66 Prozent teurer, 64 Prozent billiger: Warum der beste Aktienmarkt der Welt nur das 5,3-Fache kostet

SK hynix – KOSPI bei 5,3-fachem Gewinn

Der koreanische Leitindex KOSPI hat am Montag, dem 7. September 2026, um 4,61 Prozent zugelegt und bei 6.995,39 Punkten geschlossen — 308,18 Punkte im Plus, und exakt 4,61 Punkte zu wenig, um die Marke von 7.000 zurückzuerobern. Eröffnet hatte er bereits 3,34 Prozent höher bei 6.910,78. Samsung Electronics stieg 5,68 Prozent auf 270.000 Won, SK hynix sprang 8,26 Prozent auf 1.783.000 Won. In Tokio kletterte der Nikkei 225 um 1.378 Punkte oder 2,12 Prozent auf 66.399, getragen von SoftBank mit 11,78 Prozent und dem Speicherhersteller Kioxia mit 5,4 Prozent. Wall Street war wegen des Labor Day geschlossen.

Der Auslöser war ein Modell. OpenAI hatte am 3. September GPT-6 Astra zunächst als Vorschau für ausgewählte Partner freigegeben und einen Tag später für zahlende Nutzer geöffnet. Asiens Halbleiterhändler lasen daraus, was sie seit anderthalb Jahren aus jeder Modellankündigung lesen: mehr Rechenzentren, mehr Beschleuniger, mehr hochbandbreitiger Speicher. Das ist die Geschichte, die in jeder Tageszusammenfassung stehen wird.

Es ist nicht die interessante Zahl dieses Tages. Die interessante Zahl steht in einer Fußnote eines Strategiekommentars und lautet 5,3.

Die Zahl des Tages ist nicht 4,61 — sondern 5,3

Timothy Moe, Chefstratege für asiatisch-pazifische Aktien bei Goldman Sachs, hat am Wochenende sein Kursziel für den KOSPI bestätigt: 12.000 Punkte. Er hatte es Anfang Juni von 9.000 angehoben und seither trotz eines der brutalsten Sommer der koreanischen Börsengeschichte nicht angetastet. Interessant ist nicht das Ziel, sondern die Herleitung. Goldman unterstellt für die 12.000 ein Forward-Kurs-Gewinn-Verhältnis von 7,5. Und begründet das damit, dass der Markt aktuell bei rund 5,3 handelt.

5,3-mal Gewinn. Für den Aktienmarkt, der 2026 der mit Abstand beste der Welt ist. Für einen Index, dessen Unternehmen laut Goldman in diesem Jahr ihren Nettogewinn um 360 Prozent steigern. Der S&P 500 wurde Ende August mit gut dem Zwanzigfachen der erwarteten Gewinne bezahlt. Das sind Gewinnrenditen von 18,9 Prozent in Seoul gegen rund 5 Prozent in New York — ein Verhältnis von fast vier zu eins zwischen zwei Märkten, die dieselbe Nachfragewelle bedienen.

Ein Bewertungsabschlag dieser Größenordnung ist kein Abschlag mehr. Er ist eine Aussage. Und die Aussage lautet nicht, dass der Markt die Gewinne bezweifelt. Sie lautet, dass er ihnen keine Zukunft zutraut.

Wie ein Index 66 Prozent steigen und 64 Prozent billiger werden kann

Der KOSPI schloss das Jahr 2025 bei 4.214,17 Punkten ab — nach einem Plus von 76 Prozent das beste Jahr seit 1999 und der höchste Jahresschluss in seiner damals 43-jährigen Geschichte. Von dort auf die 6.995,39 vom Montag sind es 66,0 Prozent. Kein Markt der Welt hat 2026 mehr geliefert.

Und trotzdem ist derselbe Index heute deutlich billiger als im Januar. Das ist keine Meinung, das ist Bruchrechnung. Wenn der Preis das 1,66-Fache beträgt und der Gewinn das 4,6-Fache — 360 Prozent Zuwachs bedeuten genau das —, dann beträgt das Vielfache das 0,36-Fache. Aus einem heutigen Wert von 5,3 folgt rückwärts gerechnet ein Jahresanfangswert von rund 14,7. Der Kurs ist um 66 Prozent gestiegen, das Vielfache um 64 Prozent gefallen. Beides gleichzeitig, im selben Index, in denselben acht Monaten.

