Fonds und ETFs
Aktive Fonds, Indexfonds und ETFs – wie sie funktionieren, was sie kosten, warum die meisten aktiven Fonds ihren Index nicht schlagen und worauf du bei der ETF-Auswahl achten solltest.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Fonds bündelt das Geld vieler Anleger und investiert es nach festen Regeln. Das Fondsvermögen ist Sondervermögen und bei einer Pleite der Fondsgesellschaft geschützt.
- Ein ETF ist ein börsengehandelter Fonds, der meist einen Index nachbildet – breit gestreut, transparent und günstig.
- Die meisten aktiven Fonds schneiden über lange Zeiträume nach Kosten schlechter ab als ihr Vergleichsindex. Kosten sind der stärkste Prädiktor für Fondsrendite.
- Wichtige Kriterien bei der ETF-Wahl sind Index, laufende Kosten (TER), Tracking Difference, Fondsgröße, Ertragsverwendung und Replikationsmethode.
- Thesaurierende ETFs legen Erträge automatisch wieder an, ausschüttende zahlen sie aus.
Wer zum ersten Mal investiert, steht vor einem Dilemma: Einzelne Aktien sind riskant, und um breit zu streuen, bräuchte man Dutzende oder Hunderte davon. Genau dieses Problem lösen Fonds. Und eine bestimmte Art von Fonds – der ETF – hat in den letzten zwanzig Jahren verändert, wie Millionen Menschen Geld anlegen.
Wie ein Fonds funktioniert
Ein Investmentfonds sammelt das Geld vieler Anleger in einem großen Topf. Eine Fondsgesellschaft investiert diesen Topf nach festgelegten Regeln, zum Beispiel in europäische Aktien oder in Unternehmensanleihen. Jeder Anleger besitzt Fondsanteile – und damit einen Bruchteil an allem, was der Fonds hält.
Das hat drei große Vorteile:
- Streuung schon mit kleinen Beträgen: Mit 50 € im Monat besitzt du Anteile an Hunderten Unternehmen.
- Professionelle Verwaltung: Kauf, Verkauf, Dividenden, Kapitalmaßnahmen – alles erledigt der Fonds.
- Rechtlicher Schutz: Das Fondsvermögen ist Sondervermögen. Es liegt bei einer unabhängigen Verwahrstelle und gehört den Anlegern, nicht der Fondsgesellschaft.
Aktiv oder passiv?
Bei der Frage, wie ein Fonds sein Geld anlegt, gibt es zwei Philosophien.
Aktive Fonds werden von einem Fondsmanager gesteuert, der versucht, durch geschickte Auswahl von Aktien besser abzuschneiden als der Markt. Dafür verlangt er Gebühren – laufende Kosten von 1,5 bis 2 % pro Jahr sind bei klassischen Aktienfonds keine Seltenheit, dazu kommt beim Kauf über die Bank oft ein Ausgabeaufschlag von bis zu 5 %.
Passive Fonds oder Indexfonds versuchen gar nicht erst, den Markt zu schlagen. Sie bilden einfach einen Index nach – zum Beispiel den MSCI World – und kaufen alle Aktien in genau der Gewichtung des Index. Das ist mit wenig Aufwand möglich und entsprechend günstig: Breite Index-ETFs kosten oft nur 0,05 bis 0,25 % pro Jahr.
Die unbequeme Statistik
Klingt ein aktiver Manager nicht trotzdem besser? Die Daten sprechen eine klare Sprache. S&P Dow Jones Indices veröffentlicht regelmäßig die sogenannten SPIVA-Berichte, die aktive Fonds mit ihren Vergleichsindizes vergleichen. Über Zeiträume von 15 Jahren schneidet in praktisch allen großen Aktienkategorien – USA wie Europa – die große Mehrheit der aktiven Fonds, meist rund 85 bis 90 %, schlechter ab als ihr Index.
Der Grund ist simpel: Alle Anleger zusammen sind der Markt. Vor Kosten erzielen sie im Schnitt genau die Marktrendite. Nach Kosten liegen sie im Schnitt darunter – und zwar um genau ihre Kosten. Wer weniger zahlt, behält mehr. Der Nobelpreisträger William Sharpe hat das 1991 in einem berühmten Aufsatz als „Arithmetik des aktiven Managements“ beschrieben.
ETFs: Fonds, die an der Börse gehandelt werden
ETF steht für Exchange Traded Fund, börsengehandelter Fonds. Ein ETF ist rechtlich ein ganz normaler Investmentfonds, aber er wird wie eine Aktie den ganzen Tag über an der Börse gehandelt. Fast alle ETFs sind passive Indexfonds, auch wenn es inzwischen aktive ETFs gibt.
