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Modul 2 · Lektion 4/6

Währungen und Wechselkursrisiko

Wie Wechselkurse notiert werden, was sie bewegt, warum ein US-ETF für Euro-Anleger immer auch eine Dollar-Wette ist und wann sich Währungsabsicherung lohnt.

4 Min. Lesezeit Einsteiger 11 Übungen

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Wechselkurs wie EUR/USD 1,10 bedeutet – 1 Euro kostet 1,10 US-Dollar.
  • Wer als Euro-Anleger US-Aktien hält, trägt Währungsrisiko. Steigt der Dollar, gewinnt er zusätzlich; fällt der Dollar, verliert er.
  • Wechselkurse werden kurzfristig von Zinsunterschieden, Risikostimmung und Kapitalströmen bewegt, langfristig eher von Inflationsunterschieden.
  • Währungsgesicherte Fonds („hedged“) schalten das Risiko weitgehend aus, kosten aber etwa den Zinsunterschied zwischen den Währungen.
  • Bei Aktien gleicht sich das Währungsrisiko über lange Zeiträume oft teilweise aus, bei Anleihen ist es im Verhältnis zur Rendite sehr groß.

Der Devisenmarkt ist der größte Finanzmarkt der Welt. Laut der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich werden dort jeden Tag Währungen im Wert von mehreren Billionen US-Dollar getauscht. Als Privatanleger handelst du selten direkt mit Währungen – aber du bist ihnen ausgesetzt, sobald du irgendetwas außerhalb deiner Heimatwährung kaufst. Und das ist bei einem Welt-ETF der Normalfall.

Wie Wechselkurse notiert werden

Ein Wechselkurs ist der Preis einer Währung, ausgedrückt in einer anderen. Die Schreibweise EUR/USD 1,10 bedeutet: 1 Euro kostet 1,10 US-Dollar. Die erste Währung ist die Basiswährung, die zweite die Kurswährung.

  • Steigt EUR/USD von 1,10 auf 1,20, wertet der Euro auf. Du bekommst mehr Dollar für deinen Euro.
  • Fällt EUR/USD auf 1,00, wertet der Euro ab – oder anders gesagt: Der Dollar wird stärker.

Wichtige Währungspaare für Anleger im deutschsprachigen Raum sind EUR/USD, EUR/CHF, EUR/GBP und EUR/JPY.

Was Wechselkurse bewegt

Wechselkurse sind Preise wie alle anderen: Sie entstehen aus Angebot und Nachfrage. Was diese antreibt, hängt vom Zeithorizont ab.

Kurzfristig – Tage bis wenige Jahre:

  • Zinsunterschiede: Bietet eine Währung höhere Zinsen, zieht sie Kapital an. Erhöht die US-Notenbank die Zinsen stärker als die EZB, stärkt das tendenziell den Dollar.
  • Risikostimmung: In Krisen fließt Geld in als sicher geltende Währungen wie den US-Dollar, den Schweizer Franken oder den japanischen Yen.
  • Handels- und Kapitalströme: Exportüberschüsse, Unternehmensübernahmen, Investitionen von Pensionsfonds.

Langfristig – über viele Jahre:

  • Inflationsunterschiede: Steigen die Preise in einem Land dauerhaft schneller, verliert dessen Währung tendenziell an Wert. Diese Idee heißt Kaufkraftparität. Sie wirkt nur sehr langsam und unvollständig, ist aber über Jahrzehnte erkennbar.

Währungsrisiko im Depot

Angenommen, du kaufst als Euro-Anleger einen ETF auf den S&P 500. Die Aktien darin notieren in Dollar. Deine Rendite in Euro setzt sich aus zwei Teilen zusammen:

Rendite in Euro ≈ Rendite in Dollar + Veränderung des Dollar gegenüber dem Eurogenau: (1 + Rendite in USD) × (1 + Wechselkursänderung) − 1
Zwei Jahre, gleiche Indexrendite, unterschiedliches Ergebnis in Euro Jahr A: Dollar steigt um 10 % Jahr B: Dollar fällt um 10 % Index in $+10 % in €+21 % Index in $+10 % in €−1 %
Gleicher Index, gleiche Rendite in Dollar – völlig unterschiedliches Ergebnis in Euro. 1,10 × 1,10 = 1,21 und 1,10 × 0,90 = 0,99.

