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Modul 1 · Lektion 2/6

Was ist eine Aktie?

Ein Anteil an einem Unternehmen – mit Rechten, Chancen und Risiken. Was du wirklich besitzt, woher Aktienrenditen kommen und warum ein hoher Kurs nicht „teuer“ bedeutet.

6 Min. Lesezeit Einsteiger 13 Übungen

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Aktie ist ein Bruchteil eines Unternehmens. Wer Aktien besitzt, ist Miteigentümer – mit Anteil am Gewinn und Stimmrecht.
  • Du haftest nur mit dem, was du investiert hast. Mehr als 100 % Verlust sind mit einer normalen Aktie nicht möglich.
  • Der Wert eines Unternehmens an der Börse ist die Marktkapitalisierung – Aktienkurs mal Anzahl der Aktien. Der Kurs allein sagt nichts darüber, ob eine Aktie „teuer“ ist.
  • Langfristig kommt die Rendite einer Aktie aus drei Quellen – Gewinnwachstum, Dividenden und Veränderungen der Bewertung.
  • Einzelne Aktien können wertlos werden. Deshalb ist Streuung so wichtig.

Wenn du eine Aktie kaufst, kaufst du kein Stück Papier und auch keine Wette auf eine Zahl auf dem Bildschirm. Du kaufst ein winziges Stück eines echten Unternehmens – mit seinen Fabriken, Marken, Patenten, Mitarbeitern und, vor allem, mit seinen künftigen Gewinnen. Diese einfache Tatsache ist der Ausgangspunkt für fast alles, was in diesem Kurs noch kommt.

Miteigentümer werden

Stell dir ein Unternehmen als großen Kuchen vor. Eine Aktie ist ein Stück davon. Hat ein Unternehmen 100 Millionen Aktien ausgegeben und du besitzt 100 davon, gehört dir ein Millionstel des Unternehmens. Rechtlich bist du damit Aktionär – Miteigentümer einer Aktiengesellschaft (AG), in den USA einer Corporation.

Dieser Anteil gibt dir einen Anspruch auf genau den Bruchteil, der dir gehört:

  • auf einen Anteil am Gewinn, wenn das Unternehmen ihn als Dividende ausschüttet,
  • auf ein Stimmrecht auf der Hauptversammlung, wo zum Beispiel über die Dividende, den Aufsichtsrat und große Kapitalmaßnahmen abgestimmt wird,
  • auf ein Bezugsrecht, wenn das Unternehmen neue Aktien ausgibt, damit dein Anteil nicht verwässert wird,
  • und im Fall einer Auflösung auf einen Anteil an dem, was nach Begleichung aller Schulden übrig bleibt.

Begrenzte Haftung – ein unterschätzter Segen

Eine der wichtigsten Eigenschaften der Aktie ist die beschränkte Haftung. Als Aktionär haftest du nur mit dem Geld, das du in die Aktie gesteckt hast. Wenn das Unternehmen Schulden hat, die es nicht zahlen kann, können die Gläubiger nicht auf dein Privatvermögen zugreifen. Im schlimmsten Fall wird deine Aktie wertlos – ein Verlust von 100 %, aber nicht mehr.

Das klingt selbstverständlich, war es historisch aber nicht. Erst die beschränkte Haftung machte es möglich, dass Millionen von Menschen Anteile an Unternehmen kaufen, deren Geschäfte sie nicht selbst kontrollieren können.

Wie viel ist ein Unternehmen wert?

Der Börsenwert eines Unternehmens heißt Marktkapitalisierung. Er ergibt sich ganz einfach:

Marktkapitalisierung = Aktienkurs × Anzahl der Aktien

Daraus folgt etwas, das viele Einsteiger überrascht: Der Kurs einer einzelnen Aktie sagt nichts darüber aus, ob ein Unternehmen groß, klein, teuer oder billig ist.

Aktiensplits: mehr Stücke, gleicher Kuchen

Manche Unternehmen „teilen“ ihre Aktien, wenn der Kurs sehr hoch geworden ist. Bei einem Aktiensplit im Verhältnis 1:4 wird aus einer Aktie zu 400 € einfach vier Aktien zu je 100 €. Dein Vermögen ändert sich dadurch nicht – der Kuchen wird nur in kleinere Stücke geschnitten. Apple hat das zum Beispiel 2020 im Verhältnis 1:4 gemacht, Nvidia 2024 im Verhältnis 1:10. Ein Split kann die Aktie für Kleinanleger leichter handelbar machen, ist aber kein Grund, sie zu kaufen.

Verschiedene Arten von Aktien

Nicht jede Aktie ist gleich. Die wichtigsten Unterschiede:

Art Was sie ausmacht Beispiel
Stammaktie Normalfall: Stimmrecht und Dividendenanspruch Siemens, Allianz
Vorzugsaktie Meist kein Stimmrecht, dafür bevorzugte oder höhere Dividende VW Vz, Henkel Vz
Namensaktie Der Aktionär wird im Aktienregister des Unternehmens eingetragen Viele DAX-Konzerne
Inhaberaktie Das Unternehmen kennt seine Aktionäre nicht namentlich Früher üblich, heute seltener

In den USA gibt es zusätzlich oft mehrere Aktiengattungen mit unterschiedlichen Stimmrechten. Bei Alphabet (Google) etwa haben die A-Aktien eine Stimme, die C-Aktien gar keine, und die B-Aktien der Gründer zehn Stimmen je Aktie. So behalten Gründer die Kontrolle, obwohl sie nur einen kleineren Teil des Kapitals besitzen.

