Wie viel ETF für passives Einkommen?
Die Faustformel: Benötigtes Kapital = gewünschtes Jahreseinkommen geteilt durch die Entnahme- oder Dividendenrate. Für 1.000 € im Monat (12.000 €/Jahr) brauchst du bei 4 % rund 300.000 €, bei 3 % Dividendenrendite rund 400.000 €. Hier ist die vollständige Rechnung mit Tabelle.
Die einfache Formel
Benötigtes Kapital = (monatlicher Wunschbetrag × 12) ÷ Rate. Die „Rate“ ist entweder die Dividendenrendite (wenn du nur von Ausschüttungen leben willst) oder die Entnahmerate (wenn du auch Anteile verkaufst, siehe 4-Prozent-Regel). Je höher die Rate, desto weniger Kapital brauchst du — aber desto höher das Risiko, die Substanz anzugreifen.
Wie viel Kapital für welche monatliche Auszahlung?
Benötigtes ETF-Kapital (Beispielrechnung)
| Wunsch/Monat | bei 3 % (Dividende) | bei 4 % (Entnahme) |
|---|---|---|
| 250 € | 100.000 € | 75.000 € |
| 500 € | 200.000 € | 150.000 € |
| 1.000 € | 400.000 € | 300.000 € |
| 1.500 € | 600.000 € | 450.000 € |
| 2.000 € | 800.000 € | 600.000 € |
Dividende oder Entnahme — der Unterschied
- Reine Dividendenstrategie (ca. 3 %): Du lebst nur von Ausschüttungen und rührst die Anteile nie an. Sicherer, aber du brauchst mehr Kapital.
- Entnahmestrategie (ca. 4 %): Du verkaufst zusätzlich Anteile. Weniger Kapital nötig, aber bei langen Crash-Phasen kann die Substanz schrumpfen.
- Brutto ≠ netto: Auf Ausschüttungen und Kursgewinne fällt Abgeltungsteuer an — kalkuliere etwas mehr Kapital ein.
Die Tabelle zeigt Bruttobeträge. Nach Abgeltungsteuer (25 % + Soli auf den steuerpflichtigen Teil) bleibt weniger übrig — plane einen Puffer ein. Außerdem zehrt die Inflation an der Kaufkraft: Wer die Entnahme jährlich an die Teuerung anpasst, sollte konservativer rechnen (eher 3,5 % als 4 %).
Der Weg dorthin: Wie lange dauert der Aufbau von 300.000 €?
Die Zielsumme ist das eine — der Weg dorthin das andere. Die gute Nachricht: Du musst die 300.000 € nicht ansparen, sondern nur einen Teil davon. Den Rest erledigt der Zinseszins. Bei einer angenommenen Durchschnittsrendite von 6 % pro Jahr ergibt sich je nach Sparrate folgender Zeithorizont:
Sparrate vs. Zeit bis 300.000 € (6 % p.a., vereinfacht)
| Monatliche Sparrate | Dauer bis ~300.000 € | Selbst eingezahlt | Davon Kursgewinn |
|---|---|---|---|
| 250 € | ~32,5 Jahre | ~97.500 € | ~202.500 € |
| 500 € | ~23 Jahre | ~139.000 € | ~161.000 € |
| 750 € | ~18,5 Jahre | ~165.000 € | ~135.000 € |
| 1.000 € | ~15,5 Jahre | ~184.000 € | ~116.000 € |
| 1.500 € | ~11,5 Jahre | ~208.500 € | ~91.500 € |
Auffällig: Wer mit 250 € spart, zahlt am Ende weniger als ein Drittel der Zielsumme selbst ein — braucht dafür aber über drei Jahrzehnte. Bei höheren Raten dreht sich das Verhältnis: Du bist schneller am Ziel, aber der Zinseszins hatte weniger Zeit zu arbeiten. Einmalbeträge (Bonus, Erbschaft, Steuererstattung) wirken als Beschleuniger, weil sie sofort mitverzinst werden.
