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Modul 3 · Lektion 5/6

Kosten und Steuern

Ordergebühren, Spreads, laufende Fondskosten und Steuern – welche Kosten deine Rendite auffressen, wie man sie minimiert und wie Kapitalerträge in Deutschland, Österreich und der Schweiz besteuert werden.

4 Min. Lesezeit Fortgeschritten 12 Übungen

Das Wichtigste in Kürze

  • Kosten sind sicher, Renditen nicht. Jeder Prozentpunkt Kosten pro Jahr kostet über Jahrzehnte einen großen Teil des Endvermögens.
  • Relevante Kosten sind Ordergebühren, Spreads, laufende Fondskosten (TER), Ausgabeaufschläge, Fremdwährungsgebühren und Depotgebühren.
  • In Deutschland gilt auf Kapitalerträge die Abgeltungsteuer von 25 % plus Solidaritätszuschlag, mit einem Freibetrag von 1.000 € pro Person.
  • In Österreich fällt die Kapitalertragsteuer (KESt) von 27,5 % an, ohne Freibetrag. In der Schweiz sind private Kursgewinne grundsätzlich steuerfrei.
  • Steuern fallen erst beim Verkauf an. Wer lange hält und selten umschichtet, profitiert vom Steuerstundungseffekt.

Zwei Dinge sind an der Börse sicher: Die Renditen sind es nicht – die Kosten schon. Ein Fonds kann nicht versprechen, im nächsten Jahr 7 % zu verdienen, aber er kann versprechen, 1,8 % Gebühren zu kassieren. Das macht Kosten zum einzigen Renditefaktor, den du vollständig selbst in der Hand hast.

Die Kostenarten im Überblick

Kostenart Wann sie anfällt Typische Höhe
Ordergebühr bei jedem Kauf und Verkauf 0 € bis 30 €+ je Order
Spread bei jedem Kauf und Verkauf, versteckt im Kurs 0,01 % bis über 1 %
Ausgabeaufschlag beim Kauf aktiver Fonds über Banken bis 5 %
Laufende Fondskosten (TER) jedes Jahr, automatisch aus dem Fonds 0,05 % bis über 2 %
Fremdwährungsgebühren beim Tausch in andere Währungen 0 % bis 1 %+
Depotgebühren jährlich heute oft 0 €
Beratungs- oder Vermögensverwaltungsgebühr jährlich 0,5 % bis 2 %

Einmalige Kosten wie Ordergebühren tun weh, sind aber begrenzt. Laufende Kosten sind gefährlicher, weil sie jedes Jahr vom gesamten Vermögen abgezogen werden – und damit auch vom Zinseszins.

Was Kosten über die Jahre anrichten

Spiel mit dem Rechner: Wie viel verlierst du, wenn ein Produkt 1,5 Prozentpunkte mehr pro Jahr kostet als ein anderes?

Bei 30 Jahren Sparplan frisst ein Kostenunterschied von 1,5 bis 2 Prozentpunkten rund ein Viertel des Endvermögens. Das ist kein Rundungsfehler, sondern ein neues Auto, ein paar Jahre Rente oder die Ausbildung eines Kindes.

Versteckte Kosten erkennen

  • Häufiges Handeln: Jede Order kostet Gebühren und Spread. Wer monatlich umschichtet, verliert spürbar.
  • Exotische Produkte: Zertifikate und strukturierte Produkte enthalten oft Margen, die nirgends als Gebühr ausgewiesen sind.
  • Provisionsberatung: Wird ein Berater über Provisionen bezahlt, ist er nicht unabhängig. Das muss nicht schlecht sein, ist aber ein Interessenkonflikt.

Steuern auf Kapitalerträge

Steuern sind der zweite große Abzugsposten. Die Regeln unterscheiden sich von Land zu Land und ändern sich gelegentlich. Die folgenden Abschnitte geben einen Überblick über die Grundprinzipien – sie ersetzen keine Steuerberatung.

Deutschland

  • Auf Zinsen, Dividenden, Fondserträge und realisierte Kursgewinne fällt die Abgeltungsteuer von 25 % an, dazu 5,5 % Solidaritätszuschlag auf die Steuer, gegebenenfalls Kirchensteuer. Ohne Kirchensteuer sind das 26,375 %.
  • Der Sparerpauschbetrag stellt Kapitalerträge bis 1.000 € pro Person und Jahr steuerfrei (2.000 € für zusammen veranlagte Ehepaare). Ihn nutzt du über einen Freistellungsauftrag bei deiner Bank.
  • Bei Aktienfonds und Aktien-ETFs (mindestens 51 % Aktien) sind 30 % der Erträge steuerfrei (Teilfreistellung), weil der Fonds selbst schon Steuern auf Dividenden zahlt.
  • Bei thesaurierenden Fonds wird jährlich eine Vorabpauschale besteuert, eine pauschale Mindestbesteuerung, die beim späteren Verkauf angerechnet wird.
  • Verluste aus Aktienverkäufen dürfen nur mit Gewinnen aus Aktien verrechnet werden. Inländische Banken führen die Steuer automatisch ab und verrechnen Verluste innerhalb des Depots.

