1. Lernpfad
  2. Profiwissen
Modul 7 · Lektion 2/6

Effiziente Märkte und Faktoren

Die Effizienzmarkthypothese, ihre Kritiker, bekannte Anomalien und Faktoren wie Value, Size, Momentum und Qualität – was die Forschung darüber sagt, ob man den Markt schlagen kann.

4 Min. Lesezeit Profi 11 Übungen

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Effizienzmarkthypothese besagt, dass Preise verfügbare Informationen schnell widerspiegeln. Systematisch den Markt zu schlagen, ist dann sehr schwer.
  • Die Belege sind stark – die meisten aktiven Fonds schlagen ihren Index langfristig nicht. Perfekt effizient sind Märkte aber nicht – es gibt Blasen und Anomalien.
  • Faktoren wie Value, Size, Momentum und Qualität erklären einen großen Teil der Renditeunterschiede zwischen Aktien.
  • Ob Faktorprämien eine Belohnung für Risiko oder für menschliche Fehler sind, ist umstritten. Sie schwanken stark und können jahrelang ausbleiben.
  • Echtes Alpha – Mehrrendite, die sich nicht durch Faktoren erklären lässt – ist selten.

Kann man den Markt schlagen? Diese Frage beschäftigt Anleger, Fondsmanager und Wissenschaftler seit Jahrzehnten. Die Antwort der Forschung ist differenzierter, als es beide Lager oft darstellen – und sie hat ganz praktische Folgen dafür, wie du dein Geld anlegen solltest.

Die Effizienzmarkthypothese

In den 1960er-Jahren formulierte der Ökonom Eugene Fama die Effizienzmarkthypothese (EMH). Ihre Kernaussage: In einem effizienten Markt spiegeln Preise alle verfügbaren Informationen wider. Neue Informationen werden so schnell eingepreist, dass niemand systematisch davon profitieren kann.

Fama unterschied drei Formen:

Form Was im Preis steckt Folgerung
Schwach alle vergangenen Kurse Charttechnik bringt keinen systematischen Vorteil
Halbstreng alle öffentlichen Informationen Fundamentalanalyse öffentlicher Daten bringt keinen systematischen Vorteil
Streng alle Informationen, auch Insiderwissen selbst Insider können nicht gewinnen

Die strenge Form ist offensichtlich falsch – Insiderhandel ist nicht ohne Grund verboten, weil er funktioniert. Über die schwache und halbstrenge Form wird bis heute gestritten.

Die Belege für effiziente Märkte

  • Aktive Fonds schlagen ihren Index selten: Wie in Modul 2 beschrieben, liegen über 15 Jahre rund 85 bis 90 % der aktiven Aktienfonds nach Kosten hinter ihrem Vergleichsindex.
  • Erfolg ist kaum beständig: Fonds, die in einem Zeitraum zu den besten gehören, sind im nächsten selten wieder vorne.
  • Kurse reagieren blitzschnell: Quartalszahlen oder Übernahmemeldungen werden in Sekunden eingepreist.

Die Kritiker: Blasen und Anomalien

Robert Shiller zeigte, dass Aktienkurse viel stärker schwanken, als es die späteren Dividenden rechtfertigen würden – ein Hinweis auf Übertreibungen. Spekulationsblasen wie die Dotcom-Blase lassen sich mit vollkommen effizienten Märkten schwer erklären. Dazu kommen Anomalien: wiederkehrende Renditemuster, die nach der Theorie nicht existieren sollten.

2013 erhielten Fama und Shiller gemeinsam mit Lars Peter Hansen den Wirtschaftsnobelpreis für ihre empirische Analyse von Vermögenspreisen. Die Botschaft: Kurzfristig sind Kurse kaum vorhersagbar, über längere Zeiträume gibt es aber gewisse Muster – etwa, dass sehr hohe Bewertungen eher niedrige künftige Renditen bedeuten.

Faktoren: die Bausteine der Rendite

Statt einzelne Aktien zu analysieren, untersucht die Forschung seit den 1990er-Jahren Eigenschaften, die mit höheren Renditen einhergingen – sogenannte Faktoren.

