1. Lernpfad
  2. Anlageklassen
Modul 2 · Lektion 5/6

Kryptowährungen

Bitcoin, Ethereum, Stablecoins – was Kryptowerte sind, wie sie bewertet werden (oder eben nicht), welche Risiken es gibt und wie man sie sicher verwahrt.

4 Min. Lesezeit Einsteiger 11 Übungen

Das Wichtigste in Kürze

  • Kryptowährungen sind digitale Werte, deren Besitz in einer dezentralen Blockchain verbucht wird. Der bekannteste ist Bitcoin mit einer festen Obergrenze von 21 Millionen Einheiten.
  • Bitcoin erzeugt keine Gewinne oder Zinsen. Sein Preis hängt allein davon ab, was andere morgen dafür zu zahlen bereit sind.
  • Kryptowerte sind extrem volatil. Bitcoin hat mehrfach 70 bis über 80 % vom Hoch verloren.
  • Verwahrung ist ein eigenes Risiko – Börsenpleiten wie FTX und gehackte Wallets haben Anleger Milliarden gekostet.
  • Wenn überhaupt, ist Krypto für die meisten Anleger eine kleine, spekulative Beimischung, deren Totalverlust verkraftbar sein muss.

Kaum ein Thema spaltet Anleger so sehr wie Kryptowährungen. Für die einen sind sie die Zukunft des Geldes, für die anderen eine Blase ohne inneren Wert. Diese Lektion will dir weder das eine noch das andere einreden, sondern erklären, was du kaufst, wenn du Krypto kaufst – und welche Risiken dabei wirklich zählen.

Was eine Kryptowährung ist

Eine Kryptowährung ist ein digitaler Wert, dessen Besitzverhältnisse nicht von einer Bank, sondern in einer dezentralen Datenbank festgehalten werden – der Blockchain. Tausende Computer weltweit führen identische Kopien dieses Kassenbuchs. Neue Einträge werden nach festen Regeln bestätigt, und einmal bestätigte Transaktionen lassen sich praktisch nicht mehr ändern.

Der Pionier ist Bitcoin, 2008 in einem Aufsatz unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto beschrieben und Anfang 2009 gestartet. Seine wichtigsten Eigenschaften:

  • Begrenzte Menge: Es wird nie mehr als 21 Millionen Bitcoin geben. Neue Bitcoin entstehen als Belohnung für das „Mining“; diese Belohnung halbiert sich etwa alle vier Jahre (Halving).
  • Keine zentrale Instanz: Niemand kann Bitcoin nachdrucken, Konten einfrieren oder Regeln im Alleingang ändern.
  • Öffentlich und pseudonym: Alle Transaktionen sind einsehbar, aber nicht direkt mit Namen verknüpft.

Daneben gibt es Tausende weitere Kryptowerte. Der zweitgrößte, Ethereum, ist eine Plattform, auf der Programme („Smart Contracts“) laufen, etwa für dezentrale Finanzanwendungen. Die meisten kleineren „Coins“ und „Token“ sind dagegen kurzlebig, viele schlicht wertlos.

Wie bewertet man Bitcoin?

Hier liegt der entscheidende Unterschied zu Aktien und Anleihen. Eine Aktie hat einen Anspruch auf künftige Gewinne, eine Anleihe auf Zinsen und Rückzahlung. Man kann darüber streiten, was diese Ansprüche wert sind, aber sie existieren.

Bitcoin erzeugt keine Erträge. Sein Wert hängt allein davon ab, wie viele Menschen ihn künftig besitzen wollen und was sie dafür zu zahlen bereit sind. Befürworter vergleichen ihn mit Gold: knapp, schwer zu beschlagnahmen, unabhängig von Notenbanken – „digitales Gold“. Kritiker halten dagegen, dass Gold seit Jahrtausenden als Wertspeicher akzeptiert ist, Bitcoin erst seit gut 15 Jahren, und dass es keinen Anker gibt, der den Preis nach unten begrenzt.

Volatilität: Krypto schwankt extrem

Kein großer Anlagewert schwankt so stark wie Bitcoin. Mehrfach hat er vom Höchststand 70 bis über 80 % verloren, um danach neue Rekorde zu erreichen:

Phase Verlust vom Hoch
2011 rund −90 %
2013–2015 rund −85 %
2017–2018 rund −84 %
2021–2022 rund −77 %

Kleinere Kryptowerte fallen in solchen Phasen oft noch stärker und erholen sich häufig nie. Wie viel Erholung ein Verlust von 80 % verlangt, kannst du in der Lektion über Volatilität und Drawdowns ausrechnen: es sind 400 %.

