Optionsstrategien
Covered Call, Protective Put, Spreads, Straddle und Iron Condor – wie man Optionen kombiniert, um Chancen und Risiken gezielt zu formen, mit interaktivem Auszahlungsrechner.
Das Wichtigste in Kürze
- Durch Kombination von Optionen und Aktien lässt sich fast jedes Chance-Risiko-Profil bauen.
- Der Covered Call bringt laufende Prämien, kappt aber Kursgewinne. Der Protective Put wirkt wie eine Versicherung gegen Kursverluste.
- Spreads begrenzen Gewinn und Verlust gleichzeitig und verbilligen die Position.
- Straddles und Strangles setzen auf große Bewegungen – egal in welche Richtung –, Iron Condors auf ruhige Märkte.
- Jede Strategie ist eine Wette auf Richtung, Ausmaß und Zeit. Gratis ist keine davon.
Einzelne Optionen sind Bausteine. Interessant werden sie, wenn man sie kombiniert – miteinander oder mit Aktien. So lassen sich Positionen bauen, die nur in bestimmten Szenarien Geld verdienen, deren Verlust gedeckelt ist oder die von ruhigen Märkten profitieren. Diese Lektion stellt die wichtigsten Strategien vor.
Der Auszahlungsrechner
Alle Strategien lassen sich am besten an ihrem Auszahlungsprofil verstehen: Wie hoch ist Gewinn oder Verlust am Verfallstag, je nachdem, wo der Kurs dann steht? Wähle eine Strategie, verändere Basispreis, Volatilität und Laufzeit und beobachte, wie sich Chancen und Risiken verschieben. Die Prämien werden mit dem Black-Scholes-Modell berechnet.
Strategien mit Aktienbestand
Covered Call
Du besitzt eine Aktie und verkaufst darauf einen Call mit einem Basispreis über dem aktuellen Kurs. Du kassierst sofort die Prämie. Steigt die Aktie über den Basispreis, musst du sie zu diesem Preis abgeben – deine Gewinne nach oben sind gedeckelt. Fällt sie, mildert die Prämie den Verlust etwas, schützt aber nicht wirklich.
Der Covered Call eignet sich für seitwärts laufende Märkte. Er wird oft als „Zusatzeinkommen“ beworben. Das stimmt nur halb: Man verkauft im Gegenzug die Chance auf große Kurssprünge – und behält das volle Verlustrisiko.
Protective Put
Du besitzt eine Aktie und kaufst einen Put mit einem Basispreis unter dem aktuellen Kurs. Fällt die Aktie unter den Basispreis, kannst du sie dort verkaufen – dein Verlust ist begrenzt. Der Protective Put funktioniert wie eine Versicherung mit Selbstbehalt: Je tiefer der Basispreis, desto billiger die Prämie und desto höher der Selbstbehalt.
Wer dauerhaft absichert, zahlt laufend Prämien – das kostet über Jahre spürbar Rendite. Absicherung lohnt sich deshalb vor allem gezielt, etwa wenn man ein großes Einzelrisiko für einen bestimmten Zeitraum begrenzen will.
Collar
Die Kombination aus beidem: Aktie halten, Put kaufen, Call verkaufen. Die Prämie des verkauften Calls finanziert den Put ganz oder teilweise. Ergebnis: Verlust nach unten begrenzt, Gewinn nach oben ebenfalls.
Spreads: Chancen und Risiken deckeln
Ein Spread besteht aus einer gekauften und einer verkauften Option desselben Typs mit unterschiedlichen Basispreisen.
- Bull-Call-Spread: Call mit niedrigerem Basispreis kaufen, Call mit höherem Basispreis verkaufen. Du setzt auf steigende Kurse, zahlst aber weniger als für einen einfachen Call. Dafür ist der Gewinn gedeckelt.
- Bear-Put-Spread: Put mit höherem Basispreis kaufen, Put mit niedrigerem verkaufen. Das Gegenstück für fallende Kurse.
Spreads sind beliebt, weil Gewinn und Verlust von vornherein feststehen und weil sie weniger empfindlich auf Volatilitätsänderungen reagieren.
Wetten auf die Schwankung
Long Straddle und Strangle
Beim Long Straddle kaufst du einen Call und einen Put mit demselben Basispreis. Bewegt sich der Kurs stark – egal in welche Richtung –, gewinnt eine Seite deutlich. Bleibt er ruhig, verlierst du beide Prämien. Beim Strangle liegen die Basispreise auseinander, das ist billiger, braucht aber eine noch größere Bewegung.
Straddles werden gern vor Ereignissen wie Quartalszahlen gekauft. Das Problem: Der Markt weiß das auch. Vor solchen Terminen ist die implizite Volatilität hoch und die Optionen sind teuer. Nach der Veröffentlichung fällt die Volatilität oft schlagartig (Volatility Crush), und selbst eine kräftige Bewegung reicht nicht für einen Gewinn.
Iron Condor
Der Iron Condor ist das Gegenteil: Du verkaufst einen Put-Spread unter und einen Call-Spread über dem aktuellen Kurs. Bleibt die Aktie in einer Spanne, behältst du die Prämien. Bricht sie aus, ist der Verlust durch die gekauften äußeren Optionen begrenzt. Iron Condors profitieren von ruhigen Märkten und vom Zeitwertverlust.
Übersicht
| Strategie | Erwartung | Max. Gewinn | Max. Verlust |
|---|---|---|---|
| Long Call | Kurs steigt | unbegrenzt | Prämie |
| Long Put | Kurs fällt | Basispreis − Prämie | Prämie |
| Short Put | Kurs steigt oder bleibt | Prämie | Basispreis − Prämie |
| Covered Call | Kurs steigt leicht oder bleibt | gedeckelt | Kurs der Aktie − Prämie |
| Protective Put | Absicherung | unbegrenzt (abzgl. Prämie) | begrenzt |
| Bull-Call-Spread | Kurs steigt moderat | Differenz der Basispreise − Kosten | Kosten |
| Long Straddle | große Bewegung | unbegrenzt | beide Prämien |
| Iron Condor | Kurs bleibt in Spanne | erhaltene Prämien | begrenzt |
Zusammenfassung
Optionen lassen sich zu fast beliebigen Chance-Risiko-Profilen kombinieren. Covered Calls tauschen Kurschancen gegen Prämien, Protective Puts kaufen Versicherung, Spreads deckeln beides, Straddles setzen auf Bewegung und Iron Condors auf Ruhe. Jede Strategie ist eine Wette auf Richtung, Ausmaß und Zeit. Der Rechner hilft, die Profile zu verstehen – das Verständnis der Risiken zwischen heute und dem Verfallstag ersetzt er nicht.
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9 kurze Aufgaben zu dieser Lektion – Fehler kommen am Ende nochmal dran. Danach ist die Lektion abgeschlossen und landet in deiner Wiederholung.
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0/301Du besitzt 100 Aktien zu 100 € und verkaufst einen Call mit Basispreis 110 € für 3 €. Was passiert, wenn die Aktie auf 130 € steigt?
02Welche Strategie profitiert, wenn eine Aktie nach Quartalszahlen stark steigt oder stark fällt, egal in welche Richtung?
03Was ist der Hauptzweck eines Protective Puts?