Bei Aktien ist das Währungsrisiko ein echtes, aber begrenztes Problem:

  • Viele große Unternehmen verdienen ihr Geld weltweit. Ein schwacher Dollar macht die Produkte von US-Konzernen im Ausland günstiger und ihre Auslandsgewinne in Dollar mehr wert – das dämpft den Effekt.
  • Über lange Zeiträume gleichen sich Währungsschwankungen bei Aktien teilweise aus. Die Aktienrendite selbst ist viel größer als die typische jährliche Währungsbewegung.

Bei Anleihen sieht das anders aus. Eine US-Staatsanleihe bringt vielleicht 4 % im Jahr, der Dollar kann aber in einem einzigen Jahr 10 % oder mehr schwanken. Die Anleihe, die eigentlich Ruhe ins Depot bringen soll, wird so zum Spielball der Wechselkurse.

Währungsabsicherung: „hedged“-Fonds

Viele Fonds gibt es in einer währungsgesicherten Variante, erkennbar am Zusatz „EUR Hedged“. Der Fonds schließt dabei laufend Devisentermingeschäfte ab, die Wechselkursänderungen weitgehend neutralisieren. Du bekommst dann annähernd die Rendite des Index in der Originalwährung.

Das hat einen Preis:

  • Zinsdifferenz: Die Absicherung kostet oder bringt ungefähr den Unterschied zwischen den kurzfristigen Zinsen beider Währungen. Liegen die US-Zinsen 2 Prozentpunkte über den Euro-Zinsen, kostet die Absicherung eines Dollar-Investments rund 2 % pro Jahr.
  • Höhere laufende Kosten und manchmal eine geringere Auswahl an Fonds.

Währungen als eigene Anlage?

Direktes Spekulieren mit Währungen – etwa über den außerbörslichen Devisenhandel mit Hebel (Forex-Trading über CFDs) – ist ein Nullsummenspiel mit hohen Kosten. Die EU-Aufsicht verlangt von CFD-Anbietern, offenzulegen, wie viele Kundenkonten Geld verlieren; die Quoten liegen regelmäßig bei 70 % und mehr. Mehr dazu in der Lektion über Hebel.

Für die meisten Anleger ist die richtige Frage deshalb nicht „Wie verdiene ich an Währungen?“, sondern „Wie viel Währungsrisiko will ich in meinem Depot haben, und an welcher Stelle?“

Zusammenfassung

Wechselkurse bestimmen, was deine ausländischen Anlagen in Euro wert sind. Kurzfristig werden sie von Zinsen und Stimmung bewegt, langfristig eher von Inflationsunterschieden. Bei Aktien ist das Währungsrisiko Teil der globalen Streuung und gleicht sich oft teilweise aus. Bei Anleihen kann es den Zweck der Anlage zunichtemachen – dort lohnt sich Absicherung meist.

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11 kurze Aufgaben zu dieser Lektion – Fehler kommen am Ende nochmal dran. Danach ist die Lektion abgeschlossen und landet in deiner Wiederholung.

Teste dein Wissen

0/3

01EUR/USD steigt von 1,05 auf 1,15. Was ist passiert?

Für einen Euro bekommt man jetzt mehr Dollar. Der Euro hat gegenüber dem Dollar aufgewertet.

02Ein Euro-Anleger kauft einen S&P-500-ETF. Der Index steigt in Dollar um 10 %, der Dollar fällt gegenüber dem Euro um 10 %. Wie ist seine Rendite in Euro ungefähr?

1,10 × 0,90 = 0,99 – der Kursgewinn wird fast vollständig vom Währungsverlust aufgezehrt. Die Rendite liegt bei rund −1 %.

03Für welche Anlage ist eine Währungsabsicherung aus Sicht eines Euro-Anlegers meist am sinnvollsten?

Anleihen sollen ein Depot stabilisieren. Wechselkurse schwanken oft stärker als hochwertige Anleihen selbst. Ungesicherte Fremdwährungsanleihen verlieren dadurch ihre stabilisierende Wirkung.