Futures und Terminmärkte
Wie Terminkontrakte funktionieren, warum es Sicherheitsleistungen und tägliche Abrechnung gibt, wie Unternehmen sich absichern und wie Indexfutures den Aktienmarkt rund um die Uhr spiegeln.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Future verpflichtet beide Seiten, einen Basiswert zu einem heute festgelegten Preis an einem künftigen Termin zu kaufen bzw. zu verkaufen.
- Futures sind standardisiert und werden an Terminbörsen gehandelt. Beide Seiten hinterlegen eine Sicherheitsleistung, Gewinne und Verluste werden täglich verrechnet.
- Unternehmen nutzen Futures zur Absicherung gegen Preisschwankungen, Spekulanten für gehebelte Wetten.
- Indexfutures auf DAX oder S&P 500 werden fast rund um die Uhr gehandelt und zeigen, wie die Börse eröffnen wird.
- Weil schon eine kleine Sicherheitsleistung große Positionen steuert, sind Futures stark gehebelt.
Wenn eine Fluggesellschaft ihren Kerosinpreis für das nächste Jahr festlegt, ein Schokoladenhersteller sich Kakao sichert oder ein Pensionsfonds sein Aktienrisiko über Nacht halbiert, steckt meist ein Future dahinter. Terminmärkte sind älter als die meisten Aktienbörsen – in Japan wurde schon im 18. Jahrhundert mit Reis-Terminkontrakten gehandelt – und sie sind heute einer der größten Märkte der Welt.
Was ein Future ist
Ein Future (Terminkontrakt) ist eine verbindliche Vereinbarung zwischen zwei Parteien:
- Der Käufer verpflichtet sich, einen Basiswert zu einem heute festgelegten Preis an einem bestimmten künftigen Termin zu kaufen.
- Der Verkäufer verpflichtet sich, ihn zu liefern.
Anders als bei einer Option gibt es hier kein Wahlrecht – beide Seiten sind gebunden. Und es fließt beim Abschluss kein Kaufpreis, sondern nur eine Sicherheitsleistung.
Futures sind standardisiert: Menge, Qualität, Liefertermin und Lieferort sind festgelegt. Ein Kontrakt auf den DAX bezieht sich zum Beispiel auf den Indexwert multipliziert mit einem festen Betrag je Punkt. Diese Standardisierung macht Futures liquide und an Terminbörsen wie der Eurex in Frankfurt oder der CME in Chicago handelbar.
| Basiswert | Beispiele |
|---|---|
| Aktienindizes | DAX, Euro Stoxx 50, S&P 500, Nasdaq-100 |
| Zinsen und Anleihen | Bund-Future, US-Treasury-Futures |
| Währungen | Euro, Yen, Pfund |
| Energie | Rohöl (Brent, WTI), Erdgas, Strom |
| Metalle | Gold, Silber, Kupfer |
| Agrarrohstoffe | Weizen, Mais, Sojabohnen, Kaffee, Kakao |
Margin und tägliche Abrechnung
Beim Abschluss eines Futures hinterlegen beide Seiten eine Sicherheitsleistung (Initial Margin) bei der Clearingstelle, oft nur wenige Prozent des Kontraktwerts. Danach wird jede Position täglich zum Schlusskurs bewertet (Mark-to-Market):
- Ist der Preis gestiegen, bekommt der Käufer den Wertzuwachs gutgeschrieben, dem Verkäufer wird er belastet.
- Ist er gefallen, umgekehrt.
- Sinkt das Konto unter die Mindestsicherheit, folgt eine Nachschussforderung.
Dieses System macht den Terminmarkt sehr sicher, weil sich keine großen ungedeckten Verluste aufbauen können. Für den einzelnen Händler bedeutet es aber: Schon kleine Preisbewegungen führen zu großen Gewinnen oder Verlusten im Verhältnis zur hinterlegten Sicherheit. Futures sind daher stark gehebelt.
Absicherung: der ursprüngliche Zweck
Futures wurden erfunden, um Preisrisiken abzugeben – das nennt man Hedging.
- Ein Landwirt verkauft im Frühjahr Futures auf seine Ernte und sichert sich damit den Verkaufspreis. Fällt der Weizenpreis, gleicht der Gewinn aus dem Future den geringeren Erlös aus.
- Eine Fluggesellschaft kauft Futures auf Kerosin oder Rohöl und schützt sich vor steigenden Treibstoffkosten.
- Ein Pensionsfonds verkauft Indexfutures, um sein Aktienrisiko schnell zu senken, ohne Hunderte Einzelaktien verkaufen zu müssen.
Wer absichert, verzichtet auf mögliche Gewinne aus günstigen Preisbewegungen – er tauscht Unsicherheit gegen Planbarkeit. Auf der anderen Seite stehen oft Spekulanten, die das Preisrisiko bewusst übernehmen, weil sie auf eine bestimmte Entwicklung setzen. Ohne sie fänden Absicherer kaum Handelspartner.
Lieferung oder Barausgleich
Bei Rohstoff-Futures ist am Ende physische Lieferung vorgesehen – tatsächlich wird aber die große Mehrheit der Kontrakte vorher glattgestellt oder auf einen späteren Termin gerollt. Wie teuer oder günstig das Rollen ist, hängt von der Form der Terminkurve ab, wie in der Lektion Rohstoffe und Gold beschrieben (Contango und Backwardation). Indexfutures werden dagegen in bar abgerechnet, weil man einen Index nicht liefern kann.
Indexfutures: der Markt vor dem Markt
Futures auf DAX, Euro Stoxx 50 oder S&P 500 werden fast rund um die Uhr gehandelt. Deshalb zeigen sie schon vor Börsenöffnung, wie der Kassamarkt voraussichtlich startet. Wenn Nachrichtensender morgens melden, „der DAX wird höher erwartet“, beziehen sie sich meist auf den Future oder auf vorbörsliche Indikationen.
Der Preis eines Indexfutures liegt nicht genau beim Indexstand. Die Differenz heißt Basis und spiegelt vor allem Zinsen und erwartete Dividenden bis zum Fälligkeitstermin wider. Weicht sie vom fairen Wert ab, greifen Arbitrageure ein.
Zusammenfassung
Futures sind standardisierte, verbindliche Termingeschäfte auf Rohstoffe, Indizes, Zinsen und Währungen. Sicherheitsleistungen und tägliche Abrechnung machen den Markt robust, die Positionen aber stark gehebelt. Ursprünglich zum Absichern erfunden, dienen sie heute auch der Spekulation und als Frühindikator für die Börseneröffnung. Damit endet Modul 6 – du kennst jetzt die mächtigsten Werkzeuge der Finanzmärkte und ihre Risiken.
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10 kurze Aufgaben zu dieser Lektion – Fehler kommen am Ende nochmal dran. Danach ist die Lektion abgeschlossen und landet in deiner Wiederholung.
Teste dein Wissen
0/301Ein Weizenbauer verkauft im Frühjahr einen Future auf seine Ernte zu 220 € je Tonne. Im Herbst ist der Weizenpreis auf 180 € gefallen. Was hat er erreicht?
02Was bedeutet tägliche Abrechnung (Mark-to-Market) bei Futures?
03Warum steigt der DAX-Future oft schon vor 9 Uhr, bevor der Xetra-Handel beginnt?