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Modul 1 · Lektion 5/6

Aktienindizes: DAX, ATX, S&P 500 & Co.

Was ein Index misst, wie er berechnet wird, warum der DAX anders funktioniert als der Dow Jones und weshalb „der Markt“ oft nur aus wenigen Riesen besteht.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Index fasst die Kursentwicklung vieler Aktien in einer Zahl zusammen – ein Fieberthermometer für einen Markt.
  • Die meisten Indizes sind nach Marktkapitalisierung gewichtet. Große Unternehmen bewegen sie stärker als kleine.
  • Der Dow Jones und der Nikkei 225 sind dagegen preisgewichtet – eine historische Kuriosität mit seltsamen Folgen.
  • Ein Performanceindex wie der DAX rechnet Dividenden mit ein, ein Kursindex wie der ATX oder der S&P 500 nicht. Über Jahrzehnte ist der Unterschied riesig.
  • Indizes sind die Grundlage für ETFs – und der Maßstab, an dem sich jeder Fondsmanager messen lassen muss.

„Der DAX schloss heute 0,8 Prozent im Plus.“ Diesen Satz hörst du jeden Abend in den Nachrichten. Aber was genau ist da gestiegen? Nicht eine einzelne Aktie, sondern ein Durchschnitt – ein Index. Indizes sind die Sprache, in der über Märkte gesprochen wird, und gleichzeitig die Bausteine, aus denen ETFs gemacht sind. Wer sie versteht, versteht auch, was er mit einem Indexfonds eigentlich kauft.

Was ein Index ist

Ein Aktienindex ist eine Kennzahl, die die Entwicklung einer festgelegten Gruppe von Aktien zusammenfasst. Er beantwortet die Frage: Wie hat sich dieser Markt insgesamt entwickelt?

Die Gruppe wird nach festen Regeln ausgewählt. Der DAX enthält die 40 größten börsennotierten Unternehmen Deutschlands, der ATX die 20 wichtigsten Aktien der Wiener Börse, der S&P 500 rund 500 große US-Unternehmen. Ein Indexanbieter – etwa die Deutsche Börse, S&P Dow Jones Indices oder MSCI – legt die Regeln fest, überprüft die Zusammensetzung regelmäßig und berechnet den Indexstand fortlaufend.

Index Enthält Gewichtung Dividenden
DAX 40 große deutsche Unternehmen Marktkapitalisierung (Streubesitz) inklusive (Performanceindex)
ATX 20 Aktien der Wiener Börse Marktkapitalisierung (Streubesitz) nicht enthalten (Kursindex)
Euro Stoxx 50 50 große Unternehmen der Eurozone Marktkapitalisierung Kursindex
S&P 500 rund 500 große US-Unternehmen Marktkapitalisierung Kursindex
Nasdaq-100 100 größte Nicht-Finanzwerte der Nasdaq modifizierte Marktkap. Kursindex
Dow Jones 30 US-Traditionskonzerne Aktienkurs Kursindex
Nikkei 225 225 japanische Aktien Aktienkurs Kursindex
MSCI World rund 1.300 Aktien aus 23 Industrieländern Marktkapitalisierung Varianten mit und ohne

Wie gewichtet wird – und warum das so wichtig ist

Ein Index ist ein gewichteter Durchschnitt. Die entscheidende Frage ist: Wie viel zählt jede einzelne Aktie?

Gewichtung nach Marktkapitalisierung

Bei den meisten modernen Indizes zählt jedes Unternehmen so viel, wie es an der Börse wert ist. Ein Konzern mit 300 Milliarden Euro Marktkapitalisierung hat dreißigmal mehr Gewicht als einer mit 10 Milliarden. Meist wird dabei nur der Streubesitz berücksichtigt – also die Aktien, die tatsächlich frei gehandelt werden, nicht die Pakete von Gründerfamilien oder Staaten.

Das klingt logisch und hat einen großen Vorteil: Ein solcher Index bildet genau ab, wie „der Markt“ als Ganzes investiert ist. Er hat aber auch eine Nebenwirkung: Konzentration.

Gewichtung in einem marktkapitalisierungsgewichteten Index So könnte ein Index mit 10 Aktien gewichtet sein Größte Aktie · 38 % 20 % 13 % 8 % Gleichgewichteter Index mit denselben 10 Aktien Jede Aktie 10 % – kleine Unternehmen zählen genauso viel wie große.
Wenige Riesen, viele Zwerge. In nach Börsenwert gewichteten Indizes bestimmen die größten Unternehmen einen Großteil der Entwicklung. Gleichgewichtete Varianten verteilen das Gewicht gleichmäßig.

Im S&P 500 entfiel 2025 mehr als ein Drittel des Gewichts auf die zehn größten Unternehmen – Konzerne wie Nvidia, Microsoft, Apple, Amazon und Alphabet. Wer „den amerikanischen Markt“ kauft, setzt also zu einem großen Teil auf eine Handvoll Technologieunternehmen. Im DAX wiederum war SAP zeitweise so groß, dass die Deutsche Börse das Gewicht einzelner Aktien auf 15 % begrenzt.

Preisgewichtung: der Sonderfall Dow Jones

Der älteste noch berechnete US-Index, der Dow Jones Industrial Average von 1896, funktioniert anders. Er addiert einfach die Aktienkurse seiner 30 Mitglieder und teilt sie durch einen Divisor. Eine Aktie mit einem Kurs von 600 Dollar zählt dadurch zehnmal so viel wie eine mit 60 Dollar – völlig unabhängig davon, wie groß die Unternehmen sind. Ein Aktiensplit würde das Gewicht eines Unternehmens schlagartig verringern, weshalb der Divisor dann angepasst wird.

