49 zu 50 im Senat, 7,9 Milliarden weg: Warum Coinbase und Circle nicht ihr Geschäft verloren haben, sondern ihre Bewertung

Coinbase – Clarity Act gescheitert: Coinbase minus 10 Prozent

Um 14:15 Uhr Washingtoner Zeit am Dienstag hat der amerikanische Senat über eine Verfahrensfrage abgestimmt, und um 14:40 Uhr war ein Gesetz tot, an dem eine ganze Branche seit zwei Jahren gearbeitet hatte. Der Digital Asset Market Clarity Act, das erste umfassende Marktstrukturgesetz für Kryptowährungen in den Vereinigten Staaten, scheiterte mit 49 zu 50 Stimmen an der Hürde von 60, die für die Eröffnung der Debatte nötig gewesen wäre. Elf Stimmen fehlten. Alle anwesenden Demokraten stimmten mit Nein, dazu vier Republikaner: Susan Collins, Josh Hawley, Jerry Moran und Thom Tillis, der Letztere aus Verfahrensgründen, um später einen Antrag auf erneute Abstimmung stellen zu können. Der Demokrat Chris Coons fehlte.

Der Markt hatte seine Antwort in weniger als einer Stunde. Coinbase, die größte amerikanische Kryptobörse, verlor 10,1 Prozent auf 172,11 Dollar. Circle, der Herausgeber des Stablecoins USDC, fiel um 11,5 Prozent auf 86,25 Dollar. Zusammen waren das rund 7,9 Milliarden Dollar Börsenwert. Strategy, die frühere MicroStrategy und größter börsennotierter Bitcoin-Halter, gab 5,4 Prozent nach, Galaxy Digital rund 8, Gemini bis zu 9,5, Robinhood 3,4 Prozent. Bitcoin selbst rutschte von knapp 80.000 Dollar vor der Abstimmung auf 75.850 Dollar in der Spitze, ein Minus von rund vier Prozent binnen 24 Stunden. Aus den amerikanischen Spot-ETFs flossen 450 Millionen Dollar ab, der größte Tagesabfluss seit dem 25. Juni. Das ist die Geschichte, die am Mittwochmorgen in jeder Marktübersicht steht: Der Senat hat Krypto abgelehnt, Krypto ist gefallen.

Nur stimmt der zweite Teil nicht ganz. Bitcoin hat vier Prozent verloren, Coinbase zehn, Circle elfeinhalb. Wenn der Senat über Krypto abgestimmt hätte, müsste die Reihenfolge umgekehrt sein. Er hat über etwas anderes abgestimmt: über die Frage, ob die Unternehmen, die mit Krypto Geld verdienen, in den nächsten Jahren neue Geschäfte machen dürfen, die sie heute nicht machen. Das Geschäft, das sie heute machen, hat der Senat nicht angefasst. Es hängt an einer Zahl, die am Mittwochabend um 20 Uhr mitteleuropäischer Zeit die Notenbank setzt — und die aller Voraussicht nach steigt.

Woran das Gesetz gescheitert ist — und woran nicht

Der Clarity Act hatte alles hinter sich, was ein Gesetz in Washington hinter sich haben kann. Das Repräsentantenhaus hatte ihn am 17. Juli 2025 mit 294 zu 134 Stimmen beschlossen, 78 Demokraten stimmten damals dafür. Der Bankenausschuss des Senats brachte seinen Teil am 14. Mai 2026 mit 15 zu 9 Stimmen durch, ebenfalls überparteilich. Am 22. Juli lag ein zusammengeführter Senatstext vor. Mehrheitsführer John Thune setzte die Abstimmung vor der Sommerpause auf den Kalender: den ersten Tag nach der Rückkehr des Senats. Bis zum Wochenende hatten die Republikaner nach eigener Zählung 126 Änderungswünsche der Demokraten in einen 630 Seiten langen Text eingearbeitet. Das Weiße Haus hatte in zwei Runden Ethikauflagen für den Präsidenten zugestimmt, die es in keinem früheren Gesetz gab.

