Depot, Broker und Orderarten
Wie du ein Depot eröffnest, worauf es bei Brokern ankommt, warum dein Geld bei einer Broker-Pleite sicher ist – und wann du Market-, Limit-, Stop- oder Stop-Limit-Orders einsetzt.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Depot ist das Konto für Wertpapiere. Dazu gehört fast immer ein Verrechnungskonto für das Geld.
- Wertpapiere im Depot sind Sondervermögen – sie gehören dir, nicht der Bank. Geht der Broker pleite, bleiben sie dein Eigentum.
- Neben Market- und Limit-Orders gibt es Stop-Orders, die erst ab einem bestimmten Kurs aktiv werden, und Stop-Limit-Orders, die beides kombinieren.
- Ein Stop-Loss begrenzt Verluste nicht garantiert – bei Kurslücken wird er unter Umständen deutlich schlechter ausgeführt.
- Achte bei Brokern auf Gesamtkosten, Handelsplätze, Einlagensicherung und Steuerfragen – nicht nur auf „0 € Ordergebühr“.
Um an der Börse zu handeln, brauchst du zwei Dinge: ein Konto für deine Wertpapiere und einen Weg, Aufträge an die Börse zu schicken. Beides bekommst du bei einem Broker. Das klingt nach Formalität, aber hier entscheidet sich, wie viel du an Gebühren zahlst, wie sicher dein Vermögen ist und ob deine Aufträge so ausgeführt werden, wie du es dir vorstellst.
Depot und Verrechnungskonto
Ein Depot ist das Konto, auf dem deine Wertpapiere liegen – Aktien, ETFs, Anleihen. Dazu gehört ein Verrechnungskonto (oder Cash-Konto), über das Käufe bezahlt und auf das Verkaufserlöse, Dividenden und Zinsen gebucht werden.
Ein Depot zu eröffnen dauert heute meist nur wenige Minuten: Online-Formular, Identitätsprüfung per Video oder App, fertig. Es kostet bei den meisten Anbietern keine laufende Gebühr mehr.
Wem gehören die Wertpapiere?
Eine der wichtigsten und am wenigsten bekannten Tatsachen über Depots: Die Wertpapiere darin gehören rechtlich dir, nicht dem Broker. Sie sind Sondervermögen. Geht der Broker oder die Depotbank pleite, fallen deine Aktien und ETFs nicht in die Insolvenzmasse. Ein Insolvenzverwalter überträgt sie zu einer anderen Bank.
Anders sieht es beim Geld auf dem Verrechnungskonto aus. Das ist eine Einlage bei einer Bank und damit im Insolvenzfall eine Forderung. Geschützt ist es durch die gesetzliche Einlagensicherung: In der EU sind pro Kunde und Bank 100.000 € abgesichert.
Was einen guten Broker ausmacht
Grob gibt es drei Arten von Anbietern:
- Filialbanken (Sparkassen, Volksbanken, Großbanken): persönliche Beratung möglich, aber oft deutlich höhere Order- und Depotgebühren.
- Direktbanken und Online-Broker: breites Angebot an Handelsplätzen und Produkten, moderate Gebühren.
- Neobroker: App-basiert, sehr niedrige oder keine Ordergebühren, meist nur ein oder zwei Handelsplätze.
Bei der Wahl lohnt ein Blick auf mehr als die Werbung:
| Kriterium | Worauf achten |
|---|---|
| Kosten | Ordergebühr, aber auch Spread am Handelsplatz, Fremdwährungsgebühren, Kosten für Sparpläne |
| Handelsplätze | Nur ein Market Maker oder Zugang zu Xetra und Auslandsbörsen? |
| Produktauswahl | Welche ETFs gibt es als Sparplan? Welche Auslandsaktien? |
| Sicherheit | Sitz und Aufsicht, Einlagensicherung für das Verrechnungskonto |
| Steuern | Führt der Broker die Steuer automatisch ab, oder musst du alles selbst erklären? |
Orderarten im Überblick
Die eigentliche Kunst liegt darin, deinem Broker den richtigen Auftrag zu geben. Die Grundlagen kennst du schon aus der Lektion über die Kursentstehung. Hier die vollständige Übersicht:
Market-Order
Die Market-Order wird sofort zum besten verfügbaren Preis ausgeführt. Sie ist einfach und schnell, aber du gibst die Kontrolle über den Preis ab. Ideal für liquide Aktien und ETFs während der Haupthandelszeit.
Limit-Order
Die Limit-Order setzt eine Preisgrenze: Kaufen höchstens zu X, verkaufen mindestens zu X. Ideal, wenn du einen bestimmten Preis nicht überschreiten willst oder in weniger liquiden Werten handelst.
