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Modul 6 · Lektion 4/6

Optionen – die Grundlagen

Call und Put, Basispreis, Prämie und Verfall, innerer Wert und Zeitwert – wie Optionen funktionieren, was ihren Preis bestimmt und warum Käufer und Verkäufer völlig unterschiedliche Risiken tragen.

4 Min. Lesezeit Profi 13 Übungen

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Option gibt dem Käufer das Recht, aber nicht die Pflicht, einen Basiswert zu einem festgelegten Basispreis zu kaufen (Call) oder zu verkaufen (Put).
  • Für dieses Recht zahlt der Käufer eine Prämie an den Verkäufer (Stillhalter). Der maximale Verlust des Käufers ist die Prämie.
  • Der Optionspreis besteht aus innerem Wert und Zeitwert. Der Zeitwert schmilzt bis zum Verfall auf null.
  • Den Preis bestimmen vor allem Kurs des Basiswerts, Basispreis, Restlaufzeit und erwartete Volatilität.
  • Optionen können absichern oder spekulieren. Verkäufer ungedeckter Optionen tragen teils unbegrenzte Risiken.

Optionen gehören zu den ältesten und vielseitigsten Finanzinstrumenten. Bauern sicherten schon in der Antike Ernten mit optionsähnlichen Verträgen ab, und an modernen Terminbörsen werden täglich Millionen Kontrakte gehandelt. Sie können ein Depot gegen Crashs versichern, laufende Erträge erzeugen oder mit kleinem Einsatz auf große Bewegungen setzen. Dafür muss man ihre Mechanik genau verstehen.

Recht, nicht Pflicht

Eine Option ist ein Vertrag zwischen zwei Parteien:

  • Der Käufer (Inhaber) erwirbt das Recht, einen Basiswert – etwa 100 Aktien – bis zu oder an einem bestimmten Termin zu einem festen Preis zu kaufen oder zu verkaufen.
  • Der Verkäufer (Stillhalter) übernimmt die Pflicht, auf Verlangen des Käufers zu liefern oder abzunehmen.
  • Für das Recht zahlt der Käufer dem Verkäufer eine Prämie.

Es gibt zwei Grundtypen:

Call (Kaufoption) Put (Verkaufsoption)
Recht des Käufers zum Basispreis kaufen zum Basispreis verkaufen
Käufer profitiert, wenn der Kurs steigt der Kurs fällt
Typische Nutzung auf steigende Kurse setzen Depot absichern, auf fallende Kurse setzen

Wichtige Begriffe:

  • Basispreis (Strike): der festgelegte Kauf- oder Verkaufspreis.
  • Verfallstag: der letzte Tag, an dem die Option ausgeübt werden kann. Amerikanische Optionen können jederzeit bis zum Verfall ausgeübt werden, europäische nur am Verfallstag.
  • Kontraktgröße: An US-Börsen und an der Eurex bezieht sich ein Aktienoptionskontrakt meist auf 100 Aktien.

Das Auszahlungsprofil

Am Verfallstag ist eine Option entweder wertlos oder genau so viel wert, wie sie „im Geld“ ist. Für einen Call mit Basispreis 100:

Gewinn und Verlust eines gekauften Calls am Verfallstag Aktienkurs bei Verfall GewinnVerlust 100 Break-even 105 max. Verlust = Prämie 5 Gewinn steigt mit dem Kurs
Der Hockeyschläger. Unter dem Basispreis verfällt der Call wertlos – der Käufer verliert die Prämie. Darüber gewinnt er einen Euro für jeden Euro Kursanstieg. Gewinnzone ab Basispreis plus Prämie.

Die Asymmetrie ist der Kern jeder Option: Der Käufer riskiert höchstens die Prämie, kann aber viel gewinnen. Der Verkäufer kassiert die Prämie sicher, kann aber viel verlieren. Welche Seite besser fährt, hängt davon ab, ob die Prämie den tatsächlichen Schwankungen angemessen war.

Innerer Wert und Zeitwert

Der Preis einer Option besteht aus zwei Teilen:

Optionspreis = innerer Wert + Zeitwert
  • Der innere Wert ist, was die Option wert wäre, wenn man sie sofort ausübte. Ein Call mit Basispreis 100 bei einem Aktienkurs von 110 hat 10 € inneren Wert.
  • Der Zeitwert ist der Aufpreis für die Chance, dass sich der Kurs bis zum Verfall noch günstig entwickelt. Er ist umso höher, je länger die Restlaufzeit und je höher die erwartete Schwankung.