Das ist der eigentliche Vorgang des Börsenjahres 2026 in Ostasien, und er wird in den Tagesberichten konsequent übersehen, weil Tagesberichte Prozentzahlen von Indexständen melden und nicht Prozentzahlen von Bewertungsniveaus. Der Markt hat die gesamte Gewinnexplosion entgegengenommen und sich geweigert, auch nur einen Won davon zu kapitalisieren. Er zahlt für ungefähr fünf Jahre dieser Gewinne. Danach, so sein Preis, ist die Sache vorbei.

Genau hier setzt Goldman an, und zwar mit einem Wort, das in der Analyse selten so präzise verwendet wird: Dauer. Nicht die Höhe der Gewinne sei unterschätzt, sondern die Länge des Zyklus. Der Streit in Seoul ist kein Streit über die Gewinnzahl. Über die Gewinnzahl sind sich alle einig. Es ist ein Streit über die Anzahl der Jahre.

Der Juli war kein Gewinneinbruch — er war ein Zeitwerteinbruch

Um zu verstehen, warum das Vielfache so zusammengeschmolzen ist, muss man auf den Sommer schauen. Am 22. Juni schloss der KOSPI bei 9.114,55 Punkten, dem höchsten Stand seiner Geschichte. Am 8. Juli fiel er um 5,35 Prozent auf 7.246,79 und damit mehr als 20 Prozent unter das Hoch, also in einen Bärenmarkt — drei Wochen nach dem Rekord. Der Juli endete mit einem Minus von 28,9 Prozent: der schlechteste Monat, den dieser Index je hatte. Schlechter als der Oktober 1997 mit 27 Prozent, als Korea in die Asienkrise rutschte. Schlechter als der schlimmste Monat der Finanzkrise 2008 mit 23 Prozent. Rund 250 Billionen Won Börsenwert waren weg. Am 28. Juli allein verlor der Index 10,84 Prozent, SK hynix 14,65 Prozent, Samsung mehr als 13 Prozent.

Der Auslöser war kein Quartalsbericht. Es waren Berichte, wonach China mit der Serienfertigung eigener DUV-Lithografieanlagen begonnen habe — jener Maschinenklasse, die der niederländische Konzern ASML seit Jahrzehnten dominiert und ohne die man keine modernen Speicherchips baut. Das ist keine Nachricht über das laufende Quartal. Das ist eine Nachricht über den Endwert. Wenn China die Werkzeuge selbst herstellen kann, dann ist die Frage nicht mehr, wie viel Samsung und SK hynix 2026 verdienen, sondern wie viele Jahre lang sie es noch tun.

Und exakt so hat der Markt reagiert: Er hat den Zeitwert gestrichen, nicht die Gewinnschätzung. Die Gegenprobe ist eindeutig und sie ist die stärkste Einzelzahl dieses Textes. Im selben Zeitraum, in dem der Index 23 Prozent unter sein Hoch fiel, wurde der Konsens für Samsungs Betriebsgewinn im dritten Quartal auf 104,31 Billionen Won angehoben — von 55,52 Billionen Won drei Monate zuvor. Ein Plus von 88 Prozent bei der Schätzung, während der Kurs zusammenbrach.

Wer wissen will, wie reine Multiple-Kompression aussieht, muss nicht in Lehrbücher schauen. Er muss diese beiden Zahlen nebeneinanderlegen.

Was die Warenseite sagt: Verträge, Wafer, Knappheit

Bewertungen sind Meinungen. Kontraktpreise sind unterschriebene Verträge. Und die Verträge erzählen bisher nichts von einem Zyklusende. Der Marktforscher TrendForce erwartet für das dritte Quartal 2026 einen Anstieg der Server-DRAM-Kontraktpreise um 13 bis 18 Prozent gegenüber dem Vorquartal, einzelne Verhandlungsrunden liefen sogar auf 20 bis 30 Prozent hinaus. Gebremst wird der Anstieg nicht von nachlassender Nachfrage, sondern von langfristigen Lieferverträgen, die Preissprünge deckeln.

