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Modul 1 · Lektion 4/6

Börsenplätze und Handelszeiten

Xetra, Wiener Börse, NYSE, Nasdaq und außerbörsliche Handelsplätze – wo gehandelt wird, wann die Märkte geöffnet haben und was nach dem Kauf eigentlich passiert.

5 Min. Lesezeit Einsteiger 13 Übungen

Das Wichtigste in Kürze

  • Dieselbe Aktie wird an vielen Handelsplätzen gleichzeitig gehandelt – an Börsen wie Xetra und an außerbörslichen Plätzen wie Tradegate oder bei Market Makern.
  • Die Haupthandelszeit für deutsche Aktien auf Xetra ist werktags von 9:00 bis 17:30 Uhr. US-Börsen handeln nach mitteleuropäischer Zeit meist von 15:30 bis 22:00 Uhr.
  • Außerhalb der Haupthandelszeit sind die Spreads oft breiter und die Kurse weniger verlässlich.
  • Nach dem Kauf folgt die Abwicklung – in Europa zwei Handelstage später (T+2), in den USA einen (T+1).
  • Volatilitätsunterbrechungen stoppen den Handel kurz, wenn Kurse zu heftig springen.

Wenn du in deiner Broker-App eine Aktie suchst, bekommst du manchmal eine lange Liste angeboten: Xetra, Frankfurt, Tradegate, gettex, Lang & Schwarz, Wien, Nasdaq … Welche ist die richtige? Und warum kann man manche Aktien abends um zehn noch kaufen, andere nicht? Diese Lektion bringt Ordnung in die Landkarte der Handelsplätze.

Börse ist nicht gleich Börse

Ein Handelsplatz ist jeder Ort, an dem Käufer und Verkäufer zusammenfinden. Grob lassen sich drei Typen unterscheiden:

  1. Regulierte Börsen mit offenem Orderbuch, strengen Regeln und Börsenaufsicht – zum Beispiel Xetra und die Frankfurter Börse, die Wiener Börse, die Euronext oder die New York Stock Exchange.
  2. Multilaterale Handelssysteme wie Tradegate oder gettex: Sie funktionieren ähnlich wie Börsen, sind aber anders reguliert und oft auf Privatanleger und lange Handelszeiten ausgerichtet.
  3. Außerbörslicher Handel direkt mit einem Market Maker oder einer Bank (auch OTC, „over the counter“ genannt). Viele Neobroker leiten Aufträge an genau einen solchen Partner weiter.

Für dich bedeutet das: Dieselbe Siemens-Aktie kann an zehn verschiedenen Orten gleichzeitig gehandelt werden, mit jeweils leicht unterschiedlichen Kursen. Dass die Preise trotzdem fast identisch bleiben, liegt an Arbitrage-Händlern, die jede Abweichung sofort ausnutzen und so wieder schließen.

Die wichtigsten Börsen der Welt

Handelszeiten wichtiger Börsen in mitteleuropäischer Zeit 036912151821 Tokio Hongkong London Xetra · Wien New York Tradegate Stunden in MEZ (Winterzeit). Tokio: 1–7:30 · Hongkong: 2:30–9 · London: 9–17:30 · Xetra: 9–17:30 · New York: 15:30–22 · Tradegate: 8–22
Die Börsenwelt schläft fast nie. Wenn Europa schließt, läuft der US-Handel noch mehrere Stunden. Asien öffnet, während Europa schläft. Die Zeiten verschieben sich bei Sommerzeit-Wechseln, die nicht überall gleichzeitig stattfinden.

Ein kurzer Überblick über die Handelsplätze, die für Anleger im deutschsprachigen Raum am wichtigsten sind:

Handelsplatz Haupthandelszeit (MEZ) Bedeutung
Xetra (Frankfurt) 9:00–17:30 Referenzbörse für deutsche Aktien und ETFs, sehr liquide
Wiener Börse 9:00–17:30 Heimatbörse für österreichische Aktien (ATX)
SIX Swiss Exchange 9:00–17:30 Schweizer Aktien wie Nestlé, Roche, Novartis
Tradegate, gettex, L&S ca. 8:00–22:00 Lange Handelszeiten, beliebt bei Privatanlegern
NYSE und Nasdaq 15:30–22:00 Die größten Börsen der Welt, Heimat der US-Aktien

Die beiden US-Börsen unterscheiden sich vor allem historisch: Die New York Stock Exchange ist die traditionsreiche Börse an der Wall Street mit Unternehmen wie Coca-Cola oder JPMorgan. Die Nasdaq startete 1971 als erste vollelektronische Börse und ist bis heute die Heimat vieler Technologiekonzerne wie Apple, Microsoft oder Nvidia.

Welchen Handelsplatz soll ich wählen?

Für die meisten Privatanleger gilt eine einfache Faustregel: Handle dort, wo die Aktie am meisten gehandelt wird, und dann, wenn ihre Heimatbörse geöffnet hat.