Netto gerechnet: Was nach Steuern wirklich ankommt
Die Tabellen oben zeigen Bruttowerte — auf dem Konto landet weniger. Bei einem ausschüttenden Aktien-ETF gilt: 30 % der Ausschüttung sind durch die Teilfreistellung steuerfrei, auf den Rest fallen 25 % Abgeltungsteuer plus Soli an. Effektiv gehen damit rund 18,5 % ab. Aus 1.000 € Brutto-Dividende werden also etwa 815 € netto.
Wer wirklich 1.000 € netto im Monat will, muss rund 1.230 € brutto ansetzen — und braucht bei 3 % Dividendenrendite damit etwa 490.000 € statt 400.000 €. Zwei Effekte mildern das ab: Der Sparerpauschbetrag stellt die ersten 1.000 € Kapitalerträge pro Jahr (2.000 € bei Paaren) steuerfrei. Und bei der Entnahmestrategie wird ohnehin nur der Gewinnanteil jedes Verkaufs besteuert — gerade in den ersten Entnahmejahren besteht ein großer Teil des Verkaufserlöses aus deinen bereits versteuerten Einzahlungen, sodass die effektive Steuerlast deutlich unter 18,5 % liegt.
Statt nur auf die große Endsumme zu starren, hilft eine Treppe aus Zwischenzielen: 75.000 € entsprechen rund 250 € Brutto-Entnahme im Monat, 150.000 € etwa 500 €. So siehst du schon nach wenigen Jahren, wie dein „Nebengehalt“ aus dem Depot Stück für Stück wächst — das hält die Motivation über die lange Sparphase hoch.
FAQ — ETF passives Einkommen
Wie viel ETF-Kapital brauche ich für 1.000 € im Monat?
Für 1.000 € monatlich (12.000 € im Jahr) brauchst du nach der 4-Prozent-Entnahmeregel rund 300.000 €. Wenn du ausschließlich von Dividenden leben willst, bei rund 3 % Dividendenrendite, sind es etwa 400.000 €. Beträge sind brutto — nach Steuer brauchst du etwas mehr.
Wie berechne ich, wie viel ich für passives Einkommen brauche?
Multipliziere deinen monatlichen Wunschbetrag mit 12 und teile ihn durch die Rate als Dezimalzahl. Beispiel: 1.000 € × 12 = 12.000 €; geteilt durch 0,04 (4 %) = 300.000 €. Bei 3 % Dividendenrendite teilst du durch 0,03 und kommst auf 400.000 €.
Kann ich allein von ETF-Dividenden leben?
Grundsätzlich ja, wenn dein Kapital groß genug ist. Bei rund 3 % Dividendenrendite brauchst du etwa das 33-Fache deines Jahresbedarfs. Reine Dividendenstrategien sind substanzschonend, erfordern aber mehr Kapital als eine Entnahmestrategie, bei der du zusätzlich Anteile verkaufst.
Welche Entnahmerate ist sicher?
Die bekannte 4-Prozent-Regel gilt als grober Richtwert für einen langen Ruhestand. Wer vorsichtiger plant oder sehr früh in Rente geht, wählt eher 3 bis 3,5 %. Entscheidend sind die Marktentwicklung in den ersten Jahren, die Inflation und die Steuer.
Wie lange dauert es, mit 500 € im Monat 1.000 € passives Einkommen aufzubauen?
Bei rund 6 % durchschnittlicher Jahresrendite erreichst du mit 500 € Sparrate nach etwa 23 Jahren die nötigen ~300.000 € für 1.000 € monatliche Entnahme (4-Prozent-Regel). Davon hast du nur rund 139.000 € selbst eingezahlt — der Rest ist Kurszuwachs. Mit 1.000 € Sparrate verkürzt sich der Weg auf etwa 15 bis 16 Jahre.
Senkt der Sparerpauschbetrag mein benötigtes Kapital?
Ja, spürbar bei kleineren Zielen: 1.000 € Kapitalerträge pro Jahr (2.000 € bei Zusammenveranlagung) bleiben steuerfrei. Wer 250 € im Monat anstrebt, also 3.000 € im Jahr, zahlt damit nur auf einen Teil der Erträge Steuern. Bei großen Zielen wie 1.000 € monatlich fällt der Freibetrag prozentual kaum noch ins Gewicht — dort solltest du die ~18,5 % effektive Steuer auf Ausschüttungen voll einplanen.
