Memory- und Storage-Upcycle
DRAM, NAND und HDD drehen nach oben, getrieben von KI-Rechenzentren, HBM und Angebotsdisziplin
Der zyklische Speichermarkt hat in einen der stärksten Aufschwünge seit 2017 gedreht. Die KI-Nachfrage zieht DRAM, NAND und Festplatten gleichzeitig nach oben, während die Hersteller Kapazität zu HBM und Server-SSDs umlenken und damit das Angebot für klassische Endmärkte verknappen. Die hier genannten Aktien wirken auf Basis vergangener Gewinne teuer, weil die Ergebnisse nahe am Tiefpunkt lagen. Die These setzt auf den operativen Hebel, der bei steigenden Vertragspreisen in den Aufschwung hinein wirkt.
Mechanik
Speicher ist ein Rohstoffgeschäft mit hohem Fixkostenanteil. Steigen die Vertragspreise, fällt fast jeder zusätzliche Erlös in die Marge, sodass die Gewinne weit schneller wachsen als der Umsatz. Im zweiten Quartal 2026 zogen DRAM-Vertragspreise laut Branchendaten rund 58 bis 63 Prozent und NAND etwa 70 bis 75 Prozent gegenüber dem Vorquartal an. Diese Preishebel treffen auf Anlagen, deren Auslastung und Kostenbasis bereits stehen.
Katalysatoren
HBM beansprucht inzwischen rund ein Viertel der DRAM-Waferkapazität und wächst etwa 70 Prozent pro Jahr, was klassisches DRAM zusätzlich verknappt. Micron und SK Hynix melden ihre HBM-Kapazität für 2026 als ausverkauft, Hersteller erhalten oft weniger als die Hälfte der angefragten Waferzuteilung. Western Digital bezeichnet seine Nearline-Festplatten für das gesamte Kalenderjahr 2026 als nahezu ausverkauft, mit Lieferzeiten von bis zu 50 Wochen. Quartalsberichte mit weiter steigenden Preisen und Margen sind die nächsten Auslöser.
Risiken
Speicher bleibt zyklisch und die Bewertung lebt von der Annahme, dass der Aufschwung anhält. Kippt die KI-Investitionswelle oder weiten die Hersteller die Kapazität zu schnell aus, kann sich das Angebot drehen und die Preise brechen ein, oft bevor es die Konsensschätzungen abbilden. Schon im Mai 2026 fielen die Titel an einzelnen Tagen um acht bis neun Prozent, als der Trade pausierte. Hohe Kapitalintensität und Abhängigkeit von wenigen Hyperscaler-Kunden verstärken die Schwankungen.
Zeithorizont
Mehrjähriger Aufschwung mit Mittelfrist-Charakter. Branchendaten sehen das Angebot bis 2027 oder 2028 angespannt, da Fab-Ausbau, ausverkaufte NAND-Produktion und mehrjährige HBM-Verträge die Verfügbarkeit begrenzen. Der Hebel auf die Gewinne sollte sich über die nächsten Quartale entfalten, der Verlauf bleibt aber sprunghaft.