Sektoren, Stile und Konjunkturzyklen
Die elf Börsensektoren, zyklische und defensive Branchen, Wachstum gegen Value und die Idee der Sektorrotation – wie sich unterschiedliche Teile des Marktes im Konjunkturzyklus verhalten.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Aktienmarkt lässt sich nach dem GICS-Standard in elf Sektoren einteilen, von Technologie bis Versorger.
- Zyklische Branchen hängen stark von der Konjunktur ab, defensive Branchen wie Gesundheit und Basiskonsum kaum.
- Verschiedene Sektoren laufen in unterschiedlichen Phasen des Konjunkturzyklus besser. Das ist die Idee der Sektorrotation.
- Neben Sektoren unterscheiden sich Aktien nach Stil – Wachstum oder Value – und nach Größe.
- Sektorwetten sind schwer vorherzusagen. Für die meisten Anleger ist ein breit gestreuter Markt die bessere Basis.
„Der Markt“ ist eigentlich ein Mosaik aus sehr unterschiedlichen Geschäften. Ein Chiphersteller, ein Stromversorger, eine Bank und ein Lebensmittelkonzern reagieren völlig unterschiedlich auf Zinsen, Ölpreise oder eine Rezession. Wer diese Unterschiede kennt, versteht besser, warum der Index steigt oder fällt – und was in seinem eigenen Depot eigentlich passiert.
Die elf Sektoren
Die Indexanbieter MSCI und S&P haben mit dem Global Industry Classification Standard (GICS) eine weltweit verwendete Einteilung geschaffen. Sie unterscheidet elf Sektoren:
| Sektor | Beispiele | Charakter |
|---|---|---|
| Informationstechnologie | Software, Halbleiter, Hardware | Wachstum, teils zyklisch |
| Kommunikationsdienste | Internetplattformen, Medien, Telekom | gemischt |
| Zyklischer Konsum | Autos, Einzelhandel, Hotels, Luxus | stark konjunkturabhängig |
| Basiskonsum | Lebensmittel, Getränke, Haushaltswaren | defensiv |
| Gesundheitswesen | Pharma, Medizintechnik, Krankenversicherer | defensiv |
| Finanzwesen | Banken, Versicherungen, Börsen | zyklisch, zinsabhängig |
| Industrie | Maschinenbau, Luftfahrt, Logistik | zyklisch |
| Energie | Öl- und Gaskonzerne | zyklisch, rohstoffabhängig |
| Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe | Chemie, Bergbau, Stahl | zyklisch |
| Versorger | Strom, Gas, Wasser | defensiv, zinsempfindlich |
| Immobilien | REITs, Immobiliengesellschaften | zinsempfindlich |
Wie stark ein Index von einzelnen Sektoren geprägt ist, unterscheidet sich enorm. Im S&P 500 macht Informationstechnologie zusammen mit den großen Internetkonzernen einen sehr großen Teil aus, im DAX dominieren Industrie, Finanzen und Konsum, im britischen FTSE 100 Energie, Rohstoffe, Banken und Basiskonsum.
Zyklisch oder defensiv?
Zyklische Unternehmen verdienen in guten Zeiten viel und in schlechten wenig. Autos, Maschinen, Chemie, Hotels oder Luxusgüter kauft man, wenn es gut läuft, und verschiebt den Kauf, wenn es schlecht läuft. Ihre Gewinne – und Kurse – schwanken stark mit der Konjunktur.
Defensive Unternehmen verkaufen Dinge, die Menschen immer brauchen: Lebensmittel, Medikamente, Strom, Zahnpasta. Ihre Gewinne sind stabiler. In Rezessionen verlieren ihre Aktien meist weniger, in starken Aufschwüngen hinken sie oft hinterher.
Sektorrotation im Konjunkturzyklus
Weil Branchen unterschiedlich auf die Konjunktur reagieren, haben sich im Lauf der Geschichte typische Muster gezeigt, welche Sektoren in welcher Phase besser liefen. Die Idee der Sektorrotation lautet, rechtzeitig in die jeweils begünstigten Branchen umzuschichten.
Stile: Growth, Value und Größe
Neben Sektoren unterscheiden Profis Aktien nach Anlagestil:
- Growth (Wachstum): Unternehmen mit überdurchschnittlichem Umsatz- und Gewinnwachstum, meist hoch bewertet. Viele Technologiekonzerne gehören dazu. Sie reagieren besonders empfindlich auf Zinsänderungen, weil ihre Gewinne weit in der Zukunft liegen.
- Value: Günstig bewertete Unternehmen, oft reife Geschäftsmodelle mit hohen Dividenden – Banken, Versorger, Energie, Industrie.
- Größe: Large Caps (große Unternehmen), Mid Caps und Small Caps (kleine Unternehmen). Kleine Unternehmen schwanken stärker und sind konjunkturempfindlicher.
Die Stile wechseln sich in ihrer Führung ab, manchmal über viele Jahre. In den 2010er-Jahren lag Growth weit vorne, 2022 hatte Value die Nase vorn, als steigende Zinsen hoch bewertete Wachstumsaktien besonders hart trafen. Ob Value langfristig eine Mehrrendite bringt, ist eine der spannendsten Fragen der Finanzforschung – mehr dazu in der Lektion über effiziente Märkte und Faktoren.
Was das für dich bedeutet
- Kenne dein Exposure: Ein Welt-ETF ist heute stark von Technologie und den USA geprägt. Ein Dividenden-ETF steckt viel in Finanzen, Versorger und Basiskonsum. Wer beides kombiniert, sollte wissen, welche Gewichte entstehen.
- Klumpen vermeiden: Wer bei einem Autozulieferer arbeitet und zusätzlich viele Autoaktien hält, setzt doppelt auf eine Branche.
- Bewusst statt reaktiv: Wer einzelne Sektoren übergewichten will, sollte das aus einer langfristigen Überzeugung tun, nicht, weil ein Thema gerade in den Schlagzeilen ist.
Zusammenfassung
Der Aktienmarkt besteht aus elf Sektoren mit sehr unterschiedlichen Eigenschaften. Zyklische Branchen schwanken mit der Konjunktur, defensive Branchen bleiben stabiler. Im Lehrbuch wechseln sich die Gewinner im Konjunkturzyklus ab, in der Praxis sind die Wendepunkte kaum vorherzusagen. Stile wie Growth und Value prägen ganze Marktphasen. Damit endet Modul 5 – du kennst jetzt die großen Kräfte, die hinter den Kursen wirken.
Jetzt üben
10 kurze Aufgaben zu dieser Lektion – Fehler kommen am Ende nochmal dran. Danach ist die Lektion abgeschlossen und landet in deiner Wiederholung.
Teste dein Wissen
0/301Welcher Sektor gilt als besonders defensiv?
02Was zeichnet typische Value-Aktien aus?
03Warum sind Sektorwetten schwierig?