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Modul 3 · Lektion 6/6

Sparplan und Vermögensaufteilung

Wie du regelmäßig investierst, was der Cost-Average-Effekt wirklich bringt, wie du Aktien, Anleihen und Cash aufteilst und warum Rebalancing so wirksam ist.

4 Min. Lesezeit Fortgeschritten 10 Übungen

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Sparplan investiert automatisch jeden Monat einen festen Betrag – das schafft Disziplin und nimmt das Timing aus der Hand.
  • Der Cost-Average-Effekt sorgt dafür, dass du bei niedrigen Kursen mehr Anteile kaufst. Eine verfügbare Summe sofort anzulegen, war historisch aber meist noch etwas besser.
  • Die Vermögensaufteilung zwischen Aktien, Anleihen und Cash bestimmt den Großteil deines Risikos – wichtiger als die Wahl einzelner Produkte.
  • Vor dem Investieren steht ein Notgroschen von drei bis sechs Monatsausgaben.
  • Rebalancing bringt die Aufteilung regelmäßig zurück ins Ziel – du verkaufst dabei automatisch, was gestiegen ist, und kaufst, was gefallen ist.

Du weißt jetzt, wie Renditen entstehen, was Risiko bedeutet und warum Kosten und Streuung so wichtig sind. Diese Lektion fügt alles zu einem praktischen Plan zusammen: Wie viel investiere ich? Wie regelmäßig? Und wie verteile ich mein Geld?

Erst die Basis: der Notgroschen

Bevor du einen Euro an der Börse anlegst, solltest du einen Notgroschen haben: drei bis sechs Monatsausgaben auf einem Tagesgeldkonto. Er fängt kaputte Waschmaschinen, Autoreparaturen oder eine Phase ohne Einkommen auf. Ohne ihn musst du im schlimmsten Fall genau dann Aktien verkaufen, wenn die Kurse am Boden sind.

Ebenso gilt: Teure Schulden wie Dispokredit oder Kreditkartenschulden zuerst tilgen. Kein Investment schlägt verlässlich 10 bis 15 % Zinsen, die man sich damit spart.

Der Sparplan

Ein Sparplan kauft jeden Monat automatisch für einen festen Betrag Anteile eines ETFs oder Fonds. Er hat drei große Vorteile:

  1. Disziplin: Das Geld wird investiert, bevor du es ausgeben kannst – „Pay yourself first“.
  2. Kein Timing nötig: Du musst nicht entscheiden, ob gerade ein guter Zeitpunkt ist. Niemand kann das zuverlässig.
  3. Kleine Beträge genügen: Viele Broker erlauben Sparpläne ab 1 bis 25 € im Monat, oft ohne Ordergebühr.

Der Cost-Average-Effekt

Weil der Sparbetrag fest ist, kaufst du bei niedrigen Kursen mehr Anteile und bei hohen weniger. Dein durchschnittlicher Einstandspreis liegt dadurch unter dem durchschnittlichen Kurs des Zeitraums:

Das ist der Cost-Average-Effekt. Er ist real, wird aber oft überschätzt: Er sorgt nicht dafür, dass du mehr verdienst als der Markt. Er sorgt nur dafür, dass Schwankungen dir beim Einkaufen helfen statt schaden.

Asset Allocation: die wichtigste Entscheidung

Die Vermögensaufteilung (Asset Allocation) legt fest, welcher Anteil deines Vermögens in Aktien, Anleihen, Cash und eventuell weitere Anlageklassen fließt. Sie erklärt den größten Teil der Schwankungen eines Portfolios – viel mehr als die Auswahl einzelner Fonds.

Die Grundidee: Aktien sind der Renditemotor, Anleihen und Cash die Stoßdämpfer. Je mehr Aktien, desto höher die erwartete Rendite, aber auch die zu erwartenden Verluste in Krisen.

