Es gibt eine Regel, die jeder Bankanalyst im ersten Lehrjahr lernt: Steigende Zinsen sind gut für Banken. Sie verleihen teurer, sie zahlen ihren Sparern nur einen Teil davon weiter, die Zinsmarge weitet sich, der Gewinn folgt. Am Montag hat Brian Moynihan, der Chef der Bank of America, auf der Barclays-Finanzkonferenz in New York vorgeführt, dass die Regel eine Bedingung hat, die im Lehrbuch nicht steht. Die Gebühren aus dem Investmentbanking, sagte er, würden im dritten Quartal bei 1,6 bis 1,8 Milliarden Dollar liegen — gegenüber 2,0 Milliarden im Vorjahresquartal ein Rückgang um zehn bis zwanzig Prozent. Der Handel werde gegenüber dem Vorjahr flach ausfallen. Der Zinsüberschuss laufe „wie erwartet“, aber das Ertragswachstum werde in diesem Quartal hinter dem Kostenwachstum zurückbleiben. Die Aktie verlor 5,14 Prozent auf 59,47 Dollar, gehandelt wurden 92,6 Millionen Stück, 86 Prozent mehr als im Dreimonatsdurchschnitt.
Der Zeitpunkt macht die Zahl zur Geschichte. Am selben Montag stieg die Rendite der zehnjährigen amerikanischen Staatsanleihe erstmals seit Oktober 2023 über fünf Prozent, auf 5,014 Prozent, bevor sie zum Nachmittag auf rund 4,94 zurückfiel. Die zweijährige Rendite erreichte bei 4,68 Prozent ein neues Zyklushoch. Für die Sitzung der Notenbank am Mittwoch bepreisen die Terminmärkte mit rund 92 Prozent eine Zinserhöhung um einen Viertelpunkt auf 3,75 bis 4,00 Prozent — die erste seit 2023. Wenn das Lehrbuch recht hätte, müsste die zweitgrößte Bank der Vereinigten Staaten diese Woche gewinnen. Stattdessen war sie am Montag der schwächste Wert unter den großen Finanzhäusern: Goldman Sachs verlor 3,96 Prozent, Morgan Stanley 3,64, Citigroup 1,90, JPMorgan 1,71, Wells Fargo 1,75. Die erste Rechnung für fünf Prozent Zinsen zahlt nicht der Schuldner. Sie zahlt die Bank, die vom Schuldner lebt.
Was Moynihan gesagt hat — und was in der Zahl steckt
Der Wortlaut ist unauffällig, die Arithmetik nicht. „Flach gegenüber dem Vorjahr“ heißt im Handel: rund 5,4 Milliarden Dollar, so viel wie im dritten Quartal 2025. Im zweiten Quartal 2026, das die Bank am 21. Juli vorgelegt hatte, waren es 7,2 Milliarden — ein Plus von 33 Prozent und das siebzehnte Quartal in Folge mit Wachstum. Flach gegenüber dem Vorjahr bedeutet also minus 25 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Bei den Investmentbanking-Gebühren ist es dieselbe Rechnung: 2,1 Milliarden im Juni-Quartal, ein Plus von 50 Prozent; jetzt 1,6 bis 1,8 Milliarden, also 15 bis 25 Prozent weniger als vor drei Monaten. Moynihan hat den Vergleich mit dem Vorjahr gewählt, weil er milder klingt. Der Markt hat den Vergleich mit dem Vorquartal gerechnet, weil er die Richtung zeigt.
Der zweite Satz, der am Montag hängen blieb, war eine Selbstbeschreibung: „Wir sind in einigen der Geschäfte, in denen mehr Aktivität stattfindet, nicht so gut positioniert.“ Das ist die höfliche Fassung eines Marktanteilsverlusts. Und der dritte Satz ist der wichtigste, weil er das Problem eingrenzt: Das Finanzierungsgeschäft und das Prime Brokerage — die Kredite an Hedgefonds gegen Wertpapiersicherheiten — hätten nachgelassen, weil Investoren Risiko abgebaut hätten, vor allem in Asien. Wer die vergangenen zwei Wochen verfolgt hat, kennt die Adresse: Der Kospi, SoftBank, die Speicherchip-Hersteller. Die Bank, die diesen Kunden die Hebel gestellt hatte, verdient jetzt an ihrer Entschuldung nichts mehr.
