Marktzyklen und Spekulationsblasen
Bullen- und Bärenmärkte, Korrekturen und Crashs, und die immer gleichen Muster großer Spekulationsblasen – von der Tulpenmanie bis zur Dotcom-Blase.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Bullenmarkt ist eine lange Aufwärtsphase, ein Bärenmarkt ein Rückgang von mindestens 20 % vom Hoch.
- Bullenmärkte dauerten historisch deutlich länger als Bärenmärkte, und sie brachten mehr Gewinn, als Bärenmärkte vernichteten.
- Spekulationsblasen folgen wiederkehrenden Mustern – eine glaubwürdige neue Geschichte, billiges Geld, steigende Preise, die immer mehr Käufer anziehen, und schließlich die Gewissheit, dass es diesmal anders ist.
- Eine Blase sicher zu erkennen, ist schwer; den Zeitpunkt ihres Platzens vorherzusagen, fast unmöglich.
- Wer versucht, Crashs auszuweichen, verpasst oft die besten Börsentage – die liegen meist mitten in den schlimmsten Phasen.
Börsen bewegen sich nicht in einer geraden Linie. Auf lange Aufschwünge folgen Rückschläge, auf Euphorie Ernüchterung. Manchmal steigert sich die Euphorie zu einer Spekulationsblase, deren Platzen ganze Volkswirtschaften erschüttert. Wer die Muster kennt, lässt sich weniger leicht von der Stimmung mitreißen – in beide Richtungen.
Die Sprache der Marktphasen
| Begriff | Definition (übliche Konvention) |
|---|---|
| Rücksetzer | Rückgang um weniger als 10 % vom Hoch |
| Korrektur | Rückgang um 10 bis 20 % vom Hoch |
| Bärenmarkt | Rückgang um mindestens 20 % vom Hoch |
| Crash | sehr schneller, heftiger Einbruch, oft innerhalb weniger Tage |
| Bullenmarkt | Anhaltender Aufwärtstrend, meist gemessen ab einem Tief von mindestens 20 % darunter |
Die Tiernamen stammen aus der Art, wie die Tiere angreifen: Der Bulle stößt mit den Hörnern nach oben, der Bär schlägt mit den Tatzen nach unten.
Was die Geschichte zeigt
Korrekturen von 10 % sind an den Aktienmärkten normal und kamen beim S&P 500 historisch im Schnitt etwa einmal pro Jahr bis alle zwei Jahre vor. Bärenmärkte sind seltener, traten aber im Schnitt etwa alle fünf bis sieben Jahre auf.
Entscheidend ist die Asymmetrie: Bullenmärkte dauerten im Durchschnitt mehrere Jahre, Bärenmärkte meist nur rund ein Jahr. Und die Gewinne in den Aufwärtsphasen waren deutlich größer als die Verluste in den Abwärtsphasen. Darum sind breite Aktienmärkte langfristig gestiegen – trotz aller Krisen.
Wie Spekulationsblasen entstehen
Eine Spekulationsblase liegt vor, wenn Preise weit über das hinausgehen, was sich mit Erträgen oder vernünftigen Erwartungen begründen lässt – und vor allem deshalb steigen, weil Käufer auf noch höhere Preise setzen. Der Ökonom Hyman Minsky und der Wirtschaftshistoriker Charles Kindleberger haben die typischen Phasen beschrieben:
- Auslöser: Eine echte Neuerung – eine Technologie, ein neuer Markt, eine politische Veränderung – eröffnet glaubwürdige Gewinnchancen.
- Boom: Billiges Geld und erste Erfolge locken Kapital an. Steigende Preise bestätigen die Geschichte.
- Euphorie: Immer mehr Menschen ohne Erfahrung steigen ein, oft auf Kredit. Alte Bewertungsmaßstäbe gelten als überholt. Wer zweifelt, wird belächelt.
- Höhepunkt: Insider und erfahrene Anleger beginnen zu verkaufen. Die Preise stagnieren.
- Panik: Ein Auslöser – eine Pleite, steigende Zinsen, ein Betrugsfall – kehrt die Stimmung um. Wer auf Kredit gekauft hat, muss verkaufen.
- Ernüchterung: Die Preise fallen oft weit unter ihren fairen Wert.
Berühmte Blasen
Kann man Blasen erkennen?
Im Nachhinein wirkt jede Blase offensichtlich. In Echtzeit ist es viel schwerer. Warnsignale sind:
- Bewertungen, die weit über historischen Maßstäben liegen, gerechtfertigt mit „Diesmal ist alles anders“,
- stark steigende Verschuldung, um Anlagen zu kaufen,
- ein Ansturm unerfahrener Anleger und Geschichten über schnellen Reichtum im Bekanntenkreis,
- eine Flut neuer Börsengänge und Produkte, die das Thema ausschlachten.
Aber: Märkte können viel länger irrational bleiben, als man es sich vorstellen kann. Der damalige Fed-Chef Alan Greenspan warnte schon im Dezember 1996 vor „irrationalem Überschwang“ – die Nasdaq stieg danach noch mehr als drei Jahre lang auf mehr als das Dreifache.
Warum Market Timing so schwer ist
Die naheliegende Idee lautet: vor dem Crash aussteigen, danach wieder einsteigen. Das Problem: Man muss zweimal richtig liegen. Und die besten Börsentage liegen oft mitten in den schlimmsten Phasen – häufig nur Tage nach den größten Verlusten.
Zusammenfassung
Märkte bewegen sich in Zyklen aus Aufschwüngen und Rückschlägen. Korrekturen sind normal, Bärenmärkte kommen regelmäßig, aber Aufwärtsphasen dauerten historisch länger und brachten mehr. Spekulationsblasen folgen wiederkehrenden Mustern, die im Nachhinein offensichtlich wirken und in Echtzeit schwer zu erkennen sind. Für die meisten Anleger ist es klüger, ein Portfolio zu haben, das sie durch alle Phasen tragen können, als zu versuchen, die Wendepunkte zu treffen.
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0/301Ein Index fällt vom Hoch um 14 %. Wie nennt man das?
02Welches Merkmal ist typisch für die Spätphase einer Spekulationsblase?
03Warum ist es so schwer, Crashs durch Aus- und Wiedereinsteigen zu vermeiden?