  • Deutsche Aktien und europäische ETFs: am besten zwischen 9:00 und 17:30 Uhr, wenn Xetra geöffnet ist. Auch außerbörsliche Plätze orientieren sich dann eng am Xetra-Kurs.
  • US-Aktien: am liquidesten zwischen 15:30 und 22:00 Uhr, wenn New York geöffnet ist. Vormittags in Europa stellen Market Maker zwar Kurse, aber auf Basis von Schätzungen und oft mit breiterem Spread.
  • Österreichische Nebenwerte: über die Wiener Börse, weil sie anderswo kaum gehandelt werden.

Außerhalb dieser Zeiten kann es passieren, dass ein Market Maker zwar einen Kurs stellt, der Spread aber auf ein Prozent oder mehr anwächst. Wer dann eine Market-Order erteilt, zahlt unnötig drauf. Eine Limit-Order schützt dich.

Was nach dem Kauf passiert: Clearing und Settlement

Wenn deine Order ausgeführt ist, gehört dir die Aktie wirtschaftlich sofort. Juristisch und technisch dauert es aber noch etwas:

  1. Handel (T): Dein Auftrag wird ausgeführt, der Preis steht fest.
  2. Clearing: Eine zentrale Gegenpartei, in Deutschland etwa die Eurex Clearing, tritt zwischen Käufer und Verkäufer. Fällt eine Seite aus, springt sie ein. So muss niemand dem unbekannten Gegenüber vertrauen.
  3. Settlement: Die Wertpapiere werden in dein Depot gebucht und das Geld wird übertragen. In der EU geschieht das zwei Handelstage nach dem Geschäft (T+2), in den USA seit Mai 2024 schon nach einem (T+1). Die EU plant die Umstellung auf T+1 für Oktober 2027.

Für den Alltag ist das selten wichtig – außer bei Dividenden: Wer die Dividende bekommen will, muss die Aktie spätestens am Tag vor dem Ex-Tag gekauft haben. Dazu mehr in der Lektion über Dividenden.

Notbremsen: Volatilitätsunterbrechungen

Wenn ein Kurs innerhalb kürzester Zeit sehr stark springt, unterbricht die Börse den fortlaufenden Handel automatisch für ein paar Minuten. Auf Xetra heißt das Volatilitätsunterbrechung, in den USA spricht man von Circuit Breakern. Danach wird der Handel mit einer kurzen Auktion fortgesetzt. Die Idee: Panik oder fehlerhafte Aufträge sollen sich nicht ungebremst durch den Markt fressen.

Für den Gesamtmarkt gibt es in den USA zusätzlich marktweite Stopps: Fällt der S&P 500 an einem Tag um 7 %, 13 % oder 20 %, wird der Handel unterbrochen beziehungsweise für den Rest des Tages eingestellt. Ausgelöst wurden sie zuletzt im März 2020, als die Corona-Pandemie die Märkte erschütterte.

Zusammenfassung

Aktien werden gleichzeitig an vielen Orten gehandelt: an Börsen mit offenem Orderbuch, an Handelssystemen mit langen Öffnungszeiten und direkt bei Market Makern. Am günstigsten handelst du meist dann, wenn die Heimatbörse einer Aktie geöffnet ist. Nach dem Kauf sorgen Clearing und Settlement dafür, dass Geld und Wertpapiere sicher den Besitzer wechseln – und Notbremsen sorgen dafür, dass ein Crash nicht im Sekundentakt eskaliert.

In der nächsten Lektion geht es um die Zahlen, die abends in den Nachrichten genannt werden: Indizes wie DAX, ATX und S&P 500.

Jetzt üben

13 kurze Aufgaben zu dieser Lektion – Fehler kommen am Ende nochmal dran. Danach ist die Lektion abgeschlossen und landet in deiner Wiederholung.

Teste dein Wissen

0/3

01Du möchtest um 20:00 Uhr deutscher Zeit eine US-Aktie kaufen. Wo ist der Handel zu dieser Zeit am liquidesten?

Um 20:00 Uhr MEZ ist die NYSE beziehungsweise die Nasdaq geöffnet (meist 15:30–22:00 Uhr MEZ). Dort wird die Aktie am meisten gehandelt. Xetra hat um 17:30 Uhr geschlossen.

02Was bedeutet „T+2“?

T steht für den Handelstag (Trade Date). Bei T+2 erfolgt die endgültige Lieferung der Wertpapiere gegen Zahlung zwei Handelstage später. In den USA gilt seit Mai 2024 T+1.

03Warum ist es meist keine gute Idee, eine deutsche Nebenwert-Aktie um 21:30 Uhr per Market-Order zu kaufen?

Außerhalb der Xetra-Zeiten stellen meist nur noch einzelne Market Maker Kurse – oft mit breiterem Spread. Eine Market-Order kann dann teuer werden. Eine Limit-Order schützt davor.