Was Moynihan nicht gesagt hat, ist ebenso lehrreich. Er hat den Zinsüberschuss nicht angehoben. Im zweiten Quartal hatte die Bank 16,2 Milliarden Dollar Zinsüberschuss ausgewiesen, neun Prozent mehr als im Vorjahr, getragen von der Umschichtung fest verzinster Anlagen auf höhere Kupons. Bei einer zehnjährigen Rendite über fünf Prozent müsste dieser Effekt eigentlich anziehen. Dass die Bank nur „im Rahmen der Erwartungen“ sagt, heißt: Die Einlagen werden teurer, ungefähr so schnell, wie die Anlagen mehr abwerfen. Die Marge weitet sich nicht, sie hält. Und ein Geschäft, das hält, während die Kosten steigen, ist kein Gewinner.
Das Juni-Quartal war eine Ausnahme, kein Trend
Um zu verstehen, warum der Absturz so steil wirkt, muss man sehen, wie hoch die Bank im Sommer stand. 9,1 Milliarden Dollar Nettogewinn im zweiten Quartal, 27 Prozent mehr als im Vorjahr, 1,21 Dollar je Aktie, 31,6 Milliarden Dollar Erträge, ein Plus von 15 Prozent. Nichts davon war Zinsgeschäft. Der Sprung kam aus dem Kapitalmarkt, und im Kapitalmarkt kam er aus einem einzigen Ereignis: dem Börsengang von SpaceX am 12. Juni. 75 Milliarden Dollar Emissionsvolumen, der größte Börsengang der Geschichte, Ausgabepreis 135 Dollar, Schlusskurs am ersten Tag 161 Dollar. Die Gebühren des Konsortiums lagen bei rund 500 Millionen Dollar, 0,7 Prozent des Volumens — einer der niedrigsten Sätze, die je für einen Mega-Börsengang gezahlt wurden. Goldman Sachs und Morgan Stanley nahmen je rund 100 Millionen, die Bank of America, Citigroup und JPMorgan je rund 75 Millionen.
75 Millionen Dollar sind auf 2,1 Milliarden Quartalsgebühren nicht viel. Aber SpaceX war nicht allein. Das zweite Quartal war das Quartal, in dem die KI-Industrie ihre Bilanzen mit Eigenkapital füllte, in dem Absicherungsgeschäfte die Handelsbücher füllten und in dem der Volatilitätsschub vom Juli — als der KI-Handel zum ersten Mal ins Rutschen kam — noch als Kundenaktivität und nicht als Kundenflucht gebucht wurde. Die Analysten von Jefferies haben es für acht große globale Banken hochgerechnet: Der Ertragsindikator für das Investmentbanking liegt im laufenden Quartal 15 Prozent unter dem Vorjahr und 27 Prozent unter dem zweiten Quartal. Nach Dealogic ist der gesamte Markt für Investmentbanking-Gebühren auf einen Rückgang um rund zehn Prozent zugesteuert. Die Bank of America hat also nicht ein eigenes Problem angekündigt. Sie hat als Erste die Zahl gesagt, die alle haben.
Warum fünf Prozent die Gebühr zuerst treffen
Das Investmentbanking verkauft genau ein Produkt: den Zugang zu fremdem Kapital. Jede Gebühr — für einen Börsengang, eine Anleihe, eine Übernahmefinanzierung, eine Beratung — ist ein Prozentsatz einer Transaktion, deren Zustandekommen vom Preis des Kapitals abhängt. Bei einer risikofreien Rendite von fünf Prozent muss ein Börsengang einem Käufer mehr als fünf Prozent Ertragserwartung bieten, sonst kauft er die Staatsanleihe. Eine fremdfinanzierte Übernahme, die bei vier Prozent Zins rechnete, rechnet bei fünf nicht mehr. Eine Anleiheemission, die ein Schatzmeister im Frühjahr geplant hat, wird verschoben, weil er auf tiefere Kupons hofft. Der Zins, der der Bank im Kreditbuch hilft, tötet die Transaktion, die sie im Beratungsbuch brauchen würde.
