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Modul 6 · Lektion 5/6

Optionsstrategien

Covered Call, Protective Put, Spreads, Straddle und Iron Condor – wie man Optionen kombiniert, um Chancen und Risiken gezielt zu formen, mit interaktivem Auszahlungsrechner.

4 Min. Lesezeit Profi 9 Übungen

Das Wichtigste in Kürze

  • Durch Kombination von Optionen und Aktien lässt sich fast jedes Chance-Risiko-Profil bauen.
  • Der Covered Call bringt laufende Prämien, kappt aber Kursgewinne. Der Protective Put wirkt wie eine Versicherung gegen Kursverluste.
  • Spreads begrenzen Gewinn und Verlust gleichzeitig und verbilligen die Position.
  • Straddles und Strangles setzen auf große Bewegungen – egal in welche Richtung –, Iron Condors auf ruhige Märkte.
  • Jede Strategie ist eine Wette auf Richtung, Ausmaß und Zeit. Gratis ist keine davon.

Einzelne Optionen sind Bausteine. Interessant werden sie, wenn man sie kombiniert – miteinander oder mit Aktien. So lassen sich Positionen bauen, die nur in bestimmten Szenarien Geld verdienen, deren Verlust gedeckelt ist oder die von ruhigen Märkten profitieren. Diese Lektion stellt die wichtigsten Strategien vor.

Der Auszahlungsrechner

Alle Strategien lassen sich am besten an ihrem Auszahlungsprofil verstehen: Wie hoch ist Gewinn oder Verlust am Verfallstag, je nachdem, wo der Kurs dann steht? Wähle eine Strategie, verändere Basispreis, Volatilität und Laufzeit und beobachte, wie sich Chancen und Risiken verschieben. Die Prämien werden mit dem Black-Scholes-Modell berechnet.

Strategien mit Aktienbestand

Covered Call

Du besitzt eine Aktie und verkaufst darauf einen Call mit einem Basispreis über dem aktuellen Kurs. Du kassierst sofort die Prämie. Steigt die Aktie über den Basispreis, musst du sie zu diesem Preis abgeben – deine Gewinne nach oben sind gedeckelt. Fällt sie, mildert die Prämie den Verlust etwas, schützt aber nicht wirklich.

Der Covered Call eignet sich für seitwärts laufende Märkte. Er wird oft als „Zusatzeinkommen“ beworben. Das stimmt nur halb: Man verkauft im Gegenzug die Chance auf große Kurssprünge – und behält das volle Verlustrisiko.

Protective Put

Du besitzt eine Aktie und kaufst einen Put mit einem Basispreis unter dem aktuellen Kurs. Fällt die Aktie unter den Basispreis, kannst du sie dort verkaufen – dein Verlust ist begrenzt. Der Protective Put funktioniert wie eine Versicherung mit Selbstbehalt: Je tiefer der Basispreis, desto billiger die Prämie und desto höher der Selbstbehalt.

Wer dauerhaft absichert, zahlt laufend Prämien – das kostet über Jahre spürbar Rendite. Absicherung lohnt sich deshalb vor allem gezielt, etwa wenn man ein großes Einzelrisiko für einen bestimmten Zeitraum begrenzen will.

Collar

Die Kombination aus beidem: Aktie halten, Put kaufen, Call verkaufen. Die Prämie des verkauften Calls finanziert den Put ganz oder teilweise. Ergebnis: Verlust nach unten begrenzt, Gewinn nach oben ebenfalls.

Spreads: Chancen und Risiken deckeln

Ein Spread besteht aus einer gekauften und einer verkauften Option desselben Typs mit unterschiedlichen Basispreisen.

  • Bull-Call-Spread: Call mit niedrigerem Basispreis kaufen, Call mit höherem Basispreis verkaufen. Du setzt auf steigende Kurse, zahlst aber weniger als für einen einfachen Call. Dafür ist der Gewinn gedeckelt.
  • Bear-Put-Spread: Put mit höherem Basispreis kaufen, Put mit niedrigerem verkaufen. Das Gegenstück für fallende Kurse.