Dahinter steht eine physische Umverteilung. Hochbandbreitiger Speicher, HBM, beansprucht 2026 rund 23 Prozent der gesamten DRAM-Waferfläche, nach etwa 19 Prozent im Vorjahr. Da ein HBM-Baustein pro Wafer erheblich mehr Fläche verbraucht als konventioneller Speicher, verschwindet mit jedem Prozentpunkt HBM ein Vielfaches an gewöhnlichen Bits aus dem Markt. Das Ergebnis sind Angebotslücken von 4,9 Prozent bei DRAM, 4,2 Prozent bei NAND und 5,1 Prozent bei HBM — die höchsten Werte seit 2011. SK hynix hat öffentlich in Aussicht gestellt, dass die Knappheit über 2030 hinaus reichen könnte.

Die Gewinnzahlen sind entsprechend absurd. SK hynix meldete für das zweite Quartal 2026 einen Rekord-Betriebsgewinn von 64,1 Billionen Won, umgerechnet 43,7 Milliarden Dollar. Samsung stellte 89,4 Billionen Won in Aussicht. Zwei Unternehmen, 150 Billionen Won oder rund 104 Milliarden Dollar Betriebsgewinn in einem einzigen Quartal. Das ist mehr, als die meisten europäischen Konzerne in einem guten Jahrzehnt verdienen — und der Markt bezahlt es mit dem 5,3-Fachen.

Zwei Aktien sind der Index

Bevor jemand aus dem Montagsplus einen breiten koreanischen Aufschwung liest, lohnt eine Gewichtungsrechnung. Samsung Electronics stand zuletzt für 26,04 Prozent, SK hynix für 20,90 Prozent der KOSPI-Marktkapitalisierung — zusammen 46,94 Prozent. Ende des Vorjahres waren es 22,63 Prozent. Ende Mai überschritt das Duo kurzzeitig sogar die 50-Prozent-Marke. Zwei Orderbücher sind der halbe Markt.

Rechnet man die Montagsbewegungen mit diesen Gewichten durch, steuerte Samsung rund 1,48 Prozentpunkte und SK hynix rund 1,73 Prozentpunkte bei — zusammen etwa 3,2 der 4,61 Indexpunkte, also rund 70 Prozent der Tagesbewegung aus zwei Titeln. Marktberichte vom Handelstag zählten 441 fallende Werte, während der Index deutlich im Plus stand. Es war kein Aufschwung Koreas. Es war ein Aufschwung von Speicher, gemessen an einem Index, der zur Hälfte Speicher ist.

In Tokio dasselbe Muster in schwächerer Ausprägung: Der kursgewichtete Nikkei legte 2,12 Prozent zu, der breite Topix nur 22,57 Punkte auf 4.125,80 — 0,55 Prozent. Der Nikkei stieg fast viermal so stark wie der Markt, den er angeblich abbildet. Wer Indexstände als Konjunkturindikator liest, liest an solchen Tagen die Gewichtungsmethode, nicht die Wirtschaft.

Wer am Montag gekauft hat — und wer verkauft hat

Die Flussdaten der koreanischen Börse sind an diesem Tag noch aufschlussreicher als die Kurse. Ausländische Investoren kauften netto 2,5525 Billionen Won, inländische Institutionen 2,6398 Billionen Won. Und die koreanischen Privatanleger verkauften netto 6,8274 Billionen Won.

Das ist eine Umkehrung. Die koreanischen Kleinanleger, im Land respektvoll die Ameisen genannt, waren die tragende Kraft der Rally von 2025. Sie haben die Erholung nach dem Juli-Absturz mitgemacht und nutzen sie nun, um auszusteigen — auf einem Niveau, das immer noch 23 Prozent unter dem Junihoch liegt. Wer sein Depot im Juni bei 9.114 Punkten gesehen und im Juli einen Verlust von 28,9 Prozent in vier Wochen erlebt hat, verkauft eine 4,6-Prozent-Erholung nicht aus Bewertungsdisziplin, sondern aus Erleichterung. Die Gegenseite ist institutionell und ausländisch, und sie bezahlt das 5,3-Fache.

