1. Lernpfad
  2. Grundlagen der Börse
Modul 1 · Lektion 6/6

Depot, Broker und Orderarten

Wie du ein Depot eröffnest, worauf es bei Brokern ankommt, warum dein Geld bei einer Broker-Pleite sicher ist – und wann du Market-, Limit-, Stop- oder Stop-Limit-Orders einsetzt.

5 Min. Lesezeit Einsteiger 13 Übungen

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Depot ist das Konto für Wertpapiere. Dazu gehört fast immer ein Verrechnungskonto für das Geld.
  • Wertpapiere im Depot sind Sondervermögen – sie gehören dir, nicht der Bank. Geht der Broker pleite, bleiben sie dein Eigentum.
  • Neben Market- und Limit-Orders gibt es Stop-Orders, die erst ab einem bestimmten Kurs aktiv werden, und Stop-Limit-Orders, die beides kombinieren.
  • Ein Stop-Loss begrenzt Verluste nicht garantiert – bei Kurslücken wird er unter Umständen deutlich schlechter ausgeführt.
  • Achte bei Brokern auf Gesamtkosten, Handelsplätze, Einlagensicherung und Steuerfragen – nicht nur auf „0 € Ordergebühr“.

Um an der Börse zu handeln, brauchst du zwei Dinge: ein Konto für deine Wertpapiere und einen Weg, Aufträge an die Börse zu schicken. Beides bekommst du bei einem Broker. Das klingt nach Formalität, aber hier entscheidet sich, wie viel du an Gebühren zahlst, wie sicher dein Vermögen ist und ob deine Aufträge so ausgeführt werden, wie du es dir vorstellst.

Depot und Verrechnungskonto

Ein Depot ist das Konto, auf dem deine Wertpapiere liegen – Aktien, ETFs, Anleihen. Dazu gehört ein Verrechnungskonto (oder Cash-Konto), über das Käufe bezahlt und auf das Verkaufserlöse, Dividenden und Zinsen gebucht werden.

Ein Depot zu eröffnen dauert heute meist nur wenige Minuten: Online-Formular, Identitätsprüfung per Video oder App, fertig. Es kostet bei den meisten Anbietern keine laufende Gebühr mehr.

Wem gehören die Wertpapiere?

Eine der wichtigsten und am wenigsten bekannten Tatsachen über Depots: Die Wertpapiere darin gehören rechtlich dir, nicht dem Broker. Sie sind Sondervermögen. Geht der Broker oder die Depotbank pleite, fallen deine Aktien und ETFs nicht in die Insolvenzmasse. Ein Insolvenzverwalter überträgt sie zu einer anderen Bank.

Anders sieht es beim Geld auf dem Verrechnungskonto aus. Das ist eine Einlage bei einer Bank und damit im Insolvenzfall eine Forderung. Geschützt ist es durch die gesetzliche Einlagensicherung: In der EU sind pro Kunde und Bank 100.000 € abgesichert.

Was einen guten Broker ausmacht

Grob gibt es drei Arten von Anbietern:

  • Filialbanken (Sparkassen, Volksbanken, Großbanken): persönliche Beratung möglich, aber oft deutlich höhere Order- und Depotgebühren.
  • Direktbanken und Online-Broker: breites Angebot an Handelsplätzen und Produkten, moderate Gebühren.
  • Neobroker: App-basiert, sehr niedrige oder keine Ordergebühren, meist nur ein oder zwei Handelsplätze.

Bei der Wahl lohnt ein Blick auf mehr als die Werbung:

Kriterium Worauf achten
Kosten Ordergebühr, aber auch Spread am Handelsplatz, Fremdwährungsgebühren, Kosten für Sparpläne
Handelsplätze Nur ein Market Maker oder Zugang zu Xetra und Auslandsbörsen?
Produktauswahl Welche ETFs gibt es als Sparplan? Welche Auslandsaktien?
Sicherheit Sitz und Aufsicht, Einlagensicherung für das Verrechnungskonto
Steuern Führt der Broker die Steuer automatisch ab, oder musst du alles selbst erklären?

Orderarten im Überblick

Die eigentliche Kunst liegt darin, deinem Broker den richtigen Auftrag zu geben. Die Grundlagen kennst du schon aus der Lektion über die Kursentstehung. Hier die vollständige Übersicht:

Market-Order

Die Market-Order wird sofort zum besten verfügbaren Preis ausgeführt. Sie ist einfach und schnell, aber du gibst die Kontrolle über den Preis ab. Ideal für liquide Aktien und ETFs während der Haupthandelszeit.

Limit-Order

Die Limit-Order setzt eine Preisgrenze: Kaufen höchstens zu X, verkaufen mindestens zu X. Ideal, wenn du einen bestimmten Preis nicht überschreiten willst oder in weniger liquiden Werten handelst.

Stop-Order (Stop-Loss und Stop-Buy)

Eine Stop-Order ruht zunächst und wird erst aktiv, wenn der Kurs eine bestimmte Schwelle erreicht. Dann wird sie zu einer Market-Order.

