Inflation und reale Rendite
Was Inflation ist, wie sie gemessen wird, warum sie Sparer still enteignet und welche Anlagen Kaufkraft auf lange Sicht erhalten können.
Das Wichtigste in Kürze
- Inflation ist der allgemeine Anstieg der Preise. Sie verringert, was du dir für dein Geld kaufen kannst.
- Für deinen Wohlstand zählt die reale Rendite – die Rendite nach Abzug der Inflation.
- Schon 2 % Inflation halbieren die Kaufkraft in rund 35 Jahren. Bargeld und Sparbuch verlieren real oft an Wert.
- Aktien haben Inflation langfristig deutlich übertroffen, kurzfristig schützen sie aber nicht zuverlässig.
- Notenbanken im Euroraum und in den USA streben rund 2 % Inflation an. 2022 lag sie zeitweise bei über 10 %.
Ein Kilo Brot kostete in Deutschland Anfang der 1990er-Jahre umgerechnet rund 1,50 €, heute sind es oft mehr als 4 €. Das Brot ist dasselbe geblieben, aber das Geld ist weniger wert geworden. Dieser schleichende Prozess heißt Inflation – und er ist der Grund, warum Geld unter dem Kopfkissen auf lange Sicht keine sichere, sondern eine sicher verlierende Anlage ist.
Was Inflation ist und wie sie gemessen wird
Inflation ist der allgemeine Anstieg des Preisniveaus über die Zeit. Steigen die Preise um 3 % pro Jahr, bekommst du für 100 € nach einem Jahr nur noch so viel, wie vorher 97 € gekostet hat.
Gemessen wird Inflation mit einem Warenkorb: Statistikämter erfassen jeden Monat die Preise von Hunderten Gütern und Dienstleistungen, die ein durchschnittlicher Haushalt kauft – Lebensmittel, Miete, Energie, Kleidung, Versicherungen, Urlaube. Im Euroraum ist das der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI), in den USA der Consumer Price Index (CPI).
Warum es Inflation gibt
Inflation entsteht, wenn die Nachfrage nach Gütern schneller wächst als das Angebot, oder wenn Kosten – etwa für Energie oder Löhne – steigen und an Kunden weitergegeben werden. Längerfristig spielt auch die Geldmenge eine Rolle: Wächst sie viel schneller als die Wirtschaft, verliert jede Geldeinheit an Wert.
Notenbanken wie die Europäische Zentralbank und die US-Federal-Reserve haben deshalb ein klares Ziel: Preisstabilität, definiert als rund 2 % Inflation pro Jahr. Warum nicht null? Weil fallende Preise – Deflation – eine gefährliche Spirale auslösen können: Menschen schieben Käufe auf, Unternehmen investieren weniger, Schulden werden real schwerer. Ein kleiner Puffer gibt den Notenbanken Spielraum. Mehr dazu in Modul 5.
Nominal und real
Alle Renditen, die dir eine Bank oder ein Fonds nennt, sind zunächst nominal: Sie zeigen, wie viele Euro mehr du hast. Für deinen Wohlstand zählt aber, wie viel mehr du dir davon kaufen kannst. Das ist die reale Rendite.
Rechne selbst nach, was Inflation über längere Zeiträume anrichtet:
Schon die als „Preisstabilität“ geltenden 2 % halbieren die Kaufkraft in rund 35 Jahren. Wer heute 40 ist und sein Geld bis zur Rente auf dem Girokonto liegen lässt, hat danach nur noch einen Bruchteil der heutigen Kaufkraft.
Welche Anlagen schützen vor Inflation?
| Anlage | Inflationsschutz | Warum |
|---|---|---|
| Bargeld, Girokonto | keiner | Verliert real jedes Jahr um die Inflationsrate |
| Tagesgeld, kurze Anleihen | teilweise | Zinsen passen sich mit Verzögerung an die Inflation an |
| Lange Anleihen mit festem Kupon | schlecht | Steigende Inflation führt zu steigenden Zinsen und fallenden Kursen |
| Inflationsindexierte Anleihen | gut | Nennwert und Zinsen steigen mit der Inflation |
| Aktien | langfristig gut, kurzfristig unzuverlässig | Unternehmen können Preise erhöhen, aber Inflationsschocks belasten Bewertungen |
| Immobilien | langfristig oft gut | Mieten und Baukosten steigen mit, aber zinsempfindlich |
| Gold, Rohstoffe | wechselhaft | Rohstoffe treiben oft Inflation, Gold schützt nur sehr langfristig |
Langfristig haben Aktien die Inflation am deutlichsten übertroffen, weil Unternehmen ihre Preise und damit ihre Gewinne an steigende Kosten anpassen können. Kurzfristig ist das aber keine Garantie: 2022 fielen Aktien und Anleihen gleichzeitig, weil die Notenbanken die Zinsen kräftig erhöhten, um die Inflation zu bremsen.
Zusammenfassung
Inflation ist der stille Gegner jedes Sparers. Sie wird über einen Warenkorb gemessen, von den Notenbanken bei rund 2 % angestrebt und kann in Krisen weit darüber steigen. Für deinen Wohlstand zählt die reale Rendite. Wer langfristig spart, muss eine Rendite oberhalb der Inflation anstreben – und das gelingt historisch vor allem mit Sachwerten wie Aktien.
Jetzt üben
11 kurze Aufgaben zu dieser Lektion – Fehler kommen am Ende nochmal dran. Danach ist die Lektion abgeschlossen und landet in deiner Wiederholung.
Teste dein Wissen
0/301Dein Sparkonto bringt 2 % Zinsen, die Inflation liegt bei 4 %. Was passiert mit deiner Kaufkraft?
02Wie viel ist ein Betrag von 10.000 € nach 20 Jahren bei 3 % Inflation real noch wert, also in heutiger Kaufkraft?
03Warum streben Notenbanken eine Inflation von rund 2 % an und nicht 0 %?