Je nach Lage des Kurses zum Basispreis spricht man von:

Begriff Call Put Innerer Wert
Im Geld (in the money) Kurs > Basispreis Kurs < Basispreis positiv
Am Geld (at the money) Kurs ≈ Basispreis Kurs ≈ Basispreis ≈ 0
Aus dem Geld (out of the money) Kurs < Basispreis Kurs > Basispreis 0

Der Zeitwert schmilzt mit jedem Tag – zunächst langsam, kurz vor dem Verfall immer schneller. Am Verfallstag ist er null. Dieser Zeitwertverlust arbeitet gegen den Käufer und für den Verkäufer.

Was den Preis einer Option bestimmt

1972/73 entwickelten Fischer Black, Myron Scholes und Robert Merton ein Modell zur Bewertung von Optionen, das die Finanzwelt revolutionierte (Scholes und Merton erhielten 1997 den Nobelpreis). Nach diesem Black-Scholes-Modell hängt der Preis einer Option von fünf Faktoren ab:

Faktor Wirkung auf Call Wirkung auf Put
Kurs des Basiswerts steigt teurer billiger
Höherer Basispreis billiger teurer
Längere Restlaufzeit meist teurer meist teurer
Höhere erwartete Volatilität teurer teurer
Höhere Zinsen etwas teurer etwas billiger

Der einzige Faktor, der nicht direkt beobachtbar ist, ist die erwartete Volatilität. Umgekehrt kann man aus den Marktpreisen von Optionen ablesen, welche Schwankung der Markt erwartet – die implizite Volatilität. Auf ihr basiert auch der VIX.

Vertiefung · Die „Griechen“

Profis messen die Empfindlichkeit einer Option mit Kennzahlen, die nach griechischen Buchstaben benannt sind:

  • Delta: Um wie viel ändert sich der Optionspreis, wenn der Basiswert um 1 € steigt? Ein Call am Geld hat ein Delta von etwa 0,5.
  • Gamma: Wie stark ändert sich das Delta?
  • Theta: Wie viel Zeitwert verliert die Option pro Tag?
  • Vega: Wie stark reagiert der Preis auf eine Änderung der Volatilität?

Wofür Optionen eingesetzt werden

  • Absicherung: Wer Aktien besitzt und einen Put kauft, hat eine Versicherung gegen Kursverluste unterhalb des Basispreises – gegen eine Prämie, wie bei jeder Versicherung.
  • Zusatzertrag: Wer Aktien besitzt und darauf Calls verkauft, kassiert Prämien, gibt aber Kurschancen oberhalb des Basispreises ab (Covered Call).
  • Spekulation: Mit gekauften Optionen lässt sich mit kleinem Einsatz auf große Bewegungen setzen. Weil viele Optionen wertlos verfallen, ist das ein hartes Geschäft.

Zusammenfassung

Optionen geben dem Käufer ein Recht und dem Verkäufer eine Pflicht – gegen eine Prämie. Calls profitieren von steigenden, Puts von fallenden Kursen. Der Preis setzt sich aus innerem Wert und Zeitwert zusammen und hängt vor allem von Kurs, Basispreis, Laufzeit und Volatilität ab. In der nächsten Lektion kombinieren wir Optionen zu Strategien, und du siehst im Rechner, wie unterschiedlich ihre Chancen und Risiken verteilt sind.

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13 kurze Aufgaben zu dieser Lektion – Fehler kommen am Ende nochmal dran. Danach ist die Lektion abgeschlossen und landet in deiner Wiederholung.

Teste dein Wissen

0/4

01Du kaufst einen Call mit Basispreis 100 € für 5 € Prämie. Am Verfallstag steht die Aktie bei 112 €. Wie hoch ist dein Gewinn je Aktie?

Der Call ist 112 − 100 = 12 € wert. Abzüglich der gezahlten Prämie von 5 € bleiben 7 € Gewinn je Aktie.

02Eine Aktie steht bei 50 €. Ein Put mit Basispreis 55 € kostet 7 €. Wie setzt sich der Preis zusammen?

Der Put erlaubt, zu 55 € zu verkaufen, was am Markt nur 50 € wert ist – innerer Wert 5 €. Der Rest von 2 € ist Zeitwert, der Preis für die Chance auf weitere Kursbewegungen.

03Was passiert mit dem Preis einer Option, wenn die erwartete Volatilität steigt (bei sonst gleichen Bedingungen)?

Höhere Schwankungen erhöhen die Chance, dass die Option weit ins Geld läuft, während der Verlust des Käufers auf die Prämie begrenzt bleibt. Deshalb verteuern sich Calls und Puts.

04Wer trägt beim Verkauf eines ungedeckten Calls das größte Risiko?

Der Stillhalter muss liefern, wenn der Käufer ausübt. Besitzt er die Aktie nicht, muss er sie zu jedem Preis am Markt kaufen – das Verlustrisiko ist unbegrenzt.