Gescheitert ist das Gesetz an einer einzigen Zahl: 1,4 Milliarden Dollar. So viel hat Donald Trump laut seiner im Sommer veröffentlichten Vermögensoffenlegung für 2025 mit Kryptogeschäften verdient — 635 Millionen aus dem Verkauf seiner Meme-Münze, mehr als 550 Millionen aus Token-Verkäufen von World Liberty Financial, dem von seinen Söhnen gegründeten Unternehmen, und über 290 Millionen aus damit verbundenen Wallets. Krypto war damit die größte Einkommensquelle des Präsidenten, größer als Immobilien und Rechtsvergleiche zusammen. Die Demokraten verlangten ein durchsetzbares Verbot, dass der Präsident und hohe Beamte mit Kryptowährungen Geld verdienen, während sie deren Regeln setzen — einschließlich der Kinder, und mit der Pflicht, sehr große Beteiligungen zu verkaufen statt nur in einen Treuhandfonds zu legen. Die Republikaner boten eine Ethikklausel an, deren Durchsetzung beim Justizministerium liegt, also bei einer Behörde, die dem Präsidenten untersteht; Bundesstaaten und Privatkläger blieben außen vor, dazu eine Auslaufklausel. Elizabeth Warren nannte das ein „schwaches Feigenblatt“. Mark Warner, der an den Geldwäscheteilen des Gesetzes mitgeschrieben hatte und nach eigenen Worten mit Ja stimmen wollte, erklärte, das Versäumnis, „diesen grundlegenden Interessenkonflikt anzugehen“, habe ihm eine Zustimmung unmöglich gemacht. Ruben Gallego, der Chefverhandler der Demokraten, sagte, den Republikanern sei wichtiger, „dass der Präsident weiter Geld verdient, als tatsächlich Regeln zu schaffen“.

Woran das Gesetz nicht gescheitert ist, ist ebenso wichtig. Nicht an der Aufteilung der Aufsicht zwischen Wertpapieraufsicht SEC und Terminmarktaufsicht CFTC, dem eigentlichen Kern. Nicht an der Frage, ob Bitcoin eine Ware ist. Nicht an den Regeln für dezentrale Protokolle. Alle diese Fragen waren ausverhandelt. Die Wettmärkte hatten das lange vor dem Senat verstanden: Auf Polymarket war die Wahrscheinlichkeit eines Gesetzes 2026 von 82 Prozent im Februar auf einstellige Werte gefallen, bevor der erste Senator seine Stimme abgab. Wer am Dienstag überrascht war, hatte nicht hingesehen.

Was der Clarity Act geregelt hätte — und was ohne ihn gilt

Das Gesetz hätte drei Dinge getan. Erstens hätte es festgelegt, welche digitalen Vermögenswerte Wertpapiere sind und welche Waren, und den Kassahandel mit Letzteren der CFTC unterstellt. Bis heute entscheidet das die SEC von Fall zu Fall, mit Verfahren, deren Ausgang von der jeweiligen Regierung abhängt. Zweitens hätte es Börsen, Verwahrern und Brokern eine bundesweite Registrierung ermöglicht, statt des Flickenteppichs aus 50 bundesstaatlichen Lizenzen. Drittens hätte es die Frage geklärt, die die Banken am meisten umtrieb: ob Stablecoin-Herausgeber und Börsen ihren Kunden Zinsen auf gehaltene Guthaben zahlen dürfen. Der Kompromiss im letzten Entwurf erlaubte nutzungsabhängige Prämien, verbot Zinsen auf bloß geparkte Guthaben und gab dem Finanzminister für 18 Monate das Recht, die Prämien zu stoppen, falls Einlagen aus Gemeindebanken abwandern. Genau dieser Punkt hatte Coinbase-Chef Brian Armstrong im Frühjahr zeitweise gegen das Gesetz gebracht und war der Grund, warum Josh Hawley am Dienstag mit Nein stimmte.

Ohne das Gesetz gilt, was seit Jahren gilt: Bitcoin ist für die CFTC eine Ware, für die Steuerbehörde Eigentum, und es gibt seit Januar 2024 zugelassene Spot-ETFs. Stablecoins haben seit dem Sommer 2025 ihr eigenes Gesetz, den Genius Act, der Herausgebern wie Circle vorschreibt, ihre Münzen eins zu eins mit Staatsanleihen und Bareinlagen zu decken. Was fehlt, ist alles dazwischen: die Tausenden Token, die weder Bitcoin noch Stablecoin sind, die dezentralen Protokolle, der Handel mit tokenisierten Aktien und Anleihen, den Coinbase und Robinhood als nächstes Wachstumsfeld ausgerufen haben. Für all das bleibt die Rechtslage das, was eine Behörde daraus macht — und Behörden wechseln mit Regierungen. Der Republikaner John Kennedy sprach von einer Rückkehr in den vier Wochen zwischen Wahl und Weihnachten, Tillis hat den Antrag auf erneute Abstimmung hinterlegt. Realistisch ist beides nicht: Nach den Zwischenwahlen im November ist der Kongress mit hoher Wahrscheinlichkeit geteilt, und die Demokraten haben angekündigt, die Kryptogeschäfte des Präsidenten zum Wahlkampfthema zu machen. Beobachter in Washington rechnen inzwischen nicht vor 2029 mit einem umfassenden Gesetz.

