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Modul 7 · Lektion 5/6

Risikomanagement

Positionsgröße, Klumpenrisiko, Stop-Loss, Kelly-Formel und Sequenzrisiko – wie Profis Risiken begrenzen und welche Regeln auch Privatanlegern helfen, große Verluste zu vermeiden.

4 Min. Lesezeit Profi 10 Übungen

Das Wichtigste in Kürze

  • Gutes Risikomanagement fragt zuerst – Was kann ich verlieren? Und erst dann – Was kann ich gewinnen?
  • Die Positionsgröße ist der wichtigste Hebel. Kein einzelnes Investment sollte dein Gesamtvermögen gefährden können.
  • Risiken lauern nicht nur im Kurs, sondern auch in Klumpen, mangelnder Liquidität, Gegenparteien und im Zeitpunkt von Entnahmen (Sequenzrisiko).
  • Szenarien und Stresstests sind ehrlicher als Durchschnittswerte.
  • Das größte Risiko ist ein Verlust, von dem man sich nicht mehr erholt. Ihn zu vermeiden, ist wichtiger als die letzte Renditeprozentzahl.

Rendite ist das, worüber alle reden. Risiko ist das, worüber Profis nachdenken. Ein alter Grundsatz aus der Fondsbranche lautet: Kümmere dich um die Verluste, die Gewinne kümmern sich um sich selbst. Diese Lektion zeigt die wichtigsten Werkzeuge, mit denen sich Risiken messen, begrenzen und steuern lassen – von der Größe einer einzelnen Position bis zur Frage, wie sicher ein Ruhestandsplan ist.

Die erste Regel: überleben

Ein Verlust von 50 % braucht 100 % zur Erholung, einer von 90 % braucht 900 %. Ein Totalverlust lässt sich gar nicht mehr aufholen. Daraus folgt die wichtigste Regel des Risikomanagements: Vermeide Verluste, von denen du dich nicht mehr erholen kannst – finanziell oder psychisch.

Das klingt banal, wird aber ständig verletzt: von Anlegern, die einen großen Teil ihres Vermögens in eine einzige Aktie stecken, die mit Hebel spekulieren oder die Geld investieren, das sie in zwei Jahren brauchen.

Positionsgröße: der wichtigste Hebel

Wie viel man in eine einzelne Anlage steckt, ist oft wichtiger als die Frage, welche Anlage man wählt. Zwei gängige Ansätze:

  1. Feste Obergrenze: Keine Einzelaktie mehr als zum Beispiel 5 % des Depots, keine Branche mehr als 20 %. Breite ETFs sind davon ausgenommen, weil sie selbst schon streuen.
  2. Risikobasierte Größe: Man legt fest, wie viel man pro Position höchstens verlieren will – oft 0,5 bis 2 % des Gesamtvermögens –, und leitet daraus mit dem Abstand zum Stop-Loss die Positionsgröße ab.

Der Rechner zeigt die Logik: Je enger der Stopp, desto größer darf die Position sein – und umgekehrt. Er zeigt aber auch eine Falle: Bei zu engen Stopps wird die Position rechnerisch riesig. In der Praxis schützt ein Stopp nicht vor Kurslücken, wie in der Lektion über Orderarten beschrieben.

Die Kelly-Formel

Die Frage nach der optimalen Einsatzhöhe hat Mathematiker lange beschäftigt. 1956 veröffentlichte John Kelly bei den Bell Labs eine Formel, die bei bekannten Gewinnchancen den Anteil des Kapitals berechnet, der das langfristige Vermögenswachstum maximiert. Das Kelly-Kriterium hat zwei wichtige Botschaften:

  • Wer mehr setzt als „Kelly“, wächst langfristig langsamer und riskiert den Ruin – selbst bei einem Vorteil.
  • Weil niemand seine Chancen exakt kennt und Menschen sie meist überschätzen, nutzen Praktiker nur einen Bruchteil, etwa den halben Kelly-Einsatz.

