Steve Cohen: Der Herr von Point72

Börsenlegende

Steve Cohen: Der Herr von Point72

Einer der erfolgreichsten (und umstrittensten) Trader der Geschichte.

Werdegang

Steven A. Cohen, geboren 1956 in Great Neck im US-Bundesstaat New York, gilt als einer der einflussreichsten Hedgefonds-Manager seiner Generation. Nach dem Wirtschaftsstudium an der Wharton School begann er seine Karriere als Optionshändler und machte sich rasch durch sein Gespür für kurzfristige Kursbewegungen einen Namen. 1992 gründete er mit rund 25 Millionen US-Dollar Startkapital seinen eigenen Fonds, SAC Capital Advisors – die Buchstaben stehen für seine eigenen Initialen. Über zwei Jahrzehnte erzielte SAC einen Ruf für außergewöhnlich hohe Renditen und entwickelte sich zu einem der bekanntesten Akteure der Branche.

Handelsstil

Cohen wurde vor allem für einen aggressiven, intuitiven Handelsansatz bekannt. Schon als junger Mann schärfte er beim Pokern sein Gefühl für Wahrscheinlichkeiten und Risiko – Eigenschaften, die später seinen Stil prägten. SAC setzte stark auf kurzfristiges, sehr aktives Trading: Positionen wurden oft binnen Tagen oder Stunden auf- und wieder abgebaut, und die Firma arbeitete mit einem Modell aus vielen einzelnen Portfoliomanagern, die jeweils eigenes Kapital steuerten. Dieser Mix aus Tempo, Informationsvorsprung und Risikobereitschaft galt lange als Erfolgsrezept – und rückte zugleich die Frage in den Mittelpunkt, woher die Informationsvorteile stammten.

Der SAC-Capital-Skandal

Genau diese Frage führte zum tiefsten Einschnitt seiner Laufbahn. Über Jahre ermittelten US-Behörden gegen SAC und mehrere seiner Mitarbeiter wegen Insiderhandels. 2013 bekannte sich SAC Capital in einem aufsehenerregenden Verfahren schuldig und akzeptierte eine Strafe von insgesamt rund 1,8 Milliarden US-Dollar. Die Firma durfte fortan kein Fremdkapital mehr verwalten. Cohen selbst wurde nicht strafrechtlich verurteilt; gegen ihn lief ein zivilrechtliches Aufsichtsverfahren, das zeitweise seine Tätigkeit als Manager fremder Gelder einschränkte. Aus SAC wurde Point72 Asset Management, das zunächst als reines „Family Office“ ausschließlich Cohens eigenes Vermögen und das seiner Mitarbeiter verwaltete. Erst um 2018 öffnete sich Point72 wieder für externe Investoren. Abseits der Märkte trat Cohen als bedeutender Kunstsammler hervor – berühmt etwa für den Kauf von Picassos „Le Rêve“ für rund 155 Millionen US-Dollar – und übernahm 2020 für etwa 2,35 Milliarden US-Dollar die Mehrheit am Baseball-Klub New York Mets.

BMI-Einordnung

Cohens Geschichte zeigt zwei Seiten des Hochleistungs-Tradings. Einerseits steht er für außergewöhnliches Talent, Disziplin und ein tiefes Marktverständnis. Andererseits ist der SAC-Skandal eine Mahnung, dass herausragende Renditen niemals durch unfaire Informationsvorteile erkauft werden dürfen – und dass Aufsicht und Compliance kein lästiges Beiwerk, sondern Fundament jeder seriösen Geldanlage sind. Für Privatanlegerinnen und Privatanleger ist Cohens hochfrequenter, hebelstarker Stil kein Vorbild zum Nachahmen. Die wertvollste Lektion ist eine andere: Erfolg an den Märkten beruht auf Wissen, Risikomanagement und Geduld – und auf der Einsicht, dass auch Legenden den Regeln unterliegen.

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