Womit Coinbase und Circle heute Geld verdienen

Der Kurssturz vom Dienstag lässt sich nur einordnen, wenn man weiß, was er getroffen hat. Coinbase hat im zweiten Quartal 2026 einen Nettoumsatz von 1,15 Milliarden Dollar ausgewiesen, 18,5 Prozent weniger als vor einem Jahr. Die Handelserlöse, das klassische Geschäft der Börse, fielen um 21,6 Prozent auf 599 Millionen. Die Stablecoin-Erlöse — im Wesentlichen Coinbases Anteil an den Zinsen, die Circle auf die USDC-Reserven verdient — lagen bei 292 Millionen, fünf Prozent weniger, und machten 25,3 Prozent des Nettoumsatzes aus. Die Prämien, die Coinbase seinen Kunden für gehaltene USDC zahlt, stiegen um 16 Prozent auf 119 Millionen. Unter dem Strich stand ein operativer Verlust von 113,5 Millionen Dollar. Das ist ein Unternehmen, dessen Kerngeschäft schrumpft und dessen zweitgrößte Einnahmequelle vom Zinssatz abhängt.

Circle ist dieselbe Geschichte in reiner Form. Von 701 Millionen Dollar Quartalsumsatz stammten 668 Millionen — 95 Prozent — aus Zinsen auf die Reserven, die hinter den 73,3 Milliarden Dollar an umlaufenden USDC stehen. Davon gingen 410 Millionen als Vertriebskosten weiter, zum größten Teil an Coinbase. Es blieb ein Nettogewinn aus dem fortgeführten Geschäft von 48 Millionen. Die Rendite auf die Reserven lag bei 3,5 Prozent, nach 4,1 Prozent im Vorjahr, weil die Notenbank Ende 2025 gesenkt hatte. Circle hat in seinem Quartalsbericht selbst vorgerechnet, was das bedeutet: Ein Prozentpunkt mehr Zins bringt 737 Millionen Dollar mehr Reserveertrag im Jahr, davon gehen 360 Millionen an die Vertriebspartner, netto bleiben 377 Millionen. Ein Viertelpunkt, wie ihn die Terminmärkte für Mittwochabend mit 92 bis 95 Prozent Wahrscheinlichkeit erwarten, wären rund 94 Millionen Dollar — für ein Unternehmen, das im Quartal 48 Millionen verdient.

Der Zinssatz ist der Ertrag, das Gesetz war das Multiple

Damit ist die Arithmetik des Dienstags vollständig. Der Senat hat keine der Zahlen aus dem vorigen Abschnitt verändert. Die Reserven von Circle werden am Mittwochabend voraussichtlich mehr abwerfen als am Dienstagmorgen. Coinbases Anteil daran steigt mit. Die Handelserlöse hängen an der Volatilität, und die hat der Senat eher erhöht als gesenkt. Was der Senat verändert hat, ist die Zahl, mit der der Markt diese Erträge multipliziert. Coinbase wurde am Montag mit rund 191 Dollar bewertet, obwohl das Unternehmen operativ Verluste schreibt — nicht wegen der 292 Millionen Stablecoin-Erlöse, sondern wegen dessen, was mit einem Bundesgesetz möglich geworden wäre: tokenisierte Aktien für Privatanleger, ein bundesweit lizenziertes Derivategeschäft, dezentrale Protokolle mit Rechtssicherheit, und vor allem der Zugang zu den Kunden von Banken und Brokern, die ohne klare Regeln nicht anfassen, was die SEC morgen für ein Wertpapier erklären könnte.

Das ist der Unterschied zwischen einer Aktie, die ihr Geschäft verliert, und einer, die ihre Bewertung verliert. Die Bank of America, über die an dieser Stelle am Dienstag zu lesen war, hat für das dritte Quartal weniger Gebühren angekündigt — da fällt der Ertrag. Coinbase und Circle haben am Dienstag keinen Dollar Ertrag verloren; sie haben eine Option verloren, die der Markt eingepreist hatte. Optionen verfallen abrupt, und genau so sieht der Chart aus: zehn Prozent in einer Stunde, dann Stillstand. Die Fed wird heute Abend an der Bewertung nichts ändern. Aber sie wird den einen Ertrag anheben, der den beiden Unternehmen geblieben ist. Man kann das zynisch nennen. Man kann es auch die Auflösung des Paradoxons nennen, warum ein Kryptounternehmen 2026 an dem Tag steigen sollte, an dem die Zinsen steigen: weil es im Kern ein Geldmarktfonds mit angeschlossener Börse ist.