Die vielen Gesichter des Risikos

Risiko Was es ist Gegenmittel
Marktrisiko Der Gesamtmarkt fällt Vermögensaufteilung, Zeithorizont
Klumpenrisiko Zu viel in einer Aktie, Branche, Region Obergrenzen, breite Streuung
Liquiditätsrisiko Man kann nicht oder nur mit großem Abschlag verkaufen Liquide Anlagen, Notgroschen
Gegenparteirisiko Ein Vertragspartner fällt aus Regulierte Anbieter, Sondervermögen
Währungsrisiko Wechselkurse verringern den Wert Absicherung, bewusste Gewichtung
Inflationsrisiko Kaufkraft schwindet Sachwerte, inflationsgeschützte Anleihen
Zinsänderungsrisiko Steigende Zinsen senken Anleihekurse Duration steuern
Verhaltensrisiko Man verkauft in Panik Plan, Automatisierung

Ein unterschätztes Klumpenrisiko ist der eigene Arbeitgeber. Wer bei einem Unternehmen arbeitet und gleichzeitig viele seiner Aktien besitzt, riskiert im Krisenfall Job und Ersparnisse auf einmal. Bei der Pleite von Enron 2001 verloren viele Mitarbeiter genau so ihre Altersvorsorge.

Sequenzrisiko: wann Verluste passieren, zählt

Solange man einzahlt, ist es für das Endergebnis eines Einmalbetrags egal, in welcher Reihenfolge gute und schlechte Jahre kommen. Sobald man aber regelmäßig entnimmt, etwa im Ruhestand, ändert sich das. Kommt ein Crash direkt zu Beginn der Entnahmephase, muss man Anteile zu niedrigen Kursen verkaufen, die bei der Erholung fehlen. Dieses Sequenzrisiko kann einen Plan scheitern lassen, obwohl die Durchschnittsrendite stimmt.

Gegenmittel sind ein Puffer aus Cash oder kurzlaufenden Anleihen für die ersten Jahre der Entnahme, eine konservativere Aufteilung kurz vor und nach dem Renteneintritt und flexible Entnahmeregeln – etwa in schlechten Jahren etwas weniger zu entnehmen.

Denken in Szenarien

Durchschnittswerte verschleiern Risiken. Profis fragen deshalb: Was passiert in einem schlechten Szenario?

  • Historische Stresstests: Wie hätte mein Portfolio 2008, 2020 oder 2022 abgeschnitten?
  • Hypothetische Szenarien: Aktien −40 %, gleichzeitig Jobverlust für sechs Monate – reicht mein Notgroschen? Muss ich verkaufen?
  • Vorab-Obduktion (Pre-Mortem): Stell dir vor, die Anlage ist in drei Jahren gescheitert. Was ist wahrscheinlich passiert?

Zusammenfassung

Gutes Risikomanagement denkt zuerst an Verluste. Die Positionsgröße ist der wichtigste Hebel, Obergrenzen schützen vor Klumpen, und Kelly zeigt, dass zu viel Einsatz selbst bei einem Vorteil schadet. Risiko hat viele Gesichter – von Liquidität über Gegenparteien bis zur Reihenfolge der Renditen in der Entnahmephase. Wer in Szenarien denkt und ein solides Fundament außerhalb des Depots hat, übersteht auch schwere Zeiten.

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10 kurze Aufgaben zu dieser Lektion – Fehler kommen am Ende nochmal dran. Danach ist die Lektion abgeschlossen und landet in deiner Wiederholung.

Teste dein Wissen

0/3

01Dein Depot ist 50.000 € wert. Du willst pro Position höchstens 1 % riskieren und setzt einen Stop-Loss 10 % unter dem Einstieg. Wie groß darf die Position sein?

1 % von 50.000 € sind 500 € Risiko. Bei einem Stopp-Abstand von 10 % ergibt das eine Positionsgröße von 500 € ÷ 0,10 = 5.000 €.

02Was beschreibt das Sequenzrisiko?

Wer regelmäßig Geld entnimmt, muss nach einem frühen Crash Anteile zu niedrigen Kursen verkaufen. Diese Anteile fehlen bei der Erholung. Dieselben Durchschnittsrenditen führen dann zu einem deutlich schlechteren Ergebnis.

03Was empfehlen viele Praktiker statt der vollen Kelly-Formel?

Die Kelly-Formel maximiert theoretisch das langfristige Wachstum, setzt aber exakte Kenntnis von Chancen und Risiken voraus. Weil man diese überschätzt, nutzen Profis meist nur einen Bruchteil.