Stromnetz und Elektrifizierung
KI-Rechenzentren, Reshoring und Elektrifizierung lösen einen Investitionssuperzyklus bei Erzeugung, Übertragung und Transformatoren aus.
Nach zwei Jahrzehnten flacher Nachfrage steigt der US-Stromverbrauch wieder kräftig, getrieben von KI-Rechenzentren, der Rückverlagerung von Industrie und der Elektrifizierung. Goldman Sachs rechnet bis 2030 mit rund 15 Prozent jährlichem Wachstum der Rechenzentrumsnachfrage, die dann etwa 8 Prozent des US-Stroms verbrauchen könnte. Das alternde Netz und ein knappes Angebot an Erzeugung, Turbinen und Transformatoren machen die Stromversorgung zum eigentlichen Engpass des KI-Booms.
Mechanik
Hyperscaler sichern sich Strom über langfristige Abnahmeverträge und Slot-Reservierungen, wodurch Auftragsbücher und Preise bei Gasturbinen, Kernkraft und Netzausrüstung steigen. Regulierte Versorger dürfen ihre wachsende Anlagenbasis in den Tarifen verzinsen, sodass höhere Investitionen direkt das Gewinnwachstum stützen. Die Knappheit verschiebt die Preissetzungsmacht von den Käufern zu den Anbietern von Erzeugung und Netztechnik.
Katalysatoren
GE Vernova meldete im ersten Quartal 2026 einen Gasturbinen-Auftragsbestand von rund 100 GW und peilt bis Jahresende mindestens 110 GW an. Constellation schloss im Januar 2026 die Calpine-Übernahme ab und ist mit 55 GW der größte private US-Stromerzeuger. AEP hob seinen Fünfjahres-Investitionsplan auf 78 Milliarden Dollar an, davon 33 Milliarden für die Übertragung, und gewann neue 765-kV-Projekte.
Risiken
Die Lieferketten sind selbst der Engpass: Transformatoren haben Lieferzeiten von zwei bis vier Jahren, und mehr als die Hälfte der für 2026 geplanten US-Rechenzentren droht sich zu verzögern. Sollte sich das KI-Investitionstempo abkühlen oder Strom günstiger als erwartet werden, könnten Bestellungen storniert und hohe Bewertungen korrigiert werden. Regulierte Versorger tragen zudem Zins-, Genehmigungs- und Tarifrisiken.
Zeithorizont
Es ist ein mehrjähriger Superzyklus: Auftragsbücher für Gasturbinen reichen bereits bis 2029, und Investitionspläne der Versorger laufen über fünf Jahre und länger. Kurzfristig setzen Quartalsberichte, neue Strom-Abnahmeverträge und Netzgenehmigungen die Akzente, doch die eigentliche These zielt auf den Zeitraum 2026 bis 2030 ab.