Die dritte Partei sitzt in Amerika und war am Montag geschlossen. Am Freitag zuvor hatte der S&P 500 0,38 Prozent auf 7.718,60 verloren, der Nasdaq Composite 0,29 Prozent auf 26.506,99, der Dow Jones 0,51 Prozent auf 53.414,25 — nachdem die US-Arbeitsmarktdaten mit 162.000 neuen Stellen gegen erwartete 53.000 überraschten und die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung am 16. September wieder anzogen. Angeführt wurden die Verluste von Apple mit 2,55 Prozent, Alphabet mit 2,10 Prozent und Microsoft mit 2,05 Prozent. Das ist die Käuferseite des Speichers. Die Rechnung für 13 bis 18 Prozent teureres Server-DRAM landet nicht bei Samsung, sie landet in den Investitionsbudgets und Abschreibungen von Hyperscalern. Am selben Wochenende, an dem Seoul den Verkäufer feierte, verlor der Käufer an Wert.

Wo deutschsprachige Anleger tatsächlich daranhängen

Deutschland und Österreich haben keinen Speicherhersteller. Der direkteste börsennotierte Anschluss an das koreanische Mengenwachstum ist Siltronic: Der Münchner Konzern liefert 300-Millimeter-Siliziumwafer, das physische Substrat, auf dem DRAM und NAND überhaupt erst entstehen. Wafernachfrage folgt Bitmenge, nicht Bitpreis — das ist ein wichtiger Unterschied. Ein Zyklus, dessen Gewinne aus Preisen und aus HBM-Flächenverbrauch kommen, schlägt bei einem Waferlieferanten deutlich gedämpfter durch als bei SK hynix. Wer über Siltronic auf den Speicherzyklus setzt, setzt auf die Menge, nicht auf die Marge.

Näher an der eigentlichen Engstelle steht Süss MicroTec aus Garching, dessen Bonder-Anlagen in der fortgeschrittenen Verpackung eingesetzt werden — jenem Schritt, in dem HBM-Stapel entstehen. PVA TePla liefert Kristallzucht- und Inspektionstechnik in dieselbe Kette. Und als Kontrastfall lohnt Infineon: ein großer deutscher Halbleiterkonzern, der von diesem Zyklus praktisch nichts sieht, weil Leistungshalbleiter und Automobilchips eine andere Nachfragekurve haben. Genau das ist die Lehre für die Depotzusammenstellung — dies ist kein Halbleiterzyklus, es ist ein Speicherzyklus, und die beiden decken sich nur teilweise.

Wer Korea direkt abbilden will, kommt in der Praxis über breit gestreute Länder-Indexfonds auf den MSCI Korea. Zwei Dinge sollte man dabei kennen. Erstens die Konzentration: Ein solcher Fonds ist zu fast der Hälfte Samsung und SK hynix — es ist eine Wette auf zwei Unternehmen mit Länderetikett. Zweitens die Währung. Der Won stand am 7. September bei 1.343,77 je Dollar, ein Plus von 5,23 Prozent binnen eines Monats und der stärkste Stand seit Juni 2025. Anfang des Jahres war er noch erheblich schwächer. Für Anleger, die in Euro rechnen, war die Währung 2026 also mal Gegenwind, mal Rückenwind — und über kurze Zeiträume kann sie den halben Kurseffekt auffressen oder verdoppeln.

Steuerlich bleibt es unspektakulär: In Deutschland fallen auf Kursgewinne und Dividenden 25 Prozent Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag an, zusammen 26,375 Prozent, bei Kirchensteuerpflicht entsprechend mehr; der Sparer-Pauschbetrag liegt bei 1.000 Euro für Alleinstehende. In Österreich sind es 27,5 Prozent Kapitalertragsteuer ohne Freibetrag. Auf koreanische Dividenden wird an der Quelle einbehalten, nach Doppelbesteuerungsabkommen typischerweise 15 Prozent, die in der Regel anrechenbar sind — bei thesaurierenden Indexfonds erledigt das der Fonds, nicht der Anleger.

Was dagegen spricht

Die Gegenargumente sind ernst zu nehmen, und das stärkste ist zugleich das älteste. Ein niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis auf einem Rekordgewinn ist kein Kaufsignal, sondern das klassische Erkennungszeichen eines Zyklushochs. Zyklische Werte sind am Gipfel optisch billig und am Boden optisch teuer, weil der Nenner sich schneller bewegt als der Zähler. Wenn die Speicherpreise 2027 um 30 Prozent fallen, ist das 5,3-Fache rückblickend ein 15-Faches gewesen. Der Markt bepreist genau dieses Szenario — das ist keine Irrationalität, das ist die Standarderfahrung von vier Jahrzehnten Halbleiterhistorie.

