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Modul 3 · Lektion 1/6

Rendite richtig rechnen

Einfache Rendite, Jahresrendite, Zinseszins und Gesamtrendite – wie man Anlageergebnisse korrekt misst und warum +50 % und −50 % kein Nullsummenspiel sind.

4 Min. Lesezeit Fortgeschritten 13 Übungen

Das Wichtigste in Kürze

  • Rendite ist der prozentuale Wertzuwachs einschließlich aller Erträge wie Dividenden und Zinsen – bezogen auf das eingesetzte Kapital.
  • Für Vergleiche über mehrere Jahre zählt die durchschnittliche jährliche Rendite (CAGR), nicht der einfache Durchschnitt der Jahresrenditen.
  • Verluste wiegen schwerer als Gewinne – nach −50 % braucht es +100 %, um wieder bei null zu sein.
  • Der Zinseszins macht Zeit zum wichtigsten Faktor beim Vermögensaufbau. Die 72er-Regel schätzt, wann sich Geld verdoppelt.
  • Historisch brachten breit gestreute Aktienanlagen weltweit rund 5 % pro Jahr nach Inflation – mit großen Schwankungen.

„Der Fonds hat 40 % gemacht.“ – In welchem Zeitraum? Vor oder nach Kosten? Mit oder ohne Dividenden? Rendite ist die zentrale Kennzahl der Geldanlage, und trotzdem wird sie erstaunlich oft falsch berechnet, missverständlich dargestellt oder geschönt. Diese Lektion gibt dir das Handwerkszeug, um Renditen selbst zu rechnen und Werbeversprechen kritisch zu prüfen.

Die einfache Rendite

Die Grundformel ist schlicht: Wie viel hast du am Ende mehr als am Anfang, im Verhältnis zum Einsatz?

Rendite = Endwert − Anfangswert + ErträgeAnfangswert

Wichtig sind die Erträge: Dividenden, Zinsen, Ausschüttungen. Wer nur die Kursentwicklung betrachtet, unterschätzt die Rendite von Aktien und Anleihen systematisch. Die Rendite inklusive aller Erträge heißt Gesamtrendite (Total Return).

Mehrjährige Renditen: Vorsicht beim Durchschnitt

Sobald es um mehrere Jahre geht, lauert eine Falle. Nimm eine Aktie, die im ersten Jahr um 50 % steigt und im zweiten um 50 % fällt. Der Durchschnitt der beiden Jahresrenditen ist 0 %. Aber was ist mit deinem Geld passiert?

Plus 50 Prozent und minus 50 Prozent ergeben minus 25 Prozent 100 €Start 150 €nach Jahr 1 75 €nach Jahr 2 +50 % −50 % Durchschnitt der Jahresrenditen: 0 % · tatsächlich: −25 %
Prozente beziehen sich immer auf einen anderen Ausgangswert. Der Verlust im zweiten Jahr trifft eine größere Summe als der Gewinn im ersten.

Deshalb rechnet man bei mehrjährigen Renditen mit der durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate, auf Englisch Compound Annual Growth Rate (CAGR). Sie beantwortet: Welche gleichbleibende jährliche Rendite hätte zum selben Endergebnis geführt?

CAGR = (EndwertAnfangswert)1/Jahre − 1

Der Zinseszins: Zeit ist der stärkste Faktor

Albert Einstein soll den Zinseszins als achtes Weltwunder bezeichnet haben. Das Zitat ist vermutlich erfunden, die Idee dahinter aber nicht: Wenn Erträge wieder angelegt werden, erwirtschaften sie selbst Erträge. Das Wachstum beschleunigt sich mit der Zeit.

Spiel mit dem Rechner: Wie viel Unterschied machen 10 zusätzliche Jahre? Wie viel 1 % mehr Rendite?

Ein paar Erkenntnisse, die sich beim Ausprobieren zeigen:

  • Zeit schlägt Betrag: Wer mit 25 Jahren 200 € im Monat anlegt, hat bei 7 % mit 65 deutlich mehr als jemand, der erst mit 40 anfängt und doppelt so viel spart.
  • Die letzten Jahre bringen am meisten: Bei langen Laufzeiten entsteht ein großer Teil des Endvermögens in den letzten zehn Jahren.
  • Kleine Unterschiede, große Wirkung: 1 % mehr oder weniger Rendite pro Jahr – etwa durch Kosten – verändert das Ergebnis nach 30 Jahren um rund ein Fünftel bis ein Viertel.