Dass es diesmal so schnell geht, liegt daran, dass der Zins von zwei Seiten kommt. Die Inflation lag im August bei 3,4 Prozent, das Benzin verteuerte sich im Monat um 3,9 Prozent, weil Brent nach dem Ausfall der saudischen Ost-West-Pipeline bei 107 Dollar steht. Der Kern der Teuerung ist mit 2,4 Prozent so niedrig wie seit März 2021 nicht — aber die Notenbank erhöht gegen die Schlagzeile, nicht gegen den Kern. Gleichzeitig kauft das Finanzministerium eigene Anleihen zurück und bittet Japan, seine Verkäufe zu begrenzen, weil das Angebot an Staatspapieren den Markt überfordert. Zinserhöhung und Angebotsdruck zugleich: Das kurze Ende steigt, weil die Fed erhöht, das lange Ende steigt, weil niemand die Emissionen aufnimmt. Für eine Bank ist das die schlechteste Kombination — die Einlagen werden am kurzen Ende teurer, und die Anleihen im eigenen Bestand verlieren am langen Ende an Wert. Die Bank of America weiß das besser als jede andere: Ihr bis zur Endfälligkeit gehaltenes Anleiheportfolio trug 2023 zeitweise mehr als 100 Milliarden Dollar an unrealisierten Verlusten. Bei fünf Prozent auf zehn Jahre ist diese Rechnung wieder offen.
Die Pipeline, die es nicht gibt
Am Wochenende hatte Sam Altman gesagt, OpenAI werde 2026 nicht an die Börse gehen. Für die Wall Street war das nicht nur eine KI-Nachricht. Es war die Streichung des größten Gebührenereignisses des vierten Quartals. Ein Börsengang zu einer Billion Dollar Bewertung, selbst zu den SpaceX-Konditionen von 0,7 Prozent, hätte dem Konsortium mehrere hundert Millionen Dollar eingebracht — bei einem Emissionsvolumen, das die Emissionsstatistik des Jahres allein hätte tragen können. Goldman Sachs hatte im Sommer prognostiziert, das amerikanische Emissionsvolumen könne sich 2026 auf 160 Milliarden Dollar vervierfachen. Diese Prognose lebte von zwei Namen. Einer ist an der Börse, der andere ist jetzt ein Termin im nächsten Jahr.
Wie der Aktienmarkt bei fünf Prozent Kapital aufnimmt, hat am Montag Corning gezeigt. Der Glasfaserhersteller, einer der Lieferanten des KI-Rechenzentrumsbaus, kündigte ein Aktienverkaufsprogramm über zwei Milliarden Dollar an — kein Börsengang, keine Platzierung mit Roadshow, sondern ein sogenanntes At-the-Market-Programm, bei dem Goldman Sachs die Aktien nach und nach in den laufenden Handel gibt. Die Aktie verlor 13,7 Prozent, der schlechteste Wert im S&P 500; Coherent, Lumentum und Fabrinet fielen mit. Das ist das Kapitalmarktgeschäft im September 2026: Es findet statt, aber es findet zu Konditionen statt, bei denen die Bank kaum verdient und der Emittent teuer bezahlt. Ein At-the-Market-Programm bringt der Bank einen Bruchteil dessen, was eine Vollplatzierung einbringt — und die Verwässerung, die der Markt einpreist, macht den nächsten Emittenten vorsichtiger.
Der dritte Teil der Pipeline ist der stillste. Das Prime Brokerage, das Moynihan ausdrücklich nannte, ist das Geschäft, das im zweiten Quartal am meisten wuchs und jetzt am schnellsten schrumpft. Hedgefonds hatten den KI-Handel gehebelt — long Speicherchips, long Halbleiterausrüster, long SoftBank. Seit Seoul und Taipeh vor einer Woche zu drehen begannen, bauen sie ab. Eine Bank verdient am Hebel, nicht am Abbau. Und weil der Abbau in Asien stattfand, wo die Bank of America ohnehin kleiner ist als Goldman und Morgan Stanley, traf es sie an der schwächsten Stelle.