Dass der Börsenkurs eines ETFs nicht vom Wert seiner Bestandteile wegläuft, dafür sorgt ein cleverer Mechanismus: Große Banken, sogenannte Authorised Participants, können jederzeit neue ETF-Anteile schaffen, indem sie dem Fonds die passenden Aktien liefern – oder Anteile zurückgeben und dafür Aktien bekommen. Notiert der ETF über seinem inneren Wert, schaffen sie neue Anteile und verkaufen sie; notiert er darunter, kaufen sie Anteile und lösen sie auf. So bleibt der Kurs eng am Wert der Wertpapiere im Fonds.
Worauf du bei der ETF-Auswahl achtest
| Kriterium | Was es bedeutet |
|---|---|
| Index | Die wichtigste Entscheidung: Welcher Markt soll abgebildet werden? Weltweit, nur Industrieländer, einzelne Regionen, Branchen? |
| TER | Laufende Kosten pro Jahr in Prozent des Vermögens. Werden automatisch aus dem Fonds entnommen. |
| Tracking Difference | Tatsächliche Abweichung der ETF-Rendite vom Index – die ehrlichere Kostenkennzahl. |
| Fondsvolumen | Größere ETFs sind meist liquider und werden seltener geschlossen. |
| Ertragsverwendung | Thesaurierend (Erträge werden reinvestiert) oder ausschüttend (Erträge werden ausgezahlt). |
| Replikation | Physisch (der ETF kauft die Aktien) oder synthetisch (Nachbildung über ein Tauschgeschäft mit einer Bank). |
| Domizil | Wo der Fonds aufgelegt ist – meist Irland oder Luxemburg, wichtig für die Quellensteuer auf US-Dividenden. |
Thesaurierend oder ausschüttend?
Ein thesaurierender ETF legt Dividenden automatisch wieder im Fonds an. Das ist bequem und lässt den Zinseszins ungestört arbeiten. Ein ausschüttender ETF überweist die Dividenden auf dein Verrechnungskonto – praktisch, wenn du von den Erträgen leben willst. Steuerlich werden in Deutschland und Österreich beide Varianten erfasst, nur auf unterschiedlichen Wegen. Rendite-mäßig sind sie vor Steuern gleichwertig.
Physisch oder synthetisch?
Ein physisch replizierender ETF kauft die Aktien des Index tatsächlich, entweder alle (vollständige Replikation) oder eine repräsentative Auswahl (Sampling). Ein synthetischer ETF hält einen anderen Wertpapierkorb und tauscht dessen Rendite über einen sogenannten Swap gegen die Indexrendite. Das birgt ein begrenztes Gegenparteirisiko, das gesetzlich auf 10 % des Fondsvermögens beschränkt ist, und kann bei manchen Märkten sogar günstiger oder steuerlich vorteilhaft sein. Für die meisten Anleger ist die Frage weniger wichtig als oft dargestellt.
ETF und Sparplan: der einfachste Einstieg
Für die meisten Privatanleger ist ein breit gestreuter Welt-ETF, regelmäßig über einen Sparplan bespart, eine sehr solide Basis. Er streut über Tausende Unternehmen, Länder und Branchen, kostet wenig und verlangt keine Einzelentscheidungen. Was er nicht leisten kann: Schwankungen vermeiden. Ein Aktien-ETF fällt im Crash genauso wie der Markt, den er abbildet. Wie man das mit Anleihen oder Cash ausbalanciert, lernst du in Modul 3.
Vertiefung · Warum ETFs steuerlich meist aus Irland kommen
US-Dividenden werden mit Quellensteuer belegt. Irland hat ein Doppelbesteuerungsabkommen mit den USA, das die Quellensteuer auf Fondsebene von 30 % auf 15 % senkt. Ein in Irland aufgelegter ETF auf US-Aktien verliert dadurch weniger Rendite als ein Fonds aus einem Land ohne solches Abkommen. Deshalb tragen die meisten in Europa verkauften ETFs eine ISIN, die mit „IE“ beginnt.
Zusammenfassung
Fonds bündeln Geld vieler Anleger und ermöglichen breite Streuung mit kleinen Beträgen – rechtlich geschützt als Sondervermögen. Aktive Fonds versuchen, den Markt zu schlagen, scheitern daran aber in der großen Mehrheit nach Kosten. ETFs bilden Indizes günstig und transparent nach und lassen sich wie Aktien handeln. Bei der Auswahl zählen vor allem der Index, die Kosten und die tatsächliche Abweichung vom Index.
Jetzt üben
13 kurze Aufgaben zu dieser Lektion – Fehler kommen am Ende nochmal dran. Danach ist die Lektion abgeschlossen und landet in deiner Wiederholung.
Teste dein Wissen
0/401Ein aktiver Fonds kostet 1,8 % pro Jahr, ein ETF auf denselben Markt 0,2 %. Was muss der Fondsmanager leisten, damit sich der aktive Fonds lohnt?
02Was passiert mit deinen ETF-Anteilen, wenn die Fondsgesellschaft insolvent wird?
03Was unterscheidet einen thesaurierenden von einem ausschüttenden ETF?
04Welche Kennzahl zeigt am besten, wie viel Rendite ein ETF im Vergleich zu seinem Index tatsächlich verliert?