Die 72er-Regel

Eine praktische Faustformel: 72 geteilt durch die Rendite in Prozent ergibt ungefähr die Jahre bis zur Verdopplung.

Rendite pro Jahr Verdopplung nach etwa
2 % 36 Jahren
4 % 18 Jahren
6 % 12 Jahren
8 % 9 Jahren
10 % 7 Jahren

Die Regel funktioniert auch umgekehrt: Bei 3 % Inflation halbiert sich die Kaufkraft deines Geldes in rund 24 Jahren.

Was ist eine „normale“ Rendite?

Um Versprechen einordnen zu können, hilft ein Blick auf die Geschichte. Die umfassendste Datensammlung stammt von den Ökonomen Elroy Dimson, Paul Marsh und Mike Staunton, die Renditen seit 1900 für Dutzende Länder auswerten. Grob gerundet ergeben sich über diesen langen Zeitraum folgende reale, also inflationsbereinigte Jahresrenditen:

Anlage Reale Rendite pro Jahr (ca., seit 1900)
Aktien weltweit 5 %
Aktien USA 6–7 %
Staatsanleihen weltweit 2 %
Kurzfristige Geldanlagen 1 %

Diese Zahlen sind Durchschnitte über mehr als ein Jahrhundert, mit Weltkriegen, Hyperinflation, Crashs und Boomphasen. Einzelne Jahrzehnte können weit darüber oder darunter liegen. Und die USA hatten das historische Glück, das erfolgreichste Land des 20. Jahrhunderts zu sein – das ist keine Garantie für die Zukunft.

Weitere Feinheiten

Zeitgewichtete und geldgewichtete Rendite

Wenn du regelmäßig Geld einzahlst, gibt es zwei Arten, deine Rendite zu messen. Die zeitgewichtete Rendite zeigt, wie gut die Anlage selbst war, unabhängig davon, wann du eingezahlt hast – so messen Fonds ihre Wertentwicklung. Die geldgewichtete Rendite (interner Zinsfuß) zeigt, was du mit deinen konkreten Ein- und Auszahlungen verdient hast. Wer kurz vor einem Crash viel einzahlt, hat eine schlechtere geldgewichtete Rendite als der Fonds selbst.

Nominal und real

Alle Renditen in dieser Lektion außer der Tabelle oben sind nominal, also vor Inflation. Was für deine Kaufkraft zählt, ist die reale Rendite. Darum geht es in der nächsten Lektion.

Zusammenfassung

Rendite misst den Wertzuwachs einschließlich aller Erträge. Für mehrere Jahre zählt die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate, weil Gewinne und Verluste sich nicht einfach aufheben. Der Zinseszins macht Zeit zum mächtigsten Verbündeten jedes Anlegers, und die 72er-Regel hilft beim Kopfrechnen. Historisch haben breit gestreute Aktien die höchsten realen Renditen gebracht – aber nie ohne Schwankungen.

Jetzt üben

13 kurze Aufgaben zu dieser Lektion – Fehler kommen am Ende nochmal dran. Danach ist die Lektion abgeschlossen und landet in deiner Wiederholung.

Teste dein Wissen

0/4

01Eine Aktie steigt im ersten Jahr um 50 % und fällt im zweiten um 50 %. Wie hoch ist das Ergebnis nach zwei Jahren?

100 € werden zu 150 € und dann zu 75 €. Der einfache Durchschnitt der Jahresrenditen ist 0 %, tatsächlich hast du aber 25 % verloren. Deshalb zählt die geometrische Durchschnittsrendite.

02Wie lange dauert es ungefähr, bis sich Geld bei 6 % Rendite pro Jahr verdoppelt?

Nach der 72er-Regel: 72 ÷ 6 = 12 Jahre. Genau gerechnet sind es 11,9 Jahre.

03Ein Depot wächst in 10 Jahren von 10.000 € auf 20.000 €. Wie hoch war die durchschnittliche jährliche Rendite?

Eine Verdopplung in 10 Jahren entspricht 2^(1/10) − 1 ≈ 7,2 % pro Jahr. Die 10 %, die man durch einfaches Teilen bekäme, ignorieren den Zinseszins.

04Warum solltest du bei Aktien immer auf die Gesamtrendite achten?

Kursindizes und Kurscharts lassen Dividenden weg. Über Jahrzehnte macht das einen gewaltigen Unterschied – oft fast die Hälfte des Endvermögens.