Wer im Sektor was zeigt
Die Kursreaktion vom Montag ist eine Rangliste der Abhängigkeit. Goldman Sachs und Morgan Stanley verloren am meisten nach der Bank of America, weil bei ihnen der Kapitalmarkt den größten Teil des Ertrags ausmacht. JPMorgan verlor am wenigsten, weil das Haus im Beratungsgeschäft im ersten Halbjahr um 36 Prozent gewachsen war und sein Auftragsbestand den Rückgang länger überbrückt. Citigroup fiel nur 1,9 Prozent, und das aus einem eigenen Grund: Das Haus hatte kurz zuvor ein Wachstum der Handelserträge im mittleren einstelligen und der Investmentbanking-Erträge im niedrigen einstelligen Prozentbereich in Aussicht gestellt. Zwei Banken, dieselbe Konferenzwoche, zwei entgegengesetzte Prognosen. Entweder Citigroup nimmt der Bank of America Marktanteile ab — was zu Moynihans Selbstbeschreibung passen würde — oder Citigroup hat die Zahl noch nicht gerechnet.
Der Auftragsbestand ist dabei das Wort, auf das alles ankommt. Goldman hatte im Juli gesagt, sein Deal-Backlog sei auf dem höchsten Stand seit fünf Jahren. Ein Backlog ist aber kein Umsatz, sondern eine Liste von Transaktionen, die zu einem bestimmten Kapitalpreis geplant wurden. Jede Zinserhöhung streicht eine Zeile aus dieser Liste. Was am Mittwoch bei der Fed beschlossen wird, entscheidet also nicht nur über die Kreditkosten von Haushalten, sondern über die Frage, wie viel von Goldmans Fünf-Jahres-Hoch im Oktober noch existiert.
Was das für Deutsche Bank, Commerzbank und die europäischen Häuser heißt
Für deutsche Anleger ist die Nachricht näher, als die Adresse Charlotte, North Carolina, vermuten lässt. Die Deutsche Bank hat am 29. Juli ihr bestes zweites Quartal der Firmengeschichte vorgelegt: 2,7 Milliarden Euro Vorsteuergewinn, 1,9 Milliarden nach Steuern, 8,5 Milliarden Euro Erträge, das zwanzigste Wachstumsquartal in Folge. Getragen hat das nicht die Filiale, sondern die Investmentbank: Ihr Vorsteuergewinn stieg um fast 60 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro, das Beratungs- und Emissionsgeschäft wuchs um 36 Prozent auf 559 Millionen Euro, der Anleihe- und Währungshandel um 16 Prozent auf 2,6 Milliarden. Die Aktie sprang auf 32 Euro, ein neues Rückkaufprogramm kam obendrauf. Das ist exakt die Ertragsmischung, die Moynihan am Montag abgeschrieben hat — nur mit einem Marktanteil in Europa von 4,1 Prozent, der bei einem Rückgang des Gesamtmarkts um zehn Prozent weniger Puffer hat als der eines amerikanischen Marktführers.
Die europäische Zinsseite ist dabei nicht besser, sondern nur kleiner. Die Europäische Zentralbank hat am 10. September zum zweiten Mal in diesem Jahr erhöht; der Einlagesatz steigt am 16. September auf 2,50 Prozent, bei einer Inflation von 3,3 Prozent im August. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe steht so hoch wie seit 2009 nicht, und der Abstand zwischen französischen und deutschen Staatsanleihen weitete sich am Montag zeitweise auf 98 Basispunkte — der höchste Schlusskurs seit der Staatsschuldenkrise liegt bei 88. Für die Commerzbank, deren Ertrag stärker am Zinsüberschuss als an Gebühren hängt, ist das kurzfristig eine Stütze; für ihr Anleihebuch ist es dieselbe Belastung wie für das der Bank of America. Barclays selbst, der Gastgeber der Konferenz, hat binnen eines Monats acht Prozent verloren, weil die europäischen Häuser im Aktiengeschäft weiter Marktanteile an die amerikanischen abgeben. Der einzige große Markt, der am Dienstag stieg, war die Schweiz — UBS profitiert davon, dass Vermögensverwaltung Gebühren auf Bestände nimmt, nicht auf Transaktionen.