Stop-Order (Stop-Loss und Stop-Buy)
Eine Stop-Order ruht zunächst und wird erst aktiv, wenn der Kurs eine bestimmte Schwelle erreicht. Dann wird sie zu einer Market-Order.
- Ein Stop-Loss (Verkauf) liegt unter dem aktuellen Kurs. Er soll Verluste begrenzen oder Gewinne absichern.
- Ein Stop-Buy (Kauf) liegt über dem aktuellen Kurs. Er wird genutzt, um zu kaufen, sobald eine Aktie eine bestimmte Marke überwindet.
Stop-Limit-Order
Die Stop-Limit-Order kombiniert beides: Erreicht der Kurs die Stopp-Marke, wird keine Market-, sondern eine Limit-Order erzeugt. Beispiel: Stop bei 90 €, Limit bei 88 €. Fällt die Aktie auf 90 €, wird versucht, zu mindestens 88 € zu verkaufen. Springt der Kurs aber direkt auf 80 €, wird gar nicht verkauft. Du tauschst also Preissicherheit gegen Ausführungssicherheit.
Trailing-Stop
Ein Trailing-Stop ist ein Stop-Loss, der dem Kurs folgt. Du legst einen Abstand fest, etwa 10 %. Steigt die Aktie von 100 € auf 130 €, wandert die Stopp-Marke von 90 € auf 117 € mit. Fällt die Aktie, bleibt die Marke stehen. So kannst du Gewinne laufen lassen und trotzdem einen Teil absichern.
Übersicht: Welche Order wofür?
| Ziel | Passende Order |
|---|---|
| Sofort kaufen, großer liquider Wert | Market-Order |
| Nicht mehr als X bezahlen | Limit-Order (Kauf) |
| Verluste begrenzen, Ausführung wichtiger als Preis | Stop-Loss |
| Verluste begrenzen, aber nicht zu jedem Preis verkaufen | Stop-Limit |
| Gewinne laufen lassen und absichern | Trailing-Stop |
| Kaufen, sobald ein Widerstand durchbrochen ist | Stop-Buy |
Gültigkeit und Handelsplatz
Jede Order hat außerdem eine Gültigkeit: nur heute (tagesgültig), bis zu einem Datum, bis Monatsende („Ultimo“) oder bis auf Widerruf. Und du wählst einen Handelsplatz. Wie in der Lektion über Börsenplätze beschrieben, ist das bei liquiden Werten während der Hauptbörsenzeit fast egal – außerhalb davon und bei Nebenwerten aber nicht.
Sparpläne: Börse auf Autopilot
Fast alle Broker bieten Sparpläne an: Du legst fest, dass jeden Monat zum Beispiel 100 € in einen bestimmten ETF fließen. Der Broker kauft automatisch, oft gebührenfrei, und rechnet dabei mit Bruchstücken. Sparpläne sind für viele Anleger der einfachste und disziplinierteste Weg, regelmäßig zu investieren. Warum das funktioniert, sehen wir in der Lektion Sparplan und Vermögensaufteilung.
Zusammenfassung
Dein Depot ist ein Schließfach für Wertpapiere, die dir gehören – auch wenn der Broker pleitegeht. Gute Broker erkennst du an niedrigen Gesamtkosten, ausreichender Auswahl und transparenter Absicherung. Und die richtige Orderart schützt dich vor teuren Überraschungen: Limit-Orders begrenzen den Preis, Stop-Orders lösen bei bestimmten Kursen aus, und keine Order kann dir einen Preis garantieren, den der Markt nicht hergibt.
Damit hast du das Fundament von Modul 1 gelegt. Im nächsten Modul geht es darum, was man an der Börse alles kaufen kann – von Anleihen über ETFs bis zu Gold und Krypto.
Jetzt üben
13 kurze Aufgaben zu dieser Lektion – Fehler kommen am Ende nochmal dran. Danach ist die Lektion abgeschlossen und landet in deiner Wiederholung.
Teste dein Wissen
0/401Dein Broker meldet Insolvenz. Was passiert mit den ETF-Anteilen in deinem Depot?
02Eine Aktie notiert bei 100 €. Du willst sie automatisch verkaufen, falls sie auf 90 € fällt. Welche Order passt?
03Die Aktie aus der vorigen Frage schließt bei 95 € und eröffnet am nächsten Morgen nach schlechten Nachrichten bei 80 €. Was passiert mit deiner Stop-Loss-Order bei 90 €?
04Was macht eine Trailing-Stop-Order mit 10 % Abstand, wenn die Aktie von 100 € auf 130 € steigt?