Gewinn- und Verlustrechnung und Cashflow
Vom Umsatz zum Nettogewinn und vom Gewinn zum Free Cashflow – wie man die Ertragskraft eines Unternehmens liest und warum Gewinn nicht gleich Geld ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Die GuV führt vom Umsatz über die Kosten zum Nettogewinn. Zwischenstufen wie EBITDA und EBIT helfen beim Vergleich.
- Margen zeigen, wie viel von jedem Euro Umsatz übrig bleibt. Stabile, hohe Margen deuten auf Preissetzungsmacht hin.
- Der Gewinn je Aktie verteilt den Nettogewinn auf alle Aktien.
- Gewinn ist eine Buchhaltungsgröße. Was zählt, ist auch der Free Cashflow – das Geld, das nach allen Investitionen tatsächlich übrig bleibt.
- Wenn Gewinne dauerhaft viel höher sind als der operative Cashflow, solltest du genau hinsehen.
Die Bilanz zeigt, was ein Unternehmen besitzt. Doch als Aktionär interessiert dich vor allem, was es verdient – denn aus den Gewinnen speisen sich langfristig Dividenden und Kurssteigerungen. Dafür gibt es zwei Berichte: die Gewinn- und Verlustrechnung und die Kapitalflussrechnung. Wer beide zusammen liest, versteht ein Geschäft deutlich besser als jemand, der nur auf den Gewinn je Aktie schaut.
Die Gewinn- und Verlustrechnung
Die GuV (englisch Income Statement oder Profit & Loss) zeigt für einen Zeitraum – ein Quartal oder ein Jahr –, wie aus dem Umsatz Schritt für Schritt der Gewinn wird.
Die wichtigsten Stufen:
| Posten | Was er zeigt |
|---|---|
| Umsatz | Alle Erlöse aus dem Verkauf von Produkten und Dienstleistungen |
| Bruttogewinn | Umsatz minus direkte Herstellungskosten – zeigt, wie viel das Produkt selbst abwirft |
| EBITDA | Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen – eine grobe Annäherung an den operativen Cashflow |
| EBIT | Gewinn vor Zinsen und Steuern – der operative Gewinn des Kerngeschäfts |
| Nettogewinn | Was nach Zinsen und Steuern übrig bleibt und den Aktionären zusteht |
Margen: Wie viel bleibt hängen?
Absolute Zahlen sagen wenig, wenn man Unternehmen unterschiedlicher Größe vergleicht. Deshalb rechnet man Margen: den Anteil des Umsatzes, der auf einer Stufe übrig bleibt.
- Bruttomarge: Bei der Muster AG 500 ÷ 1.000 = 50 %. Softwarefirmen erreichen oft 70 bis 90 %, Supermärkte 20 bis 30 %.
- EBIT-Marge (operative Marge): 200 ÷ 1.000 = 20 %.
- Nettomarge: 150 ÷ 1.000 = 15 %.
Hohe und vor allem stabile Margen über viele Jahre deuten darauf hin, dass ein Unternehmen Preise durchsetzen kann, ohne Kunden zu verlieren. Schwankende oder schrumpfende Margen zeigen Wettbewerbsdruck.
Gewinn je Aktie
Der Gewinn je Aktie (Earnings per Share, EPS) verteilt den Nettogewinn auf alle ausstehenden Aktien. Hat die Muster AG 50 Millionen Aktien, beträgt der Gewinn je Aktie 150 ÷ 50 = 3 €. Das EPS ist die Grundlage für das Kurs-Gewinn-Verhältnis. Wichtig: Kauft ein Unternehmen eigene Aktien zurück, steigt der Gewinn je Aktie, auch wenn der Gesamtgewinn gleich bleibt.
Die Kapitalflussrechnung: Wo ist das Geld?
Gewinn ist eine Buchhaltungsgröße. Ein Unternehmen kann Umsatz verbuchen, sobald es eine Rechnung schreibt – auch wenn der Kunde erst in drei Monaten zahlt. Es kann Investitionen über viele Jahre abschreiben, obwohl das Geld sofort abgeflossen ist. Deshalb gibt es die Kapitalflussrechnung. Sie zeigt, wie viel Geld tatsächlich geflossen ist, in drei Blöcken:
- Operativer Cashflow: Geld aus dem laufenden Geschäft – Kundenzahlungen minus Zahlungen an Lieferanten, Mitarbeiter und Finanzamt.
- Investitions-Cashflow: Ausgaben für Maschinen, Gebäude, Software (Capex) und Übernahmen, abzüglich Verkaufserlöse.
- Finanzierungs-Cashflow: Aufnahme und Tilgung von Krediten, Dividenden, Aktienrückkäufe, Kapitalerhöhungen.
Free Cashflow: die wichtigste Zahl
Der Free Cashflow ist das Geld, das nach allen notwendigen Investitionen übrig bleibt. Er kann für Dividenden, Aktienrückkäufe, Schuldentilgung oder Übernahmen verwendet werden – er ist also das, was die Eigentümer tatsächlich „herausnehmen“ könnten. Viele erfahrene Investoren halten ihn für aussagekräftiger als den Nettogewinn.
Warum Gewinn und Cashflow auseinanderlaufen
Kurzfristig ist das normal. Wachsende Unternehmen investieren mehr, als sie abschreiben, und bauen Vorräte und Forderungen auf. Problematisch wird es, wenn ein Unternehmen über viele Jahre hohe Gewinne meldet, aber kaum oder negativen Cashflow erzielt.
Weitere Gründe, genau hinzusehen:
- Aktienbasierte Vergütung: Bezahlt ein Unternehmen Mitarbeiter in großem Stil mit Aktien, kostet das kein Geld – verwässert aber die Aktionäre. Der Free Cashflow sieht dann besser aus, als es wirtschaftlich ist.
- Aktivierte Kosten: Werden Entwicklungskosten in der Bilanz aktiviert statt sofort als Aufwand gebucht, steigt der Gewinn heute auf Kosten künftiger Abschreibungen.
Zusammenfassung
Die GuV zeigt, wie aus Umsatz Gewinn wird, und Margen machen Unternehmen vergleichbar. Die Kapitalflussrechnung zeigt, wie viel davon als Geld ankommt. Der Free Cashflow – operativer Cashflow minus Investitionen – ist für viele Profis die ehrlichste Zahl, weil er sich schwerer schönrechnen lässt als der Gewinn. Mit diesem Wissen kannst du in der nächsten Lektion beurteilen, ob der Börsenkurs eines Unternehmens zu seinen Zahlen passt.
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0/301Ein Unternehmen macht 1.000 Mio. € Umsatz und 150 Mio. € operativen Gewinn (EBIT). Wie hoch ist die EBIT-Marge?
02Wie berechnet man den Free Cashflow vereinfacht?
03Ein Unternehmen meldet seit Jahren steigende Gewinne, der operative Cashflow ist aber dauerhaft negativ. Was könnte dahinterstecken?