  • Ein Stop-Loss (Verkauf) liegt unter dem aktuellen Kurs. Er soll Verluste begrenzen oder Gewinne absichern.
  • Ein Stop-Buy (Kauf) liegt über dem aktuellen Kurs. Er wird genutzt, um zu kaufen, sobald eine Aktie eine bestimmte Marke überwindet.
Stop-Loss bei normaler Bewegung und bei Kurslücke Stop 90 € ausgelöst, Verkauf ≈ 89,80 € Kurslücke über Nacht: Verkauf erst bei ≈ 80 € Normaler Kursrückgang Schlechte Nachricht über Nacht
Ein Stop ist ein Auslöser, kein garantierter Preis. Fällt der Kurs stetig, wird nahe der Stopp-Marke verkauft. Springt er über Nacht darüber hinweg, wird zum nächsten verfügbaren Kurs verkauft – möglicherweise deutlich tiefer.

Stop-Limit-Order

Die Stop-Limit-Order kombiniert beides: Erreicht der Kurs die Stopp-Marke, wird keine Market-, sondern eine Limit-Order erzeugt. Beispiel: Stop bei 90 €, Limit bei 88 €. Fällt die Aktie auf 90 €, wird versucht, zu mindestens 88 € zu verkaufen. Springt der Kurs aber direkt auf 80 €, wird gar nicht verkauft. Du tauschst also Preissicherheit gegen Ausführungssicherheit.

Trailing-Stop

Ein Trailing-Stop ist ein Stop-Loss, der dem Kurs folgt. Du legst einen Abstand fest, etwa 10 %. Steigt die Aktie von 100 € auf 130 €, wandert die Stopp-Marke von 90 € auf 117 € mit. Fällt die Aktie, bleibt die Marke stehen. So kannst du Gewinne laufen lassen und trotzdem einen Teil absichern.

Übersicht: Welche Order wofür?

Ziel Passende Order
Sofort kaufen, großer liquider Wert Market-Order
Nicht mehr als X bezahlen Limit-Order (Kauf)
Verluste begrenzen, Ausführung wichtiger als Preis Stop-Loss
Verluste begrenzen, aber nicht zu jedem Preis verkaufen Stop-Limit
Gewinne laufen lassen und absichern Trailing-Stop
Kaufen, sobald ein Widerstand durchbrochen ist Stop-Buy

Gültigkeit und Handelsplatz

Jede Order hat außerdem eine Gültigkeit: nur heute (tagesgültig), bis zu einem Datum, bis Monatsende („Ultimo“) oder bis auf Widerruf. Und du wählst einen Handelsplatz. Wie in der Lektion über Börsenplätze beschrieben, ist das bei liquiden Werten während der Hauptbörsenzeit fast egal – außerhalb davon und bei Nebenwerten aber nicht.

Sparpläne: Börse auf Autopilot

Fast alle Broker bieten Sparpläne an: Du legst fest, dass jeden Monat zum Beispiel 100 € in einen bestimmten ETF fließen. Der Broker kauft automatisch, oft gebührenfrei, und rechnet dabei mit Bruchstücken. Sparpläne sind für viele Anleger der einfachste und disziplinierteste Weg, regelmäßig zu investieren. Warum das funktioniert, sehen wir in der Lektion Sparplan und Vermögensaufteilung.

Zusammenfassung

Dein Depot ist ein Schließfach für Wertpapiere, die dir gehören – auch wenn der Broker pleitegeht. Gute Broker erkennst du an niedrigen Gesamtkosten, ausreichender Auswahl und transparenter Absicherung. Und die richtige Orderart schützt dich vor teuren Überraschungen: Limit-Orders begrenzen den Preis, Stop-Orders lösen bei bestimmten Kursen aus, und keine Order kann dir einen Preis garantieren, den der Markt nicht hergibt.

Damit hast du das Fundament von Modul 1 gelegt. Im nächsten Modul geht es darum, was man an der Börse alles kaufen kann – von Anleihen über ETFs bis zu Gold und Krypto.

Jetzt üben

13 kurze Aufgaben zu dieser Lektion – Fehler kommen am Ende nochmal dran. Danach ist die Lektion abgeschlossen und landet in deiner Wiederholung.

Teste dein Wissen

0/4

01Dein Broker meldet Insolvenz. Was passiert mit den ETF-Anteilen in deinem Depot?

Wertpapiere im Depot sind Sondervermögen des Kunden und fallen nicht in die Insolvenzmasse. Anders ist es beim Guthaben auf dem Verrechnungskonto – das ist über die Einlagensicherung in der EU bis 100.000 € geschützt.

02Eine Aktie notiert bei 100 €. Du willst sie automatisch verkaufen, falls sie auf 90 € fällt. Welche Order passt?

Eine Verkaufs-Limit-Order bei 90 € würde sofort ausgeführt, weil der Kurs mit 100 € ja schon darüber liegt. Eine Stop-Loss-Order wird erst aktiv, wenn der Kurs 90 € erreicht oder unterschreitet – genau das ist gewünscht.

03Die Aktie aus der vorigen Frage schließt bei 95 € und eröffnet am nächsten Morgen nach schlechten Nachrichten bei 80 €. Was passiert mit deiner Stop-Loss-Order bei 90 €?

Der Stop ist nur ein Auslöser. Springt der Kurs über die Marke hinweg, wird zum nächsten handelbaren Preis verkauft – hier etwa 80 €. Eine Stop-Limit-Order würde das verhindern, aber womöglich gar nicht ausgeführt.

04Was macht eine Trailing-Stop-Order mit 10 % Abstand, wenn die Aktie von 100 € auf 130 € steigt?

Ein Trailing Stop zieht die Stopp-Marke im festen Abstand hinter dem Höchstkurs her – bei 130 € liegt sie bei 117 €. Fällt der Kurs, bleibt die Marke stehen.