hälfte. Steigt dieser Anteil weiter, verschiebt sich das Finanzierungsrisiko immer stärker auf die Kunden, und die Kapitalflussrechnung wird immer weniger über das laufende Geschäft aussagen. Sinkt er, weil die Kunden die Vorkasse nicht mehr leisten wollen oder können, muss Oracle die Lücke am Kapitalmarkt schließen, zu Konditionen, die sich gerade verschlechtern. Zweitens der Zuwachs des Auftragsbestands je Quartal. Von 85 Milliarden im Frühjahr auf 26 Milliarden im Sommer ist ein deutlicher Rückgang; fällt die Zahl im zweiten Quartal unter den Umsatz der Infrastruktursparte, schrumpft der Bestand erstmals. Drittens die Konditionen der Kapitalaufnahme Anfang 2027. Kommt sie als Anleihe zu einem Aufschlag, den der Markt als Warnsignal liest, oder erneut als Aktienverkauf, der die Verwässerung auf über sechs Prozent in zwei Jahren treibt, ist das die Antwort auf die Frage, die der Markt am Donnerstag im regulären Handel gestellt hat.
Oracle hat ein Rekordquartal vorgelegt, und es hat gleichzeitig gezeigt, dass es dieses Rekordquartal nicht allein bezahlen konnte. Beides ist wahr. Der Fehler wäre, nur das eine zu sehen.
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