Es ist der erste Quartalsbericht, in dem Warren Buffetts Name nicht als CEO erscheint — und ironischerweise ist es einer der stärksten in jüngster Zeit. Berkshire Hathaway hat am Samstag seine Zahlen für das erste Quartal 2026 vorgelegt, das erste vollständige Quartal unter Greg Abel als CEO. Die operativen Gewinne stiegen um 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr, der Nettogewinn verdoppelte sich auf 10,1 Milliarden Dollar, und die Cash-Reserven nähern sich der historischen Marke von 400 Milliarden Dollar. Für Investoren, die den Übergang skeptisch beobachtet hatten, ist die Botschaft klar: Die Maschine läuft weiter — sehr gut sogar.
Die Zahlen im Überblick
Der Umsatz erreichte 93,68 Milliarden Dollar, ein Plus von rund 4,4 Prozent gegenüber 89,73 Milliarden im ersten Quartal 2025. Der Nettogewinn stieg von 4,67 Milliarden auf 10,18 Milliarden Dollar — eine mehr als Verdoppelung, allerdings beeinflusst von Bewertungsänderungen im Aktienportfolio. Wichtiger ist die operative Stärke: Die Versicherungssparte konnte ihre Ergebnisse trotz schwierigem Vorjahresvergleich verbessern, BNSF — die Eisenbahn-Tochter — legte beim Gewinn 13 Prozent auf 1,38 Milliarden Dollar zu, und Berkshire Hathaway Energy steigerte sich leicht um 2 Prozent.
Besonders bemerkenswert war die Erholung im Versicherungsgeschäft. Die Re- und Erst-Versicherungs-Underwriting-Gewinne stiegen um 29 Prozent auf 1,72 Milliarden Dollar, getrieben vom Sachversicherungs-Rückversicherungsgeschäft, das im Vorjahresquartal noch durch die kalifornischen Waldbrände belastet war. Allerdings: Bei Geico, der Auto-Versicherungs-Tochter, fielen die Underwriting-Gewinne vor Steuern um 35 Prozent — höhere Schadensfälle und gestiegene Marketingausgaben drückten das Ergebnis.
Der wachsende Cash-Berg
Die Schlagzeile, die wirklich für Diskussion sorgt: Berkshires Cash-Reserven nähern sich 400 Milliarden Dollar. Das ist nicht nur die größte Geldreserve eines US-Konzerns — es ist ein historischer Wert. Zum Vergleich: Apples Cash-Position liegt aktuell bei rund 165 Milliarden Dollar, Microsofts bei etwa 80 Milliarden. Berkshire hält damit mehr Liquidität als die nächsten zwei US-Konzerne zusammen.
Diese Cash-Position wirft die offensichtliche Frage auf: Wann wird investiert? Greg Abel hat in seinem ersten Quartalsbericht keine konkreten Akquisitions-Pläne angekündigt, aber Marktbeobachter werten den Cash-Aufbau als Signal: Berkshire wartet entweder auf eine Korrektur, um massiv zuzuschlagen, oder positioniert sich für eine Großübernahme im zweistelligen Milliardenbereich. Die Erfahrung lehrt: Wenn Berkshire Cash hortet, hat das meistens einen strategischen Grund — und der wird oft erst Jahre später sichtbar.

Insurance Float und die unterschätzte Stärke
Ein Detail, das in den Schlagzeilen oft untergeht: Der Insurance Float — also die Versicherungsverpflichtungen, die Berkshire vereinnahmt aber noch nicht ausgezahlt hat — erreichte zum Quartalsende 176,9 Milliarden Dollar, ein leichter Anstieg um 500 Millionen seit Jahresende 2025. Dieser Float ist im Grunde zinsloses Fremdkapital, das Berkshire investieren kann. Buffett hat den Float jahrzehntelang als das eigentliche Geheimnis hinter Berkshires Outperformance bezeichnet — und unter Abel scheint diese Mechanik intakt zu bleiben.
Die Abel-Ära beginnt nüchtern
Es war ein bemerkenswert unspektakuläres erstes Quartal — und das ist ein Kompliment. Greg Abel hat keine dramatischen Ankündigungen gemacht, keine großen Strategiewechsel verkündet, keinen Versuch unternommen, sich vom Erbe Buffetts abzusetzen. Stattdessen: solide Ausführung, leise Verbesserungen, transparente Kommunikation. Genau das hatten Berkshire-Aktionäre erhofft.
Die Aktie hat positiv reagiert. Class-B-Aktien legten in den Tagen vor und nach dem Bericht moderat zu, Class A blieb stabil. Der Markt scheint Vertrauen in den Übergang zu setzen — auch wenn die wirklich harten Tests erst noch kommen werden, etwa die nächste größere Akquisition oder die nächste Marktkorrektur.
Was als Nächstes zählt
Drei Dinge sollten Anleger in den nächsten Quartalen genau beobachten. Erstens: Wie wird der Cash-Berg eingesetzt? Eine Großübernahme oder eine Erhöhung der Aktienrückkäufe würden den Markt klar bewegen. Zweitens: Bleibt die operative Stärke bei BNSF und Berkshire Energy stabil — diese Sparten sind die zuverlässigen Cashflow-Generatoren des Konzerns. Drittens: Geicos Underperformance — wird das ein einmaliger Ausrutscher oder ein strukturelles Problem?
Für langfristige Investoren bleibt die Berkshire-Geschichte intakt. Das Modell ist robust, der Übergang läuft geräuschlos, und mit nahezu 400 Milliarden Dollar Cash ist die optionale Position einzigartig im US-Markt. Die spannende Frage ist nicht, ob Berkshire weiter funktioniert — sondern was Greg Abel mit dieser historischen Cash-Position konkret anstellen wird.
TradingView 30 Tage kostenlos testen
Sichere dir zusätzlich einen $15 Rabatt auf dein erstes Abo über diesen Link.
Provisionsfrei Aktien & ETFs handeln
Jetzt handeln →* Kapitalanlage mit Risiko. Werbung.