Woher kommt die Rendite einer Aktie?

Warum sollte eine Aktie überhaupt im Wert steigen? Langfristig gibt es dafür genau drei Quellen:

Drei Quellen der Aktienrendite Gewinnwachstum Das Unternehmen verdient mehr + Dividenden Ein Teil des Gewinns wird ausgeschüttet + Bewertung Anleger zahlen mehr oder weniger je Euro Gewinn trägt langfristig am meisten stetig, aber nicht garantiert schwankt stark, gleicht sich über Jahrzehnte oft aus
Die Renditeformel einer Aktie. Kurzfristig dominiert die Bewertung – also die Stimmung. Langfristig zählen Gewinne und Ausschüttungen.
  1. Gewinnwachstum: Verdient ein Unternehmen in zehn Jahren doppelt so viel wie heute, ist es – bei sonst gleichen Bedingungen – auch ungefähr doppelt so viel wert.
  2. Dividenden: Viele Unternehmen schütten jedes Jahr einen Teil ihres Gewinns an die Aktionäre aus. Diese Zahlungen machen über lange Zeiträume einen großen Teil der Gesamtrendite aus.
  3. Bewertungsänderung: Wie viel Anleger bereit sind, für einen Euro Gewinn zu bezahlen, ändert sich mit Zinsen, Stimmung und Erwartungen. In Euphorie-Phasen steigen Bewertungen, in Krisen fallen sie.

Kurzfristig – über Tage, Wochen oder ein paar Jahre – wird der Kurs fast nur von der dritten Quelle bewegt. Darum wirken Aktienkurse oft so launisch. Über Jahrzehnte hingegen setzen sich die ersten beiden Quellen durch. Das ist der Grund, warum geduldige Aktionäre in der Vergangenheit gut gefahren sind.

Das Risiko: Unternehmen können scheitern

Ein Unternehmen kann schrumpfen, von Konkurrenten verdrängt werden oder schlicht pleitegehen. Für Aktionäre ist das bitter, denn sie stehen in der Rangfolge ganz hinten: Zuerst werden Mitarbeiter, Banken und Anleihegläubiger bedient, erst danach – falls überhaupt etwas übrig ist – die Eigentümer.

Genau deshalb ist Streuung eine der wichtigsten Regeln überhaupt: Wer sein Geld auf viele Unternehmen verteilt, verkraftet den Ausfall eines einzelnen. Ein ganzes Kapitel in Modul 3 widmet sich diesem Thema.

Aktien kaufen – Bruchstücke inklusive

Du kaufst Aktien über einen Broker, der sie in deinem Depot verwahrt. Früher musste man immer ganze Aktien kaufen. Heute bieten viele Broker auch Bruchstücke an: Du kannst für 50 € einen Teil einer Aktie kaufen, die 400 € kostet. Wie das genau funktioniert und welche Auftragsarten es gibt, zeigt die Lektion über Broker und Orderarten.

Zusammenfassung

Eine Aktie macht dich zum Miteigentümer eines Unternehmens. Du bekommst Anteil am Gewinn, ein Stimmrecht und haftest nur mit deinem Einsatz. Der Wert eines Unternehmens an der Börse ergibt sich aus Kurs mal Aktienanzahl – der Kurs allein ist bedeutungslos. Langfristig wachsen Aktien, weil Unternehmen mehr verdienen und Gewinne ausschütten; kurzfristig schwanken sie mit der Stimmung. Und weil einzelne Unternehmen scheitern können, gehört Streuung von Anfang an dazu.

Jetzt üben

13 kurze Aufgaben zu dieser Lektion – Fehler kommen am Ende nochmal dran. Danach ist die Lektion abgeschlossen und landet in deiner Wiederholung.

Teste dein Wissen

0/4

01Unternehmen A hat einen Aktienkurs von 500 € und 10 Millionen Aktien. Unternehmen B kostet 20 € je Aktie und hat 1 Milliarde Aktien. Welches Unternehmen ist an der Börse mehr wert?

Marktkapitalisierung = Kurs × Anzahl Aktien. A ist 500 € × 10 Mio. = 5 Mrd. € wert, B ist 20 € × 1 Mrd. = 20 Mrd. € wert. Der Kurs je Aktie allein sagt nichts über die Größe aus.

02Was ist der größtmögliche Verlust, wenn du für 1.000 € Aktien eines Unternehmens kaufst?

Aktionäre haften nur mit ihrer Einlage. Geht das Unternehmen pleite, kann die Aktie wertlos werden – mehr als den eingesetzten Betrag kannst du mit einer normalen Aktie aber nicht verlieren.

03Ein Unternehmen teilt seine Aktien im Verhältnis 1:10. Was passiert mit deinem Vermögen, wenn du vorher 5 Aktien zu je 400 € hattest?

Ein Aktiensplit ändert nur die Stückelung. Der Kuchen wird in mehr, aber kleinere Stücke geschnitten – am Gesamtwert ändert sich nichts.

04Welches Recht hat ein Inhaber von Vorzugsaktien typischerweise NICHT?

Vorzugsaktien bringen meist eine bevorzugte oder höhere Dividende, dafür aber in der Regel kein Stimmrecht. Beispiele in Deutschland sind die Vorzugsaktien von Volkswagen oder Henkel.