Und Bitcoin selbst?

Für Bitcoin liegt der Fall anders, und die Reaktion war entsprechend kleiner. Michael Saylor, dessen Strategy 5,4 Prozent verlor, formulierte es am Dienstagabend so: „Die einzige Klarheit, die man braucht, ist Bitcoin.“ Das ist eine Verkaufsbotschaft, aber sie hat einen wahren Kern. Bitcoin hatte vom Clarity Act am wenigsten zu erwarten, weil seine Einordnung — Ware, Eigentum, ETF-fähig — längst geklärt ist. Die vier Prozent Kursverlust und die 450 Millionen ETF-Abflüsse sind eher eine Stimmungszahl als eine Neubewertung, und sie kamen an einem Tag, an dem die zehnjährige amerikanische Staatsanleihe erstmals seit 2007 über fünf Prozent rentierte und eine Zinserhöhung bevorstand. Wer trennen will, was der Senat und was die Fed gekostet hat, bekommt für Bitcoin keine saubere Antwort. Für Coinbase und Circle schon: Am selben Tag mit denselben Zinsen fielen sie zwei- bis dreimal so tief. Und innerhalb des Kryptomarkts wiederholte sich das Muster: Der CoinDesk-20-Index verlor 4,6 Prozent, XRP 8,1 Prozent, 95 der 100 größten Münzen lagen im Minus — je weiter ein Token von Bitcoin entfernt ist, desto mehr hätte er vom Gesetz gehabt, desto tiefer fiel er.

Was Bitcoin verloren hat, ist etwas Langfristigeres: die Aussicht, dass der Rest des Kryptomarkts in den nächsten Jahren in den regulierten Finanzsektor einwächst und Bitcoin als dessen Reservewährung mitzieht. Die Liquidationen von mehr als einer halben Milliarde Dollar an Long-Positionen binnen 24 Stunden — 289 Millionen davon in der Stunde um die Abstimmung — zeigen, wie viel Hebel auf genau diese Erwartung gesetzt war. Strive-Chef Matt Cole nannte das Scheitern „schlecht für die Vereinigten Staaten und schlecht für Krypto“. Für Bitcoin als Anlage ist es vor allem eines: eine Rückkehr in die Welt, in der sein Preis am Zinsniveau und am Dollar hängt, nicht an Washington.

Was das für Anleger in Deutschland und Österreich heißt

Die Ironie für europäische Anleger liegt auf der Hand: Was der amerikanische Senat am Dienstag nicht zustande brachte, hat die Europäische Union seit Ende 2024 in Kraft. Die Verordnung über Märkte für Kryptowerte, MiCA, gilt seit dem 30. Dezember 2024 vollständig, die letzten Übergangsfristen für Altanbieter liefen im Sommer 2026 aus. Coinbase hält seit Juni 2025 eine MiCA-Lizenz aus Luxemburg und darf damit in allen 27 Mitgliedstaaten anbieten. Bitpanda aus Wien war Anfang 2025 einer der ersten Anbieter mit einer MiCA-Zulassung der deutschen BaFin. USDC selbst ist ein MiCA-konformer Stablecoin, weil Circle bereits 2024 eine E-Geld-Lizenz in Frankreich erworben hat. Wer in Europa Krypto handelt, tut es unter einem Regime, das die amerikanische Branche gern hätte — und das, wie sich am Dienstag zeigte, in den Vereinigten Staaten auf Jahre hinaus nicht kommt.

Das ändert nichts daran, dass die börsennotierten Vehikel amerikanisch sind. Wer Coinbase oder Circle über Nasdaq und Xetra hält, hat die zehn und elfeinhalb Prozent mitgenommen; wer den Kurs als Einstieg sieht, sollte wissen, dass Circle bei 86 Dollar kaum über dem Schlusskurs seines ersten Handelstags im Juni 2025 notiert, nachdem es zwischenzeitlich fast das Vierfache gekostet hatte. Die europäischen Alternativen sind klein: Die Bitcoin Group aus Herford, Betreiberin von bitcoin.de, ist an der Frankfurter Börse ein Nebenwert, die Deutsche Börse betreibt ihr Kryptogeschäft über die Tochter Crypto Finance ohne eigene Notierung. Bitcoin selbst kaufen deutsche und österreichische Anleger meist über physisch hinterlegte Wertpapiere an der Xetra oder direkt über Bitpanda, Trade Republic und Scalable. Steuerlich bleibt der Unterschied zwischen beiden Ländern der wichtigste Faktor: In Deutschland sind Gewinne aus Kryptowährungen nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei, darunter gelten der persönliche Einkommensteuersatz und eine Freigrenze von 1.000 Euro; in Österreich unterliegen Kryptoerträge seit März 2022 der Kapitalertragsteuer von 27,5 Prozent, ohne Haltefrist, dafür mit Verlustverrechnung gegen andere Kapitalerträge. Für die amerikanischen Aktien gelten die üblichen Regeln: Quellensteuer auf Dividenden spielt bei Coinbase und Circle keine Rolle, weil beide keine zahlen; Kursgewinne fallen unter Abgeltungsteuer beziehungsweise KESt.