Österreich

  • Auf Dividenden, realisierte Kursgewinne und Fondserträge fällt die Kapitalertragsteuer (KESt) von 27,5 % an, auf Zinsen von Bankguthaben 25 %. Einen Freibetrag gibt es nicht.
  • Inländische, „steuereinfache“ Broker berechnen und führen die KESt automatisch ab. Bei ausländischen Brokern musst du die Erträge selbst in der Steuererklärung angeben – bei thesaurierenden Fonds inklusive der jährlich gemeldeten ausschüttungsgleichen Erträge.
  • Verluste können innerhalb eines Jahres mit Gewinnen verrechnet werden, ein Verlustvortrag in Folgejahre ist nicht möglich.
  • Aktien und Fondsanteile, die vor dem 1. Jänner 2011 erworben wurden, sind als Altbestand beim Verkauf in der Regel steuerfrei.

Die KESt für einzelne Fälle kannst du etwa mit einem KESt-Rechner durchspielen.

Schweiz

  • Private Kursgewinne sind grundsätzlich steuerfrei, solange man nicht als gewerbsmäßiger Wertschriftenhändler eingestuft wird.
  • Dividenden und Zinsen zählen zum steuerbaren Einkommen. Auf Schweizer Dividenden und Zinsen wird zudem eine Verrechnungssteuer von 35 % abgezogen, die über die Steuererklärung zurückgefordert werden kann.
  • Das Wertschriftenvermögen unterliegt der kantonalen Vermögenssteuer.

Der Steuerstundungseffekt

In Deutschland und Österreich werden Kursgewinne erst besteuert, wenn du verkaufst. Bis dahin arbeitet der ganze Betrag weiter – inklusive des Teils, der später an das Finanzamt geht. Das ist ein zinsloser Kredit des Staates. Wer lange hält und selten umschichtet, nutzt ihn optimal. Wer häufig verkauft und neu kauft, zahlt Steuern früher und bremst damit den Zinseszins.

Zusammenfassung

Kosten sind der einzige Renditefaktor, den du sicher kontrollieren kannst. Laufende Kosten wirken über den Zinseszins besonders stark. Steuern hängen vom Wohnsitzland ab: In Deutschland 26,375 % mit Freibetrag und Teilfreistellung, in Österreich 27,5 % ohne Freibetrag, in der Schweiz sind private Kursgewinne steuerfrei. Lange halten, selten umschichten und günstige Produkte wählen ist meist die beste Strategie für beides.

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12 kurze Aufgaben zu dieser Lektion – Fehler kommen am Ende nochmal dran. Danach ist die Lektion abgeschlossen und landet in deiner Wiederholung.

Teste dein Wissen

0/4

01Du sparst 30 Jahre lang 300 € im Monat bei 7 % Rendite vor Kosten. Produkt A kostet 0,2 %, Produkt B 1,8 % pro Jahr. Wie groß ist der Unterschied am Ende ungefähr?

Mit A wächst das Depot auf rund 340.000 €, mit B auf rund 250.000 €. Der Kostenunterschied von 1,6 Prozentpunkten frisst etwa ein Viertel des Endvermögens.

02Wie hoch ist die Steuerbelastung auf Kapitalerträge in Deutschland ohne Kirchensteuer?

25 % Abgeltungsteuer plus 5,5 % Solidaritätszuschlag darauf ergeben 26,375 %. Mit Kirchensteuer wird es etwas mehr.

03Was bewirkt die Teilfreistellung bei Aktien-ETFs in Deutschland?

Bei Fonds mit mindestens 51 % Aktienanteil sind 30 % der Erträge steuerfrei. Damit wird pauschal berücksichtigt, dass der Fonds selbst bereits Steuern auf Dividenden zahlt.

04Warum ist häufiges Umschichten auch steuerlich teuer?

Solange du nicht verkaufst, bleiben nicht realisierte Gewinne investiert und tragen Zinseszins. Jeder Verkauf mit Gewinn zieht Steuern vorzeitig ab und verkleinert die Basis, auf der dein Vermögen weiterwächst.