Spreads sind beliebt, weil Gewinn und Verlust von vornherein feststehen und weil sie weniger empfindlich auf Volatilitätsänderungen reagieren.

Wetten auf die Schwankung

Long Straddle und Strangle

Beim Long Straddle kaufst du einen Call und einen Put mit demselben Basispreis. Bewegt sich der Kurs stark – egal in welche Richtung –, gewinnt eine Seite deutlich. Bleibt er ruhig, verlierst du beide Prämien. Beim Strangle liegen die Basispreise auseinander, das ist billiger, braucht aber eine noch größere Bewegung.

Straddles werden gern vor Ereignissen wie Quartalszahlen gekauft. Das Problem: Der Markt weiß das auch. Vor solchen Terminen ist die implizite Volatilität hoch und die Optionen sind teuer. Nach der Veröffentlichung fällt die Volatilität oft schlagartig (Volatility Crush), und selbst eine kräftige Bewegung reicht nicht für einen Gewinn.

Iron Condor

Der Iron Condor ist das Gegenteil: Du verkaufst einen Put-Spread unter und einen Call-Spread über dem aktuellen Kurs. Bleibt die Aktie in einer Spanne, behältst du die Prämien. Bricht sie aus, ist der Verlust durch die gekauften äußeren Optionen begrenzt. Iron Condors profitieren von ruhigen Märkten und vom Zeitwertverlust.

Übersicht

Strategie Erwartung Max. Gewinn Max. Verlust
Long Call Kurs steigt unbegrenzt Prämie
Long Put Kurs fällt Basispreis − Prämie Prämie
Short Put Kurs steigt oder bleibt Prämie Basispreis − Prämie
Covered Call Kurs steigt leicht oder bleibt gedeckelt Kurs der Aktie − Prämie
Protective Put Absicherung unbegrenzt (abzgl. Prämie) begrenzt
Bull-Call-Spread Kurs steigt moderat Differenz der Basispreise − Kosten Kosten
Long Straddle große Bewegung unbegrenzt beide Prämien
Iron Condor Kurs bleibt in Spanne erhaltene Prämien begrenzt

Zusammenfassung

Optionen lassen sich zu fast beliebigen Chance-Risiko-Profilen kombinieren. Covered Calls tauschen Kurschancen gegen Prämien, Protective Puts kaufen Versicherung, Spreads deckeln beides, Straddles setzen auf Bewegung und Iron Condors auf Ruhe. Jede Strategie ist eine Wette auf Richtung, Ausmaß und Zeit. Der Rechner hilft, die Profile zu verstehen – das Verständnis der Risiken zwischen heute und dem Verfallstag ersetzt er nicht.

Jetzt üben

9 kurze Aufgaben zu dieser Lektion – Fehler kommen am Ende nochmal dran. Danach ist die Lektion abgeschlossen und landet in deiner Wiederholung.

Teste dein Wissen

0/3

01Du besitzt 100 Aktien zu 100 € und verkaufst einen Call mit Basispreis 110 € für 3 €. Was passiert, wenn die Aktie auf 130 € steigt?

Der Käufer übt aus, du musst zu 110 € liefern. Du erhältst 10 € Kursgewinn plus 3 € Prämie – die Aufwärtsbewegung über 110 € gehört dem Käufer.

02Welche Strategie profitiert, wenn eine Aktie nach Quartalszahlen stark steigt oder stark fällt, egal in welche Richtung?

Beim Straddle gewinnt eine der beiden Optionen bei einer großen Bewegung stark. Die Bewegung muss aber größer sein als die Summe beider Prämien – und die ist vor wichtigen Terminen oft hoch.

03Was ist der Hauptzweck eines Protective Puts?

Der gekaufte Put sichert einen Mindestverkaufspreis. Wie bei einer Versicherung kostet das eine Prämie, die die Rendite schmälert, wenn nichts passiert.