Rohstoffe und Gold
Öl, Kupfer, Weizen und Gold – wie Rohstoffe gehandelt werden, warum Rohstoff-ETFs oft schlechter abschneiden als der Rohstoffpreis und welche Rolle Gold im Depot spielen kann.
Das Wichtigste in Kürze
- Rohstoffe erzeugen keine Gewinne und zahlen keine Zinsen. Ihre Rendite kommt allein aus Preisänderungen.
- Die meisten Rohstoffe werden über Terminkontrakte gehandelt. Fonds müssen diese regelmäßig „rollen“ – das kann in Contango-Phasen viel Rendite kosten.
- Gold ist ein Sonderfall – es wird kaum verbraucht, gilt seit Jahrtausenden als Wertaufbewahrungsmittel und reagiert vor allem auf Realzinsen, Krisen und Notenbankkäufe.
- Rohstoffpreise schwanken extrem. Im April 2020 notierte US-Öl sogar kurzzeitig im negativen Bereich.
- Im Depot können Rohstoffe – vor allem Gold – Streuung bringen, sind aber kein Renditemotor.
Rohstoffe sind die greifbarste Anlageklasse: Öl, Erdgas, Kupfer, Aluminium, Weizen, Kaffee, Gold, Silber. Ohne sie läuft keine Fabrik, kein Auto und keine Heizung. Und doch unterscheiden sie sich grundlegend von Aktien und Anleihen – mit Konsequenzen für jeden, der in sie investieren will.
Rohstoffe arbeiten nicht
Eine Aktie steht für ein Unternehmen, das Gewinne erwirtschaftet. Eine Anleihe zahlt Zinsen. Ein Barren Kupfer liegt einfach da. Er produziert nichts, zahlt nichts aus und kostet sogar Geld für Lagerung und Versicherung. Die Rendite eines Rohstoffs kommt ausschließlich aus Preisänderungen – und die werden von Angebot und Nachfrage getrieben: Konjunktur, Wetter, Kriege, Förderquoten, technologische Umbrüche.
Deshalb haben Rohstoffe über sehr lange Zeiträume real, also nach Inflation, deutlich weniger Wertzuwachs gebracht als Aktien. Ihre Stärke liegt woanders: Sie reagieren auf andere Faktoren als Aktien und können in bestimmten Phasen – etwa bei einem Inflationsschub wie 2021/22 – stark zulegen, während Aktien und Anleihen leiden.
Wie Rohstoffe gehandelt werden: Futures
Kaum ein Anleger will 1.000 Barrel Öl im Keller lagern. Gehandelt werden Rohstoffe deshalb überwiegend über Terminkontrakte (Futures): Vereinbarungen, eine bestimmte Menge zu einem festen Preis an einem bestimmten künftigen Termin zu kaufen oder zu verkaufen. Ein Ölproduzent kann so seinen Verkaufspreis absichern, eine Fluggesellschaft ihren Kerosinpreis.
Für Anleger, die über einen Fonds investieren, hat das eine wichtige Folge: Futures laufen aus. Ein Fonds muss den auslaufenden Kontrakt rechtzeitig verkaufen und einen späteren kaufen – er rollt.
- In Contango sind spätere Kontrakte teurer als frühere – etwa weil Lagerung und Finanzierung Geld kosten. Ein Fonds verkauft billig und kauft teuer nach. Selbst wenn der Ölpreis gleich bleibt, verliert er Wert.
- In Backwardation ist es umgekehrt: Spätere Kontrakte sind billiger, meist wenn das Angebot gerade knapp ist. Dann verdient der Fonds beim Rollen.
Wie Privatanleger investieren können
| Weg | Wie es funktioniert | Zu beachten |
|---|---|---|
| ETCs | Börsengehandelte Schuldverschreibungen, die einen Rohstoffpreis abbilden | Kein Sondervermögen, aber oft physisch besichert (z. B. Gold-ETCs) |
| Rohstoff-ETFs | Fonds auf breite Rohstoffindizes (über Futures) | Rollkosten, Index meist energielastig |
| Physisches Gold | Barren oder Münzen | Kauf-/Verkaufsspanne, Lagerung, Versicherung |
| Rohstoffaktien | Minen, Ölkonzerne, Agrarunternehmen | Unternehmensrisiko und Hebel auf den Rohstoffpreis |
In der EU dürfen UCITS-Fonds wegen der Streuungsvorschriften nicht in einen einzelnen Rohstoff investieren. Gold, Silber oder Öl einzeln werden deshalb meist über ETCs angeboten. Bei physisch besicherten Gold-ETCs liegt für jedes Wertpapier tatsächlich Gold in einem Tresor – das Gegenparteirisiko ist dadurch gering.
Gold: der Sonderling
Gold verhält sich anders als fast alle anderen Rohstoffe. Es wird kaum verbraucht – fast alles Gold, das je gefördert wurde, existiert noch. Der Großteil liegt als Schmuck, Barren oder in den Tresoren von Zentralbanken. Der Goldpreis hängt deshalb weniger von der Industrie ab als von der Frage, wie gern Menschen und Institutionen Gold halten wollen.
Die wichtigsten Einflussfaktoren:
- Realzinsen: Gold wirft keine Zinsen ab. Wenn sichere Anleihen nach Abzug der Inflation wenig oder nichts bringen, kostet es wenig, stattdessen Gold zu halten. Steigende Realzinsen belasten den Goldpreis oft.
- Krisen und Misstrauen: In Phasen politischer Unsicherheit, bei Bankenkrisen oder Sorgen um Währungen gilt Gold als sicherer Hafen.
- Zentralbanken: Seit Mitte der 2010er-Jahre und verstärkt seit 2022 kaufen Notenbanken, vor allem aus Schwellenländern, in großem Stil Gold, auch um weniger von US-Dollar-Reserven abhängig zu sein.
- Der US-Dollar: Gold wird in Dollar gehandelt. Ein schwächerer Dollar macht Gold für Käufer außerhalb der USA günstiger.
Welche Rolle Rohstoffe im Depot spielen können
Rohstoffe sind kein Renditemotor wie Aktien. Ihre mögliche Aufgabe ist die Streuung: Sie entwickeln sich zeitweise anders als Aktien und Anleihen, vor allem bei Angebotsschocks und Inflationsschüben. Viele langfristige Anleger halten deshalb, wenn überhaupt, einen kleinen Anteil von 5 bis 10 % in Gold, selten in breiten Rohstoffindizes.
Zusammenfassung
Rohstoffe produzieren nichts. Ihre Rendite kommt nur aus Preisänderungen, und Anleger erreichen sie meist über Futures, deren Rollen Rendite kosten oder bringen kann. Gold ist ein Sonderfall: ein Wertaufbewahrungsmittel, das vor allem auf Realzinsen, Krisen und Notenbanken reagiert. Als kleine Beimischung kann Gold ein Depot stabilisieren – als Ersatz für Aktien taugt es nicht.
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0/301Ein Rohstoff-ETF hält Öl-Futures. Der nächste Kontrakt kostet 70 $, der übernächste 73 $. Was bedeutet das für den Fonds beim Rollen?
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