Faktor Idee Wichtige Studie
Markt Aktien bringen mehr als sichere Anlagen CAPM (Sharpe, 1964)
Value Günstig bewertete Aktien schlagen teure Fama/French (1992/93)
Size Kleine Unternehmen schlagen große Banz (1981), Fama/French
Momentum Gewinner der letzten Monate laufen weiter Jegadeesh/Titman (1993), Carhart (1997)
Profitabilität/Qualität Profitable, solide Unternehmen schlagen schwache Novy-Marx (2013), Fama/French (2015)
Niedriges Risiko Schwankungsarme Aktien liefern risikobereinigt mehr Frazzini/Pedersen (2014)

Fama und French bauten 1993 ein Drei-Faktoren-Modell aus Markt, Size und Value, das einen großen Teil der Renditeunterschiede zwischen Aktienportfolios erklärt; 2015 erweiterten sie es auf fünf Faktoren um Profitabilität und Investitionsverhalten.

Risiko oder Fehler?

Warum sollte es Faktorprämien geben? Zwei Erklärungen konkurrieren:

  1. Risiko: Value- und Small-Cap-Unternehmen sind oft schwächer und leiden in Krisen besonders. Die höhere Rendite wäre dann eine faire Entschädigung für zusätzliches Risiko – sie bliebe dauerhaft bestehen.
  2. Verhalten: Anleger überreagieren, extrapolieren Trends und meiden langweilige Aktien. Die Prämie wäre dann eine Folge menschlicher Fehler und könnte verschwinden, wenn genug Anleger sie ausnutzen.

Die Wahrheit liegt vermutlich dazwischen – und je nach Faktor unterschiedlich.

Alpha und Beta

Damit verändert sich auch die Frage, was ein Fondsmanager eigentlich leistet:

  • Beta ist die Rendite, die aus der Schwankung mit dem Markt kommt – günstig über einen Indexfonds zu haben.
  • Faktorrenditen lassen sich heute ebenfalls günstig über Faktor-ETFs (Smart Beta) erzielen.
  • Alpha ist nur der Teil der Rendite, der sich durch Markt und Faktoren nicht erklären lässt – echte Fähigkeit.

Viele aktive Fonds, die gut abgeschnitten haben, erzielten ihren Erfolg durch Faktoren, etwa durch eine Neigung zu kleinen oder günstigen Aktien. Echtes, beständiges Alpha nach Kosten ist sehr selten.

Was das für dich bedeutet

Zusammenfassung

Märkte sind effizient genug, dass die meisten aktiven Anleger sie nach Kosten nicht schlagen, aber nicht so perfekt, dass es keine Blasen und Anomalien gäbe. Faktoren wie Value, Size, Momentum und Qualität erklären einen großen Teil der Renditeunterschiede, schwanken aber stark. Echtes Alpha ist selten. Der Indexfonds ist deshalb nicht die Kapitulation, sondern eine wissenschaftlich gut begründete Wahl.

Jetzt üben

11 kurze Aufgaben zu dieser Lektion – Fehler kommen am Ende nochmal dran. Danach ist die Lektion abgeschlossen und landet in deiner Wiederholung.

Teste dein Wissen

0/3

01Was besagt die halbstrenge Form der Effizienzmarkthypothese?

Nach der halbstrengen Form bringt die Analyse öffentlicher Informationen wie Bilanzen oder Nachrichten keinen systematischen Vorteil, weil sie schon im Preis stecken.

02Wofür erhielten Eugene Fama und Robert Shiller 2013 gemeinsam den Wirtschaftsnobelpreis – obwohl sie in vielen Punkten unterschiedlicher Meinung sind?

Fama zeigte, wie schwer kurzfristige Kursbewegungen vorherzusagen sind; Shiller zeigte, dass Märkte über längere Zeiträume deutlich übertreiben können. Beides gilt gleichzeitig.

03Was versteht man unter dem Value-Faktor?

Fama und French dokumentierten 1992/93, dass Aktien mit niedrigem Kurs-Buchwert-Verhältnis historisch höhere Renditen brachten. Ab etwa 2007 hinkte Value allerdings mehr als ein Jahrzehnt hinterher.