Was, wenn der Markt recht hat

Die These dieses Textes — Bewertung verloren, Geschäft nicht — hat drei Schwachstellen, die man kennen sollte. Die erste: Das Geschäft, das bleibt, ist ein schrumpfendes. Coinbases Handelserlöse fallen seit Quartalen, weil Robinhood, Schwab und die ETFs den Privatanleger billiger bedienen; die Stablecoin-Erlöse hängen an einem Zinsniveau, das die Fed mit derselben Hand, die heute erhöht, 2027 wieder senken kann. Ein Geldmarktfonds mit angeschlossener Börse ist kein Wachstumsunternehmen, und wer die Aktie zum 30- oder 40-Fachen des Gewinns hält, hat das Wachstum bezahlt, das jetzt fehlt. Die zweite: Der Flickenteppich ist nicht neutral. Ohne Bundesgesetz kann die nächste Regierung ab 2029 die Behördenpraxis der aktuellen mit einem Federstrich umkehren; die Verfahren, die die SEC 2023 gegen Coinbase führte und 2025 fallen ließ, können jederzeit zurückkommen. Das ist kein verlorenes Wachstum, das ist ein Risiko auf den Bestand. Die dritte: Die Zahlen von Dienstag könnten der Anfang sein, nicht das Ende. Hedge-Positionen wurden liquidiert, aber die ETF-Abflüsse von 450 Millionen sind, gemessen an dem, was seit der Zulassung im Januar 2024 in die Bitcoin-Spot-ETFs geflossen ist, ein Rinnsal. Wenn institutionelle Anleger den Clarity Act als Bedingung für weitere Allokationen gesehen haben, kommt der eigentliche Abfluss langsamer und über Monate.

Es gibt auch ein Gegenargument in die andere Richtung, das man ernst nehmen sollte: dass der Dienstag nicht der letzte Akt war. Tillis hat den Weg zur Wiederaufnahme offengehalten, Kennedy nennt die Sitzungswochen nach der Wahl, und die 126 Änderungen sind nicht verschwunden. Sollte das Weiße Haus in der Ethikfrage nachgeben — was nach 1,4 Milliarden Dollar Kryptoeinkommen des Präsidenten unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen ist —, liegt ein fertiger Text auf dem Tisch. Für den Kurs hieße das: Die Option, die am Dienstag verfallen ist, könnte im Dezember mit geringerer Wahrscheinlichkeit neu ausgegeben werden. Wer darauf setzt, kauft eine Wette auf Washington, nicht auf ein Geschäftsmodell.

Ausblick: Zwei Uhrzeiten, die zählen

Die nächste Zahl kommt heute um 20 Uhr, wenn die Fed ihren Zinsentscheid veröffentlicht. Eine Erhöhung um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent ist eingepreist; entscheidend wird die Prognose der Notenbanker für Oktober und Dezember, für die die Terminmärkte je 45 und 30 Prozent Wahrscheinlichkeit einer weiteren Erhöhung sehen. Jeder Viertelpunkt mehr ist für Circle rund 94 Millionen Dollar im Jahr, für Coinbase entsprechend seines Anteils. Wer am Mittwochabend sieht, dass die beiden Aktien auf eine falkenhafte Fed nicht fallen, sondern stagnieren oder steigen, hat die Bestätigung der These: Der Markt bewertet sie wieder als das, was sie sind.

Die zweite Uhrzeit ist weniger genau: die vier Wochen zwischen dem 3. November und Weihnachten, in denen der scheidende Kongress noch einmal tagt. Sollte dort ein Anlauf kommen, wird er sich an derselben Frage entscheiden wie am Dienstag, und die hat mit Krypto nichts zu tun. Bis dahin gilt für Anleger die einfachere Lesart: Die Kryptobörsen haben am Dienstag nicht ihr Geschäft verloren, sondern den Preis, den der Markt für ihr zukünftiges Geschäft zu zahlen bereit war. Das Geschäft, das ihnen bleibt, bezahlt die Notenbank. Und die erhöht heute Abend.

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Daniel Herzog
AUTOR

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