Die eigentlichen Risiken

Neben den Kursschwankungen gibt es Risiken, die Aktienanleger so nicht kennen:

  • Verwahrung: Wer seine Coins selbst verwahrt, braucht ein Wallet und muss seinen privaten Schlüssel sicher aufbewahren. Ist er verloren, ist das Geld verloren – für immer. Wer bei einer Kryptobörse verwahrt, vertraut dieser.
  • Börsenpleiten und Betrug: Die Kryptobörse Mt. Gox verlor 2014 rund 850.000 Bitcoin. FTX, einst eine der größten Börsen der Welt, brach im November 2022 zusammen; Kundengelder waren zweckentfremdet worden. Der Gründer wurde 2024 zu 25 Jahren Haft verurteilt.
  • Gescheiterte Konstruktionen: Der algorithmische Stablecoin TerraUSD und die zugehörige Kryptowährung Luna verloren im Mai 2022 innerhalb weniger Tage praktisch ihren gesamten Wert von zuvor rund 40 Milliarden Dollar.
  • Regulierung: Staaten können Handel, Steuern oder Verwahrung neu regeln. In der EU gilt seit 2024 die MiCA-Verordnung, die Kryptodienstleister lizenzpflichtig macht und mehr Schutz bringen soll.

Wie man in Krypto investieren kann

Weg Vorteile Nachteile
Kryptobörse mit eigenem Wallet Volle Kontrolle Technisches Know-how nötig, Verlustrisiko bei Fehlern
Kryptobörse/App mit Verwahrung Einfach Vertrauen in den Anbieter, Pleiterisiko
Krypto-ETPs (in Europa) Über das normale Depot handelbar Schuldverschreibungen, kein Sondervermögen; oft höhere Kosten
Spot-Bitcoin-ETFs (USA) Seit Januar 2024 zugelassen, sehr liquide Für EU-Privatanleger meist nicht direkt erwerbbar

Stablecoins: das Bindeglied

Stablecoins sind Token, die stabil einen festen Wert haben sollen, meist 1 US-Dollar. Die großen wie Tether (USDT) oder USD Coin (USDC) halten dafür Reserven in Bargeld und kurzlaufenden Staatsanleihen. Sie werden vor allem genutzt, um zwischen Kryptowerten zu wechseln, ohne in klassische Währungen zurückzugehen. Ihre Sicherheit hängt vollständig von der Qualität der Reserven und der Ehrlichkeit des Herausgebers ab.

Zusammenfassung

Kryptowährungen sind digitale Werte auf dezentralen Datenbanken. Bitcoin ist knapp und unabhängig von Notenbanken, aber er erzeugt keine Erträge – sein Preis ist reine Erwartung. Die Schwankungen sind extrem, und Verwahrung, Betrug und Regulierung sind zusätzliche Risiken. Wer investieren möchte, sollte es mit einem kleinen Anteil tun, den er notfalls ganz abschreiben kann, und sich gut überlegen, wo und wie er seine Coins aufbewahrt.

Jetzt üben

11 kurze Aufgaben zu dieser Lektion – Fehler kommen am Ende nochmal dran. Danach ist die Lektion abgeschlossen und landet in deiner Wiederholung.

Teste dein Wissen

0/3

01Was unterscheidet Bitcoin grundlegend von einer Aktie?

Eine Aktie ist ein Anteil an künftigen Unternehmensgewinnen. Bitcoin erzeugt keine Erträge – sein Wert beruht allein auf Knappheit, Akzeptanz und der Erwartung, dass andere ihn künftig nachfragen.

02Was passierte im November 2022 mit der Kryptobörse FTX?

FTX hatte Kundengelder unter anderem an die Schwesterfirma Alameda Research weitergeleitet. Als Kunden ihr Geld abziehen wollten, war es nicht da. Gründer Sam Bankman-Fried wurde später wegen Betrugs verurteilt.

03Was ist ein Stablecoin?

Stablecoins wie USDT oder USDC sollen stabil 1 Dollar wert sein und sind meist durch Reserven gedeckt. Wie gut diese Deckung ist, hängt vom Herausgeber ab – algorithmische Stablecoins wie TerraUSD sind 2022 spektakulär gescheitert.