Zweitens ist das China-Argument vom Juli nicht widerlegt worden. Es ist lediglich aus den Schlagzeilen verschwunden. Ob und wie schnell chinesische DUV-Anlagen produktionsreife Ausbeuten erreichen, ist die eigentliche Frage hinter dem Vielfachen, und sie wird sich nicht in einem Quartalsbericht klären lassen, sondern über Jahre.

Drittens: Kapazität reagiert. Rekordmargen sind die verlässlichste Einladung zu Investitionen, die es gibt. Sowohl Samsung als auch SK hynix bauen aus, und Speicherzyklen sind historisch dadurch gestorben, dass alle gleichzeitig fertig wurden. Viertens die Konzentration selbst: Ein Index, der zur Hälfte aus zwei Titeln besteht, hat keine Diversifikation, sondern nur einen Namen dafür. Und fünftens die Makroseite. Am 11. September kommen die US-Verbraucherpreise für August, am 15. und 16. September tagt die Fed. Nach den überraschend starken Arbeitsmarktdaten liegt die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung wieder bei etwa der Hälfte. Höhere US-Zinsen sind für hochbewertete Wachstumsaktien ein Problem — für einen Markt bei 5,3-fachem Gewinn sind sie vor allem ein Währungs- und Kapitalflussthema.

Der Test, der die Frage entscheidet — und der Kalender dazu

Die These dieses Textes lässt sich sauber widerlegen, und das gehört dazu. Wenn die Server-DRAM-Kontraktpreise im vierten Quartal 2026 erstmals seit anderthalb Jahren fallen, während die Gewinnschätzungen weiter steigen, dann hatte der Markt mit dem 5,3-Fachen recht und die Verträge waren das nachlaufende Signal. Fallen die Preise dagegen nicht und wird das Vielfache trotzdem nicht größer, dann handelt es sich nicht mehr um eine Zyklusprognose, sondern um eine dauerhafte Risikoprämie auf die geopolitische Lage in Ostasien — und die verschwindet nicht durch gute Quartalszahlen.

Vier Termine strukturieren die nächsten Wochen. Am 11. September der US-Verbraucherpreisindex, am 16. September der Fed-Entscheid. Anfang Oktober melden Samsung und SK hynix ihre vorläufigen Zahlen zum dritten Quartal — der Moment, in dem sich zeigt, ob die auf 104,31 Billionen Won angehobene Samsung-Schätzung gehalten hat oder ob die Analysten zu weit gegangen sind. Und im Laufe des vierten Quartals die nächste Runde der Kontraktverhandlungen.

Charttechnisch sind zwei Marken relevant, und sie sind ausnahmsweise mehr als Linien: 7.096,89, der Schlussstand vom 23. Juli und damit die Oberkante der Erholung nach dem Absturz, und 9.114,55, das Junihoch. Zwischen beiden liegen rund 28 Prozent — und in diesem Abstand steckt exakt die Frage, um die es geht.

Der Montag in Seoul war ein guter Handelstag mit einer schlechten Erklärung. Nicht ein KI-Modell hat den Index um 4,61 Prozent bewegt, sondern zwei Aktien, die zusammen die Hälfte dieses Index sind, in einem Markt, der seine Gewinne nicht kapitalisiert. Die eigentliche Nachricht ist die Bewertung: Ein Aktienmarkt, dessen Unternehmensgewinne sich in einem Jahr fast verfünffachen, wird mit dem 5,3-Fachen bezahlt, während der amerikanische Markt für dieselbe Nachfragewelle rund das Zwanzigfache kostet.

Das kann zweierlei bedeuten. Entweder Seoul hat recht und die Gewinne sind ein zweijähriges Ereignis, das man nicht kapitalisiert, sondern abschöpft. Oder New York hat recht und die Nachfrage nach Rechenleistung ist strukturell — dann ist der Abschlag der Speicherhersteller auf ihre eigenen Kunden eine der größten Bewertungsanomalien, die dieser Zyklus hervorgebracht hat. Beides gleichzeitig geht nicht. Genau deshalb ist Korea 2026 kein Länderthema, sondern der ehrlichste Preis, den es derzeit auf die Frage gibt, wie lange dieser Boom hält.

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Daniel Herzog
AUTOR

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