Wer amerikanische Bankaktien im deutschen Depot hält, sollte zwei Dinge auseinanderhalten. Erstens die Dividende: Die Bank of America rentiert bei 59 Dollar mit 1,9 Prozent, die Ausschüttung ist bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 13,6 nicht gefährdet; die amerikanische Quellensteuer von 15 Prozent wird mit W-8BEN auf die Abgeltungsteuer von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag angerechnet, in Österreich auf die Kapitalertragsteuer von 27,5 Prozent. Zweitens den Grund für den Kauf: Wer eine amerikanische Großbank als Zinsgewinner gekauft hat, hält ein Haus, dessen Zinsmarge sich nach eigener Aussage gerade nicht weitet — und dessen Wachstumsgeschäft schrumpft.
Die Gegenrechnung
Man kann die Reaktion für übertrieben halten, und die Zahlen geben das her. Die Investmentbanking-Gebühren machen bei der Bank of America rund sechs Prozent der Erträge aus. Ein Fehlbetrag von 300 Millionen Dollar gegenüber dem Konsens von etwa zwei Milliarden entspricht einem Prozent des Quartalsertrags von 31 Milliarden. Ein Prozent Ertrag hat 20 Milliarden Dollar Börsenwert gekostet — bei 416 Milliarden Marktkapitalisierung ist das mehr als das Sechzigfache des Fehlbetrags. Der Markt hat also nicht die Zahl bepreist, sondern das Signal: dass das Quartal, in dem die Fed erhöht, für die Bank kein gutes ist.
Zweitens war Moynihan bei der Konjunktur ausdrücklich zuversichtlich: „Wir fühlen uns sehr wohl mit der zugrunde liegenden amerikanischen Wirtschaft“, Kredite und Einlagen wüchsen wie geplant. Eine Bank, deren Kreditbuch wächst und deren Ausfälle nicht steigen, hat kein Bilanzproblem, sondern ein Ertragsmixproblem. Drittens ist die Fed-Erhöhung vom Mittwoch möglicherweise die einzige: Der Kern der Inflation fällt, die Schlagzeile steigt wegen des Öls, und wenn die saudische Pipeline wieder läuft, kippt die Rechnung. Ein „einmal und Schluss“ würde den Backlog retten, den ein Zyklus zerstört. Und viertens kann Citigroups gegenläufige Prognose einfach richtig sein — dann ist der Montag eine Geschichte über die Bank of America und nicht über den Sektor.
Das stärkste Gegenargument ist aber der Vergleich mit 2023. Damals stieg die zehnjährige Rendite ebenfalls über fünf Prozent, das Investmentbanking lag am Boden, und die Bank of America verdiente trotzdem — weil die Zinsmarge den Rest trug. Der Unterschied zu heute: 2023 waren die Einlagen noch billig und die Anleihen im Bestand hatten ihre Verluste schon genommen. Heute sind die Einlagen teuer geworden, und der Verlust im Anleihebuch entsteht neu.
Was jetzt zu beobachten ist
Der erste Termin ist heute Nachmittag, wenn Doug Petno, der Co-Präsident von JPMorgan und Chef der Firmenkunden- und Investmentbank, auf derselben Konferenz spricht. Bestätigt er den Rückgang, ist die Zahl der Bank of America eine Sektorzahl; hebt er ab, ist sie ein Marktanteilsverlust. Der zweite Termin ist der Mittwoch: Erhöht die Fed und signalisiert sie mehr, streicht sie den Backlog; erhöht sie und signalisiert sie Ruhe, rettet sie ihn. Die dritte Marke ist die zehnjährige Rendite: Ein Schlusskurs über fünf Prozent, nicht nur ein Tageshoch, würde die Anleihebücher aller Banken neu bewerten. Und die vierte sind die Quartalszahlen Mitte Oktober, in denen erstmals steht, wie viel von dem, was im Juni Wachstum hieß, im September noch da ist.
Die Bank of America hat am Montag nicht gesagt, dass ihr Geschäft schlecht läuft. Sie hat gesagt, dass das Geschäft, das im Sommer den Gewinn um 27 Prozent trieb, im Herbst um ein Viertel schrumpft, während das Geschäft, das eigentlich vom Zins profitieren sollte, gerade so mithält. Das Lehrbuch hat recht: Steigende Zinsen sind gut für Banken. Aber nur für die, die Kredite verkaufen — nicht für die, die Kapital vermitteln. Und die zweitgrößte Bank Amerikas hat in den letzten drei Jahren sehr viel Geld damit verdient, das Zweite zu sein.
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