Aufteilung Aktien/Anleihen Typischer schlimmster Jahresverlust (historisch grob) Für wen?
100/0 −40 % bis −50 % Sehr lange Horizonte, hohe Risikotoleranz
80/20 −30 % bis −40 % Langfristige Anleger mit gutem Nervenkostüm
60/40 −20 % bis −30 % Der klassische „ausgewogene“ Mix
40/60 −10 % bis −20 % Kürzere Horizonte, geringere Risikotoleranz
20/80 −5 % bis −15 % Kapitalerhalt im Vordergrund

Wie du deine Aufteilung findest

Drei Fragen helfen:

  1. Zeithorizont: Wann brauchst du das Geld? Was du in den nächsten drei bis fünf Jahren brauchst, gehört nicht in Aktien.
  2. Risikotragfähigkeit: Wie sicher ist dein Einkommen? Wie groß ist dein Polster? Ein Beamter kann mehr Aktienrisiko tragen als ein Selbstständiger in einer schwankenden Branche.
  3. Risikobereitschaft: Wie würdest du reagieren, wenn dein Depot ein Jahr lang 30 % im Minus steht? Ehrlich sein lohnt sich – wer in Panik verkauft, realisiert Verluste.

Beispiele für einfache Portfolios

  • Ein-ETF-Lösung: ein weltweiter Aktien-ETF (Industrie- und Schwellenländer). Das Risiko steuerst du über den Anteil, den du daneben als Tagesgeld oder in kurzlaufenden Anleihen hältst.
  • Zwei-Komponenten-Portfolio: Welt-Aktien-ETF plus ETF auf hochwertige Euro-Staatsanleihen oder Geldmarkt, etwa im Verhältnis 70/30.
  • Lebenszyklus-Ansatz: In jungen Jahren mehr Aktien, mit nahendem Ziel schrittweise mehr Anleihen und Cash.

Rebalancing: zurück zur Zielmischung

Mit der Zeit verschiebt sich deine Aufteilung von selbst. Steigen Aktien stark, wird aus 70/30 schnell 80/20 – dein Depot ist riskanter geworden, ohne dass du es entschieden hast. Rebalancing bringt die Gewichte wieder ins Ziel.

Rebalancing von 80/20 zurück auf 70/30 Ziel 70/30 nach Börsenjahr 80/20 nach Rebalancing 70/30 Aktien verkaufen, Anleihen kaufen Gold: Aktien · Blau: Anleihen
Rebalancing zwingt dich zu antizyklischem Handeln. Du verkaufst, was teuer geworden ist, und kaufst, was günstig ist – ganz ohne Prognose.

Wie oft? Einmal im Jahr genügt meist, oder immer dann, wenn eine Anlageklasse um mehr als fünf Prozentpunkte vom Ziel abweicht. Steuerlich und kostenmäßig am elegantesten ist es, mit neuen Sparraten die untergewichtete Anlageklasse aufzufüllen, statt zu verkaufen.

Zusammenfassung

Erst der Notgroschen, dann der Sparplan: Regelmäßiges, automatisches Investieren nimmt dir das Timing ab und nutzt Schwankungen beim Einkauf. Die wichtigste Entscheidung ist die Aufteilung zwischen Aktien und sicheren Anlagen – gewählt nach Zeithorizont, Tragfähigkeit und ehrlicher Selbsteinschätzung. Und Rebalancing hält dein Risiko dort, wo du es haben willst. Damit ist Modul 3 geschafft: Du hast das Handwerkszeug, um ein solides, einfaches Portfolio zu bauen.

Jetzt üben

10 kurze Aufgaben zu dieser Lektion – Fehler kommen am Ende nochmal dran. Danach ist die Lektion abgeschlossen und landet in deiner Wiederholung.

Teste dein Wissen

0/3

01Du sparst monatlich 100 € in einen ETF. Im ersten Monat kostet ein Anteil 100 €, im zweiten 50 €. Wie viele Anteile hast du gekauft und zu welchem Durchschnittspreis?

Im ersten Monat bekommst du 1 Anteil, im zweiten 2 Anteile. Für 200 € hast du 3 Anteile gekauft – im Schnitt also 66,67 € je Anteil, weniger als der Durchschnittskurs von 75 €.

02Du erbst 50.000 €, die du langfristig in Aktien anlegen willst. Was zeigt die historische Erfahrung?

Weil Aktienmärkte häufiger steigen als fallen, hat Sofortinvestieren in den meisten Zeiträumen besser abgeschnitten. Gestaffeltes Einsteigen kann aber psychologisch sinnvoll sein, weil es das Bedauern nach einem Einbruch begrenzt.

03Dein Ziel ist 70 % Aktien und 30 % Anleihen. Nach einem starken Börsenjahr stehen Aktien bei 80 %. Was macht Rebalancing?

Rebalancing stellt die gewünschte Risikomischung wieder her. Dabei verkaufst du automatisch relativ teuer und kaufst relativ günstig – ohne den Markt vorhersagen zu müssen.