Michael Bloomberg: Der Daten-Milliardär
Gründer von Bloomberg LP und Revolutionär der Finanzinformations-Branche.
Vom Salomon-Rauswurf zum Imperium
Michael Bloomberg, geboren 1942 in Massachusetts, arbeitete fünfzehn Jahre bei der Investmentbank Salomon Brothers, wo er zum Partner aufstieg und zuletzt den Bereich für Informationssysteme leitete. Als Salomon Brothers 1981 von Phibro übernommen wurde, verlor er seinen Posten und schied mit einer Abfindung von rund zehn Millionen Dollar für seinen Partneranteil aus. Statt sich zur Ruhe zu setzen, gründete er noch im selben Jahr gemeinsam mit Thomas Secunda, Duncan MacMillan und Charles Zegar das Unternehmen Innovative Market Systems. Die Idee war so einfach wie radikal: Finanzprofis brauchten schnellen, verlässlichen Zugang zu Kursen, Analysen und Vergleichsdaten an einem einzigen Bildschirm.
Das Bloomberg-Terminal
Das erste Gerät, später schlicht „Bloomberg-Terminal“ genannt, lieferte Anleihendaten und Berechnungen in einer Tiefe, die der Markt zuvor nicht kannte. Der erste Großkunde war Merrill Lynch. 1986 wurde das Unternehmen in Bloomberg L.P. umbenannt, bis 1991 waren bereits rund 10.000 Terminals installiert. Heute verlassen sich weltweit mehr als 325.000 Abonnenten auf das System, das je nach Vertrag etwa 24.000 bis 27.000 Dollar pro Nutzer und Jahr kostet. Das Terminal wurde damit zum De-facto-Standard in Handelsräumen, bei Banken, Vermögensverwaltern und Aufsichtsbehörden – und zur Grundlage eines Konzerns mit Nachrichtenagentur, Fernsehen und Datendiensten.
Politik und Philanthropie
2001 wurde Bloomberg zum Bürgermeister von New York City gewählt und regierte die Stadt über drei Amtszeiten von 2002 bis 2013. In dieser Zeit ließ er sein operatives Tagesgeschäft im Unternehmen weitgehend ruhen, kehrte danach aber zurück. Bloomberg gilt heute als Multimilliardär; sein Vermögen wird von Forbes auf eine dreistellige Milliardensumme geschätzt, da er weiterhin den überwiegenden Anteil an Bloomberg L.P. hält. Über seine Stiftung Bloomberg Philanthropies hat er nach eigenen Angaben über die Jahre Spenden in zweistelliger Milliardenhöhe geleistet, darunter eine Milliarde Dollar an seine Alma Mater Johns Hopkins, um den Großteil der Medizinstudierenden von Studiengebühren zu befreien.
BMI-Einordnung
Für Anlegerinnen und Anleger ist Bloombergs Geschichte vor allem eine Lektion über Infrastruktur: Den größten und stabilsten Wert schuf nicht ein spektakulärer Handelscoup, sondern ein Werkzeug, das andere Marktteilnehmer täglich brauchen. Wer verstehen will, wie Information selbst zur handelbaren Ware und zum Geschäftsmodell wird, findet im Bloomberg-Terminal das Lehrbuchbeispiel. Privatanleger nutzen das Terminal in der Regel nicht – aber das Prinzip dahinter, nämlich verlässliche Daten und Vergleichbarkeit, ist auch die Grundlage jeder soliden eigenen Anlageentscheidung.