Ökonomisch ergibt das wenig Sinn. Dass der Dow trotzdem noch so prominent ist, liegt an seiner langen Geschichte. Für Anleger, die den US-Markt abbilden wollen, ist der S&P 500 das bessere Maß.

Kursindex und Performanceindex

Ein oft übersehener Unterschied: Was passiert mit den Dividenden?

  • Ein Kursindex misst nur die Kursentwicklung. Schüttet ein Unternehmen eine Dividende aus, fällt sein Kurs um diesen Betrag – und damit auch der Index. Der S&P 500, der Euro Stoxx 50 und der ATX sind Kursindizes.
  • Ein Performanceindex rechnet so, als würden alle Dividenden sofort wieder angelegt. Er bildet damit ab, was ein Anleger tatsächlich verdient hätte. Der DAX ist – international eine Seltenheit – ein Performanceindex.

Deshalb ist es unfair, den DAX direkt mit dem S&P 500 zu vergleichen, wenn man nicht die Performance-Variante des US-Index (S&P 500 Total Return) heranzieht. Für dich als ETF-Anleger zählt immer der Performance-Wert, denn dein ETF bekommt die Dividenden ja tatsächlich.

Indizes sind keine Naturgesetze

Ein Index wird von Menschen nach Regeln gebaut, und diese Regeln haben Folgen:

  • Auf- und Abstiege: Unternehmen, die wachsen, steigen in den Index auf; solche, die schrumpfen, fliegen raus. Ein Index hat dadurch eine eingebaute Tendenz, in Gewinner umzuschichten. Der Indexstand von heute enthält kaum noch die Unternehmen von vor 50 Jahren.
  • Länder- und Branchenschwerpunkte: Der DAX ist stark von Industrie, Autos, Chemie und Versicherungen geprägt, der Nasdaq-100 von Technologie. Der MSCI World enthält trotz seines Namens keine Schwellenländer wie China, Indien oder Brasilien – und besteht zu rund 70 % aus US-Aktien.
  • Indexeffekte: Wird eine Aktie in einen großen Index aufgenommen, müssen Indexfonds sie kaufen. Das kann den Kurs kurzfristig treiben.
Vertiefung · Warum heißt der DAX „DAX 40“?

Bis September 2021 enthielt der DAX 30 Unternehmen. Nach dem Wirecard-Skandal reformierte die Deutsche Börse die Regeln: Der Index wurde auf 40 Werte erweitert, und Unternehmen müssen seither unter anderem profitabel sein und testierte Finanzberichte fristgerecht vorlegen. Die Zahl im Namen ist also kein Bestandteil des offiziellen Titels, sondern hilft nur bei der Unterscheidung von der alten Version.

Was Indizes für dich bedeuten

Indizes sind aus zwei Gründen wichtig für Anleger:

  1. Als Maßstab (englisch Benchmark): Ein aktiver Fonds, der in europäische Aktien investiert, muss sich am Euro Stoxx oder MSCI Europe messen lassen. Schafft er es über viele Jahre nicht, den Index nach Kosten zu schlagen – und das ist bei der großen Mehrheit der Fall –, hat sich das Management nicht gelohnt.
  2. Als Anlageobjekt: Ein ETF bildet einen Index nach, meist für sehr geringe Kosten. Wer einen MSCI-World-ETF kauft, besitzt mit einem einzigen Wertpapier Anteile an weit über tausend Unternehmen. Wie das funktioniert, lernst du in Modul 2.

Zusammenfassung

Ein Index fasst einen Markt in einer Zahl zusammen. Die meisten Indizes gewichten nach Börsenwert, sodass große Unternehmen den Ton angeben. Der Dow Jones und der Nikkei sind preisgewichtet – ein Relikt. Ob Dividenden eingerechnet werden, macht über lange Zeit einen gewaltigen Unterschied. Und weil Indizes nach Regeln gebaut werden, lohnt sich immer ein Blick darauf, was eigentlich drinsteckt – besonders, bevor man einen ETF darauf kauft.

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12 kurze Aufgaben zu dieser Lektion – Fehler kommen am Ende nochmal dran. Danach ist die Lektion abgeschlossen und landet in deiner Wiederholung.

Teste dein Wissen

0/4

01Ein Index enthält zwei Aktien. A ist 900 Mrd. € wert, B 100 Mrd. €. Beide sind nach Marktkapitalisierung gewichtet. A steigt um 10 %, B fällt um 10 %. Was macht der Index?

A hat 90 % Gewicht, B 10 %. 0,9 × 10 % + 0,1 × (−10 %) = 9 % − 1 % = 8 %.

02Warum steigt der DAX über die Jahre schneller als ein vergleichbarer Kursindex?

Der DAX ist ein Performanceindex – er tut so, als würden alle Dividenden sofort wieder in die Aktien gesteckt. Kursindizes wie der S&P 500 oder der ATX lassen die Dividenden außen vor.

03Im Dow Jones (preisgewichtet) steigt eine Aktie mit Kurs 600 $ um 1 %, eine Aktie mit Kurs 60 $ fällt um 1 %. Was passiert?

In einem preisgewichteten Index zählt der Aktienkurs, nicht der Unternehmenswert. +6 $ bei der teuren Aktie schlagen −0,60 $ bei der günstigen – der Index steigt.

04Was bedeutet es für dich, wenn du einen MSCI-World-ETF kaufst?

Der MSCI World enthält nur Industrieländer (keine Schwellenländer wie China oder Indien) und ist nach Marktkapitalisierung gewichtet. Weil US-Unternehmen so groß sind, machen sie rund 70 % des Index aus.