Bewertungskennzahlen
KGV, KBV, KUV, EV/EBITDA, Free-Cashflow-Rendite und PEG – was die wichtigsten Kennzahlen aussagen, wie man sie richtig vergleicht und wo ihre Grenzen liegen.
Das Wichtigste in Kürze
- Bewertungskennzahlen setzen den Preis einer Aktie ins Verhältnis zu dem, was man dafür bekommt – Gewinn, Umsatz, Buchwert oder Cashflow.
- Das KGV ist die bekannteste Kennzahl. Ein KGV von 20 bedeutet, dass du das 20-Fache des Jahresgewinns bezahlst.
- EV/EBITDA berücksichtigt auch die Schulden und eignet sich deshalb besser für Vergleiche zwischen unterschiedlich finanzierten Unternehmen.
- Kennzahlen sind nur im Vergleich sinnvoll – mit der Branche, der eigenen Geschichte und dem erwarteten Wachstum.
- Eine niedrige Bewertung ist kein Kaufsignal an sich. Manche Aktien sind zu Recht billig.
Ein gutes Unternehmen ist nicht automatisch eine gute Aktie. Entscheidend ist der Preis. Wer für ein hervorragendes Geschäft das Hundertfache seines Jahresgewinns bezahlt, kann trotzdem jahrelang Geld verlieren. Bewertungskennzahlen helfen, diesen Preis einzuordnen: Sie setzen den Börsenwert ins Verhältnis zu dem, was ein Unternehmen erwirtschaftet oder besitzt.
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)
Das KGV (englisch P/E ratio) ist die bekannteste Bewertungskennzahl:
Ein KGV von 20 bedeutet: Du zahlst das 20-Fache des Jahresgewinns. Würde der Gewinn konstant bleiben und komplett ausgeschüttet, hättest du dein Geld nach 20 Jahren zurück.
Der Kehrwert ist die Gewinnrendite (Earnings Yield): Bei einem KGV von 20 sind das 5 %. Sie lässt sich gut mit Anleiherenditen vergleichen. Wenn sichere Staatsanleihen 4 % bringen und der Aktienmarkt eine Gewinnrendite von 5 % hat, ist die Mehrrendite für das Aktienrisiko eher gering.
Vergangenes oder erwartetes KGV?
- Das historische KGV (trailing) nutzt den Gewinn der letzten zwölf Monate – Fakten, aber Vergangenheit.
- Das erwartete KGV (forward) nutzt Analystenschätzungen für das kommende Jahr – zukunftsgerichtet, aber unsicher. Analysten sind im Schnitt eher zu optimistisch.
Das Shiller-KGV
Gewinne schwanken mit der Konjunktur. In einer Rezession brechen sie ein, und das KGV schießt nach oben, obwohl die Aktie gar nicht teuer ist. Der Nobelpreisträger Robert Shiller hat deshalb das zyklisch bereinigte KGV (CAPE) populär gemacht: Kurs geteilt durch den inflationsbereinigten Durchschnittsgewinn der letzten zehn Jahre. Es wird vor allem für ganze Märkte verwendet. Hohe CAPE-Werte gingen historisch eher mit niedrigeren Renditen in den folgenden zehn Jahren einher – als Timing-Instrument für den nächsten Monat taugt es aber nicht.
Weitere wichtige Kennzahlen
| Kennzahl | Formel | Wofür sie taugt | Schwäche |
|---|---|---|---|
| KBV (Kurs-Buchwert) | Kurs ÷ Buchwert je Aktie | Banken, Versicherungen, kapitalintensive Branchen | Ignoriert immaterielle Werte wie Marken und Software |
| KUV (Kurs-Umsatz) | Marktkapitalisierung ÷ Umsatz | Unternehmen ohne Gewinn, Wachstumswerte | Sagt nichts über Profitabilität |
| EV/EBITDA | Unternehmenswert ÷ EBITDA | Vergleich unterschiedlich verschuldeter Unternehmen | EBITDA ignoriert Investitionsbedarf |
| Free-Cashflow-Rendite | Free Cashflow ÷ Marktkapitalisierung | Wie viel Geld das Unternehmen „abwirft“ | Schwankt bei hohen Investitionen stark |
| PEG | KGV ÷ Gewinnwachstum in % | Bewertung im Verhältnis zum Wachstum | Hängt an unsicheren Wachstumsprognosen |
| Dividendenrendite | Dividende je Aktie ÷ Kurs | Ausschüttungsorientierte Anleger | Sagt nichts über Nachhaltigkeit der Dividende |
Enterprise Value: der Preis für das ganze Unternehmen
Die Marktkapitalisierung ist nur der Preis für das Eigenkapital. Wer ein Unternehmen ganz übernehmen will, muss auch dessen Schulden übernehmen – bekommt aber das Bargeld dazu. Das berücksichtigt der Enterprise Value (EV):
Kennzahlen richtig vergleichen
Eine Kennzahl allein sagt wenig. Sinnvoll wird sie erst im Vergleich:
- Mit der Branche: Softwarefirmen mit hohen Margen und starkem Wachstum haben fast immer höhere KGVs als Autohersteller oder Banken. Ein KGV von 25 ist für das eine günstig, für das andere teuer.
- Mit der eigenen Geschichte: Wie wurde das Unternehmen in den letzten zehn Jahren im Schnitt bewertet? Eine deutliche Abweichung kann eine Chance oder ein Hinweis auf veränderte Aussichten sein.
- Mit dem Wachstum und der Qualität: Ein Unternehmen, das seinen Gewinn verlässlich um 15 % pro Jahr steigert und kaum Schulden hat, verdient ein höheres KGV als eines, das stagniert.
- Mit dem Zinsniveau: Wenn Anleihen 5 % bringen, sind Anleger weniger bereit, hohe KGVs zu bezahlen, als wenn Anleihen nichts abwerfen.
Zusammenfassung
Bewertungskennzahlen setzen den Preis einer Aktie ins Verhältnis zu Gewinn, Umsatz, Buchwert oder Cashflow. Das KGV ist am bekanntesten, EV/EBITDA berücksichtigt zusätzlich die Schulden, und die Free-Cashflow-Rendite zeigt, wie viel Geld tatsächlich übrig bleibt. Sinnvoll sind Kennzahlen nur im Vergleich mit Branche, Geschichte, Wachstum und Zinsniveau – und eine niedrige Bewertung kann ebenso eine Falle sein wie eine Chance.
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0/401Eine Aktie kostet 60 €, der Gewinn je Aktie beträgt 4 €. Wie hoch ist das KGV?
02Warum ist EV/EBITDA für den Vergleich zweier Unternehmen oft besser als das KGV?
03Unternehmen A hat ein KGV von 30 und wächst den Gewinn um 30 % pro Jahr, Unternehmen B hat ein KGV von 12 und wächst um 3 %. Was zeigt das PEG-Verhältnis?
04Eine Aktie hat ein KGV von nur 5. Was ist die vernünftigste Interpretation?